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»Dann erzählen Sie mir doch einfach, um was es geht.«

»Die großen Lehrmeister der östlichen Lehren würden nun antworten: ›Ich kann Ihnen nur die Tür zeigen, hindurchschreiten müssen Sie allein‹.«

Walters wollte etwas erwidern, aber Gabriel hob eine Hand und sprach weiter. »Ich weiß, Sie möchten keine weiteren Belehrungen hören. Aber tatsächlich steckt in diesen uralten Überlieferungen eine große Weisheit, wie sie uns heute erst durch den Vergleich mit der Quantenphysik verständlich wurde: Heute wissen wir, dass es Dinge gibt, die wir nicht präzise messen können, da sie so empfindlich sind, dass unsere Methoden, sie zu messen, zugleich ihren Zustand ändern würden. Und genauso ist es hier: Indem ich Ihnen im Detail erzähle, um was es geht, füge ich diesem Sachverhalt etwas hinzu, verändere ihn. Für Sie würde sich mit meinen Worten Ihr Eindruck von mir mischen, was auch immer Sie von mir halten, von den Gründen, die ich haben könnte, Ihnen dies oder jenes zu erzählen – all dies würde Ihre Wahrnehmung verändern, und Sie könnten die Dinge nicht neutral sehen. Daher müssen Sie selbst auf die Suche gehen, selbst Antworten finden. Nur dann wird es zu einer Erfahrung, nur dann können sie vollkommen aus sich selbst heraus Entscheidungen treffen.«

Walters verdrehte die Augen. Etwas Ähnliches hatte er befürchtet. Leere Worte, und wahrscheinlich wusste der Alte selbst nicht, was Sache war. Außerdem....

»Also, wenn Sie schon extra meinetwegen hierherkommen«, sagte er, »dann muss Ihnen die Sache doch wichtig sein. Dann kann es Ihnen doch nicht egal sein, wie ich entscheide.«

Gabriel nickte lächelnd. »Sie haben ganz recht. Aber ein Fluss lässt sich nicht aufhalten. Man kann nur ausreichend Steine hineinwerfen, um seinen Weg zu verändern.«

»Was soll das nun wieder heißen?«

»Es heißt, dass Sie Ihre Entscheidung alleine treffen müssen.«

»Jetzt bin ich genauso schlau wie zuvor.«

»Keineswegs«, antwortete Gabriel, »keineswegs.«

An Bord der Argo

»Es gibt ein Problem, Gentlemen«, sagte der Kapitän, trat zu Peter und Patrick und legte zwei ausgedruckte Seiten vor sie auf den Frühstückstisch.

Schiffscontainer statt Ruinen

Atlantis-Forscher finden Müll

So titelte die Online-Ausgabe des Miami Herald. Zwei Fotos bebilderten den Artikel. Eines zeigte die Argo, offenbar ein Archivbild, das andere war eine Unterwasseraufnahme, auf der einige der schwarzen Blöcke zu sehen waren, die Jason gefilmt hatte.

»Das darf doch nicht wahr sein!«, rief Patrick aus. »Wie kommt dieses Bild in die Zeitung?! Das kann ja wohl nur auf das Konto dieser Reporterin gehen!«

»Fragen wir sie doch einfach«, sagte Peter und deutete zur Tür, wo Kathleen gerade auftauchte.

»Guten Morgen«, grüßte sie die Männer.

»Können Sie sich das erklären?«, forderte Patrick und schlug mit der flachen Hand auf die Ausdrucke.

Kathleen überflog die Zeilen. »Ich... ich weiß nicht, was ich sagen soll. Damit habe ich nichts zu tun!«

»Auf irgendeine Weise sind die Bilder von Jason an die Medien gelangt«, sagte John.

»Ich habe keine Bilder weitergegeben!«, entrüstete sich die Journalistin. »Peter, Sie haben meine Pressemitteilung doch gelesen. Was könnte ich mit einer solchen Kampagne auch bezwecken?«

»Haben Sie das gelesen?«, fragte Patrick und deutete auf einige Zeilen des Textes. »Wer das geschrieben hat, weiß nicht nur genau, was wir bisher unternommen haben, er kennt auch unsere Position.«

Peter nickte. »Und macht uns zum Gespött...«

»Es muss jemand hier an Bord sein, niemand sonst wüsste so genau Bescheid. Vielleicht auch jemand aus Ihrer Crew, John.«

»Das sind harte Anschuldigungen«, gab der Kapitän zurück. »Ich verbitte mir diese Unterstellungen!«

»Dennoch muss ich Patrick beipflichten«, sagte Peter. »Die Quelle ist mit Sicherheit auf diesem Schiff zu suchen.«

»Ich bin genauso schockiert wie Sie«, erklärte Kathleen, »das müssen Sie mir glauben!«

»Es gibt nur einen Weg, wie diese Bilder das Schiff verlassen haben können«, sagte Patrick. »Und zwar über das Computernetzwerk. Über die Logs der Server und Ihrer Firewall sollte sich herausfinden lassen, welche externe Kommunikation gestern stattgefunden hat. Sie haben doch eine Firewall, John?«

»Ja, natürlich...« Der Kapitän nickte zögerlich. »Ich werde alles Nötige veranlassen. Sollte jemand auf diesem Schiff gegen die Verschwiegenheitsvereinbarungen verstoßen haben, müssen wir ihn sofort identifizieren, bevor noch mehr Schaden angerichtet wird.«

»Kann ich Sie dabei unterstützen?«, fragte Patrick.

John winkte ab. »Nein, auf keinen Fall, danke. Das bekommen wir selbst in den Griff.«

»Und Ihre Pressemitteilung?«, fragte der Franzose nun an Kathleen gerichtet. »Haben Sie damit wenigstens irgendetwas erreicht?«

»Nun ja... von einer Veröffentlichung unserer Meldung habe ich nichts im Internet gefunden. Aber sie war natürlich auch erheblich weniger aufregend als dieser Beitrag hier.« Sie deutete auf die Ausdrucke. »Allerdings habe ich eine Anfrage für ein Interview bekommen. Von einem Radiosender, Coast to Coast AM.«

»Diese Leute haben mir in Nassau eine Visitenkarte in die Hand gedrückt«, erinnerte sich Peter.

»Wenn wir anfangen, Interviews zu geben«, erklärte Kathleen, »können wir diesen Stimmen, die Sie lächerlich machen möchten, etwas entgegensetzen.«

»Dann müssen wir aber auch Substanz bieten«, sagte Patrick. »Wir können nicht alle Fragen nur mit heißer Luft beantworten. Ich halte es für ein bisschen zu früh, um sich auf so etwas einzulassen. Und sonderlich viel gebe ich auf die Wirkung dieses Artikels hier ohnehin nicht. Was die da draußen plappern, ist mir herzlich egal. Viel problematischer ist die Tatsache, dass da jemand an unsere Daten gekommen ist.«

»Dem stimme ich zu«, sagte Peter. »Ich schlage vor, wir ignorieren den Artikel. Außerdem lehnen wir die Interviewanfrage ab. Kathleen, es wäre schön, wenn Sie bei nächstbester Gelegenheit eine erneute Pressemitteilung verfassen. Um zu demonstrieren, dass wir vorankommen und dass wir nichts verheimlichen. John, Sie versuchen, in der externen Kommunikation von gestern etwas Verdächtiges zu finden, soweit das möglich ist.«

»Ich werde sofort alles veranlassen«, sagte der Kapitän. »Wir verschieben die Untersuchung der Scans aus der Nacht um eine halbe Stunde.« Damit stand er auf und verließ den Raum.

Kathleen setzte sich nun zu ihnen an den Tisch, nahm ihre Brille ab und faltete sie zusammen. »Ich weiß, dass Sie mir nicht trauen, Patrick.« Dabei sah sie den Franzosen mit schief gelegtem Kopf an, doch der erwiderte ihren Blick nur starr und mit verzogenem Mund.

»Ich wünschte«, sagte sie nach einer Weile, »ich könnte Ihnen beweisen, dass ich vollkommen auf Ihrer Seite stehe und Ihnen helfen möchte. Dass ich nichts mit diesem Vorfall zu tun habe.«

Patrick sagte noch immer nichts.

»Ich kann Sie ja verstehen«, setzte sie noch einmal an. »Ich würde an Ihrer Stelle genauso denken.«

Ein kurzes, bewusst künstliches Grinsen war alles, was sie als Reaktion erhielt.