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Er hatte schon einiges mit der Küstenwache erlebt, besonders in anderen Ländern, aber auch in den Staaten. Die US-Küstenwache war nicht zimperlich. Aber auch wenn sie mit der Navy verbunden war, war sie sicher kaum in der Lage, ein U-Boot loszuschicken. Auf wessen Befehl sollte das schon geschehen? Es war lächerlich, daher hatte er es natürlich auch nicht ernst genommen.

Auf dem Radar war nichts zu sehen, aber das lag wohl eher an dem Unwetter, bei dem kein vernünftiger Kapitän hierherkommen würde.

Aber dann war auf dem Sonar, mit dem sie ständig nach dem verschollenen Alvin Ausschau hielten, etwas aufgetaucht. Etwas Großes. Und er hatte kaum begonnen, sich darüber Gedanken zu machen, als er auch schon an Deck gerufen wurde.

John klappte seinen Kragen hoch und trat aus der Brücke.

Der Regen peitschte ihm ins Gesicht, der Sturm zerrte an ihm. John hielt sich an der Reling fest und sah hinunter.

Zwischen den Wellen, die sich backbordseitig auftürmten, lag etwas Dunkles im Wasser. Die Wellen brachen sich schäumend daran. Einer der Scheinwerfer der Argo beleuchtete das von Gischt umtoste schwarze Metall eines gewaltigen Kommandoturms, der fast zehn Meter aus dem Meer ragte. Eine breite Querflosse, wie das Höhenruder eines Flugzeugs, war zu erkennen.

»Ich werd verrückt«, murmelte John. Dieser Anblick war ihm wohl vertraut. Allerdings aus dem Kino.

Während er zusah, hob sich das U-Boot aus den Wellen. Der Kommandoturm stieg höher, dann tauchte der Körper auf, schien sich von der Mitte aus nach vorn und hinten auszubreiten. Immer mehr des Boots wurde sichtbar. Es war so groß wie die gesamte Argo von Bug bis Heck. Und noch immer stieg es auf. Die Wellen tobten darüber hinweg, aber gegen den massigen Körper richteten sie nur wenig aus.

John starrte fassungslos auf das Schauspiel. Das U-Boot schaukelte auf und ab, die Besatzung musste heftig durchgeschüttelt werden. Es gab keinen sinnvollen Grund, bei diesem Seegang aufzutauchen, außer einem: Es sollte ihn beeindrucken. Und das war gelungen.

Das dort, erkannte John, war nicht einfach nur ein U-Boot. Es war ein verdammtes Atom-U-Boot, und es war doppelt so lang wie sein eigenes Schiff!

John stürzte zurück auf die Brücke. Die USS Georgia... warum hatte er sich nicht die Zeit genommen nachzuschlagen, was das für ein Schiff war?!

»Stellen Sie einen Kontakt zu dem Boot her«, bellte er. »Und zwar ein bisschen plötzlich.«

»Der Kapitän ist bereits dran«, kam die Antwort, und man reichte ihm das Funkgerät.

Etwas geschah um ihn herum, ohne dass Peter erkennen konnte, was. Er spürte Aktivität, Bewegung, etwas umhüllte ihn. Er hob versuchsweise den Arm, stieß aber nach wenigen Zentimetern an ein unsichtbares Hindernis. War das auch Nanotechnologie, wie Stefanie gesagt hatte? Dann rührte sich etwas über ihm. Er sah hinauf und bemerkte, dass sich die Decke der Kammer beiseitegeschoben hatte, darüber lag Schwärze.

Er spürte, dass er angehoben wurde. Er schwebte! Der Boden entfernte sich einige Handbreit. Dann wurde sein Körper sanft nach unten gedrückt, er fühlte eine Beschleunigung, und plötzlich verschwand der Boden der Kammer mit einer fantastischen Geschwindigkeit unter seinen Füßen und war nach einem Lidschlag nicht mehr auszumachen.

Peter fühlte noch immer eine zunehmende Beschleunigung. Es ging rasant nach oben. Aber um ihn herum war nur absolute Dunkelheit, es fehlte jeglicher Orientierungspunkt. Den Gedanken, in einem Kokon in totaler Finsternis eingesperrt zu sein, verdrängte er mit aller Macht, kostete die rasante Aufwärtsbewegung aus, so gut er konnte, hielt sich daran fest, dass dies die Richtung zur Oberfläche war – wenngleich er keine Vorstellung hatte, was genau mit ihm geschah.

Er versuchte zu rechnen. Er befand sich in viertausend Metern Tiefe. Wie schnell mochte er sein? Waren es fünf Meter pro Sekunde? Dann würde der Aufstieg noch immer dreizehn Minuten dauern. Vielleicht war er auch schneller? Zehn Meter pro Sekunde? Er konnte es nicht sagen, es gab keinerlei Anhaltspunkte um ihn herum. Er wusste nur, was er über das Tauchen gehört hatte, und dass man keinesfalls schneller als Luftblasen auftauchen sollte. Wie schnell durfte man einen so hohen Druck verlassen, der hier unten herrschte? Er hatte gehört, dass Lungen explodieren und platzende Luftblasen das Blut zum Schäumen bringen konnten. Aber dann beruhigte er sich damit, dass die Konstrukteure dieser Rettungskapseln solcherlei Physik sicherlich bedacht hatten. Und dass der Druck in dieser Kapsel sicherlich dem der Oberfläche entsprach, jedenfalls, wenn er die Erklärungen Patricks richtig verstanden hatte. Dennoch: Der Druck unterhalb der künstlichen Trennschicht hatte sich ja anders verhalten als auf dem angenommenen Meeresgrund. Wenn er die Trennschicht überwand, musste die Kapsel um ihn herum dann nicht augenblicklich zerquetscht werden?

Er zermarterte sich das Gehirn, und sosehr ihn die Gedanken um mögliche Todesarten beunruhigten, war er doch froh, dass er sich keine Gedanken um die Enge und die Dunkelheit machte, die er so sehr fürchtete.

Und dann begann es um ihn herum heller zu werden. Zunächst kaum merklich, er meinte, seine Hände vor der Schwärze zu erkennen. Doch langsam wurde alles um ihn herum bläulich. Er sah sich staunend um. Er schwebte durch das Wasser, umgeben von einer transparenten, unendlich stabilen Hülle, die ihn nach oben transportierte. Unter ihm lag die Schwärze des Abgrunds, aus der er kam, und über ihm kam das Licht auf ihn zu. Während er staunend in das offene Meer hinaussah, bemerkte er, dass er erneut leicht zusammengestaucht wurde, als die Kapsel ihre Geschwindigkeit reduzierte. Je heller es wurde, desto langsamer wurde er, dann spürte er sanfte seitliche Bewegungen, und mit einem Mal durchbrach er die Wasseroberfläche.

Die Kapsel tanzte auf dem aufgewühlten Wasser. Er ragte mit dem Oberkörper heraus, sah den offenen, bewölkten Himmel über sich. Wellen und Regen prallten an der transparenten Hülle ab, und durch das Chaos hindurch entdeckte er die mit Scheinwerfern beleuchtete Argo in höchstens fünfzig Metern Entfernung. Es war ein wunderbarer Anblick.

Einer der großen Strahler war auf ihn gerichtet. Wie konnten sie wissen, dass er auftauchen würde?

Er sah sich um und erkannte, dass der Scheinwerfer nicht auf ihn, sondern auf ein Objekt hinter ihm gerichtet war. Keine zwei Armlängen hinter ihm ragte die finstere Stahlwand des größten U-Boots auf, das er jemals gesehen hatte.

Dann zerplatzte die unsichtbare Hülle, die ihn umgab, und die Wellen schlugen über seinem Kopf zusammen.

Kapitel 17

AUTEC U.S.-Navy-Recherche-Zentrum, Andros Island, Bahamas

Lieutenant Commander Walters sah auf, als es an seiner Tür klopfte.

»Herein.«

Es war Chief Warrant Officer Parker. »Guten Morgen, Sir«, sagte er und salutierte. »Er ist hier. Kann ich ihn hereinlassen?«

Walters nickte. »Ja, danke. Und bitten Sie Helen, uns ein paar Kekse und Kaffee zu bringen.«

Parker verschwand, während Walters sich von seinem Stuhl erhob und hinter seinem Schreibtisch hervorkam.

Der Engländer, der eintrat, war hochgewachsen und für seine zweiundsechzig Jahre erstaunlich rüstig. Seine Kleidung sah etwas mitgenommen aus, aber er hatte sich ganz offenbar Mühe gegeben, sie in Form zu bringen, und er war ordentlich frisiert und rasiert. Seine Augen blitzten Walters an, strahlten Ernsthaftigkeit und Seriosität aus. Dieser Mann war standfest, und er hätte vermutlich auch in Lumpen noch souverän ausgesehen.

»Es freut mich, Sie begrüßen zu dürfen, Professor Lavell.«

Peter schüttelte Walters die Hand.

»Guten Morgen, Lieutenant Commander.«