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»Fluten Sie jetzt die Lufttanks!«, hörten sie Dicks Stimme aus dem Lautsprecher durch das Chaos.

Patrick bediente die Schalter.

»Halten Sie durch«, sagte Dick. »Wenn Sie erst ein gutes Stück unter Wasser sind, wird es ruhiger.«

Mit aller Kraft hielten sie sich im Inneren fest, während um sie herum die viele Meter hohen Wellen tobten. Niemand sagte etwas, jeder war ganz und gar damit beschäftigt, sich abzustützen, die halsbrecherischen Bewegungen irgendwie abzufangen. Doch tatsächlich dauerte es nur wenige Augenblicke, bis die Achterbahnfahrt nachließ, und schließlich, keine halbe Minute nach ihrem Eintauchen, hatte sich das Chaos bereits beruhigt und war einem leichten Taumeln gewichen.

Alvin sank in die Tiefe.

Kapitel 14

An Bord von Alvin II

Das ohnehin schwache Licht, das durch die winzigen Bullaugen ins Innere der Kapsel drang, nahm rasch ab. Nach fünf Minuten war es draußen vollkommen dunkel. Ihre Augen passten sich dem diffusen Dämmerlicht jedoch rasch an, und bald reichte das Leuchten der Kontrollanzeigen aus, um den Innenraum ausreichend zu erhellen. Inzwischen spürten sie keinerlei Bewegung mehr. Die Titanhülle gab nicht das leiseste Knacken oder Knirschen von sich. Die einzigen Geräusche waren ihr Atmen und das gelegentliche Rascheln von Stoff.

Nachdem jegliche Sicht oder Orientierung nach draußen unmöglich war, fühlte Peter sich wie in einem Raumschiff. Umgeben von feindlicher Leere nach allen Seiten, haltlos schwebend und verloren. Der Gedanke, dass die Welt und das Licht sich weit über seinem Kopf befanden, unerreichbar ohne technische Hilfe, dass sein Leben allein abhängig vom Funktionieren dieser ihm unverständlichen Technik war und dass ihre Tauchfahrt gerade erst begonnen hatte, sie sich sogar mit jeder Sekunde weiter von der Argo entfernten, jagte ihm einen Schauer über den Rücken. Er versuchte, die Vorstellung beiseite zu schieben, bevor sie zu sehr in ihm anwuchs.

»Ich denke«, sagte er daher an Kathleen gewandt und brach damit als Erster die Stille, »es wird Zeit, dass Sie uns erklären, was Sie mit dieser Entführung bezwecken.«

»Nun, das ist ja wohl nicht schwer zu erkennen. Und es hat doch auch geklappt, oder?«

»Ihnen geht es um mehr als um eine Dokumentation, habe ich recht?«

»Ach, Professor, Ihnen geht es doch auch um mehr als nur um eine Entdeckung. Erzählen Sie mir nicht, Sie suchten Atlantis bloß um der Geschichte willen. Ihnen geht es ganz konkret um die eigene Anerkennung. Sie wollen recht behalten, und Sie wollen das akademische Renommee dafür. Und das ist vollkommen legitim.«

»Und Sie?«, fragte Patrick. »Was wollen Sie von Atlantis?«

»Nichts, was Sie verstehen würden, Sunnyboy.«

»Wenn Sie's verstehen, kann's auch nicht komplizierter sein als ein Lippenstift.«

»Werden Sie nicht unverschämt!«

»Sonst was?«

»Sie suchen die schöpfende Kraft, nicht wahr?«, fragte Stefanie.

»Sie können mir überhaupt erst mal verraten, wer Sie sind!«

»Mein Name ist Stefanie Krüger, ich bin Sprachwissenschaftlerin und habe Patrick von Frankreich aus geholfen, die Texte auf den ersten Platten zu übersetzen.«

»Die Frau, mit der Patrick in Kontakt war, hieß aber Marie!«

»Ein Missverständnis.«

»So, so...« Die Journalistin sah Stefanie eine Weile lang an. »Nun, kann mir ja egal sein. Aber können Sie die Texte nun übersetzen oder nicht?«

»Ja, ich kann die Schrift lesen.«

»Und Sie kennen die beiden hier schon länger, sehe ich das richtig?«

Stefanie nickte. »Wir kennen uns schon seit einigen Jahren.«

»Okay, gut zu wissen. Und weil Sie so nett Antwort gegeben haben: Ja, ich suche keine Ruinen, ich suche die schöpfende Kraft. Und nichts hat uns je so nahe an den Ursprung gebracht wie Atlantis.«

»Denken Sie etwa, die Atlanter hätten die Welt erschaffen?«, fragte Peter.

»Inzwischen ist unzweifelhaft erwiesen, dass die Evolutionstheorie vorn und hinten krankt. Nicht stimmen kann. Und immer mehr Wissenschaftler schließen sich der Überzeugung an, dass die Entwicklung auf unserem Planeten von einem intelligenten Schöpfer kreiert und gesteuert worden ist. Keine Kultur, die wir bisher kennen, wäre zu so einem Schöpfungsakt in der Lage, aber die Bewohner von Atlantis waren es. Und diese Entdeckung wird es sein, mit der wir die Weltgeschichte neu schreiben werden. Wir werden verstehen, wer uns geschaffen hat, auf welche Weise und zu welchem Zweck. Indem wir unseren Schöpfern gegenübertreten, werden wir unsere Bestimmung erkennen.«

»Kathleen«, sagte Patrick. »Sie haben eine totale Meise, ist Ihnen das klar?«

Sie lächelte ihn an. »Ich sagte doch, dass Sie es nicht verstehen würden. Doch das macht nichts. Was Sie sagen, sind bloß Worte. Aber Sie können damit die Wahrheit nicht ändern.«

Mit einem halblauten »Ach du Scheiße...« wandte sich Patrick ab.

Die Form von Alvin II tauchte als heller Punkt auf dem Sonar auf. Die Hondura lag nur einen knappen Kilometer hinter ihr und sank mit derselben Geschwindigkeit, verfolgte den Kurs lautlos und unsichtbar durch die Dunkelheit.

Das Forschungs-U-Boot war, wie auch die Libertad, russischer Herkunft. Im Gegensatz zum Schiff war die Hondura allerdings gerade einmal fünfzehn Jahre alt und stellte das damals Beste der russischen Ingenieurskunst dar, nur vergleichbar mit den Unterseebooten der Japaner. Ihre etwas schwächere Manövrierfähigkeit machte sie durch die Tatsache wett, dass sie für eine Tiefe von neuntausend Metern ausgelegt war und sechs Personen Platz bot.

Während sich die Hubschrauber der Küstenwache auf das Schiff des WHOI konzentrierten, hatte González in Ruhe beobachten können, was auf der Argo vor sich ging. Nach der Explosion an Bord waren die verbliebenen Helikopter abgezogen, und die Europäer hatten umgehend ihren Kran in Gang gesetzt. González hatte die Chance genutzt und hatte ihnen unbeobachtet hinterhergesetzt.

Er wusste, dass sie Platten aus Gold gefunden hatten, Ricardo hatte ihnen ausführlich davon berichtet. Nun ging es darum, die genaue Stelle zu finden. Um sich nicht zu verraten, verwendeten sie das passive Sonar an Bord, belauschten und folgten den minimalen Geräuschen, die das sinkende U-Boot durch seine Stabilisierungspropeller von sich gab. Es war waghalsig, stumme Hindernisse blieben auf diese Weise unsichtbar, aber sie waren im offenen Meer, und auf den nächsten dreitausend Metern wuchsen nicht plötzlich Felswände empor.

Vermutlich befand sich an Bord des neumodischen kleinen Boots ebenfalls ein passives Sonar, aber González hoffte darauf, dass es nicht eingeschaltet war, denn dafür gab es keinen Grund. Vermutlich nutzten sie ein schwaches aktives Sonar, um in Fahrtrichtung zu sehen, aber damit konnten sie die Hondura hinter sich nicht entdecken.

Zufrieden lehnte er sich zurück und überließ die Fahrt seinem Piloten. Draußen gab es nichts zu sehen, und es würde noch lange genug dauern, bevor sie den Grund erreichten und es wieder spannend wurde.

»Wie lange sind wir schon unterwegs?«, fragte Peter. Immer wieder hatte er sein Gesicht an das kaum faustgroße Bullauge gedrückt, hinausgestarrt in die Finsternis. Einige Male hatte er Fische aufblitzen sehen, aber das Wasser war so klar, dass sich das Licht der Scheinwerfer einfach nur in der Tiefe verlor, ohne sonst irgendetwas zu erhellen. Bald hatte er Patrick gebeten, sie vollends auszuschalten, um Strom zu sparen.

»Wir sind auf einer Tiefe von knapp zweitausendsechshundert Metern«, erklärte Patrick, ohne sich umzudrehen, »und sinken mit beständigen achtundvierzig Metern in der Minute. In etwa zwanzig Minuten müssten wir unten sein.«