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»Bereit? Wozu? Was haben die vor?«

»Ist mir egal. Will ich auch nicht wissen. Aber ich habe vor, dem eine reinzuhauen. Und dann nichts wie runter von dem Kahn.«

»Moment mal, wie stellst du dir das vor?«

»Wie ich es sage. Raus, an Deck und ins Wasser.«

»Und dann? Willst du zur Argo schwimmen? Außerdem könnten wir inzwischen wer weiß wie weit weg sein.«

»Nein, wir liegen vor Anker, das hätte ich sonst mitbekommen. Und bis zur Argo sind es höchstens fünfhundert Meter. Außerdem sind unsere Leute mit Sicherheit inzwischen auf dem Weg hierher.«

»Na, deine...« Zuversicht möchte ich haben, wollte er den Satz beenden, hielt sich aber gerade noch zurück. Jetzt klang er schon wie sein eigener Vater. Oder wie Peter. Was in etwa auf das Gleiche hinauskam.

»Meine was?«

»Nichts, ist schon gut.«

»Also, machst du mit?«

»Ja sicher.« Patrick sah sich in der Kabine um. Er entdeckte ein Stromkabel, das mit Klammern befestigt an der Fußleiste entlanglief. »Sehr gut. Das brauchen wir...«

Es dauerte keine zehn Minuten, bis tatsächlich jemand auftauchte. Ein Besatzungsmitglied kam herein und brachte eine Karaffe Wasser mit zwei Plastikbechern. Er entdeckte Patrick auf dem Boden und beugte sich nach unten.

Patrick sprang auf und rammte dem Mann seinen Kopf unter das Kinn, sodass dessen Zähne laut aufeinanderschlugen. Susan war im selben Augenblick zur Tür geeilt und schlug sie zu, damit keine Geräusche in den Gang dringen konnten. Aber es war unnötig. Der Mann wurde durch die Wucht nach hinten geschleudert, prallte gegen die Wand und sackte mit blutendem Mund in sich zusammen.

Sie legten den bewusstlosen Mann bäuchlings. Susan fesselte ihm mit dem Kabel die Hände auf dem Rücken, während Patrick sich sein T-Shirt auszog. Sein Kopf schmerzte höllisch von dem Stoß. Als ob eine Gehirnerschütterung innerhalb einer halben Stunde nicht reichte. Er riss mit den Zähnen ein Loch in sein T-Shirt und zerriss es in große Fetzen. Einen Ballen davon stopfte er dem Mann in den Mund. Während der Stoff sich mit Blut vollsog, schnürte Patrick zwei zusätzliche Schlaufen des Kabels um den Kopf und zwischen das Gebiss des Kubaners, sodass er den Knebel nicht ausspucken konnte.

»Und jetzt abhauen«, sagte Susan und ging zur Tür.

Sie öffnete sie einen Spalt und spähte in den Flur. Dann huschten sie hindurch.

Als sie an einem kleinen roten Metallschrank vorbeikamen, stoppte Susan. Sie riss die Tür auf und ergriff zwei Schwimmwesten, von denen sie Patrick eine in die Hand drückte. »Hier, blasen sich von alleine auf. Hoffe ich jedenfalls.« Dann griff sie noch einmal in den Schrank, hob den Deckel eines Kästchens an und entnahm eine Signalpistole. »So, komm jetzt!«

Patrick lief ihr hinterher. Der Flur blieb leer. Sie kamen an die Treppe und stiegen hinauf. Oben angekommen verlief ein weiterer Gang. Susan wandte sich nach links dem Ausgang entgegen, durch den sie das Blau des Himmels sehen konnten. Kurz bevor sie die Tür erreichten, erschien ein Mann im Rahmen und blieb verblüfft stehen. Susan hob die Pistole. »Zurück, oder ich schieße!«, brüllte sie und rannte weiter auf den Mann zu. Der stolperte erschrocken zurück und lief mit lauten spanischen Flüchen auf den Lippen fort.

»Hinterher«, rief Susan.

Patrick bemühte sich, Anschluss zu halten. Sein Kopf pochte wie verrückt. Lange würde er nicht mehr durchhalten.

Sie kamen an Deck, wo Susan sich für einen kurzen Augenblick orientierte. »Hier entlang!«, rief sie. »Und zieh dir die Weste schon mal über.«

Im Laufen versuchte Patrick, ihren Anweisungen nachzukommen, fand sich aber in dem zusammengefalteten Etwas nicht zurecht, als Susan erneut stehen blieb.

»Zurück!«, zischte sie, und Patrick erkannte, dass eine Gruppe Männer keine zehn Meter vor ihnen stand. »Ich schieße!«, drohte sie und richtete die Signalpistole auf die Gruppe.

Der vorderste der Kubaner begann zu grinsen und kam einen Schritt näher. Es war offensichtlich, dass er sich,nicht einschüchtern lassen würde.

»Ins Wasser, Patrick!«, rief sie, drehte sich halb herum und schleuderte Patrick mit einem Arm gegen die Reling. Gleichzeitig richtete sie die Pistole nach oben und drückte ab. Die rote Feuerkugel stieg in die Höhe, während der vorderste Mann augenblicklich einen Satz nach vorn machte. Susan warf ihm die Pistole ins Gesicht und schwang sich über das Geländer. Dabei zog sie Patrick mit sich. Sie stürzten unkontrolliert aus fünf Metern Höhe in die Wellen.

Nicht schon wieder!, war Patricks erster Gedanke, als ihm erneut schwarz vor Augen wurde.

Es währte allerdings nur Sekundenbruchteile. Der Schmerz und seine Panik bewahrten ihn dieses Mal davor, das Bewusstsein zu verlieren. Susan zerrte seinen Kopf über Wasser.

»Bleib oben, solange du kannst«, drängte sie. »Ich kümmere mich um deine Weste.«

Sie ignorierte die Schreie, die von Bord der Libertad zu ihnen hinunter drangen, und streifte Patrick mit geübten Bewegungen die Weste über den Kopf. Dann griff sie an seine Hüfte, verknotete etwas, zog an einer Kordel, und kurz darauf blies sich das Plastikteil auf. Dann tauchte sie kurz unter und kam mit der eigenen Weste über dem Kopf wieder an die Oberfläche.

Es war eine kurze Verschnaufpause, als sie schließlich beide mithilfe der Schwimmwesten auf den Wellen trieben.

»Das war verdammt knapp«, sagte sie.

»Ja, danke.« Patrick legte ihr seine Hand auf die Schulter.

»Noch sind wir nicht zu Hause«, gab sie zurück und wies nach links. »Los jetzt, wir schwimmen in Richtung der Argo. Ich hoffe, sie haben das Signal gesehen.«

Sie wurden nicht verfolgt. Die Kubaner beschränkten sich darauf, ihnen Schimpfwörter zuzurufen.

Susan winkte heftig, als sie das Dingi der Argo ausmachte, und wenig später hatte Chad sie beide auf das Schlauchboot gezogen.

Sie ließen sich erschöpft auf die Holzbretter sinken, als ein lauter Knall über das Wasser gellte. An Deck der Libertad war eine Rauchwolke zu sehen, Holzteile und andere Fetzen flogen durch die Luft und fielen in weitem Umkreis ins Wasser.

»Was zum Teufel war das?«, fragte Patrick.

»Eine Explosion...«, bemerkte Susan. »Aber keine Flammen. Vielleicht ist ihnen eine Pressluftflasche um die Ohren geflogen.«

Patrick sah sie an. »Hast du etwa...«

»Ich?!« Sie lachte auf. »Also wirklich, du hast ja wohl gesehen, dass ich genug zu tun hatte! Ich bin doch nicht Lara Croft.«

»Was immer es war«, sagte Chad, »Immerhin gut, dass es nicht passiert ist, als ihr noch an Bord wart! So, und nun ab nach Hause, für heute ist Feierabend.«

Kapitel 12

AUTEC U.S.-Navy-Recherche-Zentrum, Andros Island, Bahamas

Er hatte erwartet, bereits am frühen Morgen ein paar schwarze Limousinen und Männer mit dunklen Sonnenbrillen auf dem Parkplatz stehen zu sehen, aber als Walters die Basis betrat, wirkte alles genauso friedlich wie sonst auch.

Seit er den Leuten von der NSA gestern Mittag deutlich beiläufig geschrieben hatte, er würde sich um die Angelegenheit kümmern, hatte man ihn nicht mehr behelligt. Vielleicht war den Bürohengsten klar geworden, dass sie nicht einfach einem Lieutenant Commander vorschreiben konnten, was er zu tun hatte. Sicher, notfalls würde man die Sache zu einer Frage der Nationalen Sicherheit erklären, um dem Ganzen Druck zu verleihen, aber so dringend schien es dann offenbar doch nicht zu sein.

Dass er sich getäuscht hatte, bemerkte er, als er in sein Büro kam.

Die Tür war bereits offen.

An seinem Besprechungstisch saß ein Offizier mit einem Becher Kaffee. Vier goldene Streifen am Ärmel und ein silberner Adler am Kragen wiesen ihn als Captain aus, zwei Dienstgrade über Walters, dem die AUTEC-Basis unterstand.