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Wasser schlug ihm ins Gesicht. Entsetzt rang er nach Luft, bewegte sich nach vorn und spürte sogleich, wie er gegen etwas prallte, das ihn zurückstieß.

Patrick riss die Augen auf. Prustete. In seinem Blickfeld erschien die Gestalt eines Mannes, der ihn mit grimmigem Gesichtsaudruck ansah. Der Mann hatte einen Bart, sah südländisch aus und redete auf ihn ein, nein schimpfte. Auf Spanisch.

Patrick lag auf dem Rücken. Unter ihm harter Boden. Er war auf einem Schiff. Er war durchnässt. Sein Schädel dröhnte, ein dumpfer Schmerz pochte in seinen Schläfen. Er rollte sich auf die Seite und richtete sich langsam auf, als der Mann vor ihm etwas über seine Schulter rief. Patrick bemerkte einen Eimer, der vor ihm auf dem Boden stand. Der Boden war nass. Ihm wurde klar, wie man ihn gerade geweckt hatte.

»Sind Sie verrückt?!«, herrschte plötzlich jemand in gebrochenem Englisch. Patrick sah auf. Ein weiterer Mann war hinzugekommen. Er stand breitbeinig vor ihm und hatte die Hände in die Hüften gestemmt. »Sie haben meine Männer im Wasser angegriffen, fast wäre Miguel draufgegangen!«

»Moment mal«, brachte Patrick hervor, der sich mühte aufzustehen. Er wedelte mit einer Hand. »Was ist hier los? Ich habe niemanden angegriffen.«

»Wollen Sie unverschämt werden?!«, schnauzte der Mann zurück. »Passen Sie auf, wie Sie auf meinem Schiff reden!«

Patrick rappelte sich auf, wankte und fand schließlich an der Reling hinter sich Halt.

»Sind Sie der Kapitän?«

»Mein Name ist Nuño González, ich bin der Leiter dieser Mission. Beten Sie, dass Comandante Manuel Sie nicht persönlich aufsuchen wird!«

»Können Sie mir jetzt bitte mal sagen, was Sie für ein Problem haben?«

»Das Problem haben Sie, amigo. Los, bringt ihn runter zu der kleinen puta, bis wir entschieden haben, was wir mit ihnen tun.«

Patrick wurde von zwei Männern an den Armen gepackt und fortgezerrt. Er war zu erschöpft, um sich wehren zu können, hatte Mühe, überhaupt einen Fuß vor den anderen zu setzen, um nicht mitgeschleift zu werden.

Sie brachten ihn unter Deck, eine Treppe hinunter, führten ihn durch schlecht belüftete Korridore und stießen ihn schließlich in eine Kabine, deren Tür sie hinter ihm verriegelten.

»Hier ist das Forschungsschiff Argo 2K, Captain John Harris. Libertad, melden Sie sich!«

Peter stand neben John auf der Brücke. Seitdem das Schlauchboot der Kubaner sowohl Susan als auch Patrick in verletztem Zustand an Bord geholt hatte und zum Mutterschiff zurückgefahren war, herrschte bei der Besatzung der Argo helle Aufregung. Einzig John schien der Vorfall nicht aus der Ruhe zu bringen. Im Gegenteil, er strahlte nun eine Zielstrebigkeit aus, die Peter deutlich machte, weshalb dieser Mann eine Führungsposition innehatte.

»Hier ist Capitán Manuel von der Libertad«, kam endlich eine Antwort über Funk. »Argo, sprechen Sie!«

»Sie haben zwei meiner Männer an Bord«, sagte John. »Vermutlich sind sie verletzt. Wir schicken ein Dingi, um sie abzuholen.«

»Negativ, Captain. Die Verletzten sind noch auf der Krankenstation und nicht transportfähig.«

Peter warf John einen erschrockenen Blick zu, aber der verzog nur den Mund und schüttelte den Kopf. »Lassen Sie mich mit ihnen sprechen, Capitán.«

»Das ist nicht möglich.«

»Ich muss darauf bestehen, dass Sie mir meine Leute unverzüglich aushändigen.«

»Captain, Sie riskieren die Gesundheit Ihrer Leute. Ich kann sie Ihnen erst übergeben, wenn sie sich erholt haben.«

»Lassen Sie das meine Sorge sein, ich übernehme die Verantwortung.«

»Ich bedaure...«

»Und ich habe Ihnen eine klare Anweisung gegeben. Sie haben kein Recht über meine Mannschaft. Ich schicke das Dingi jetzt auf den Weg. Over and out.«

»Meinen Sie, Susan und Patrick liegen tatsächlich auf der Krankenstation?«, fragte Peter, als John das Funkgerät ausgeschaltet hatte.

»Schwer zu beurteilen. Aber unwahrscheinlich, dass man sie nicht transportieren könnte. Ich denke viel eher, dass es sich um eine Taktik handelt, uns aufzuhalten. Jetzt, wo wir gesehen haben, dass sich Ricardo zu den Kubanern geschlagen hat, halte ich es für denkbar, dass die von Anfang an hinter unseren Schwierigkeiten steckten. Die Libertad wäre in der Lage, unser Sonar zu stören. Und die Kubaner waren es vielleicht auch, die den ersten Pressebericht über die angeblichen Schiffscontainer lanciert haben. Über Ricardo könnten sie an die Bilder gekommen sein.«

»Und war er es, der die Computersysteme sabotiert hat?«

»Das ist bisher nicht festzustellen gewesen. Er hat sich seitdem nicht mehr eingeloggt. Wir haben aber den Computer in seiner Kabine untersucht. Alle Verbindungs- und Nutzungsprotokolle darauf waren gelöscht. Was ihn immerhin verdächtig macht.«

Peter nickte. »Ob sie nun verletzt sind oder nicht, darf man sich dann wohl Sorgen um Susan und Patrick machen.«

»Weswegen wir uns das auch nicht gefallen lassen, Professor. Kommen Sie mit.«

»Was machst du denn hier?«

Patrick drehte sich zur Seite und entdeckte Susan, die auf einer Pritsche saß. Sie trug nicht mehr ihren Taucheranzug, sondern war nur mit einem Sportbikini bekleidet. Ihre Nase war leicht angeschwollen und blutverkrustet. Abgesehen davon schien sie fit zu sein.

Er sah sich um. Man hatte sie in einer schmucklosen Kabine eingesperrt. Er gab hier zwei einfache Betten, einen Schrank und einen Schreibtisch. Ein Bullauge ließ etwas Licht herein.

»Ich weiß es nicht«, sagte Patrick. »Ich war ins Wasser gesprungen, dann habe ich einen Schlag abbekommen und bin eben auf Deck mit einem Eimer Wasser geweckt worden. Keine Ahnung, wer mir da eins übergezogen hat oder was passiert ist.« Er trat auf Susan zu. »Aber wie geht es dir? Siehst ein bisschen aus, als wärst du gegen einen Schrank gelaufen. Sonst alles okay?«

»Ja, sonst ist alles okay.« Sie lächelte schief. »Aber was hattest du im Wasser zu suchen? Ihr wart doch schon im Jason.«

»Ich hatte die Schreie gehört und war wieder rausgekommen. Dann hatte ich gesehen, wie du versucht hast, diesen einen Kerl aus dem Boot zu ziehen und dir dabei einen Tritt eingefangen hast. Und dann bin ich hinterhergesprungen.« Er verzog seinen Mund zu einem breiten Grinsen. »Heldeninstinkt, weißt du?«

»Idiotisch«, bemerkte sie. »Ein Wunder, dass du so alt geworden bist. Helden sterben früh, weißt du?«

»O Mann, Doppeltreffer. Du kannst aber austeilen.«

»Bleibt mir nichts anderes übrig. Ihr Männer seid manchmal echt lästig.«

»Also entschuldige bitte, wenn dich mein Rettungsversuch belästigt hat!«

»Ist ja nicht so, als wäre ich gleich ertrunken, oder?«

»Es sah aber so aus.«

Jetzt lachte sie. »Ach, komm schon. Musst ja nicht gleich beleidigt sein. War süß von dir, okay? Idiotisch, aber süß. Zufrieden?«

»Ganz großartig.«

»Nun krieg dich ein. Mach dich lieber bereit, für den Fall, dass einer der Typen gleich wiederkommt.«