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»Natürlich habe ich recht, Manuel! Hatte ich nicht versprochen, dass wir Gold finden würden? Und hier ist es.« Er klopfte auf den Tisch. »Hier, direkt unter uns. Wir müssen nur abtauchen und es hochholen.«

»Und wann wollen Sie das tun?«

González lehnte sich zurück. »Lassen Sie uns noch etwas abwarten. Die Zeit arbeitet für uns.«

»Es geht nicht«, sagte John, als er neben Peter und Patrick an die Reling trat. »Oder sagen wir: Es ist nicht empfehlenswert.«

»Wegen der Wellen?«, fragte Peter. Es war fast rhetorisch gemeint. Tatsächlich hatte der Wind aufgefrischt, sodass sie sich Pullover angezogen hatten, und sie mussten sich gut festhalten, weil die Argo sich unter ihnen in regelmäßigen und deutlicher werdenden Schüben aufbäumte.

»Ja«, sagte John und deutete an der Bordwand hinunter zur Wasserlinie. »Sie sind inzwischen gut anderthalb Meter hoch, und Alvin bei diesem Seegang über Bord zu hieven, ist eine wacklige Angelegenheit und könnte den Kran und das Boot beschädigen.«

»Wie lange wird das anhalten?«, fragte Patrick. »Was sagt der Wetterbericht?«

»Auf dem Radar ist in einiger Entfernung ein Sturm auszumachen. Es gibt verschiedene Prognosen, einige deuten leider darauf hin, dass er genau durch unser Gebiet ziehen wird. In diesem Fall wäre er heute Abend hier, und erst morgen könnte es besser werden. Aber natürlich kann er auch abdrehen oder sich abschwächen. Wir können nur abwarten und das Radar im Auge behalten.«

»Und das Risiko ist jetzt schon zu groß, sagen Sie?«

»Ja, unbedingt. Und selbst wenn wir jetzt tauchen würden, und der Sturm überrascht uns später, dann bekommen wir hier auf der Argo vielleicht ein Problem – und Sie hängen unten dran. Und die Wellen werden noch zunehmen, glauben Sie mir.«

»Verdammt. Gerade jetzt, wo die Zeit drängt.«

»Unsere Geduld wird auf eine harte Probe gestellt«, sagte Peter. »Aber ich denke, wir sollten dem Rat des Kapitäns folgen. Und außerdem...«, er zögerte. »Außerdem möchte ich mich noch kurz mit Ihnen über Kathleen unterhalten.«

»Jetzt bin ich aber gespannt«, meinte Patrick.

»Ich habe vorhin ein bisschen im Internet recherchiert...«

»Sie? Im Internet?« Patrick lachte. »Wenn das nicht eine kleine Sensation ist.«

Peter ließ sich nicht beirren. »... und mich über Kathleen informiert. Was sie uns über sich erzählt hat, stimmt so weit. Was sie uns aber verschwiegen hat, ist, dass sie eng mit dem Discovery Institute zusammenarbeitet.«

John zog hörbar die Luft ein.

»Klingt jetzt nicht so schlecht«, meinte Patrick.

»Das Discovery Institute fördert die Verbreitung der Intelligent-Design-Theorie. Es möchte die Idee, dass alles Leben und all seine Entwicklung einem intelligenten Designplan folgen, gleichberechtigt neben der Evolutionstheorie in der Populärwissenschaft und in den Medien etablieren. Ihre Vertreter geben sich dabei sehr wissenschaftlich und seriös, tun so, als sei es eine rein säkulare Herangehensweise, dahinter stehen aber erzkonservative und fundamentalistische Christen, die einem regelrechten Schlachtplan folgen, um das Denken der Gesellschaft umzukrempeln und schließlich den Evolutionsgedanken vollkommen durch die Vision eines Schöpfers zu ersetzen.«

»Und Kathleen ist eine von ihnen?«, fragte Patrick.

»Jedenfalls hat sie bei einigen Publikationen des Discovery Institute mitgewirkt und auch schon Reden in deren Namen gehalten. Erinnern Sie sich an die beiden merkwürdigen Schlagzeilen heute Morgen? ›Atlantis-Forscher auf den Spuren der Schöpfung‹ und ›Widerlegt Atlantis die Evolution ?‹? Das ist genau die Art von Propaganda, die von den Anhängern des Intelligent Design betrieben wird. Und ich kann mit vorstellen, dass Kathleen durch Ihre Arbeit genau dies bewirkt hat. Auch diese Radiosendung, zu der sie mich überredet hat, drohte in diese Richtung zu entgleisen – jedenfalls, was die Anrufer betraf, deren Fragen ich beantworten musste.« Peter sah auf das Meer hinaus und dachte daran, wie die Journalistin ihn hatte verführen wollen. »Um es kurz zu machen: Ich kann mir jedenfalls vorstellen, dass Kathleen eine eigene Agenda hat. Wir sollten sehr vorsichtig sein mit dem, was wir ihr sagen und zeigen.«

Patrick legte die Hand auf die Schulter des Professors. »Wünschten Sie nicht, jemand hätte Sie vorher schon gewarnt? Schon von Anfang an gesagt, dass man ihr nicht trauen könne?« Er konnte sich ein Grinsen nicht verkeifen, obwohl er wusste, dass es für Peter schmerzhaft gewesen sein musste, es zuzugeben.

Peter drehte sich um und lächelte. »Ja, das wäre gut gewesen. Aber Sie wissen ja, wie das ist: Die besten Ideen muss man eben selbst haben.«

Nach dem Mittagessen hatte der Seegang sich nicht beruhigt. Im Gegenteil, John erklärte ihnen, dass das Zentrum des Sturms sich noch immer in ihre Richtung bewegte.

Patrick verbrachte seine Zeit mit Dick und fachsimpelte über Details der Technik von Alvin, während Peter die Dokumente von Marie zum wiederholten Mal studierte, um die Struktur der atlantischen Sprache, wie er sie jetzt der Einfachheit halber nannte, besser zu verstehen und um sich die bisher gefundenen Symbole einzuprägen. Was Marie geleistet hatte, war unglaublich. Und es blieb ihm schleierhaft, wie es möglich gewesen war, in so kurzer Zeit und mit so wenig Material eine so sichere Analyse zustande zu bringen.

Doch trotz ihrer Beschäftigung waren sie sich dessen bewusst, dass ihnen die wertvolle Zeit unter den Fingern zerrann. Indem sie dem Ultimatum des Militärs trotzten, mochten sie ein wenig Zeit gewinnen, aber diese nun nicht nutzen zu können, war die größte Ironie überhaupt. Peter malte sich nicht aus, was passieren würde, wenn sie am Morgen noch immer hier lagen. Sicherlich würde man sie beobachten, würde wissen, ob sie sich auf eine Abfahrt vorbereiteten. Wenn sie morgens um acht das Gebiet verlassen haben sollten, müssten sie streng genommen schon einige Stunden vorher losfahren.

Es war bereits Nachmittag, als Peter sich schließlich an Deck begab, um ein wenig Luft zu schnappen. Kaum hatte er die Tür durchschritten, wäre er beinahe von einer heftigen Böe von den Beinen gerissen worden. Der Boden war nass, und dann sah er auch, weshalb: Die Wellen waren weiter angewachsen. Der Wind blies Schaumkronen über die Kämme, und ab und zu, wenn die Argo besonders heftig aufstampfte, flog die Gischt über das Deck. John hatte recht behalten, der Seegang hatte weiter zugenommen. Sicherlich würde es nicht ausreichen, um ein so großes Schiff wie die Argo in Bedrängnis zu bringen, aber auch ihm als Laie war klar, dass es unter diesen Umständen unmöglich war, das Unterseeboot mit dem Kran sicher ins Wasser zu lassen.

Peter ging wieder unter Deck und suchte Patrick, den er schließlich im Mannschaftsraum fand. Er trank ein Glas Wein und las ein vollkommen zerfleddertes Taschenbuch.

»Genug studiert, Professor?« fragte er, als er aufsah.

»Das Wetter ist schlechter geworden. Wir haben den ganzen Tag verloren!«

»Ja. Und John sagt, dass der Sturm noch nicht mal ganz da ist. Er hat schon alles sichern lassen, heute läuft sicher nichts mehr. Er sagt, wenn er uns heute Nacht zügig erwischt, könnte er morgen früh durch sein.«

»Vielleicht wird es unsere letzte Chance, doch noch zu tauchen.«

Patrick nickte. »So sieht's aus. Aber es lässt sich nicht ändern ... Hoffen wir also, dass der Sturm möglichst schnell da ist!«

Kapitel 13

An Bord der Argo

Peter lag die halbe Nacht wach. Das Schaukeln des Schiffes war so stark geworden, dass ihm in der Koje immer wieder übel wurde, sodass er aufstehen und einige Minuten am Bullauge stehen und auf die Wellen sehen musste. Der bewölkte Himmel ließ nur selten einige Mondstrahlen hindurch, aber es reichte, um ein Gefühl für die Horizontale zu bekommen.