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Die Außentemperatur betrug nur noch drei Grad Celsius. In der Kapsel war es kühl geworden, allein die elektrischen Geräte und die Körper der vier Menschen erwärmten den kleinen Raum, aber das Thermometer stieg nicht mehr über fünfzehn Grad. An der metallenen Innenwand liefen Kondenstropfen herab.

Die Enge, die sie umgebende Dunkelheit und die vollkommene Isolation schienen den anderen nicht viel auszumachen, aber Peter fühlte ein stetig größer werdendes Unbehagen in sich anwachsen. Er bemühte sich, nicht darüber nachzudenken und keine Panik in sich aufkommen zu lassen.

Stefanie hatte sich auf das Fußende von Peters Pritsche gesetzt, ließ ihre Beine herabhängen und lehnte mit dem Kopf an einem Regal. Ihre Augen waren geschlossen. Sie schien sich auszuruhen, vielleicht schlief sie sogar. Sie musste einen Jetlag haben, war vermutlich die ganze Nacht auf den Beinen gewesen.

Patrick behielt die Anzeigen und Kontrollvorrichtungen ständig im Blick, beugte sich manchmal hinunter, studierte Beschriftungen, probierte Knöpfe oder Hebel aus und war vollauf mit der Technik beschäftigt.

Kathleen beobachtete nur stumm die Vorgänge im Innenraum, fixierte bald Stefanie, bald einen der Männer. Sie hatte offenbar kein Bedürfnis, sich zu unterhalten, wofür Peter ganz dankbar war. Er fragte sich, was in ihrem Kopf vor sich ging. Wie hatte er sich so in ihr täuschen können? Dass sie sich in die Ausgrabung in Alexandria eingeschmuggelt hatte, hätte ihm vielleicht ein Warnsignal sein sollen. Aber war sie wirklich so hart, wie sie vorgab? Konnte jemand so verbohrt, so rücksichtslos sein? War sie eine Fanatikerin?

Noch zwanzig Minuten, bevor sie die Schwelle erreichten... »Wie lange wird unser Sauerstoff reichen?«, fragte er.

Patrick deutete auf eine Anzeige. »Darum würde ich mir keine Sorgen machen. Das hier reicht noch für fast sechzig Stunden für uns vier. Eher würde uns der Strom ausgehen, und der ist ausreichend für etwa zehn Stunden Tauchgang.«

»Zehn Stunden!«

»Ich schätze, Sie hatten ohnehin nicht vor, länger da unten zu bleiben, oder?«

»Nein, natürlich nicht!«

»Ich behalte die Anzeigen jedenfalls im Auge, keine Sorge, alter Freund.«

Peter nickte und gab sich wieder seinen Gedanken hin, während sie weiter lautlos in die Tiefe sanken.

»Patrick, Dick hier. Können Sie mich hören?«

Peter schrak regelrecht zusammen, als die Stimme über die Lautsprecher erklang. Es erinnerte ihn daran, dass sie noch immer mit der Argo verbunden waren, und es gab ihm ein kleines Gefühl der Sicherheit.

»Ja, ich höre Sie.«

»Sehr gut. Sie sind in ein paar Minuten unten. Drosseln Sie jetzt die Sinkgeschwindigkeit und halten Sie Alvin mindestens zwei Meter über dem Boden.«

»Alles klar.« Patrick bediente einige Hebel. »Wie ist die Lage bei Ihnen?«

»Das Wetter ist unverändert. Die Küstenwache ist abgezogen. Der Captain hat ihnen einen Maschinenschaden gemeldet, sodass wir jetzt offiziell hier liegen bleiben. Sobald der Sturm vorüber ist, werden sie aber wiederkommen. Vermutlich in vier bis sechs Stunden. Ach ja, Scheinwerfer nicht vergessen.«

»Sind an, danke.«

»Ansonsten alles klar bei Ihnen?«

»Bis auf die Tatsache, dass wir eine geladene Pistole an Bord haben, ja.«

»Okay, verstehe. Also dann, viel Erfolg.«

Die Verlangsamung war kaum spürbar. Peter drückte den Kopf an sein Bullauge und beobachtete, wie der Meeresboden in Sicht kam. Es war dunkler Sand, nur an wenigen Stellen lagen weiß leuchtende Stücke, Muschelschalen oder andere Kalkreste. Er sah einen Krebs mit hellem Panzer, der unbeeindruckt von den Scheinwerfern über den Grund krabbelte. Vielleicht war er ohnehin blind. Eine absonderliche Situation, sich in diesem Gebiet zu bewegen, unter diesen unvorstellbaren Druckverhältnissen, bei nur wenigen Grad über dem Gefrierpunkt und in völliger Dunkelheit. Und sie wollten sogar noch tiefer hinab.

Wenige Meter über dem Meeresboden stoppte die Abwärtsbewegung von Alvin. Patrick überprüfte einen Monitor, der ihm das Sonarbild des Gebiets vor ihm lieferte, überlagert von der Karte, die sie mithilfe von Sentry erstellt hatten. Darüber hinaus navigierte er nur auf Sicht und lenkte das U-Boot langsam vorwärts.

Nach einer Weile erreichten sie einige der schwarzen Blöcke, die sie von den Bildern kannten. Nun, da sie selbst in knapp zwei Metern Abstand über sie hinwegfuhren, wirkten sie deutlich fremdartiger als auf dem Bildschirm.

Patrick steuerte das Boot weiter. »Da vorn geht es los«, sagte er, und kurz darauf endete der Sandboden unter ihnen so abrupt, als sei er mit einem Messer abgetrennt. An ihn schloss sich nahtlos eine vollkommen schwarze Fläche an. Als sie die Kante ein Stück weit hinter sich gelassen hatten, wurde der Anblick verstörend. Hatten die Scheinwerfer in der Schwärze der offenen Tiefsee bisweilen noch Schwebeteilchen oder kleinste Lebewesen beleuchtet, so verschluckte die Schwärze nun alles unter ihnen. Peter und Patrick kannten den Anblick aus Südfrankreich, dennoch war er, wie damals, höchst irritierend. Anders als damals wurden die Sonarwellen hier allerdings reflektiert, und Patrick maß eine Höhe über dem Grund von einem Meter siebenundachtzig.

»Wir sind da«, sagte er schließlich. »Nach den Messungen von Sentry ist hier ausreichend Platz unterhalb der Trennschicht, sodass wir absinken werden.« Dann sprach er in sein Mikrofon. »Dick, kannst du mich hören?«

»Hier ist John. Wir können Sie hören und beobachten Ihren Tauchgang auf den Monitoren. Sie sind jetzt an der Stelle.«

»Hallo, John. Wir tauchen jetzt ab. Wir wissen ja, dass die Trennschicht die Datenströme durch das Kabel nicht stört, aber trotzdem wollte ich vorher noch einmal Hallo sagen. Wer weiß, was passiert.«

»Hoffentlich nichts weiter. Dick sagt, der plötzliche Druckunterschied könnte theoretisch Probleme verursachen, aber die Titankapsel sollte das wegstecken können.«

»Ja, das denke ich auch.«

»Danken Sie daran, die Auftriebstanks vollständig zu leeren, damit sie Ihnen nicht platzen.«

»Ist klar.«

»Also dann, viel Glück!«

»Danke, Captain.«

»Welche Probleme meinte er?«, fragte Peter.

»Sie erinnern sich, dass der Tiefenmesser nach dem Durchbrechen der Trennschicht plötzlich wieder bei einer Tiefe von null Metern neu zu zählen begann?«

»Ja.«

»Nun, Tiefenmesser messen streng genommen nicht die Tiefe, sondern den Umgebungsdruck. Da man weiß, wie der in der Tiefe zunimmt, kann man die Tiefe berechnen. Wenn aber der Tiefenmesser null Meter anzeigt, bedeutet das, dass der Umgebungsdruck dem der Oberfläche entspricht. Hier, wo wir jetzt sind, lastet der dreihundertfünfzigfache Druck auf dem U-Boot. Wenn wir die Schicht durchbrechen, fällt der Druck ganz plötzlich vollkommen weg. Es könnte sein, dass das einige Teile des Bootes strapaziert. Das meinte er.«

»Und das kann gefährlich werden?«

»Vermutlich nicht.«

»Vermutlich?! Ihre Zuversicht...«

»...möchten Sie haben. Ich wusste, dass Sie das sagen würden.« Er grinste.

»Sie klingen fast wie ein altes Ehepaar«, meinte Stefanie, die wieder wach geworden war und lächelte.

»Dann sollte Patrick jetzt dafür sorgen, dass uns der Tod nicht so schnell scheidet.«

Patrick winkte ab. »Das kriegen wir schon hin. Ich werde jetzt sinken. Zur Sicherheit sollten Sie sich alle gut festhalten. Wer weiß, wie ruckelig es wird.«

Er griff nach dem Steuerknüppel, und als wenige Augenblicke später die Anzeige der Entfernung zum Boden auf E 99999.9 umsprang, wussten sie, dass sie in die schwarze Schicht eingedrungen waren.

»¿Qué cojones? Capitán, das U-Boot ist verschwunden!«