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»Das sind zwar schöne Worte, aber in Wahrheit beeinflussen Sie mich doch bereits seit Tagen!«

»Natürlich. Das ist der quantenphysikalische Effekt, den ich das letzte Mal bereits erwähnte. Ich treffe mich mit Ihnen, wir reden, und schon das beeinflusst Ihr Handeln. Ich bemühe mich allerdings nur um eine Bewegung, nicht um eine Richtung.«

Als Walters eine halbe Stunde später frisch geduscht wieder in seinem Büro saß, nahm er den Stapel Telefonnotizen in die Hand, blätterte sie durch, entdeckte überall denselben Namen und schob den ganzen Packen in den Schredder seines Papierkorbs.

Dann startete er sein E-Mail-Programm, überflog die als dringend markierten Nachrichten, die er von der NSA bekommen hatte, und löschte sie.

Dann verfasste er eine kurze Antwortmail. Er sei bisher beschäftigt gewesen und bekäme die Nachrichten erst jetzt, er bedanke sich für die Hinweise auf die Dringlichkeit der Angelegenheiten und werde sich »asap« um den Vorgang kümmern.

Er wusste, dass er Fort Meade mit dieser Unverbindlichkeit auf die Palme bringen würde. Aber diese Leute hatten ihn um sein Wochenende gebracht, und nicht zuletzt deswegen freute es ihn gerade diebisch.

An Bord der Argo

Peter nahm das leichte Schwanken zum ersten Mal richtig wahr, als er die Treppe nach oben stieg. Als er kurz darauf an Deck stand, grüßte ihn ein makellos blauer Himmel, aber das Meer war in Bewegung, rollte in breiten Wellen unter dem Schiff hindurch.

»Da sind Sie ja«, rief Patrick, der an der Reling stand. In der Hand hielt er ein Fernglas und reichte es Peter. »Hier, sehen Sie mal. Wir haben Besuch.«

Peter nahm das Fernglas entgegen und sah damit in die Richtung, die der Franzose ihm wies. Dort lag ein Schiff. Und es war weder ein Fischerboot noch ein Ausflugsdampfer oder Frachter. Es war ähnlich gebaut wie die Argo, mehrstöckig und mit verschiedenen Antennen und Kränen ausgestattet. Und es war ein gutes Stück größer als die Argo.

»Eine Art Forschungsschiff«, erklärte Patrick. »Fährt unter kubanischer Flagge.«

»Was wollen die hier?«

»Vielleicht haben sie aus der Presse Wind von uns bekommen. Wir sollten uns dringend mit John besprechen. Außerdem will ich wissen, was er über den Saboteur herausgefunden hat.«

»Es ist die Libertad«, erklärte John beim Frühstück. »Wir sind heute Morgen mit dem Dingi etwas näher herangefahren und haben sie uns angesehen. Ein ehemals sowjetisches Forschungsschiff, nun im Besitz der Kubaner und offenbar generalüberholt und modernisiert. Mit einer Hubschrauberlandeplattform, einem massiven Kran und vermutlich U-Booten an Bord. Nicht unähnlich der russischen Keldysb.«

»Haben Sie Kontakt aufgenommen?«, fragte Peter.

»Wir haben es versucht, aber außer höflichen Begrüßungsfloskeln erhalten wir keine weitere Auskunft.«

»Können sie uns den Fund streitig machen?«

»Um hier zu sein und hier forschen zu dürfen, benötigen sie erst einmal nur eine Genehmigung wie wir auch«, erklärte der Kapitän. »Das können wir nicht prüfen.«

»Verdammt«, meinte Patrick. »Sie dürfen uns nicht zuvorkommen. Wenn die besser ausgerüstet sind als wir...«

»Wir haben außerdem unseren Vorteil verloren«, gab Peter zu bedenken. »Die bisherigen Fotos und der Bodenprofilscan, den wir als Karte verwendet haben – das alles ist verloren, richtig?«

»Ganz so schlimm ist es nicht«, sagte John. »Wir haben Glück im Unglück. Zum einen haben wir von den Bildern der Platten jeweils Ausdrucke. Außerdem haben Sie alle Bilder mit Schriftzeichen per E-Mail verschickt, richtig? Diese Rechner sind nicht mit dem internen Netzwerk verbunden und daher nicht von den Viren betroffen. Die Daten befinden sich noch in Ihrem Ordner mit gesendeten Nachrichten. Außerdem hat der Empfänger sie ja bekommen. Die DVD mit den Filmdaten, die wir gestern auf den Rechner in Ihrer Kabine überspielt haben, existiert auch noch. Und zuletzt: Gestern Nacht haben wir ja Sentry noch einmal abtauchen lassen. Wir haben ihn durch die Trennschicht geschickt und den darunterliegenden Bereich gescannt. David hatte zuvor ein neues, virenfreies System aufgesetzt, diese Daten sind also sicher.«

»Das ist schön und gut«, sagte Patrick, »löst aber noch nicht das Problem, dass wir einen Saboteur an Bord haben.«

»Nein. Aber es gibt einen Verdacht.«

»Tatsächlich?«

»Ich habe noch keine Beweise. Aber zusammen mit David stellen wir ihm eine Falle. Wenn er wieder aktiv wird, werden wir es sofort erfahren.«

»Das ist alles?!«, fragte Patrick. »Wenn er wieder aktiv wird? Und was ist mit dem, was er bis jetzt schon angerichtet hat?«

»Ich vermute, dass die Störungen in direktem Zusammenhang mit dem kubanischen Schiff stehen«, erklärte John mit gedämpfter Stimme. »Aber dieser Vorwurf ist viel zu heikel, als dass man ihn ohne Belege vorbringen könnte. Jedenfalls deutet einiges darauf hin. Im Übrigen wäre die Libertad auch technisch in der Lage, unser Sonar vor ein paar Tagen gestört zu haben. Bis wir Näheres wissen, sollten wir aber so fortfahren wie bisher. Allein schon, um keine Zeit zu verlieren.«

Peter nickte. »Ich denke, John hat recht. Wir können uns keine Verzögerungen leisten. Am besten, wir sehen uns das Material von Sentry gleich genau an und entscheiden dann, wie wir weiter vorgehen.«

»Wer hätte das gedacht«, sagte Patrick, als sie wenig später im Labor zusammengetroffen waren und die Karte betrachteten, die das Computersystem aus den Bodenprofilscans zusammengesetzt hatte. Sentry war ziemlich genau dort abgetaucht, wo auch der ferngesteuerte Roboter Jason durch die schwarze Trennschicht gestoßen war. Von dort aus hatte er sich selbstständig und systematisch durch das Gebiet bewegt und den Untergrund kartografiert. Es war nur ein Teil, denn sie wussten nicht, wie weit sich die schwarze Fläche in alle Richtungen noch erstreckte, aber aus dem, was sie sahen, ließ sich bereits erahnen, dass hier womöglich eine ganze Welt verborgen lag.

Vom Rand der Schwärze an fiel der Meeresboden rapide ab. Der Untergrund war zerklüftet, voller Felsnadeln und kleiner Plateaus, aber im Ganzen stürzte der Boden mehrere hundert Meter in die Tiefe, so als würde man sich über den Rand eines Canyons oder die Gipfel eines Gebirges bewegen. Sentry war nicht weit genug gekommen, um den tatsächlichen Boden ausloten zu können, am äußeren Rand seines Erfassungsbereichs maß er bereits eine Tiefe von über siebenhundert Metern unterhalb der Trennschicht, und das Gelände war dort noch immer steil abschüssig.

»Auf diesem Bild hier sieht man das Gelände im Querschnitt«, erklärte John und deutete auf einen anderen Monitor.

»Die Strukturen unterhalb sind völlig andere als in dem Bereich, den wir bisher für den Meeresboden gehalten hatten«, sagte Patrick. »Als ob ab hier der Boden weggebrochen und alles nach unten gerutscht wäre.«

»Und die schwarze Fläche liegt wie ein Deckel darüber«, meinte Kathleen, die sich ihnen wieder angeschlossen hatte.

»Peter hat mir erklärt, dass der Meeresboden unter Atlantis aufgerissen ist und dieses Stück beim Zusammenschieben der Kontinentalplatten unter die anderen gedrückt wurde.«

»Zitieren Sie mich bitte nicht falsch. Es ist nur eine von vielen Theorien«, verbesserte der Professor.

»Aber es sieht doch so aus, oder nicht?«

»Die Hälfte unserer Zeit ist schon fast rum«, sagte Patrick. »Jetzt, wo wir eine Karte des Gebiets haben, sollten wir möglichst schnell mit dem U-Boot runter, finde ich, und nicht noch einmal mit dem Roboter. Außerdem müssen wir uns wegen der Kubaner beeilen.«