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Stefanie stützte Patrick, der mit schmerzverzerrtem Gesicht neben ihr humpelte. Einer der Schüsse hatte ihn in den Oberschenkel getroffen.

»Dieses Schwein«, fluchte er. »Wie konnte er uns so schnell hinterherkommen ?«

»Er muss seine Wut an allen technischen Installationen ausgelassen haben, die er unterwegs gefunden hat«, meinte Stefanie. Auch sie war getroffen worden. Eine Kugel hatte sich in ihre Schulter gebohrt. Trotzdem schien sie den Schmerz gut zu verkraften.

»Ich behindere dich«, sagte Patrick. »So kommen wir nicht schnell genug vorwärts.«

»Doch«, sagte sie. »Versuch, dich vom Schmerz lösen, konzentrier dich auf mich. Ich bringe uns in Sicherheit.«

»Vom Schmerz lösen... du bist lustig«, brachte er mit zusammengebissenen Zähnen hervor.

»Du lernst es«, gab sie zurück. »Ich weiß, dass du es kannst. Du bist schon auf dem Weg. Du musst es nur trainieren.«

Seit ihn der Kubaner getroffen hatte, war Patricks Verbindung zu Stefanie unterbrochen. Zu sehr brannte der Schmerz in ihm, er kostete ihn alle Aufmerksamkeit. Er bemühte sich, an etwas anderes zu denken, aber sein Bein fühlte sich an, als pulsiere Lava darin, es schrie in jeden seiner Gedanken hinein.

»Beobachte das Gefühl«, sagte Stefanie. »Achte darauf, wie es sich bewegt, umkreise es, verstehe es, nimm es an und schieb es bewusst beiseite. Wir kümmern uns so schnell es geht um die Verletzung, aber im Augenblick benötigt sie deine Aufmerksamkeit nicht. Du musst den Schmerz anerkennen, verstehen und dann verhüllen, ablegen.«

Patrick versuchte den Gedanken von Stefanie zu folgen. Er ahnte, was sie meinte, aber es war so schwer! Er hörte auf, auf seine Schritte zu achten, wusste, dass sie ihn führte, näherte sich stattdessen dem Schmerz, wie sie es beschrieb, und während er dies tat und ihrer Stimme dabei zuhörte, spürte er auch wieder ihre Anwesenheit. Entfernt, beobachtend, aber dort war sie und leitete ihn an.

»Du musst dich etwas beeilen«, sagte sie. »Gleich musst du ganz bei mir sein.«

Sie betraten den großen Kontrollraum mit den im Kreis angeordneten Stufen, die wie in einem Amphitheater zur Mitte hinabführten.

»Wir müssen nach unten«, sagte sie. »Die Stufen werden nicht leicht, aber du schaffst es!«

Stefanie ging jeweils eine Stufe voraus, ergriff Patricks Hüfte und half ihm, hinterherzuspringen. Beim Aufkommen schoss durch die Erschütterung der Schmerz durch seinen Körper.

»Konzentrier dich«, sagte sie, während sie die nächste Stufe nahm.

»Ich weiß, wo ihr seid!«, hörten sie die Stimme des Kubaners, während sie quälend langsam die Stufen hinabstiegen.

Eins ums andere Mal jagte brennendes Feuer durch Patrick, als er Stefanie folgte. Der Schmerz und der Blutverlust ließen ihn wanken. Er wusste nicht, wie viele Stufen es noch waren, er wusste nur, dass er nicht mehr viele davon überstehen würde, bevor er die Besinnung verlor.

Dann waren sie endlich unten, und Stefanie zog ihn zur zentralen Plattform und dem darauf befindlichen kleinen Podest, aus der die Lichtsäule in die Kuppel des Raums hinaufstieg. Patrick schleifte sein Bein hinter sich her, zu schwach, um es auch nur anzuwinkeln.

»So, ihr Ratten«, ertönte die Stimme von González aus der Höhe. »Ich könnt mir nicht länger entkommen!«

»Lassen Sie Ihre Waffe fallen«, sagte Stefanie mit kräftiger Stimme. »Ohne unsere Hilfe können Sie die Anlage nicht lebend verlassen.«

»Willst du mir etwa drohen?« González spuckte auf den Boden. »Ihr habt mir alles genommen. Das hier, was immer es ist, hat meinen Bruder getötet. Eure Experimente haben ihn umgebracht! Hier gibt es kein Gold, hier gibt es nur irgendeine teuflische Technik, mit der ihr imperialistischen Schweine die Welt unterdrücken wollt!«

»Es ist anders, als Sie denken, González.«

»Ich habe genug von euren Lügen! Ihr habt meine Leute umgebracht, einen nach dem anderen. Für mich gibt es jetzt keine Rettung mehr, aber ich werde dafür sorgen, dass dieses Labor und diese Waffen hier vernichtet werden!« Er richtete seine Maschinenpistole hinab auf Stefanie und Patrick.

Stefanie, die noch immer Patricks Hüfte umschlungen hielt, streckte einen Arm zur Lichtsäule aus.

»Tun Sie das nicht!«, rief Stefanie.

González feuerte im selben Augenblick, als Stefanie die Lichtsäule berührte.

Das Wasser im Korridor stieg unaufhörlich. Wie erstarrt beobachtete Peter den Vorgang hinter der Scheibe. Nun war er vollends gefangen. Hätte es zuvor vielleicht noch eine Möglichkeit gegeben, die Kammer wieder zu verlassen oder gerettet zu werden, so war dies nun unmöglich geworden.

Peters Gedanken kreisten in einem enger werdenden Strudel. So würde er also sterben. Kilometerweit von der Erdoberfläche entfernt, allein und im Dunkeln. Er hinterließ angefangene Arbeiten, offene Fragen und niemanden, der ihn vermissen würde. Sollte so sein Ende aussehen, unbekannt, unauffindbar, vergessen – einem unbedeutenden Sandkorn gleich?

Aber Stefanie hatte ihn doch nicht in eine Falle gelockt! Es sollte eine Rettungskapsel sein, und sie war sich so sicher gewesen, dass sie funktionieren würde! Immerhin, die schimmernden Flächen, die Schalter, oder wie auch immer man sie nennen mochte, schienen noch immer mit Energie versorgt zu werden. Aber hatte er es nicht versucht?

Vielleicht hatte er es falsch gemacht? Das falsche Feld berührt?

Noch einmal sah er sich die Flächen an der Wand an. Es schimmerte nur noch eine. Die größte von ihnen, die, die er schon ausprobiert hatte.

Zögerlich streckte er den Arm aus und berührte das Feld erneut.

Wieder schoss ein Schlag durch seinen Arm, direkt in seinen Kopf. Ächzend trat er zurück.

Es überraschte ihn, dass der Stromschlag ihn nicht verletzte. Es war eine Form von Energie, das war vollkommen klar, aber es schmerzte nicht. Es war lediglich... intensiv.

Was hatte Stefanie über das Licht und die Funktionen der Anlage erzählt? Das Licht war der zentrale Informationsträger, Es wirkte auf das Gehirn. Und es war eine Form von Kommunikation nötig. Aber wie?

Noch einmal berührte er das Feld, entschlossen, dieses Mal nicht zurückzuzucken.

Die Energie strömte augenblicklich auf ihn ein, aber er blieb standhaft. Etwas füllte seinen Kopf, ein Fremdkörper, ein fast körperlicher Gedanke. Und mit einem Mal fühlte Peter sich mit etwas verbunden. Er spürte den Raum, in dem er sich befand, als eine Verlängerung seines eigenen Körpers. Es war, als könne er die Wände spüren, die Scheibe, sogar das Wasser auf der anderen Seite. Er fühlte die Tür der Kammer, wie er seine Arme fühlen konnte, und er wusste in diesem Moment, dass sie sich öffnen würde, wenn er es nur wollte. So wie er seinen Händen keinen Befehl geben musste, um zuzugreifen, sondern es einfach tun musste, so könnte er auch einfach die Tür öffnen. Zugleich spürte er den Druck, der auf ihr lastete, und konnte das dann hereinstürzende Wasser vorherahnen. Er fühlte den Boden unter sich. Und er bemerkte noch etwas anderes. Eine schlummernde Kraft, die darauf wartete, freigesetzt zu werden. Über ihm befand sich ein Kamin. Ein Weg führte durch das Gestein, durch das Wasser und hinauf bis an die Oberfläche. Er nahm es wahr, wie ein Sprinter am Startblock die Bahn vor sich wahrnahm. Er musste nur starten.

War es so einfach? Was würde geschehen? Er könne stehen bleiben, hatte ihm Stefanie gesagt. Es sei intuitiv. Der Raum vibrierte vor Energie, wartete auf seine Entscheidung.

Also, dachte Peter. Jetzt geht es los. Und mit diesem Gedanken strebte er nach oben und fühlte, wie eine ungeahnte Kraft in der Kammer losbrach.

»Captain Harris!«, rief der Mann, der zur Brücke hereinstürzte. »Es ist da. Sie müssen sich das ansehen!«

John sah auf. Er hatte die Funksprüche der Navy vor einiger Zeit bekommen. Ein U-Boot näherte sich, forderte ihn unter Androhung von Waffengewalt auf, das Gebiet zu verlassen.