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Patrick zuckte mit den Schultern. »Meinetwegen. Wir haben ohnehin nichts Besseres zu tun.«

»Das dachte ich mir. In dreißig Minuten treffen wir sie.«

Kapitel 7

AUTEC U.S.-Navy-Rechercbe-Zentrum, Andros Island, Bahamas

Als Lieutenant Commander Walters sein Büro am Abend betrat, fand er auf seinem Schreibtisch eine Akte vor. Er setzte sich, stellte seine Kaffeetasse ab und las den gelben Notizzettel, der auf dem Aktendeckel klebte.

Wie gewünscht die Unterlagen über die Forschungsschiffe und die Walstrandungen.

CWO Parker

Walters schlug die Akte auf und studierte die Papiere.

Das kubanische Schiff war von einem nicht näher bekannten Nuño González gechartert und als Forschungsschiff deklariert worden, das allerdings dem Militär gehörte. Es war ein alter sowjetischer Kahn, der vermutlich ein bisschen modernisiert worden war. Walters fragte sich, ob das Gefährt überhaupt für reguläre maritime Untersuchungen geeignet war oder ob sich in Wahrheit ganz andere Geräte an Bord befanden. Sicherlich lohnte es sich, diese Kameraden im Auge zu behalten. Walters hoffte, dass sich kein politischer Fall hieraus entwickeln würde.

Das Schiff von Woods Hole war ein ganz anderes Kaliber. Das Flaggschiff der Flotte und mit atemberaubendem Equipment, wie er feststellen musste. Über das Ozeanografische Institut waren dem Militär die detaillierten Projektpläne einsehbar, und wenn Walters die Daten richtig interpretierte, betrieben die Europäer dort keine meeresbiologischen oder geografischen Studien, sondern suchten nach archäologischen Spuren, nach Ruinen einer untergegangenen Kultur. In drei Kilometern Tiefe! Die beiden Projektleiter waren nur in Fachkreisen bekannt, ein verstaubter englischer Geschichtsprofessor und ein französischer Ingenieur, der nicht ganz sauber zu sein schien. Ein sonderbares Paar.

Walters lehnte sich zurück und nahm einen Schluck aus seiner Tasse. Hätte es nicht den Code fünfzig in diesem Gebiet gegeben, würde er die Leute einfach ignorieren. Aber die Bestimmungen sahen vor, dass er über solche Koinzidenzen informiert wurde, und die geheimen Anweisungen, die er erst vor wenigen Wochen studiert hatte, gingen sogar noch weit darüber hinaus. Es handelte sich um ein Sperrgebiet, das so lange unbeachtet bleiben sollte, bis sich besondere Aktivitäten zeigten. Dass diese nun ausgerechnet in seine Amtszeit in AUTEC fielen, passte ihm so wenig in den Kram wie der ganze Rest der politischen Geheimniskrämerei, der er sich umso mehr ausgesetzt sah, je weiter er in der Hierarchie aufstieg. Walters war weder außergewöhnlich militant noch übertrieben ehrgeizig. Das Militär war ein ehrbarer Arbeitgeber, er nahm seinen Job ernst, und ein komplexes Netzwerk von Zuständigkeiten und Informationsbeschränkungen war selbstverständlich und notwendig. Insbesondere, da es hier nicht um bloße Betriebsgeheimnisse wie das Rezept von Coca-Cola ging, sondern um die nationale Sicherheit. Aber bisweilen, so stellte er fest, war das Militär tiefer mit der Wirtschaft und anderen Lobbys verflochten, als es sein sollte, und hielt die eigenen Interessen höher, als es der gesunde Menschenverstand nahelegte. Allzu oft entzog man sich unter dem Mantel der »Militärischen Geheimhaltung« oder der »Nationalen Sicherheit« mancher Verantwortung, und so erregte jeder Confidential- oder Top-Secret-Stempel zunehmend Walters' Argwohn.

Dies hier war so ein Fall. Was auch immer es mit dem Weißwasservorfall auf sich hatte und was auch immer das mit den beiden Forschungsschiffen zu tun haben mochte, so gab es eine Regierungsstelle, die sich dafür interessierte. Und die er nun kontaktieren musste. Das fragliche Gebiet lag innerhalb der Zweihundert-Meilen-Zone sowohl der Vereinigten Staaten als auch der Bahamas. Beide Staaten konnten hier unter bestimmten Voraussetzungen ihre Rechte geltend machen. Ein politisches Spiel. Und die Adresse, an die er sich wenden sollte, würde ihn und AUTEC hineinziehen.

Walters seufzte.

Sein Blick wanderte zum Safe, in dem sich die Anweisungen befanden. Aber er blieb sitzen. Noch nicht...

Er legte die Dokumente beiseite und zog die Untersuchungsergebnisse der gestrandeten Schnabelwale hervor, betrachtete die Fotos vom Strand und die von den pathologischen Untersuchungen aus Miami. Es war bedauerlich. Mehr als das. Auch wenn er die Details der medizinischen Protokolle nicht verstand, rührten ihn die toten Tiere an. Er erinnerte sich nicht, schon früher so sentimental gewesen zu sein. Vielleicht lag es an seinem Alter oder daran, dass sich in den letzten Jahren durch den Umgang mit seiner kleinen Tochter neue Prioritäten entwickelt hatten. Jedenfalls ließen die Bilder ihn erschauern.

Als Walters die Kurzzusammenfassung las, bestätigten sich seine Befürchtungen.

Oberflächlich betrachtet waren die Tiere an Entkräftung und Dehydrierung gestorben. Aber die Aufnahmen aus dem Kernspintomographen und die Autopsien zeigten, was tatsächlich geschehen war.

Oft strandeten Schulen von Delfinen und Walen, wenn sie einem kranken Leittier zu folgen versuchten. Hier aber waren alle Tiere gleichermaßen betroffen: Massive Blutungen im Gehirn, dem Innenohr und zum Teil den Augen wiesen auf die wahre Todesursache hin. Etwas hatte die Schule getroffen, kein natürlicher Feind und auch keine herkömmliche Waffe. Eine Energie, die in der Lage war, die empfindlichen Sinnesorgane der Meeressäuger regelrecht explodieren zu lassen.

Die Navy verfügte über eine solche Energiequelle, und sie hatte sie drei Tage vor den Strandungen eingesetzt. Das LFAS, das Niederfrequenz-Aktivsonar.

Unter Wasser war die Sicht schlecht, daher verwendete man zur Ortung von Schiffen und U-Booten Schallwellen, die sich noch dazu wesentlich besser unter Wasser als in der Luft ausbreiteten. Um eine möglichst große Fläche abdecken zu können, waren immer kräftigere Sonare entwickelt worden. Das LFAS war das am weitesten entwickelte. Es sendete Impulse mit über zweihundert Dezibel in den Ozean. Einer Lautstärke, die zweihundertfünfzigmal lauter war, als der Mensch ertragen konnte, und so machtvoll, dass das Signal noch in fünfhundert Kilometern Entfernung so laut war wie das Abfeuern eines Schusses. Tiere, die sich mithilfe des Gehörs im Meer orientierten und deren entsprechende Sinne um ein Vielfaches empfindlicher waren als die menschlichen Ohren, wurden von den Schallwellen buchstäblich innerlich zerrissen.

Die Navy hatte vor einigen Jahren eine zugegeben millionenschwere, aber halbherzige Studie unternommen und bemühte sich nun stets zu erklären, dass diese gezeigt habe, dass selbst hundertachtzig Dezibel das Verhalten von Walen nicht beeinflussen würden. Tatsächlich gab es haufenweise anderer, unabhängiger Studien, die das Gegenteil feststellten. Zwar versicherte die Navy vor jeder Aktivierung des LFAS mit einem herkömmlichen Sonar die Umgebung nach Meeressäugern zu scannen, um den Einsatz gegebenenfalls einzustellen. Tatsächlich reichte aber kein anderes Sonar so weit wie das LFAS, sodass diese Vorkehrungen in Wahrheit wenig nützten.

Es gab keine Beweise, aber alle wissenschaftlichen Indizien sprachen dafür, dass es eine unmittelbare Verbindung zwischen dem Einsatz des Niederfrequenz-Aktivsonars und den Strandungen gab. Das LFAS tötete, und Walters, als Kommandant der AUTEC-Basis, war dafür verantwortlich.

Doch solange nichts bewiesen war und solange man die Autopsien in militäreigenen Einrichtungen vornehmen und die Ergebnisse unter Verschluss halten konnte, würde nichts den künftigen weltweiten und dauerhaften Einsatz des LFAS verhindern. Und somit war auch klar, wie die offizielle Stellungnahme von AUTEC zu diesem Vorfall aussehen würde.

Walters beruhigte sich mit dem Gedanken, dass diese Technologie im Ernstfall vielleicht Gefahren abwenden, Kriege verkürzen, Menschenleben retten konnte und dass dies schwerer wog als ein paar gestrandete Tiere. Aber er konnte immer weniger daran glauben.