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»Das gefällt mir an Ihnen! Dass Sie Dinge nicht kategorisch ablehnen... Es lässt Raum für viele Möglichkeiten, viele Antworten. Vielleicht sogar solche, die Ihnen jetzt noch völlig undenkbar scheinen.«

Peter sah die Frau einen Moment lang prüfend an. »Haben Sie da etwas Bestimmtes im Sinn?«

»Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, ob Sie nicht auf der Spur eines regelrechten Schöpfers sind? Dass nicht nur unsere Kultur, sondern auch das Leben selbst geschaffen worden ist?«

»Kathleen, wir reden hier über Zeiträume von einigen zehntausend Jahren. Nicht über Jahrmillionen oder den Urknall.«

»Wissen Sie denn, was Sie am Ende Ihrer Suche erwartet?«

Peter kniff die Augen zusammen. »Ich habe nicht vor, mich auf dieses hochspekulative Gebiet vorzuwagen.«

Kathleen winkte ab. »Sicher. Es war auch nur eine Frage.« Sie stand auf. »Wie auch immer, ich werde mich also um die nächste Pressemeldung kümmern.«

Sie trafen sich im Labor. John saß bereits vor dem Rechner und rief die Daten auf, die Sentry in der Nacht gesammelt hatte. Beim flüchtigen Durchgehen auf niedrigster Zoomstufe war bereits zu erkennen, dass der Scan dieses Mal ohne Störungen abgelaufen war, die Sonde funktionierte einwandfrei.

Der Kapitän vergrößerte den Bereich in der Nähe der schwarzen Blöcke. Nun war zu erkennen, dass es sich um ein Trümmerfeld ungeheuren Ausmaßes handelte, das sich offenbar auch noch über den kartografierten Bereich hinaus erstreckte. Besonders interessierte sie jene Stelle, die unter dem Kameraauge von Jason nur als schwarze Fläche erschienen war. John bewegte den Bildausschnitt dorthin.

»Genau wie ich vermutete hatte«, sagte Patrick. Die Sensoren von Sentry maßen hier ein Profil, so spiegelglatt wie ein Fußboden aus poliertem Marmor. »Das kann unmöglich natürlichen Ursprungs sein. Sehen Sie die Zahlen? Nicht ein Zentimeter Abweichung im gesamten Bereich. Ich sage Ihnen: Das ist kein fester Boden. Das ist nur eine Trennschicht. Eine Flüssigkeit anderer Dichte, eine Strahlung oder was auch immer. Perfekt horizontal und vollkommen eben.«

»Es gibt natürliche Trennschichten in der Tiefsee«, erklärte John. »Wasser mit höherem Salzgehalt, höherer Dichte, anderer Temperatur. Wir haben schon Effekte beobachtet, die wie Pfützen, Flüsse oder ganze Seen aussahen, die auf dem Meeresboden liegen. Aber erstens bewegen sie sich, und zweitens sind sie nicht schwarz!«

»Ja«, stimmte Patrick zu, »und deswegen ist das hier künstlich erzeugt.«

»Ich bitte Sie!«, sagte John. »Wer oder was sollte in dieser Tiefe etwas erzeugen? Es gibt weltweit nur eine Handvoll russische und japanische Boote, die überhaupt in diese Tiefe vordringen können.«

»Wie Patrick schon erwähnte«, warf Peter nun ein, »kennen wir ähnliche Phänomene aus unseren letzten Projekten. Bisher haben wir noch keine wissenschaftliche Erklärung dafür, aber Tatsache ist, dass wir schon andere Energiefelder mit mysteriösen Eigenschaften gefunden haben, die allem Anschein nach deutlich älter waren als alle uns bisher bekannten Kulturen. Diese Fläche hier passt in das bisherige Bild. Ich stimme Patrick zu: Allem Widersinn zum Trotz handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um eine künstliche Barriere, die etwas tiefer Liegendes verbirgt.«

John schüttelte seufzend den Kopf. »Und was wollen Sie damit sagen?«

»Wir müssen hinunter«, antwortete Patrick. »Mit Jason. Wir müssen versuchen, die Schicht zu durchqueren, und feststellen, was darunter liegt. Es ist die einzige Möglichkeit.«

»Ich kann mein Equipment nicht riskieren. Sie haben keine Vorstellung davon, wie teuer die Entwicklung von Jason war.«

»Es wird schon nichts passieren«, sagte Patrick. »Wenn Sie möchten, dass wir Garantien unterzeichnen, gerne. Aber wir haben nicht endlos viel Zeit. Nun sind wir schon hier, haben erste Artefakte gefunden, also müssen wir auch weitermachen, oder wir können das ganze Projekt abblasen.«

Peter stand auf und legte dem Kapitän in ungewohnt eindringlicher Weise eine Hand auf die Schulter. »Er hat recht, John. Wir stehen vor einer bahnbrechenden Entdeckung. Mit der wissenschaftlichen Analyse dessen, was auf uns wartet, werden wir so viel Aufsehen erregen, dass Sie vermutlich zehn neue Roboter gesponsert bekommen könnten.«

John atmete tief ein. Dann nickte er. »Gut. Schicken wir Jason runter.«

»Ihnen ist klar, dass die Schwelle möglicherweise problematisch wird«, sagte Peter zu dem Franzosen, als sie kurz darauf alleine waren. »Wenn ich Sie an die Höhle im Languedoc erinnern darf...«

»Ich weiß«, sagte Patrick. »Aber wir wissen ja nicht, ob sich diese Schwelle hier ebenso verhält.«

»In Frankreich war die Schwärze undurchdringlich für Strahlen. Und Elektrizität!«

»Ja, aber dort war es anders. Dort wurde alles verschluckt.

Hier aber reflektiert die schwarze Schicht immerhin das Sonar. Sie ist also andersgeartet.«

»In der Höhle mussten wir unsere Sonde am Kabel zurückziehen, weil sie hinter der Schwelle jeden Kontakt verlor«, erinnerte Peter. »Stellen Sie sich vor, was mit Jason passieren könnte, wenn er hier in ähnlicher Weise unkontrollierbar wird!«

»Ja doch«, gab Patrick mit zusammengebissenen Zähnen zurück. »Aber es ist ein Risiko, das wir eingehen müssen.«

»Wir sollten John davon informieren.«

»Eine wunderbare Idee. Es gäbe keinen schnelleren Weg, alles abzubrechen.«

Peter antwortete nicht.

Die Meldung, dass Jason den Boden des Ozeans erreicht hatte, kam, während sie beim Mittagessen saßen.

Patrick, ganz entgegen seiner üblichen Leidenschaft für ausgedehnte Mahlzeiten, sprang geradezu von seinem Stuhl auf. »Los geht's, Kollegen!«

Wenige Minuten später trafen sie im Kontrollraum des ferngesteuerten Roboters zusammen. Dick saß bereits vor der Steuerkonsole.

»Sind alle Geräte online, schneiden wir alles mit?«, fragte Patrick.

»Es ist alles vorbereitet«, gab der Pilot zurück.

Patrick warf einen Blick auf den Monitor, der mit den nun vollständigen Daten des Bodenprofilscans gefüttert war. Jason befand sich nur knapp zehn Meter von der schwarzen Fläche entfernt. Sie setzten sich. Auch Kathleen, die ihre Ausrüstung dieses Mal nicht dabeihatte, nahm sich einen Stuhl, und dann gab Patrick Anweisungen, den Roboter in Bewegung zu setzen.

Der Boden glitt sanft unter ihnen hinweg. Schnell hatten sie den Sandboden überquert und stießen an die Grenze, wo sich die nachtschwarze Schicht ausbreitete. Dick hielt den Roboter an und sah Peter und Patrick erwartungsvoll an.

»Wenn unsere Vermutungen zutreffen«, sagte Patrick, »dann ist diese schwarze Schicht substanzlos, erzeugt durch eine Art unbekannter Strahlen. Darunter befindet sich einfach nur weiteres Wasser. Der Boden macht mir allerdings an dieser Stelle nicht den Eindruck, als würde er hier plötzlich steil abfallen. Ich würde also vorschlagen, dass wir Jason noch ein gutes Stück weiter nach vorn schicken, fünfzig oder hundert Meter, vielleicht mehr. Und dort senken wir ihn langsam ab.«

»Absenken?!«, fragte Dick. »In das schwarze Zeug?«

»Es ist kein Zeug«, korrigierte Patrick. »Es ist einfach nur Wasser. Vertrauen Sie mir.«

Dick sah unentschlossen zum Kapitän, der ihm schweigend zunickte.

Dick drehte sich wieder seinen Anzeigen zu und bediente die Steuerknüppel. Jason fuhr weiter, und einen Augenblick später umgab sie die Dunkelheit, als das Kameraauge des Roboters keine Daten mehr empfing. Lediglich die Messwerte der Position und der Höhe ermöglichten ihnen eine Orientierung. Es ging nur langsam voran, da Dick nicht wagte, mit vollem Schub zu fahren. Der minutenlange Blindflug war nur schwer erträglich und machte ihnen ihre vollkommene Hilflosigkeit deutlich. Nur Dick war in der Lage, den Roboter auf einem geraden Kurs zu navigieren, ohne sich von der fehlenden Optik irritieren zu lassen.