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González trat durch die Tür der Brücke und suchte Manuel, der mit einem Kaffee auf seinem erhöhten Drehstuhl saß und den TV Guide durchblätterte.

»Und? Hat es geklappt?«

Manuel sah auf und zuckte mit den Schultern. »Das lässt sich von hier aus schwer sagen.«

»Dann check verdammt noch mal deine Mails! Vielleicht hat er uns schon geschrieben.«

Manuel legte die Zeitschrift weg, stand auf und bediente einhändig den Rechner, der in einer Ecke der hinteren Kartenablage der Brücke stand.

»Kannst du nicht wenigstens den Becher wegstellen und so tun, als ob es dich interessiert?!«, herrschte González ihn an.

»Calma, amigo. Die Welt wird nicht untergehen, wenn wir es zwei Minuten später erfahren. Außerdem, was könnten wir sonst tun?«

»Das überlege ich mir, wenn es so weit ist.«

Inzwischen hatte der Kapitän sein E-Mail-Programm gestartet. »Tatsächlich, ja, eine neue Mail.«

»Nun?«

»Na also! Er schreibt, dass sie die Untersuchung abgebrochen haben und ihre Sonde wieder hochholen!«

»Vielleicht bloß, weil sie etwas gefunden haben?«

»Nein, hier steht, dass die Techniker einen Defekt untersuchen sollen.«

»Ah, dann hat es funktioniert. Hervorragend! Und du bist sicher, dass sie nicht herausfinden, dass wir es waren?«

»Keine Chance. Ihr Sonar horcht auf die reflektierten Schallwellen. Durch unser Niederfrequenzsonar haben wir eine viel größere Leistung und können von hier aus ihren ganzen Empfang zu Brei verwandeln. Das ist, als ob man nachts mit einer Taschenlampe in ein Fußballstadion geht und plötzlich schaltet jemand das Flutlicht an. Mit dem Unterschied, dass sich in unserem Fall nicht herausfinden lässt, was die Quelle dieser Störung ist. Und ihr Radar reicht nicht bis hierher.«

»Sicher?«

»Ja doch! Das kann man ausrechnen. Wir kennen alle technischen Daten der Argo.«

González wandte sich ab. »Gut.«

»Du hast mir noch nicht gesagt, wie es weitergehen soll«, sagte der Kapitän. »Die Untersuchungen zu stören ist eine Sache. Aber du willst doch selbst tauchen. Willst du etwa so lange hier warten, bis sie verschwinden?«

»Wenn es sein muss! Wir wissen immerhin, dass sie die Argo nur für zwei Wochen gechartert haben, also müssen sie ja spätestens dann abhauen. Und wenn wir sie früher verjagen können, umso besser.«

»Und das ist dein ganzer Plan?« Manuel lachte auf.

González funkelte den Kapitän an. »Jetzt hör mal gut zu. Ich habe diesen Kahn gechartert, und ich weiß, was ich tue. Und vor allen Dingen muss ich dir nicht alles erklären.«

»Sicher.« Manuel verzog den Mund. »Du bist der Boss.«

González nickte, trat einen Schritt zurück und legte die Arme auf den Rücken. »Richtig. Ich bin der Boss. Und der Boss will jetzt einen Drink!« Er grinste. »Kommst du mit?«

An Bord der Argo

»Irgendwie fühle ich mich unwohl, wenn sie dabei ist«, meinte Patrick und streckte sich auf einem Sessel aus. Er und Peter hatten je eine der komfortableren Kabinen bezogen, die den Projektleitern vorbehalten waren. Der Professor saß am Schreibtisch. Vor ihm lag der Ausdruck der goldenen Platte aus der Tiefe, und neben ihm lagen Fachbücher, einige auf Stapeln, andere aufgeschlagen.

»Das sagten Sie bereits«, entgegnete er in einem beiläufigen Tonfall. Und übergangslos fuhr er fort: »Die Zeichen gleichen keiner mir bekannten Schrift. Ganz offenbar sind es weder Glyphen der Maya noch der Ägypter. Aber ich habe auch keine Ähnlichkeit mit Symbolen der nordamerikanischen Indianerstämme gefunden. Auch die Piktogramme auf dem ungeklärten Diskos von Phaistos, von denen man nicht einmal sicher ist, ob sie überhaupt eine Schrift darstellen, sind anders... Es ist faszinierend.«

»Vielleicht ist es ja auch gar keine Schrift?«

»Auch wenn es kein Text, sondern nur ein Kalender oder eine Rechentabelle wäre, sollte man zumindest die Zeichen schon einmal gesehen haben, wissen, welcher Kultur sie angehören.«

»Ja, aber das ganze Ding könnte auch ein Scherz sein, oder nicht? Oder etwas anderes Neuzeitliches, was weiß ich, Spielzeug oder Teile einer Filmkulisse, die hier versunken sind. Irgendwas, das gar keine Bedeutung hat und das vor allem auch nicht sonderlich alt ist. Ich meine, die Blöcke liegen unversehrt auf dem Boden. Die sehen ja nun nicht gerade aus, als würden sie schon seit Jahrhunderten oder sogar Jahrtausenden vor sich hin gammeln.«

Peter sah zum Franzosen hinüber. »Sie versuchen mit allen Mitteln, meinen Enthusiasmus zu dämpfen.«

»Ich spiele nur den Anwalt des Teufels.«

»Wozu? Etwas anderes haben wir im Augenblick nicht, und bis der Roboter repariert ist, sollten wir die kostbare Zeit nicht ungenutzt lassen. Ich für meinen Teil setze daher voraus, dass es eine Schrift ist, ein Zeugnis einer vergangenen Kultur, und ich bemühe mich, mit dieser Prämisse zu arbeiten.« Peter kniff die Augen ein wenig zusammen. »Vielleicht kommt es Ihnen töricht vor, aber immerhin arbeite ich an unserem Projektziel und suche nicht nach Gründen, mich zurückzulehnen.«

»Ups, der hat gesessen«, sagte Patrick, wirkte aber nicht sonderlich betroffen.

»Statt also dort zu sitzen, könnten Sie mir vielleicht behilflich sein.«

Patrick erhob sich mit einem Lächeln. »Aber klar doch. Schießen Sie los.«

»John hat erzählt, dass alle Rechner auf dem Schiff Zugang zum Internet haben. Können Sie den Computer dort drüben entsprechend einstellen?«

»Sie?!« Patrick hielt inne. »Sie wollen ins Internet?«

Peter bedachte den Franzosen mit einem herablassenden Blick, der nicht ganz so lässig ausfiel, wie er gedacht war, sodass Patrick auflachen musste.

»Ist ja schon gut«, brachte er hervor. »Moment.« Dann machte er sich am Rechner zu schaffen.

»Es gibt ein paar Quellen, die ich mir ansehen möchte«, erklärte Peter. »Ich konnte ja nicht meine ganze Bibliothek mitnehmen.«

»Also, legen Sie los«, sagte Patrick, als er fertig war. »Da fällt mir ein... stört es Sie, wenn ich selbst auch einen Kontakt aktiviere? Gérard, ein alter Kollege von mir. Ist selbst Kryptologe und kennt sich mit Schriftsystemen und Verschlüsselungen aus. Der wird keine alten Kulturen oder Sprachen identifizieren können, aber er kann analysieren, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass es sich überhaupt um eine Sprache handelt, oder ob es eher eine zufällige Zeichenfolge ist.«

»Wie sollte das funktionieren?«, fragte Peter.

»Es gibt wohl mathematische Gesetzmäßigkeiten, denen Sprachen folgen, fragen Sie mich nicht nach Details. Jedenfalls ist es anscheinend möglich, bestimmte Modelle anzuwenden, um Muster zu erkennen, die wiederum auf eine Sprachfamilie hindeuten. Das funktioniert natürlich nicht, wenn der Text einer vollkommen fremdartigen Syntax folgt und noch dazu stark verschlüsselt ist. Dann hat man wirklich Pech.«

»Ich zweifle, dass man damit hätte Hieroglyphen entziffern können.«

»Sicher, entziffern nicht. Aber man hätte mit Gewissheit herausfinden können, dass es sich nicht um Ornamente handelt, sondern tatsächlich um ein logisches Schriftsystem.«

»Nun, dann probieren Sie es aus«, sagte der Professor. »Aber denken Sie daran, dass Ihr Kollege uns Verschwiegenheit garantieren muss. Ist er vertrauenswürdig?«

»Wenn nicht, dann hätte ich schon einige Male häufiger im Knast gesessen, glauben Sie mir.« Er grinste.

Peter hob eine Augenbraue. »Etwas, das Sie mir erzählen möchten?«

»Nein, eigentlich nicht.«

Peter lächelte und schüttelte den Kopf. »Ist vermutlich auch besser so.« Er setzte sich an den Computer. »Nun, danke jedenfalls für die Hilfe hier. Und: Ja, fragen Sie ihn ruhig, schaden wird es vermutlich nicht.«