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»Verdammt«, entfuhr es dem Kapitän, der den Computer bediente, um einen Überblick über das vollständige kartografierte Gebiet zu bekommen. »Sentry muss eine Störung haben.« Einige Augenblicke später war in starker Verkleinerung die gesamte Fläche zu sehen, die der Roboter bisher abgearbeitet hatte. Deutlich war zu erkennen, dass alle Aufnahmen im letzten Drittel unbrauchbar waren. John schüttelte den Kopf. »Wir müssen den Scan abbrechen«, erklärte er. »Mit Ihrem Einverständnis, selbstverständlich. Aber wir verschwenden jetzt nur noch Zeit. Wir müssen ihn hochholen und vielleicht reparieren. Eine Fernwartung ist nicht möglich. Wenn wir Sentry verlieren, dann verdoppeln sich mal eben die Kosten des ganzen Projekts.«

»Weshalb sollten Sie ihn verlieren?«, fragte Kathleen.

»Die Software könnte abgestürzt sein und den Roboter zwischen die Felsen lenken. Oder der Tiefenmesser liefert falsche Daten und lässt ihn auf den Boden prallen... Möglichkeiten gibt es genug.«

»Er hat recht«, sagte Patrick. »Holen Sie ihn hoch.«

John tippte einige Befehle in den Computer.

»Sehr gut«, sagte er dann. »Es funktioniert, er kommt rauf. Ich hatte schon befürchtet, er würde vielleicht nicht mehr reagieren... Hm... alle Sensoren liefern einwandfreie Daten... Es muss also ein Defekt am Sonar sein.«

»Was ist mit den Fotos?«, fragte Patrick. »Sie sagten, Sentry würde in regelmäßigen Abständen Nahaufnahmen machen. Sind die etwas geworden?«

John wechselte in ein anderes Programm. »Gut möglich, ja, es sind andere Systeme, die die Aufnahmen machen. Vielleicht haben wir auch ein Bild von den merkwürdigen Quadern.«

Auf dem Monitor öffnete sich ein Mosaik miniaturisierter Fotos, jeweils mit einer Bildunterschrift, in der eine Nummer, Datum, Uhrzeit und weitere Daten standen. Vermutlich waren das Informationen über die Position und die Tiefe. John wählte das erste der Bilder, woraufhin es sich fast bildschirmfüllend vergrößerte. Wie nicht anders zu erwarten bestand es überwiegend aus schwarzen Flächen. Allein das vom Scheinwerfer oder Blitz angestrahlte Stück Meeresboden war erhellt, wenn auch weitestgehend farblos. Zu den Rändern hin wurde es vollkommen dunkel. Mithilfe der Tastatur blätterte John durch die Fotos. Sandboden, Steine und ab und zu ein kleiner leuchtend weißer Fisch oder eine Krabbe waren alles, was es zu sehen gab. Sie hatten rund zwanzig Bilder betrachtet, als auf einem die gradlinigen Kanten eines unbekannten Objekts erschienen. Es musste einer jener Klötze sein, die sie entdeckt hatten und von dem man auf dem zufälligen Foto nur einen Teil sehen konnte. Die Oberfläche war dunkel, fast schwarz, und nahezu vollkommen glatt. Weder waren Spuren von Erosion noch Verkrustungen wie von Seepocken oder Korallen daran zu erkennen.

»Ist das aus Metall?«, fragte Peter.

»Schwer zu sagen«, meinte Patrick. »Es könnte ein polierter Stein sein. Sehen Sie, wie es dort ein wenig glänzt? Oder vielleicht ein Kunststoff. Auf jeden Fall in gutem Zustand. Entweder es ist ungeheuer widerstandsfähig, oder es liegt noch nicht sehr lange da unten. John, haben wir noch mehr davon?«

John zeigte die nächsten Bilder. Noch mehr dunkle Quader tauchten auf. Sie unterschieden sich nur geringfügig in ihren Ausmaßen und in ihrer Form, und alle bestanden aus dem gleichen Material. Doch keiner zeigte besondere Merkmale.

»Sehen Sie mal!«, rief Patrick. »Dort, wo der Klotz im Sand liegt. Fällt Ihnen etwas auf?«

»Nein, was meinen Sie?«

»Die Dinger liegen tatsächlich noch nicht lange dort. Sie ragen nicht aus dem Sand, so als seien sie gerade erst freigespült, und es hat sich auch kein Sediment über ihnen angesammelt.

Stattdessen liegen sie alle auf dem Boden. Und diese Vertiefungen um die Blöcke herum, das sind regelrechte kleine Krater, so, als sei der Sand erst kürzlich durch den Aufprall weggeschleudert worden!«

»Also doch eine Fracht, die über Bord gegangen ist?«

»Das denke ich nicht«, sagte John. »Wenn Sie aus dreieinhalbtausend Metern zwei Objekte direkt nebeneinander ins Meer werfen, dann taumeln sie auf dem Weg nach unten unkontrolliert durchs Wasser, auch wenn es solche Brocken wie diese sind. Es wäre ein großer Zufall, wenn sie so dicht beieinander landen würden. Wahrscheinlicher wäre, dass sie aus einem Schiff stammen, das hier in der Nähe gesunken ist. Dann könnten sie auf dem Weg nach unten oder beim Aufprall herausgefallen sein.«

»So oder so«, meinte Patrick, »nach einer untergegangenen Stadt sieht es jedenfalls nicht aus. Tut mir leid, Peter... Na, vielleicht können wir ja mit Jason in den nächsten Tagen noch bessere Fotos machen oder sogar eine Probe holen.«

»Das entscheiden Sie«, sagte der Kapitän. »Die genaue Position kennen wir jetzt und können auch später wieder hierher zurückkehren. Sehen wir uns noch die restlichen Bilder an.«

Zwei weitere Fotos brachten keine neuen Erkenntnisse, doch als John das dritte aufrief, stockte den Forschern für einen Moment der Atem. Das Bild leuchtete förmlich auf. Ein goldgelber Schein strahlte dem Auge der Kamera entgegen. Es war die Oberfläche einer rechteckigen Platte, die auf einem der Quader befestigt war.

Peter runzelte die Stirn. »Ist das...«

»Gold«, sagte Patrick trocken.

»Ein Schatz!«, rief Kathleen aus.

»Da sind Zeichen auf der Platte«, bemerkte Peter und bemühte sich trotz seiner Erregung um einen ruhigen Tonfall. »John, ist es möglich, diese Zeichen besser hervorzuholen? Hat ihr Computerprogramm dazu irgendeine Funktion?«

»Vielleicht, wenn ich etwas an der Helligkeit und am Kontrast verändere...« Der Kapitän bediente einige Knöpfe und Regler mit dem Mauszeiger. Gebannt verfolgte Peter, wie sich der Schein der Platte erst dämpfte und sich dann die Konturen der darauf befindlichen Zeichen deutlicher abzeichneten.

In mehreren Reihen untereinander verliefen ordentlich gezeichnete Symbole, die entfernt an Hieroglyphen erinnerten. Abstrakte, geometrische Zeichen wechselten sich mit Darstellungen von organischen Formen ab, buchstabenähnliche Symbole folgten Abbildungen von Tieren, Wolken oder Gesichtern. Die Zeichen waren allesamt gleich hoch und breit. Sie standen dicht gedrängt, sodass die ganze Anordnung auf den ersten Blick wie ein einziges großes Muster aussah.

»Das ist fantastisch«, sagte Peter. »Es ist eine Schrift! Mit großer Sicherheit. Die Ähnlichkeit zu der Gestaltung der Glyphen der Maya ist frappierend. Aber es sind vollkommen andere Zeichen. Es ist nichts, was ich jemals zuvor gesehen habe! Können Sie mir das Bild ausdrucken?«

»Aber natürlich.«

»Gibt es noch mehr Fotos?«, fragte Patrick, während der Drucker ansprang.

»Leider nein«, erklärte John. »Das ist das letzte, das Sentry geschossen hat. Hier ist die Uhrzeit, es ist keine fünf Minuten alt. Danach haben wir abgebrochen.« Er lehnte sich über den Tisch, zog den Ausdruck aus einem Drucker und reichte Peter das Papier. »Bitte. Ich hoffe, Sie können damit etwas anfangen. Wenn Sie erlauben, möchte ich mich jetzt mit den Technikern besprechen, die sich den Roboter gleich ansehen sollen. Den morgigen Tag planen wir am besten nach dem Abendessen. Einverstanden?«

An Bord der Libertad, etwa zehn Seemeilen südlich der Argo