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»Tja, dann«, meinte Peter, »mache ich mich auch mal auf den Weg. Kommen Sie nach?« Er streckte seinen Kopf aus der Luke. Die Luft roch leicht fremdartig und würzig und war etwas wärmer als im U-Boot, aber abgesehen davon schien es normale Luft zu sein, und das Atmen war problemlos. Peter kletterte nach draußen und suchte eine Möglichkeit, um von Alvins Oberseite nach unten zu kommen. Eine Treppe gab es hier natürlich nicht, daran hatte er nicht gedacht. Schließlich entschloss er sich, sich auf den Rand zu setzen, und sprang den letzten Meter. Er landete hart, kippte vornüber und fing sich eher recht als schlecht mit den Händen auf.

»Das gibt Abzüge in der B-Note.« Patrick, der hinter ihm ausgestiegen war, lachte. Dann kam auch er herabgesprungen, gefolgt von Stefanie.

Zu viert standen sie nun neben dem U-Boot. Den Boden der Halle bedeckten einige flache Pfützen Meerwasser, die letzten Reste von einigen Millionen Litern, die durch die hineingepumpte Luft in kürzester Zeit aus dem Raum gepresst worden waren. Wohin, das war nicht offensichtlich.

Sie gingen ein paar Schritte, berührten den Boden und die Wände.

»Wir sind da, Peter«, sagte Patrick. »Sie haben Atlantis gefunden. Jetzt geht das Abenteuer erst richtig los.«

Peter antwortete nicht. Zu ungeheuerlich war ihm die Vorstellung, dass sie auf einem Boden standen, der vor zehntausend Jahren oder sogar noch längerer Zeit zuletzt berührt worden war. Es umgab sie das wohl größte Rätsel der Menschheitsgeschichte. Und die Technologie dieser Kultur konnten sie nur hoffen zu verstehen.

»Ah, jetzt ist auch klar, warum der Antrieb ausgefallen war«, sagte Patrick, der um das U-Boot herumgelaufen war. »Das Datenkabel hat sich hier hinten verfangen. Wir haben eine gute Chance, dass wir das Ding wieder flottkriegen.«

»Dann können Sie ja auch hierbleiben«, sagte Kathleen. Sie hatte ihre Pistole in der Hand und wedelte damit herum. »Wir anderen gehen jetzt jedenfalls los.«

Sie deutete in Richtung der rückwärtigen Wand, wo Treppenstufen und eine Tür zu sehen waren. Patrick schloss sich ihnen an. Er fuhr mit der Hand über die Wand, überlegte, was dies für ein Material war. Es machte den gleichen glatten und strukturlosen Eindruck wie die schwarzen Blöcke, aus denen die äußeren Bauten bestanden. Diese Wände waren jedoch grau-silbern und changierten ganz leicht, als handle es sich um eine mit Metall beschichtete Oberfläche. Sie war offenbar äußerst stabil, aber sie fühlte sich etwas rutschig, fast weich an. Konnte es eine Art Teflon sein? Er ging näher mit dem Gesicht heran, kratzte mit dem Fingernagel daran. Etwas mit einer Nanostruktur, wie mit Ginkgoeffekt...

»Kommen Sie?«, hörte er plötzlich Peters Stimme. Sie standen bereits in der geöffneten Tür, als Patrick zu ihnen aufschloss. Dann verließen sie die Halle und betraten das Innere der eigentlichen Anlage.

Die Scheinwerfer der Hondura wanderten wie die Beine einer dürren Spinne über die Trümmerlandschaft am Boden des Abgrundes. Zwischen den Steinen schlängelte sich ein Kabel hindurch, das sich leuchtend orangerot vom Untergrund abhob.

»Da ist es!«, rief González. »Wie die Leine eines dreckigen Köters... sehr gut...«

Das U-Boot der Kubaner senkte sich ein wenig und folgte der Spur, die Alvin hinter sich her gezogen hatte.

AUTEC U.S.-Navy-Recherche-Zentrum, Andros Island, Bahamas

Lieutenant Commander Walters legte das Telefon auf. Die Küstenwache hatte den Einsatz abgebrochen. Es hatte einen Unfall gegeben, und er, Walters, trug dafür nun mit die Verantwortung. Sicher nicht im disziplinarischen Sinn. Aber ohne seinen Anruf in Miami wäre dieser Einsatz nicht zustande gekommen.

Ein Sturm hatte sich über dem Meer entwickelt, und die beiden Forschungsschiffe lagen direkt auf seinem Weg. Nun konnte es sein, dass die Schiffe tatsächlich Hilfe benötigten. Aber noch hatte keines der beiden Schiffe Seenot gemeldet.

Sollte er die Angelegenheit einfach auf sich beruhen lassen? Die Verantwortung für das Geschehene und alles, was noch kommen mochte, vollends an die Küstenwache abtreten? Es wäre bequem. Und niemand würde ihm einen Vorwurf daraus machen.

Aber das war der Weg all derer, die er mehr und mehr verachtete. Der Rückzug des Menschlichen auf die sichere Distanz des Bürokratischen, die Gleichgültigkeit, das Vermeiden, eine Stellung zu beziehen und dafür einzustehen.

Walters stand auf und machte sich auf den Weg in den Kontrollraum. Dort angekommen ließ er sich die Satelliten-Karten des Gebiets zeigen und von der Wetterprognose überlagern. Kurz darauf war ihm klar, was er zu tun hatte.

Kapitel 15

Unbekannte Anlage unter dem Meer

Sie gingen durch einen Korridor. Als sie eine weitere Tür erreichten und deren Öffnungsmechanismus betätigen wollten, senkte sich ein Stück weit hinter ihnen ein Schott. Erst als es den Boden berührte, glitt die Tür vor ihnen auf.

Sonnenlicht schlug ihnen entgegen.

Sie blinzelten, hoben die Hände, um ihre Augen zu beschatten. Vor ihnen lag ein Atrium von ungeheuren Ausmaßen. Der Platz war mit weißen, schwarzen und roten Steinen gepflastert, die komplexe Ornamente bildeten. Zu den Seiten hin lagen wuchtige Arkaden, die darüber zu mehrere Stockwerke hohen Gebäuden anwuchsen, umgeben von geschwungenen Treppen und gesäumt von großzügigen Galerien. In der Mitte des Platzes ragte eine Säule aus gelbgoldenem Licht in die Höhe. Das Licht bewegte sich glitzernd und funkelnd in einem sanften Strom nach oben, als ob es aus Partikeln und Fäden bestünde, ineinander verwoben und fließend. Irgendwo in fünfzehn oder zwanzig Metern Höhe, wo die Lichtsäule an die Decke stieß, teilte sich der Strom auf, zerstob in einem Fleck großer Helligkeit und fiel in einzelnen, tanzenden Strahlen zurück zu Boden.

»Genauso sah die Lichtsäule in der Höhle aus!«, rief Patrick an Peter gewandt. »Erinnern Sie sich, was ich Ihnen damals erzählte? Genauso war es! Nur alles in Blau.«

Peter schwieg und ließ seinen Blick ungläubig schweifen. War dies Atlantis? Es war so ganz anders, als er es sich vorgestellt hatte. So real, so intakt und zugleich so fremdartig. Die Details der Architektur und der Ornamente glichen keiner anderen Kultur, hätten von einem fremden Planeten stammen können. Nichts deutete darauf hin, dass diese Konstruktionen zehntausend Jahre alt, ja vielleicht sogar noch viel älter waren. Das sonderbare Material der Wände, die stets leicht geschwungenen Formen und gewölbten Flächen, das Lichtphänomen, alles wirkte eher der Zukunft als der Vergangenheit entsprungen.

»Marie«, sagte Kathleen, »oder Stefanie, oder wie Sie jetzt heißen: Sie kennen sich ja hier offenbar besser aus als der Professor. Und die Schrift können Sie auch lesen. Also los, führen Sie uns herum!«

»Na, gut«, sagte Stefanie, »wenn Sie wünschen...«

»Ja, ich wünsche es!«

»Womit soll ich anfangen, was interessiert Sie? Was möchten Sie sehen?«

»Na alles natürlich! Was ist das hier, wie funktioniert es? Ich will alles über die Atlanter wissen. Was sind das hier für Gebäude beispielsweise?«

»Sie sind leer«, erklärte Stefanie. »Wofür auch immer sie benutzt wurden, so war dies zum Zeitpunkt des Untergangs schon nicht mehr der Fall. Sie waren geräumt, so wie der größte Teil von Atlantis.«

»Dann war es keine plötzliche Katastrophe wie in Pompeji?«, fragte Peter.

»Es war außerordentlich schnell und von unvorstellbarem zerstörerischen Ausmaß«, sagte Stefanie, »aber es kam nicht überraschend. Die Astronomen hatten bereits Monate zuvor das Ereignis berechnet, und die Evakuierung lief dementsprechend frühzeitig an.«

»Der Ereignis?«

»Der Meteorit.«

»Dann stimmt die Theorie also! Ein Meteorit! Und wurde es als göttliche Strafe verstanden?«, wollte Kathleen wissen.