Выбрать главу

Als sie unten ankamen, drang ihnen plötzlich ein lautes Kreischen entgegen, und was sie sahen, ließ sie abrupt stehen bleiben.

Es war Kathleen. Sie lehnte an einer Wand gegenüber dem Treppenabsatz und starrte sie mit weit aufgerissenen Augen an, die drohten aus den Höhlen zu quellen. Ihr Haar war zerzaust, in Büscheln ausgerissen, der Kopf blutüberströmt und ihr Oberteil dunkelrot getränkt. Sie schrie erneut auf, brüllte ihnen schrill etwas entgegen und fuhr mit ihrer linken Hand zum Schädel. Sie hieb sich einige Male gegen ihre Schläfe, krallte sich dann fest und kratzte mit ihren Fingernägeln tiefe Risse in ihre Haut.

»Goodness!«, ächzte Peter. »Was ist mit ihr passiert?«

Kathleen winkelte ihren rechten Arm mit ungelenken Bewegungen an und hob die Hand, in der sie die Pistole hielt.

»Sie hat noch die Waffe!«, rief Patrick und warf sich auf Peter und Stefanie, sodass sie zu dritt zu Boden stolperten.

Kathleen drückte wankend ab. Die Kugel pfiff zwei Meter über die drei hinweg und schlug in die oberen Treppenstufen. Kathleens Arm war durch den Rückschlag beiseitegeschleudert worden, aber noch immer umkrallte sie die Waffe. Wieder schrie sie auf, keuchte einige Mal, gab ein animalisches Stöhnen und Grunzen von sich, hob noch einmal ihren Arm und feuerte erneut unbestimmt in Richtung Treppe.

»Mein Gott«, stieß Peter hervor, »tun Sie etwas, Patrick. Oder Stefanie, wenn Sie können.«

Jetzt zerkratzte sich die irrsinnig gewordene Journalistin ihre blutige Stirn, hämmerte jaulend dagegen. Sie machte dabei einige taumelnde Schritte nach vorn, die Waffe noch immer erhoben. Wieder löste sich ein Schuss, der Patrick nur um wenige Zentimeter verfehlte.

Er musste sie angehen, sie zu Fall bringen! Er setzte zu einem geduckten Sprung an. Etwas in ihren Augen blitzte auf. Sie sah ihn an, ihr Arm hörte auf zu schwanken. Sie richtete die Waffe direkt auf ihn.

Patrick stieß sich von der Treppe ab, sprang los. Aber noch bevor er bei ihr war, hallte das ohrenbetäubende Stakkato einer Maschinenpistole durch den Raum, und Kathleen wurde zuckend und blutspritzend zurückgeschleudert. Sie prallte gegen die Wand, rutschte an ihr herab und fiel auf die Seite. Patrick konnte seinen Schwung nicht auffangen, stolperte weiter und rutschte in den ausblutenden Leichnam hinein.

»Wie es scheint, hätte ich nur lang genug warten müssen«, sagte jemand über ihnen auf der Treppe. »Dann hätten Sie sich wohl alle selbst kaltgemacht.« Der Mann sprach mit starkem spanischem Akzent. Er war etwa in Patricks Alter, aber wesentlich kräftiger gebaut und sah wenig vertrauenerweckend aus. Er kam lässig die Stufen hinab, ließ die Maschinenpistole in seiner Hand herabhängen. Hinter ihm folgten zwei weitere Männer, ebenfalls bewaffnet.

»Los«, sagte er an Peter und Stefanie gewandt. »Stehen Sie auf und gehen Sie zu dem dort drüben.«

Sie taten, was er von ihnen verlangte.

»Gut so. Ich bin Nuño González. Mein Schiff haben Sie schon gesehen.« Er zeigte auf Patrick, der sich inzwischen aus der Blutlache am Boden erhoben hatte. »Und du dort, du warst mit dieser Nutte bei mir, hast meine Mannschaft angegriffen.« Er ging ganz dicht an Patrick heran. »Kannst du mir einen Grund sagen, warum ich dir nicht die cojones abreißen sollte? Kannst du das?!«

Patrick roch den sauren Atem des Mannes und bemühte sich, ruhig zu bleiben. »Weil Sie noch Hilfe beim Tragen brauchen«, antwortete er neutral.

»Beim Tragen, hm?«

»Für das Gold.«

»So, so... für das Gold... Nun, ich habe noch drei andere Leute. Ich schätze, das schaffen wir auch ohne deine Hilfe.«

»Tut mir ja leid, Sie zu enttäuschen«, gab Patrick zurück. »Aber die drei hat's so ähnlich erwischt wie die da.« Er zeigte auf Kathleen. »Na ja, also ohne den Kugelhagel. Sie liegen auf Ebene zwei und sabbern nur noch vor sich hin.«

»Was?!« González machte eine kurze Bewegung und schlug dem Franzosen die Waffe so heftig ins Gesicht, dass der mit dem Hinterkopf an die Wand prallte. Patrick hielt sich stöhnend eine Hand vor das Gesicht. Zwischen seinen Fingern lief ihm Blut aus dem Mund.

»Es ist wahr«, sagte Stefanie. »Sie sind in eine Lichtanlage geraten.«

»Verdammt, González«, sagte einer der Männer, »außer Rui kann niemand die Hondura steuern!«

»Patrick ist unser Pilot«, sagte Stefanie. »Er kann euch helfen.«

»Und ihr müsst das Gold durch drei Leute weniger aufteilen«, fügte Peter hinzu und ärgerte sich augenblicklich über seine Voreiligkeit.

»Was lässt dich glauben, dass uns das Gold wichtiger ist als unsere Freunde?«, herrschte González den Professor an. »Hast du keine Ehre? Bist du so ein dreckiger Verräter?«

Peter wusste nicht, was er antworten sollte, bereitete sich innerlich auf einen Schlag vor, wie Patrick ihn eingefangen hatte. Aber González lachte nur auf.

»Seht euch das an! Ein britischer Gentleman und eine Ratte in einem!« Er versetzte Peter eine klatschende Ohrfeige und grinste dabei weiter. »Aber er hat recht!«, sagte er. »Okay, ihr zeigt uns das Gold und helft uns tragen. Und du steuerst unser Boot. Dafür kannst du deine Eier noch ein paar Tage behalten. Also los! Wo geht es entlang in diesem beschissenen Labyrinth?!«

Patrick hatte unvermittelt den Eindruck von Feuchtigkeit, roch Erde und Vegetation, fühlte kühle Schatten, und als Stefanie nun voranging, wusste er, wohin sie sie führen würde. Aber was plante sie in den Wäldern? Vermutlich konnte man sich dort hervorragend verstecken und unauffindbar bleiben, aber zunächst mussten sie die drei Männer ja loswerden. Während er sich diese Gedanken machte, drangen bereits neue Empfindungen in ihn ein. Er fühlte etwas Warmes, Klebriges an seinen Fingern, roch das metallische Aroma frischen Blutes. Dann spürte er in der Hand das Gewicht der Pistole, die er der toten Kathleen entwendet und heimlich in seinen Hosenbund gesteckt hatte. Patrick sah zu Stefanie hinüber, die seinen Blick nur kurz mit einem kaum merklichen Nicken erwiderte. Sie hatte alles mitbekommen, und sie wusste auch, dass er in diesem Augenblick ihre Gedanken wahrnehmen konnte. Es war eine recht einseitige Form der Kommunikation, wenn sie sich überhaupt als solche bezeichnen ließ. Offenbar erwartete Stefanie eine Art Ablenkungsmanöver von ihm, etwas, das mit der Pistole und dem Wald zusammenhing.

Sie gingen ein weiteres Stockwerk nach unten, folgten einem Gang, der von Rohren und technischen Armaturen gesäumt war. Fast hatte es den Anschein, als liefen sie durch einen Maschinenraum, und vielleicht stimmte es sogar. Doch die Installationen waren chromglänzend, elegant geschwungen und in regelmäßigen Abständen zu so ungewöhnlichen Formen verwoben, dass die Wände eher nach moderner Kunst als nach Technologie aussahen.

Der Gang erweiterte sich und wurde zu einem Raum, dessen Stirnwand vollkommen durchsichtig war und über sämtliche Stockwerke der Anlage nach oben reichte. Dahinter blickten sie in ein unwirkliches Schwarzgrün.

Ein dunkler Urwald aus Bäumen aller Art lag direkt vor ihnen. Nur wenige Blätter an Ranken und Sträuchern waren hier zu sehen, aber dafür unzählige gewaltige, dunkle Stämme, die schier endlos in die Höhe führten, bis sie schließlich in ein dichtes und nahezu lichtundurchlässiges Baumkronengeflecht übergingen. Der Gang befand sich einige Meter über dem Boden, wo die Wurzeln des Waldes zu sehen waren, die ein tiefes, verwobenes Netz bildeten.

»Was für ein Anblick«, entfuhr es Peter.

»Klappe halten!«, rief González. Dann wandte er sich an Stefanie. »Was soll das? Du kennst dich hier wohl aus; was sollen die Bäume hier?«

»Dort befindet sich das Gold«, erklärte Stefanie schlicht.

»In dem Wald?! Versuch nicht, mich zu verarschen!«