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Patrick wandte sich wieder den Steuerknüppeln zu, die die Greifarme bedienten, krallte sie erneut in den seitlichen Wänden fest, zog das Boot einige Handbreit weiter und wiederholte den mühsamen Vorgang wieder und wieder. Es dauerte zwanzig Minuten, bis Alvin endlich frei war und den offenen Bereich vor dem Tor erreichte. Etwa eine U-Bootlänge vor ihnen ragte die Felswand auf, in die das fast zehn Meter hohe Tor eingelassen war. Patrick bediente versuchsweise die seitlichen Thruster. Das Boot scherte zur Seite und dann wieder zurück.

»Gut«, sagte er. »Hier kommen wir zur Not raus.« Dann bewegte er Alvin näher an das Tor heran. Es war ein Stück in den Felsen versetzt und bestand aus demselben schwarzen Gestein oder Material, das sich überall fand. Überzogen war die Oberfläche mit rotgolden glänzenden Streifen, die gleichmäßige geometrische Muster formten. Das große Symbol blieb das einzige Zeichen, das eine Bedeutung zu haben schien. Es prangte in etwa zwei Metern Höhe und war leicht erhaben.

»Und Sie meinen, dass dies tatsächlich ein Tor ist?«, fragte Peter an Stefanie gewandt.

»Ja.«

»Dann müsste es einen Öffnungsmechanismus geben«, sagte Patrick. Er ließ die Scheinwerfer des U-Boots über die Fläche gleiten, aber sie schloss an allen Seiten nahtlos mit dem Fels ab.

»Das Symbol«, sagte Peter. »Vielleicht ist es beweglich?«

»Das kann ich mir nicht vorstellen...«

»Probieren Sie es mit den Greifarmen«, hakte Peter nach.

Patrick bediente einen Steuerknüppel. Der rechte Arm des U-Boots streckte sich und berührte das Symbol.

Ein plötzlicher Ruck fuhr durch das Boot, die Scheinwerfer strahlten für einen Sekundenbruchteil auf, dann wurden die Monitore im Inneren schwarz.

In den folgenden Sekunden schockierten Schweigens flammten sie einer nach dem anderen wieder auf und zeigten die durchlaufenden Daten einer Selbstdiagnose-Software. Nochmals einige Sekunden später erschienen wieder die vertrauten Anzeigen.

»Was war das?!«, fragte Peter.

»Ein Systemabsturz«, meinte Patrick. »So was wie eine Spannungsspitze, eine Überladung oder was weiß ich.«

»Sehen Sie, das Symbol!«, rief Peter aus.

Auf dem Monitor war zu sehen, dass das Zeichen auf dem Tor ein pulsierendes Leuchten von sich gab.

»Ich fass es nicht«, sagte Patrick.

»Sie haben es aktiviert, bravo«, sagte Kathleen mit ehrlicher Begeisterung.

»Jetzt müssen wir nur hoffen, dass es keine Selbstschussanlage ist...«

Während sie gebannt auf den Monitor sahen, wurde das Pulsieren schneller, und mit einem Mal kam es zum Stillstand.

Dann bewegte es sich langsam nach oben. Aber nicht nur das Symbol hob sich an, es war das ganze Tor, das sich mit einem Mal nach oben schob.

In der Felswand vor ihnen eröffnete sich nun ein gewaltiger Raum. Es war keine natürliche Höhle, sondern eine künstliche Halle mit vollkommen ebenem Fußboden und leicht gewölbten Wänden. Unbekannte Lichtquellen leuchteten von der Decke herab, so als strahle das Material selbst, so ähnlich, wenn auch deutlich kräftiger, wie das Symbol auf dem Tor. Das Innere war dadurch vollkommen erhellt, und auf den ersten Blick wirkte es wie ein sonnendurchfluteter Pool.

»Unglaublich!«, entfuhr es Peter. »Wo führt diese Halle hin?«

»Es gibt nur einen Weg, das herauszufinden«, gab Patrick zurück.

»Wollen Sie etwa...?«

»Na klar. Egal wie lange wir jetzt hier sitzen und uns Gedanken über die Risiken machen, am Ende werden wir es doch tun.«

Peter nickte. »Ja, da haben Sie vermutlich recht...«

»Also dann.« Da der Hauptantrieb ausgefallen war, drehte Patrick das U-Boot mithilfe der Seiten-Thruster um neunzig Grad und manövrierte es seitlich durch das Tor.

Es ging nur sehr langsam vorwärts, aber immerhin funktionierte es, und nach einer Weile waren sie gut zwanzig Meter in die Halle eingedrungen und näherten sich der rückwärtigen Wand.

»Wir ziehen irgendein Kabel hinter uns her«, bemerkte Peter mit einem Mal. Sein Bullauge wies in Richtung des Ausgangs. Ein signalrot leuchtendes Kabel schlängelte sich durch das Tor und über den Boden.

»Tatsächlich? Lassen Sie mal sehen!«

Patrick drehte Alvin, bis er den Ausgang durch die vorderen Bullaugen sehen konnte.

»Verdammt«, sagte er. »Das ist unser Datenkabel. Kein Wunder, dass wir die Verbindung nach oben verloren haben. So wie das aussieht, muss es abgerissen sein.«

»Das Tor!«, rief Peter, der Patricks Ausblick auf dem Monitor sehen konnte. »Es senkt sich wieder!«

»Mist, so schnell schaffen wir es nicht zum Ausgang«, sagte Patrick. »Hoffentlich gibt es auch von innen einen Türöffner, sonst sitzen wir jetzt in der Falle.« Noch während er das sagte, kam auch auf der Rückseite des Tores das große Symbol in Sicht. »Hmm... das sieht ja nicht so schlecht aus«, meinte er.

Kaum berührte das Tor den Boden, als mit einem Mal Luftblasen das Wasser um sie herum erfüllten. Erst waren es faustgroße, silbrig glänzende Blasen, dann wurden sie in Sekunden zu kopfgroßen Halbkugeln, die wie zittrige Quallen nach oben stiegen. Immer mehr Blasen umhüllten sie, das U-Boot begann zu rütteln. Die Sicht nach außen war gleich null, nur noch silbernes Glitzern umgab sie, während Alvin immer kräftiger wackelte.

Patrick bediente die Kontrollen, bemühte sich, das U-Boot auf dem Boden abzusetzen, um nicht unkontrolliert herumgeschleudert zu werden. Er konnte sich nur an der angezeigten Entfernung zum Boden orientieren und wusste, dass das Boot aufgesetzt hatte, als es einen harten Ruck gab und das Rütteln nachließ. Die Luftblasen waren aber weiter angewachsen. Inzwischen machte das Wasser den Eindruck, als würde es brodeln und kochen. Sicherheitshalber sah Patrick auf die Anzeige der Außentemperatur. Sie hatte sich im Gegensatz zur Tiefsee leicht erhöht, lag aber noch immer unter zehn Grad.

Unsicher sahen sie nach draußen und auf den Monitor. Sie trauten ihren Augen nicht, als plötzlich Wassertropfen von den Schreiben der Bullaugen herabrannen. Der Wasserspiegel war unterhalb der Scheiben gesunken, sank weiter, und wenige Momente später lag das U-Boot vollständig auf dem Trockenen.

»Ich...«, begann Patrick. »Ich... sag jetzt einfach gar nichts mehr.«

»Eine Schleuse!«, sagte Kathleen. »Wir sind in einer Luftschleuse. Viertausend Meter unter dem Meer in einer jahrtausende alten Luftschleuse, die noch immer funktioniert!«

Peter sah aus dem Bullauge. »So sieht es aus... ja.«

»Und was machen wir jetzt?«, fragte sie. »Aussteigen?«

»Wir wissen nicht, ob die Luft atembar ist«, sagte Patrick. »Vielleicht ist das da draußen Stickstoff oder sonst was.«

»Wir können es doch ausprobieren«, erwiderte die Journalistin.

»Und wenn es ein giftiges Gas ist?«, fragte Peter.

»Die letzten Messwerte, die ich aus dem Wasser habe, zeigen nichts Außergewöhnliches«, sagte Patrick. »Aber es bleibt ein Risiko.«

»Ach was«, sagte Kathleen. »Machen Sie schon auf. Ich gehe als Erste. Und wenn ich tot umfalle, kann es Ihnen ja nur recht sein.«

Patrick und Peter sahen sich an. Der Professor zuckte mit den Schultern.

»Also gut«, meinte Patrick schließlich und löste die elektronische Verriegelung der Luke. Kathleen griff über sich, öffnete sie und klappte sie auf. Sie atmete tief ein. Dann kletterte sie nach oben und war verschwunden. Einen Moment später tauchte sie vor dem vorderen Bullauge auf. Ihr Bild wurde auf den Monitor im Inneren übertragen. Sie stand da, stemmte die Hände in die Hüfte und sah sich um.

»Sie sieht noch ganz lebendig aus«, meinte Peter.

»Ja, blöd«, seufzte Patrick.

Stefanie stieß ihn in die Seite.