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Peter sah mit einem Anflug von Verärgerung auf und holte Luft, als der Franzose ihm schon das Wort abschnitt. »Ja, ist ja gut, nichts kaputt machen!«

»Recht so«, sagte Peter und wandte sich wieder den Ausdrucken zu.

»Da ich hier vermutlich nicht weiterhelfen kann, werde ich die Daten nach Frankreich schicken, wenn es Ihnen recht ist. Vielleicht kann Gérard damit jetzt mehr anfangen.«

»Gérard? Erzählten Sie nicht, dass er in den nächsten Wochen nicht da sei?«

»Richtig, aber er schreibt, dass seine Assistentin uns helfen könnte.«

»Assistentin?« Peter hob eine Augenbraue.

»Warum nicht?«

»Nichts. Versuchen Sie meinetwegen Ihr Glück. Aber bedenken Sie, dass wir absolute Verschwiegenheit benötigen. Je mehr Unbekannte wir einbinden, umso riskanter ist es.«

»Ich vertraue auf Gérard. Bei seinem Job kann er es sich nicht leisten, Personen zu beschäftigen, die nicht vertrauenswürdig wären.«

Wenig später saß Patrick an seinem eigenen Rechner und sendete die Bilder der Platten an Gérard, oder vielmehr an Marie, die die Mails lesen und vielleicht beantworten würde.

Da die Daten für eine einzige E-Mail zu umfangreich waren, verschickte er sie in mehreren Schüben, und als er gerade bei der dritten E-Mail war, fand er bereits eine Antwort auf die erste im Posteingang vor.

Salut, Patrick,

mein Name ist Marie, ich arbeite für Gérard, er hat dir schon angekündigt, dass ich versuchen werde, euch zu helfen.

Vielen Dank für die Bilder. Sie sehen wirklich sehr spannend aus! Habt ihr noch mehr? Und kannst du mir nichts über die Herkunft und das Alter sagen? Ich freue mich, euch helfen zu können. Melde mich morgen oder sobald ich etwas herausgefunden habe.

Cordialement,

Marie

Sehr eifrig, dachte Patrick. Immerhin musste es in Frankreich bereits Mitternacht oder später sein. Eigentlich sollte dort schon längst niemand mehr im Büro sitzen. Er zuckte mit den Schultern und erweiterte die letzte seiner Mails um ein paar Zeilen über die Hintergründe des Projekts. Er erwähnte nicht, dass sie Atlantis suchten, erklärte aber, dass die Funde aus dreitausendfünfhundert Metern Tiefe aus dem Atlantik östlich von Florida stammten, dass es sich vermutlich um eine unbekannte seefahrende Kultur handle, die möglicherweise älter war als die ägyptische, und dass sie untersuchten, ob diese Kultur nicht vielleicht alle späteren nachhaltig geprägt habe. Auf diese Weise konnte Marie vielleicht eher eine Sprachverwandtschaft ableiten.

Die E-Mail hatte sich kaum mit ihrem großen Anhang durch die Leitung gequält, als bereits eine Antwort auf seine zweite Mail vorlag.

Noch mehr Bilder, sehr schön...

Wo habt ihr die nur her? Was ist das große Geheimnis?

Habt ihr Atlantis gefunden? ;-)

Salut!

Patrick verzog den Mund. Dieser flüchtige Witz könnte Marie gemeinsam mit den näheren Informationen aus seiner letzten Mail vielleicht etwas zu schnell auf die richtige Spur setzen... Ob das so schlau war? Ach, was soll's, dachte er dann. Schließlich sollte sie ihnen ja auch helfen, und er war sich sicher, dass sie keine Geheimnisse ausplaudern würde.

Außerdem: Wenn schon das amerikanische Fernsehen von ihnen berichtete und Kathleen Pressemitteilungen verschickte, wie geheim war ihr Projekt da überhaupt? Und war das wichtig?

Kapitel 10

AUTEC U.S.-Navy-Recherche-Zentrum, Andros Island, Bahamas

Die Basis zeigte sich am Sonntagmorgen ähnlich ausgestorben wie jedes gewöhnliche Firmengelände. Nur eine Stammbesetzung an Wachleuten war dort sowie eine Handvoll Soldaten und zivile Angestellte, die keine Zeit oder kein Interesse hatten, am Wochenende zu ihren Familien zu fahren.

Die Gänge in Walters' Trakt waren menschenleer. Was für eine elende Zeitverschwendung, heute hier zu sein, dachte er. Er hatte bereits mit seiner Frau telefoniert. Sie wollte mit Sarah und zwei ihrer Freundinnen in einen Wasserpark fahren, während er zusehen musste, wie er sich den Tag um die Ohren schlagen würde. Walters erledigte seinen Job stets gewissenhaft, es gab keine liegengebliebenen Arbeiten, keine Ablage, nichts für ihn zu tun. Aber er musste anwesend und erreichbar sein. Und er sollte die beiden Schiffe kontaktieren und zum Abbruch ihrer Tätigkeiten aufrufen. Gestern Abend hatte er versucht, nicht weiter darüber nachzudenken, aber heute musste er tätig werden.

Er schaltete das Licht in der kleinen fensterlosen Kaffeeküche an und suchte die Filtertüten, etwas, um das er sich üblicherweise nicht selbst kümmern musste. Er zuckte mit den Schultern. Vielleicht tat ihm das auch mal ganz gut. Außerdem brachte er vielleicht selbst endlich mal einen besseren Kaffee zustande als die Kollegen. Nachdem er die Maschine vorbereitet und eingeschaltet hatte, entschloss er sich, zunächst joggen zu gehen, bevor er sich in sein Büro begeben und sich über erneute E-Mails ärgern würde.

Kurz darauf verließ er die Basis und nahm denselben Weg wie zwei Tage zuvor, entlang der Straße und dann hinunter zur Küste. Auf dem Pfad oberhalb des Wassers entdeckte er in einiger Entfernung die Silhouette des groß gewachsenen Mannes, den er auch am Freitag hier getroffen hatte. Walters, der an diesem Morgen eigentlich nicht in der Stimmung war, sich mit irgend]emandem zu unterhalten, stellte überrascht fest, dass es ihn nicht störte, im Gegenteiclass="underline" Es machte ihn neugierig, den Mann tatsächlich wieder hier anzutreffen.

»Guten Morgen, Lieutenant Commander«, grüßte ihn der Weißbärtige.

Walters blieb stehen. »Guten Morgen... Sir?«

»Gabriel.«

Walters fragte sich, wie der Mann hierhergekommen war. Zu Fuß? Im Anzug? Hatte er ihn bewusst abgepasst? »Wohnen Sie auf Andros?«

»Nur zeitweilig. Ich war lange Jahre unterwegs, aber es zieht mich immer wieder hierher, ans Meer. Es erinnert mich an meine Jugend. Und daran, dass alles im Fluss ist.« Gabriel blickte hinaus aufs Wasser. Dann deutete er unbestimmt auf den Horizont. »Wenn Sie ganz genau hinsehen, werden Sie bemerken, dass Sie von hier aus sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft schauen können. Das Meer ist in ständiger Veränderung, niemals identisch und doch immer gleich. Es war bereits vor unserer Zeit hier und wird lange nach uns noch hier sein. Sie sehen es so, wie es schon zu Urzeiten ausgesehen hat und wie Ihre Urenkel es einmal sehen werden. Es kümmert sich nicht um uns und unsere kleinen Belange.«

Walters sah ebenfalls auf den Ozean, folgte dem Gedanken. Mit wenigen Worten hatte der Mann erneut etwas in ihm angerührt, als sei er in besonderer Weise erfahren im Umgang mit Worten. Walters sträubte sich, einem fremden Menschen auf diese Weise Gehör zu schenken, aber er konnte nicht umhin, zuzugeben, dass er Gabriel gegenüber trotz aller Skepsis zugleich eine eigentümliche Vertrautheit empfand. Es stimmte, der Ozean in seiner Weite und urtümlichen Kraft strahlte etwas Erhabenes aus.

»Im Grunde ein etwas deprimierender Gedanke«, hörte Walters sich sagen. »Man fühlt sich unbedeutend.«

»Ja. Zunächst ja. Aber wenn Sie es näher betrachten, kann es Sie größer machen.«

Walters dachte darüber nach, versuchte zu verstehen, was der Mann meinte, bemühte sich um einen anderen Blickwinkel. Doch es gelang ihm nicht. Das Meer, so viel größer als alles Land zusammen, so unergründlich wie der Mond, so unbeugsam, unbezähmbar und Jahrmillionen alt. Da stand er als kleiner Mensch an irgendeiner Küste, und seine Bedeutung war nicht größer als die eines Sandkorns.