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»Meine Güte!«, zischte Peter der Reporterin halblaut zu. »Was ist das denn für eine Frage?!«

»Bleiben Sie einfach Sie selbst«, gab sie beruhigend zurück.

»Sehen Sie«, begann Peter nach einem Augenblick, »als Junge habe ich einmal auf die Frage, was zwei plus zwei sei, geantwortet: ›Ich glaube: vier.‹ Nun, die Antwort kam mit einer Backpfeife. Ob ich es denn nun wüsste oder nicht – ich sei schließlich nicht im Religionsunterricht. Ein Wissenschaftler sollte per definitionem wissen und nicht glauben. Ich weiß so vieclass="underline" Dass man Gott weder beweisen noch widerlegen kann. Daher kann ich sagen: Nein, ich glaube nicht an Gott. Ebenso wenig, wie ich glaube, dass zwei plus zwei vier ergibt. Letzteres weiß ich. Gott allerdings bleibt ein Rätsel, denn man kann Gott nicht wissen, sondern nur glauben. Und vielleicht ist es auch gut so. Denn der Geschichte nach sind Adam und Eva bereits einmal für ihr Bestreben, das absolute Wissen zu erlangen, bestraft worden.«

Peter spürte, wie Kathleen mit ihrer Hand auf sein Bein klopfte. »Gut! Das war gut!«, raunte sie ihm erfreut zu.

»Wir haben noch einen Anrufer«, sagte Jerry. »Frank Meyer aus Seattle in Washington. Bitte Frank, stellen Sie dem Professor Ihre Frage.«

»Guten Abend, Professor Lavell. Sie haben es eben selbst gesagt, es geht hier um eine Zeit lange vor der Bibel, lange vor den Ägyptern. Denken Sie, dass es möglich wäre, dass diese atlantische Kultur der Ursprung von allem ist? Dass sie die Schöpfer von allem waren, was später kam?«

Peter hob die Augenbrauen und blies seine Backen auf. Wieder sah er zu Kathleen, die ihn einfach nur aufmerksam betrachtete. Was sollte man auf so eine Frage antworten? Die Bewohner von Atlantis als Schöpfer? Und wovon? Von allem? Dem Himmel und der Erde?

»Ich bin nicht sicher, ob ich verstehe, was Sie genau meinen«, sagte Peter schließlich. »Können Sie Ihre Frage spezifizieren?«

»Es geht mir um die Evolution«, erklärte der Anrufer. »Wir wissen heute, dass vieles, was die althergebrachte Evolutionstheorie zu erklären versucht, nach dem Stand der Wissenschaft nicht mehr haltbar ist. Die postulierten spontanen Mutationen, die nötig wären, um völlig neuen Arten zu schaffen, kommen nicht vor. Außerdem gibt es das Problem der nicht reduzierbaren Komplexität kleinster funktionstüchtiger Organe. Ihnen ist das sicher alles bekannt. Führende Wissenschaftler sind sich einig, dass der Evolutionsprozess initiiert und gesteuert gewesen sein muss, dass alles einem intelligenten Designplan folgt. Denken Sie, dass dies von den Bewohnern von Atlantis ausgegangen sein könnte?«

Peter zögerte. Es war immer wieder erstaunlich, welchen absurden Ideen die Leute bisweilen folgten. Er hoffte nur, dass nicht noch weitere Anrufer dieser Art in der Leitung waren.

»Zugegeben, wir haben Hinweise gefunden, dass diese Kultur technisch weit fortgeschritten gewesen ist«, sagte er. »Allerdings, wie weit auch immer sie entwickelt gewesen sein mag: Einen Einfluss auf die Evolution könnte sie nur gehabt haben, wenn man gleichzeitig annimmt, dass die Evolution nicht bereits seit mehreren Millionen Jahren im Gange ist, sondern erst vor zehntausend Jahren begonnen hat.«

»Aber unter dieser Prämisse halten Sie es für denkbar?«

Peter verdrehte die Augen, entschloss sich aber, sich höflich herauszureden. »Ich kann keine Voraussagen über die Details dessen machen, was wir erst noch herausfinden müssen. Aber ich lehne keine Idee kategorisch ab. Nur das ermöglicht es uns, unbefangen neue Zusammenhänge zu entdecken.«

»Tja, unsere Zeit ist leider um«, hakte nun der Moderator ein, und Peter atmete auf. »Es war enorm spannend, Ihnen zuzuhören, und noch spannender wird es zu erfahren, was Sie noch finden werden. Professor Lavell, ich danke Ihnen – auch im Namen unserer Zuhörer – für dieses Gespräch! Seien Sie versichert, dass wir Ihre Forschung weiter verfolgen werden.«

»Ich bedanke mich für Ihr Interesse«, gab Peter zurück, und kurz darauf klang Musik aus dem Lautsprecher des Computers. Das Radioprogramm lief weiter. Jerry war allerdings noch am Hörer.

»So, das ist doch gut gelaufen, Professor. Ich hoffe, es hat Ihnen gefallen.«

»Aber ja doch. Vielen Dank für die Einladung.«

»Gerne. Richten Sie Miss Denver einen schönen Gruß von mir aus, vielleicht ist sie ja gerade bei Ihnen. Und lassen Sie es mich wissen, wenn Sie Atlantis gefunden haben. Ich mache gerne eine Exklusivsendung über Sie, wenn es so weit ist.«

»Vielen Dank. Ich weiß das zu schätzen. Miss Denver setzt sich gegebenenfalls mit Ihnen in Verbindung. Bis bald.«

Peter nahm das Headset ab, und Kathleen bediente einige Knöpfe am Rechner, mit denen sie das Programm ausschaltete.

»Das war wirklich großartig, Professor!«, sagte sie und legte ihre Hand auf seinen Oberschenkel. »Man könnte Ihnen stundenlang zuhören. So ein ungeheures Wissen. Und Sie können sich so elegant ausdrücken.«

Peter stand ungelenk auf. Auch, um ihre Hand loszuwerden. Zwar mochte er die Wärme, die von ihr ausging, aber irgendwie war ihm die Berührung danach peinlich und unangenehm. »Nun, vielen Dank. Ich habe mein Bestes getan.«

»Man merkt, dass Sie es gewohnt sind, vor vielen Leuten zu sprechen.«

»Nur die Fragen waren etwas... merkwürdig.«

»Ja, fanden Sie?«

»Ob man in Atlantis an Gott geglaubt hat! Ob die Atlanter die Evolution gesteuert hätten! Also wirklich...« Er schüttelte den Kopf.

»Haben Sie noch nie daran gedacht?« Sie stand auf, stellte sich vor ihn und legte den Kopf ein wenig schief. »Sie beschäftigen sich doch auch mit Religionsgeschichte. Sicher kennen Sie die ganzen Theorien darüber, dass Berichte aus dem Altertum auf den Kontakt mit höher entwickelten Wesen zurückzuführen sind. Die Geschichten über Engel, über die Cherubim, die Geschichten von Hesekiel... Könnte es nicht wahr sein? Nicht nur die jüdische Mystik ist voll davon. Es gibt ähnliche Beschreibungen in so vielen andern Kulturen! Und sind Sie nicht selbst gerade auf der Spur des möglichen Ursprungs der Sintflutlegenden, die es weltweit gibt?«

Er lächelte sie an. Nicht nur, weil sie ihn mit so großen Augen ansah, sondern weil sie ihn so schlau umgarnte. »Sie versuchen, mich mit meinen eigenen Waffen zu schlagen.«

»Aber Peter!« Sie lächelte zurück und trat noch näher an ihn heran. »Welche Chance hätte ich da gegen Sie...«

Peter fühlte, wie sich Kathleens Arm federleicht um seine Hüfte legte.

»Das ist etwas irritierend...«, murmelte er.

Sie lachte leise auf und zog ihn ganz sanft an sich heran. »Ich irritiere Sie? Was soll ich da erst sagen?«

»Die Fragen«, stieß er hervor. »Die Fragen meine ich.« Er trat einen Schritt zurück und zog sie mit sich. »Die waren... irritierend. Und ich denke nicht...«

»Ja... ?«

Er umfasste ihr Handgelenk hinter seinem Rücken und schob ihren Arm beiseite. »Ich glaube nicht, dass das richtig ist, Miss Denver. Kathleen.«

»Aber ich dachte...« Sie ließ ihren Arm sinken und setzte eine Miene auf, die zwischen Brüskiertheit und Enttäuschung schwankte.

»Bitte verstehen Sie mich nicht falsch!«, bemühte sich Peter zu erklären. »Ich weiß Ihr Wohlwollen durchaus zu schätzen. Aber ich denke einfach nicht... also, ich meine... Jedenfalls vielen Dank.«

Kathleen sah ihn einen Moment lang schweigend an, während sich ihre Gesichtszüge zunehmend verhärteten. »Also dann«, sagte sie schließlich, »nachdem das geklärt wäre... Bis später!« Damit drehte sie sich um, verließ den Raum und ließ Peter perplex zurück.

Patrick stand am Heck des Schiffes und beobachtete die Vorbereitungen. Die weiß lackierte Form des U-Boots stach wie ein übergroßer, gestrandeter Belugawal zwischen den Deckaufbauten hervor. Alvin wurde gerade richtig positioniert, sodass er mit dem ausladenden Kran über Bord gehievt werden konnte. In einiger Entfernung diskutierte Susan mit zwei Männern der Besatzung. Sie trug bereits ihren Tauchanzug, dessen Oberteil wie schon beim letzten Mal noch geöffnet um ihre Hüften baumelte. Sie macht eine verdammt gute Figur, überlegte Patrick. Aber vermutlich war sie tatsächlich ein Wildfang, und er musste sich eingestehen, dass er für solche Spielchen langsam zu alt wurde. Oder vielleicht auch zu abgeklärt. Seit er sich vor einigen Tagen Gedanken über Stefanie gemacht hatte und das, was ihn an ihr fasziniert hatte, war sein jungenhaftes Interesse an Susan verblasst.