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Walters salutierte, aber der Mann drehte sich nur halb um und winkte ab.

»Holen Sie sich einen Kaffee, Lieutenant Commander, und setzen Sie sich.«

Walters setzte sich wortlos.

»Sie haben sich ja reichlich Ärger aufgehalst...«, sagte der Mann. Er schwieg einen Moment. »Ich bin Commander Thomas Mullinger vom Navy-Stützpunkt Jacksonville.«

»Sir, ich weiß, wer Sie sind.«

»Gut. Dann fragen Sie vielleicht, weshalb ich hier bin?«

Walters räusperte sich. »Ja, Sir. Weshalb sind Sie hier?«

»Denken Sie nach.«

»Geht es um die Walstrandungen?«, versuchte Walters, das Unvermeidliche hinauszuzögern. Immerhin konnte er in dieser Sache vielleicht ein paar Punkte gutmachen.

Mullinger sah auf seine Uhr. »Meinen Sie, ich hätte meinen Job noch lange, wenn er mir Zeit für Meeressäuger ließe?«

Walters war schlau genug, keine Antwort darauf zu geben. »Sicher interessieren Sie dann die beiden Forschungsschiffe«, sagte er.

»Nicht mich interessieren sie, Walters. Die NSA interessieren sie. Wie Sie seit Freitag wissen.«

Walters schwieg. Was sollte er dazu auch sagen?

»Man hat Ihnen Anweisungen gegeben, die Forschungsschiffe aufzuhalten, bin ich da richtig informiert?«

»Das ist korrekt, Sir.«

»Natürlich ist es das. Und was haben Sie in der Angelegenheit unternommen?«

»Ich habe alle Daten, die wir gesammelt haben, weitergeleitet. Gestern war ich nur sehr beschäftigt, aber heute wollte ich mich darum kümmern.« Walters fühlte sich wie ein Schuljunge. »Tatsächlich wäre ich jetzt sogar schon damit beschäftigt...«, setzte er ein wenig übereifrig hinterher, bevor er sich bewusst wurde, dass er den Satz keinesfalls mit »wenn Sie mich nicht aufgehalten hätten« beenden konnte. Also ließ er ihn notgedrungen unvollendet.

Mullinger schüttelte leicht den Kopf. »Erzählen Sie keinen Quatsch. Sie waren gestern nicht beschäftigt, Sie haben einfach nichts getan, und heute hatten Sie es auch nicht vor.«

Verdammtes Verantwortungübernehmen!, fluchte Walters innerlich. Was konnte er nun tun, außer zu versuchen, dem eisernen Blick des Mannes standzuhalten?

Zu Walters' Überraschung begann der Captain zu grinsen. Walters wusste nicht, ob das gut oder schlecht war.

»Dachte ich es mir«, sagte Mullinger.

Walters sehnte sich einen Becher Kaffee herbei, den er jetzt ansetzen und hinter dem er sich hätte verstecken können.

»Wie alt sind Sie, Walters?«

»Achtunddreißig, Sir.«

Mullinger nickte. »Ja, richtig. Wissen Sie, in Ihrem Alter war ich genauso.«

Walters hob unmerklich die Augenbrauen.

»Die Navy ist eine Familie, nicht wahr?«, fuhr der Captain fort. »Man lässt sich nicht gerne von den anderen reinreden. Ist doch so. Wissen Sie, ich habe einmal einen Colonel der Army abblitzen lassen. Da war ich Lieutenant. Und einmal habe ich das FBI ausgesperrt. Ich kann Sie also verstehen.« Er lächelte.

»Ich sehe nicht ganz, was Sie mir sagen wollen, Sir...«

»Im Unterschied zu Ihnen«, erklärte Mullinger, und sein Lächeln war wie ausradiert, »wusste ich immer, wann ich meine Befugnisse übertreten konnte. Und wann nicht.«

Walters atmete tief ein.

»Und wenn die NSA bei Ihnen anklopft, dann wird das verdammt noch mal einen guten Grund haben. Denken Sie nicht?«

»Ich hätte mich heute Morgen sofort...«

»Bullshit!«, unterbrach ihn der Captain. »Sie waren eingebunden, waren vorbereitet, und als man Ihnen einen Befehl gab, hätten Sie reagieren müssen! Das ist Ihre Verantwortung als Offizier! Und jetzt haben wir eine internationale Krise Ihretwegen!«

Walters spürte, wie es ihm heiß in die Wangen schoss.

»Ja, da gucken Sie! Meinen Sie, es ist mein Privatvergnügen, in aller Frühe auf diese gottverlassene Insel zu fliegen?

Mal gucken, wie es sich so am Strand und unter Palmen lebt? Und dann kommen Sie mir mit Walgeschichten?! Walters, das hier ist nicht Kalifornien oder Woodstock, das ist eine Militärbasis.«

»Das ist vollkommen klar, Sir«, sagte Walters halblaut, nur um überhaupt etwas zu sagen und den Redeschwall zu bremsen.

»So, klar ist Ihnen das. Ihnen ist aber nicht klar, was Sie angerichtet haben! Da draußen sind zwei Schiffe, die Sie in einem Sperrgebiet einfach ihre Runden drehen lassen. Und nicht einmal Amerikaner. Europäer! Und Kubaner! Ja, wunderbar. Ist bei Ihnen der Freigeist ausgebrochen? Was denken Sie eigentlich, weswegen man sich die Forschungen dort genehmigen lassen muss? Und während Sie geschlafen haben, hat es einen Vorfall gegeben. Die Europäer haben das kubanische Schiff überfallen, es hat eine Explosion und Verletzte gegeben. Und das Ganze in amerikanischen Gewässern! Dreimal dürfen Sie raten, welche Telefone heute Nacht heiß gelaufen sind!«

»Wie bitte?!« Walters konnte nicht glauben, was der Captain ihm da erzählte. Die Europäer hätten die Kubaner angegriffen? Das war völlig undenkbar. Er hatte ein gutes Bild der Leute auf der Argo. Niemals würden Sie... Zudem: Seit wann waren das »amerikanische Gewässer« dort draußen?

»Sie haben gehört, was ich gesagt habe. Wir haben eine Krise, Walters, und Sie haben den Karren in die Scheiße gefahren, weil Sie sich nicht an Ihre Befehle gehalten haben.«

»Ich verstehe, Sir«, gab Walters zurück.

»Gut.« Mullinger machte eine Pause. Endlich versiegte seine Tirade. »Also«, hob er nach einer Weile erneut an, »vergessen Sie die NSA. Ist mir völlig egal, was die wollen. Die Situation ist nun eine andere. Sie werden die Forschungen unverzüglich abbrechen lassen. Zur Not mit Gewalt.«

Walters nickte.

Mullinger beugte sich vor. »Haben Sie das verstanden, Walters? Das war kein Vorschlag. Das war ein Befehl. Von mir. Habe ich mich klar ausgedrückt?«

»Sir, ja, absolut klar.«

Mullinger stand auf. »Ich erwarte Ihren Bericht im Sechs-Stunden-Takt. Wenn Sie etwas benötigen, fragen Sie. Die Sache hat höchste Priorität.«

Walters stand auf und salutierte. »Sehr wohl, Sir.«

Im Gehen drehte sich Mullinger noch einmal um. »Und kaufen Sie sich eine anständige Kaffeemaschine. Diese Brühe hier schmeckt nach verbranntem Elefantenmist.«

Walters blieb blass im Büro zurück. Er fühlte sich, als habe ihn ein Truck gerammt. Dass ihn einer der Obersten aus Jacksonville aufsuchte, das war ihm noch nie passiert. Und unter diesen Umständen war es das Letzte, was man sich wünschen konnte. Dass man die Sache nicht selbst in die Hand nehmen wollte, zeigte nur, wie politisch sie war und dass sich niemand die Finger daran verbrennen wollte. Da bot es sich an, wenn derjenige nach vorn geschoben wurde, der ihnen die Suppe eingebrockt hatte. Er konnte froh sein, wenn der Vorfall nur in seiner Akte landete. Mit größerer Wahrscheinlichkeit konnte er sich einen neuen Job suchen, wenn das ganze Ding ihnen um die Ohren flog.

Verantwortung übernehmen. So hatte er sich das nicht vorgestellt.

An Bord der Argo

Der Seegang hatte zugenommen, und die Argo wankte beständig. Auf dem Weg zum Frühstück geriet Peter einmal aus dem Gleichgewicht und taumelte gegen die Wand des Gangs. Ein Blick aus dem Bullauge in seiner Kabine hatte ihm schon verraten, dass der Himmel bedeckt war. Peter hoffte, dass das nichts Schlimmeres verheißen und ihm eine erneute Übelkeit wie am ersten Tag erspart bleiben würde.

Als er in den Frühstücksraum kam, stand Patrick bereits dort und war im Gespräch mit dem Kapitän.

»Wir müssen uns dringend besprechen«, sagte John, als er Peter sah. »In meiner Kabine.«

Sie folgten ihm, und als sie kurze Zeit später in der geräumigen Kapitänskabine ankamen, wies er ihnen Stühle an einem kleinen Tisch zu.