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»Als hätte jemand den Boden asphaltiert«, sagte Kathleen zögerlich und erinnerte zum ersten Mal daran, dass sie die ganze Zeit im Hintergrund dabeigestanden und immer wieder gefilmt hatte.

»Mir kommt es eher wie eine Teerpfütze vor«, sagte Peter. »John, Patrick, ist so etwas möglich? Hier unten?«

»Teer oder Öl wäre leichter als Wasser«, erinnerte Patrick. »Es würde an die Oberfläche steigen und nicht hier unten bleiben. Außerdem liegt nicht ein einziges Sandkorn darauf, sehen Sie genau hin!«

»Dick, können Sie Jason näher darüber manövrieren?«

Jason folgte Dicks Steuerbefehlen und schwebte kurz darauf über der schwarzen Fläche. Als er das Auge der Kamera nach unten senkte und die Scheinwerfer dem folgten, verschwand das Bild auf dem Monitor plötzlich.

»Was ist denn jetzt los?«, fragte John aufgebracht. »Dick, eine Fehlfunktion?«

»Nein... tut mir leid«, gab der Techniker nervös zurück und bediente einige Hebel seiner Kontrolleinheit. »Es funktioniert alles einwandfrei... Sehen Sie, ich kann die Messdaten einblenden.« Tatsächlich erschienen auf dem schwarzen Bildschirm einige Zahlen. »Druck, Temperatur, Tiefe, Gyroskop, alles stimmt. Jason misst einen Abstand von einem Meter dreiundfünfzig vom Boden.«

»Aber warum zum Teufel bekommen wir kein Bild?!«

»Ich weiß es nicht...«, sagte Dick, der an den Steuerknüppeln hantierte. »Vielleicht, wenn ich das Pitching ändere und Jasons Nase hochziehe... auch nichts...«

»Drehen Sie den Roboter«, sagte Patrick.

»Wie bitte?«

»Drehen Sie ihn so, dass die Kamera wieder in Richtung der schwarzen Blöcke gerichtet ist, in die Richtung, aus der wir gekommen sind.«

Der Techniker befolgte die Anweisungen, und kurz darauf erschien das vertraute Bild der auf dem Sand liegenden Quader.

»Tatsächlich!«, sagte Dick. »So geht es. Da sieht man etwas. Aber diese Fläche...«

»Ich weiß, was es ist«, sagte der Franzose. Alle Augen wandten sich ihm zu.

Peter hob eine Augenbraue. »Denken Sie...?«

»Ja«, sagte Patrick. »Es ist dasselbe Phänomen.«

»Wovon sprechen Sie?«, erkundigte sich John. »Wissen Sie, was hier vor sich geht?«

»Es ist ein strahlenabsorbierendes Medium«, erklärte der Franzose. »Wir können kein Bild empfangen, weil Lichtstrahlen zu einhundert Prozent hindurchwandern und nicht reflektiert werden, weder von der Oberfläche noch von dem, was dahinter liegt. Sie werden vollständig verschluckt, deswegen empfangen wir auch nichts.«

»So etwas gibt es nicht«, wandte Dick ein. »Wie soll das funktionieren? Das wäre ja eine perfekte Stealth-Technologie.«

»Das habe ich schon einmal gehört...«, sagte Peter halblaut.

»Ja, stimmt, Dick«, sagte Patrick. »Das wäre es. Und nein, niemand weiß, wie es funktioniert. Aber der Professor und ich, wir haben so etwas schon einmal gesehen. Oder jedenfalls so etwas Ähnliches.«

John sah ihn an. »Klären Sie uns auf?«

»Wir hatten eine Höhle entdeckt, deren Zugang auf diese Weise gesperrt war. Weder Licht noch Strom konnten die Schwelle passieren. Die Schwärze verschluckte sogar die Wellen unseres Echolots, weswegen wir keine Tiefenmessung vornehmen konnten. Hier scheint es sich anders zu verhalten, zumindest wirft die Fläche die Signale von Jasons Sonar zurück, sodass wir eine Entfernung messen können. Nach allem, was wir erlebt haben, würde ich mich aber nicht darauf verlassen, dass dieser Boden tatsächlich ein Boden ist.«

»Wie meinen Sie das?«

»Wenn das wirklich der Meeresboden wäre, dann wäre er niemals so eben und so frei von Sand oder Geröll. Mein Tipp ist, dass das hier nur eine Grenzschicht ist. Sie verbirgt etwas. Sie wirkt nur so, als sei sie solide, aber in Wahrheit ist sie durchlässig!«

AUTEC U.S.-Navy-Recherche-Zentrum, Andros Island, Bahamas

Der Samstag neigte sich dem Ende zu. Es würde noch lange hell sein, aber Walters' Uhr zeigt kurz vor fünf. Nur weil irgendwelche Schlipsträger aus Maryland von ihm verlangten, auch am Wochenende täglich ein Update über die Schiffe draußen im Atlantik zu schicken, musste er es ja nicht gleich übertreiben. Er würde für heute Schluss machen. Es war ohnehin nichts los in der Basis, Teufel, normalerweise wäre er gar nicht hier, die Leute würden ohne ihn zurechtkommen. Er konnte den Rest des Abends genauso gut in Andros Town verbringen und es sich dort in einer Bar mit Blick aufs Wasser gemütlich machen.

Walters setzte sich an seinen Rechner und rief die heutigen Reports und Überwachungsdaten auf, die alle Abteilungen an ihn weiterleiteten. Beide Schiffe hatten ihre Position in den letzten vierundzwanzig Stunden nicht verändert, lagen nur etwa zehn Seemeilen voneinander entfernt. Gerade so weit, dass sie sich nicht gegenseitig auf dem Radar sehen konnten. Vielleicht war das von den Kubanern beabsichtigt, aber das war natürlich nur eine Vermutung.

Wie schon am Abend zuvor sichtete er kurz die Daten.

Von den Kubanern schien keine nennenswerte Aktivität auszugehen, was erstaunlich war. Vielleicht hatte man dort technische Probleme? Oder man wartete auf einen bestimmten Zeitpunkt. Wie auch immer, es gab nur einigen E-Mail-Verkehr, ein bisschen Internet-Gesurfe und eine Skype-Verbindung.

Anders sah es auf dem anderen Schiff aus.

Neben der üblichen Kommunikation waren die Geräte an Deck in Betrieb genommen worden, man hatte eine Sonde oder einen Roboter abgesenkt, und umfangreiche Daten waren aus der Tiefe gesendet worden. Außerdem war ein massives aktives Sonar eingesetzt worden. Zu welchem Zweck auch immer.

Walters fragte sich, auf welche Weise seine Techniker das alles herausfinden konnten. Die Satelliten-Technik wurde offenbar immer ausgefeilter, die Methoden, um Bilder, Strahlen und Signale zu interpretieren ebenfalls, die genaue Funktionsweise für ihn immer mysteriöser.

Sei es, wie es sei. Vielleicht wurde er auch einfach zu alt für diesen Job, die ganze Technik, das sich gegenseitig Belauschen, die ganzen Geheimnisse. Er verfasste eine E-Mail an die Kontaktadresse des CSS und sendete das Update mit den zahlreichen Anhängen ab.

Dann sah er sich etwas unschlüssig um. Im Grunde war er fertig für heute. Er stand auf, kratzte sich an der Wange, schob ein paar Papiere zusammen und legte sie zurück in den Posteingangskorb, räumte zwei Stifte in eine Schublade und nahm schließlich seine Kaffeetasse, um sie in die Küche zu bringen. Beim Hinausgehen rückte er die Stühle seines kleinen Besprechungstisches zurecht. Als er nach einiger Zeit zurückkam, war der Bildschirmschoner seines Rechners angesprungen und zeigte das AUTEC-Logo. Walters wackelte an der Maus, damit die Benutzeroberfläche wieder sichtbar wurde und tippte sein Passwort ein, um den Zugriff freizuschalten. Dabei sprang ihm eine neue E-Mail ins Auge, die mit einem roten Ausrufezeichen markiert war. Als er sie öffnete, bemerkte er, dass sein Programm eine automatische Empfangsbestätigung auslöste. Offenbar war es dem Absender wirklich dringend.

Betreff: Code-50 / Weißwasser-Überwachung

Mit Berufung auf § 13 II, FRL, werden Sie hiermit aufgefordert, die der Überwachung unterliegenden Projekte unverzüglich einstellen zu lassen. Eine gerichtliche Verfügung für Sie ist dieser E-Mail beigefügt. Alle Projektunterlagen sind Top Secret zu handhaben und unserer Behörde auszuhändigen.

Unternehmen Sie alle notwendigen Schritte im Rahmen Ihrer Verfügungsgewalt. Ich erwarte Ihre Rückmeldung ASAP.

MAJ Stephen Lewis

NSA, Fort Meade, MD

Walters verdrehte die Augen. Etwas in dieser Art hatte er befürchtet, seit sich ein Code ereignet hatte und er den Safe deswegen hatte öffnen müssen. Verdammt, er war Lieutenant Commander, kein geringer Offizier, und Standortleiter der AUTEC-Basis. Trotzdem war er für Leute aus dem CSS oder der NSA lediglich ein Erfüllungsgehilfe. Ohne ein Wort der Erklärung verfügten die Herrschaften über seine Zeit und schrieben ihm vor, was er zu tun hatte.