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»Heißt das, Sie machen mit, wenn wir versuchen, ihn jetzt zu überreden?«

»Sie können es ja gerne versuchen, aber ich denke...«

Patrick stand auf. »Dann nichts wie los!«

Den Kapitän zu überreden ging einfacher als erwartet. Er war auf das Militär nicht gut zu sprechen, wie sich herausstellte. Offenbar hatte er schon in der Vergangenheit unliebsame Konfrontationen erlebt, und die hatten eher seinen Trotz als seinen Respekt genährt.

Er würde sie so schnell es ging mit Alvin in die Tiefe schicken. Das Manöver war schwierig, der Start würde reichlich ruckelig werden, aber im Augenblick war das Risiko noch kalkulierbar. Waren sie erst einmal auf dem Weg nach unten, konnte er das Militär weiter hinhalten, zumindest einen Tauchgang würden sie auf diese Weise machen können. Ein Restrisiko bedeutete der Sturm, der sich beständig näherte. Aber den aktuellen Daten zufolge würde es nicht schlimmer werden als andere Unwetter, die die Argo schon überstanden hatte. Die Wahrscheinlichkeit, dass er sich auswachsen und zu einer Gefahr werden würde, war erstens sehr gering, und zweitens wäre das frühzeitig genug absehbar, sodass man Alvin einholen konnte.

Die Vorbereitungen an Deck gestalteten sich langsamer als üblich. Das. Schiff wankte und stampfte, der Regen und die immer wieder herüberfegenden Gischtschauer hatten den Boden gefährlich rutschig gemacht.

John befand sich auf der Brücke, als ein Funkspruch hereinkam.

»Research Vehicle Argo 2K, bitte kommen. Hier spricht die Küstenwache, Lieutenant Green auf Flug CG-37 aus Clearwater. Wir kreisen in dreitausend Fuß über Ihnen.«

John stöhnte innerlich. Offenbar hatte man ihnen einen der Aufklärer geschickt. Die Küstenwache verfügte über Flugzeuge des Typs HC-130, die in einiger Höhe über den Einsatzgebieten kreisten. Sie konnten ein großes Gebiet überwachen, standen in Kontakt mit der Küstenwache in Florida und etwaigen weiteren Teams, Hubschraubern oder Schiffen und konnten von hier aus Einsätze koordinieren.

»Flug CG-37, hier ist die Argo 2K, Captain Harris. Sprechen Sie.«

»Captain Harris, Sie haben Befehl, Ihre Tätigkeiten einzustellen und das Gebiet unverzüglich zu verlassen.«

»Davon ist mir nichts bekannt«, log John. »Auf wessen Anweisung handeln Sie?«

»Sie haben vor vierundzwanzig Stunden entsprechende Anweisungen des Navy-Recherche-Zentrums AUTEC erhalten. Räumen Sie das Gebiet.«

»Negativ. Wir befinden uns in wissenschaftlichen Untersuchungen, die sich nicht einfach abbrechen lassen.«

»Verstanden. Sie erhalten Unterstützung zu diesem Zweck. Drei Hubschrauber der Küstenwache sind auf dem Weg zu Ihnen und werden in fünfundvierzig Minuten eintreffen. Over and Out.«

»Mist!«, rief John, nachdem der Pilot den Funkkanal geschlossen hatte. Die meinten es wirklich ernst. Wie die Unterstützung aussehen würde, konnte er sich gut vorstellen. Er hatte einmal die Küstenwache an Bord gehabt, und das war kein besonders erfreuliches Erlebnis gewesen. Alles kleine, selbst ernannte Generäle, die es nicht in die Navy geschafft hatten und sich nun aufspielten, als würden sie das Land ständig vor einfallenden Schwerverbrechern bewachen.

John verließ die Brücke und ging zum Hinterdeck, wo Alvin gerade aus dem Hangar gefahren wurde.

Er hielt eine Hand seitlich an den Kopf, um den Regen ein wenig abzuhalten. »Beeilt euch«, wies er seine Leute an. »In einer halben Stunde muss Alvin im Wasser sein.«

»Die Kufen haben sich verkeilt!«, antwortete einer der Männer. »Entweder wir machen es jetzt schnell – oder vorsichtig.«

»Versucht beides!«

Peter, Patrick und Stefanie saßen im Mannschaftsraum und warteten.

»Wir müssen John dazu überreden, dass Stefanie mitkommt«, sagte Patrick. Er hatte sich umgezogen, wenngleich er nicht viel anders aussah als sonst auch. Seine schweren Turnschuhe hatte er gegen ein Paar Converse ausgetauscht, er trug eine Jeans und einen grob gestrickten Pullover.

»Ich kann mir nicht vorstellen, dass das möglich ist«, sagte Peter, der ebenfalls schon in bequemerer Montur und mit einem Pullover dasaß. »Er hat doch schon Kathleen erklärt, dass Alvin dafür nicht ausgelegt ist. Außerdem haben Sie doch selbst gesehen, wie eng es da drin ist.«

»Wenn das unser einziger Tauchgang bleibt«, beharrte Patrick, »und danach sieht es ja aus, müssen wir vielleicht kurzfristig Inschriften übersetzen und Entscheidungen treffen. Ich meine, wer weiß, was wir da unten finden?«

Peter schüttelte den Kopf. »Dafür muss sie nicht mit an Bord sein. Vom Labor aus kann sie die Daten, die Alvin liefert, sicherlich live mitverfolgen und uns über Funk die Übersetzung liefern.«

»Mir wäre es lieber, wenn sie dabei ist«, wiederholte Patrick. »Und ich werde John überreden.«

»Vielleicht sollten Sie erst mal Stefanie selbst fragen«, meinte Peter, der sich plötzlich an einen bestimmten Moment in Südfrankreich zurückerinnert fühlte. Und wie damals nickte sie einfach.

»Ich bin dabei.«

»Na also!«

Als Kathleen die Brücke betrat, war der Kapitän gerade im Gespräch mit einem seiner Leute.

John schaute auf, nahm die Journalistin zur Kenntnis und verabschiedete kurz darauf den Mann, der dem Kapitän noch einige Ausdrucke übergab. Es war David, der Systemadministrator. Beim Hinausgehen bedachte er Kathleen mit einem abschätzigen Blick und verließ den Raum.

»Captain«, sagte sie mit einem herzlichen Lächeln, »ich habe Sie überall gesucht. Das hätte ich mir ja gleich denken können, dass Sie hier oben bei der Arbeit sind.«

»Es wäre wohl der falsche Augenblick, jetzt ein Nickerchen zu machen«, gab er zurück und steckte die Papiere in seine Jacke.

Sie kam näher und setzte sich auf einen der leeren Stühle. Dabei legte sie die Beine übereinander und drehte sich spielerisch ein wenig hin und her.

»Stimmt es eigentlich, was man erzählt? Dass das Militär unterwegs hierher ist?«

»Nein.«

»Nicht? Aber ich bin mir ziemlich sicher. Ich habe es von mehreren Leuten der Besatzung gehört.«

»Es ist die Küstenwache.«

»Ah! Und Sie bereiten trotzdem noch einen Tauchgang vor... schlägt da Ihr Herz als Wissenschaftler, oder ist es eher das eines Rebellen?«

»Ich denke nicht, dass ich Ihnen Rechenschaft schuldig bin, Miss Denver.«

Kathleen verzog ihren Mund zu einem leichten Schmollen. »Ach, kommen Sie schon, John... ich darf Sie doch John nennen, hm? Sie können auch gerne Kathleen zu mir sagen wie die anderen beiden auch.«

»Also gut... Kathleen... Aber wegen der Küstenwache sind Sie sicher nicht hier, habe ich recht?«

»Nein, stimmt...« Sie stand auf, trat dicht an ihn heran und sah schmunzelnd zu ihm auf. »Ich hatte etwas anderes im Sinn... wollte Sie etwas fragen.« Sie machte eine Pause und sah kurz zur Seite, bevor sie mit gedämpfter Stimme fortfuhr: »Etwas Persönliches.«

»Hier?«

»Nun... wir können es vielleicht besser in meiner Kabine besprechen. Wenn Ihnen das recht ist?«

John lächelte. »Ja, das wäre mir sogar sehr recht. Wie es der Zufall will, würde ich mich auch gerne mit Ihnen unterhalten ...«

Sie legte eine Hand auf seine Schulter. »Na, dann sollten wir uns nicht lange aufhalten, hm? Sie müssen ja gleich schon wieder einsatzbereit sein.«

John begleitete Kathleen, die zügig voranging. In der Kabine angekommen, setzte sie sich auf ihr Bett.

»Wissen Sie, John«, begann sie. »Dieses ganze Projekt ist irrsinnig wichtig. Peter und Patrick stehen vielleicht vor der sensationellsten Entdeckung seit der Mondlandung. Und Sie wissen ja, wie viel auf dem Spiel steht. Die beiden riskieren ihren Ruf, ihr Lebenswerk – und mir geht es genauso. Ich habe alles hingeschmissen und alle Angebote abgelehnt, nur um hier zu sein, wussten Sie das?«