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Peter erinnerte sich lebhaft, wie Patrick und Stefanie angeschossen worden waren und der Korridor mit den Rettungskapseln kurz darauf vollgelaufen war. Wenn Sie nicht kurze Zeit nach ihm auf irgendeine Weise hatten fliehen können, gab es keine Chance, dass sie noch lebten.

»Sabotage«, sagte er schließlich leise. »Ja, das war es. Aber nicht von unserer Seite.« Dann erklärte er, wie ihre Bilder an die Presse geraten waren und was Patrick an Bord der Libertad erlebt hatte.

»Ungeheuerlich«, sagte Walters und schüttelte den Kopf. »Leider gab es keine Handhabe gegen diese Leute. Als die Georgia auftauchte, machten sie kehrt und verschwanden.«

...und ließen ihr Boot und seine Besatzung auf dem Meeresgrund zurück, dachte Peter. Was Gier aus Menschen machte, war beängstigend genug, und González war ein gutes Beispiel dafür. Dass aber auch seine eigene Mannschaft ihn im Stich lassen würde, war nicht weniger ungeheuerlich. Nicht auszudenken, wenn die Leute die Technologie und das ganze hoch entwickelte Wissen von Atlantis in ihren Besitz gebracht hätten.

Und nun? Was geschah nun mit den Archiven?

Er versuchte, nicht daran zu denken, zu viele große Fragen schwirrten in seinem Kopf umher. Stattdessen erzählte er Walters, wie sich der Absturz des Helikopters zugetragen hatte.

Walters hörte aufmerksam zu. Aber Peter bekam das Gefühl, als interessiere sich der Mann nicht so sehr für die Details. Und schließlich, als die Abläufe rekonstruiert waren, sagte er: »Professor, erzählen Sie mir, was Sie dort auf dem Meeresboden gesucht haben, was Sie gefunden haben, und was dann passierte!«

Peter schwieg lange Zeit.

»Alvin hatte einen technischen Defekt«, sagte er schließlich. »Die technischen Anlagen fielen aus. Wir haben die Gewichte manuell gelöst und uns nach oben treiben lassen. An der Wasseroberfläche mussten wir die Luke öffnen, um unsere Position zu signalisieren. Eine Welle traf uns, ich wurde hinausgespült, aber Alvin hat es unter Wasser gedrückt. Und dann ist das Boot in der Tiefe versunken.«

Walters suchte nach Anzeichen von Emotionen im Gesicht des Professors. Aber der war gefasst. Vielleicht stand er noch unter Schock. Die Erlebnisse mussten schlimm gewesen sein.

»Und auf dem Meeresboden?«, fragte er noch einmal nach. »Was haben Sie auf dem Meeresboden gefunden?«

»Steine«, antwortete Peter. »Nur Steine.«

Sie unterhielten sich noch eine kleine Weile, aber Walters wusste, dass er keine näheren Informationen von dem Professor bekommen würde. Schließlich stand er auf und verabschiedete ihn.

»Es hat mich gefreut, Sie kennenzulernen, Professor.« Er reichte ihm die Hand und begleitete ihn aus dem Büro, durch die Flure und zum Ausgang des Hauptgebäudes. »Man wird Sie kontaktieren, wenn weitere Fragen zu dem Projekt auftauchen. Aber Sie wissen ja, wie langsam die Mühlen mahlen. Sie können Ihre Heimreise nach Deutschland antreten. Alles, was sich noch an Bord der Argo befindet, wird Ihnen nachgeschickt.«

Walters öffnete die Tür und ließ Peter hinaustreten. Dann reichte er ihm einen Umschlag.

»Hierin befinden sich ein provisorischer Pass und etwas Bargeld für Sie. Man hat mir mitgeteilt, dass Sie abgeholt werden.« Walters deutete über den Parkplatz zum Wärterhäuschen am Eingang der Basis. »Der Wagen müsste bereits dort stehen.«

Peter nickte. Das verhältnismäßig inhaltsleere Gespräch mit dem Lieutenant Commander und dessen bündiger Abschied waren nichts anderes als eine nachdrückliche, aber nicht ausgesprochene Empfehlung, das Land auf dem schnellsten Weg zu verlassen. Vermutlich hatte Walters gute Gründe dafür, und Peter zweifelte nicht daran, dass es tatsächlich zu seinem Besten war. Wenn das Interesse der Regierung an dem Projekt so groß war, wie er erklärt hatte, würden sie ihn vermutlich nicht so einfach gehen lassen, wenn sie ihn erst mal in den Fingern hatten. Einmal aus dem Land war er sicher.

»Vielen Dank, Lieutenant Commander«, sagte Peter. »Ich weiß Ihre Hilfe zu schätzen.«

»Das freut mich.«

Peter verließ die Basis über den Parkplatz und ließ Walters in der Tür stehen.

Walters blickte dem Professor hinterher, beobachtete, wie er einige Worte mit dem Wärter wechselte und an der Schranke vorbeiging. Ein schwarzer Chrysler rollte vor, der Professor stieg nach einigen Augenblicken ein, und dann fuhr er weg.

Walters wandte sich ab und ging zurück in sein Büro.

Er fragte sich, was sie hier in Wahrheit aufgewirbelt hatten. Und weswegen der Professor nichts preisgegeben hatte. Vielleicht, weil ihn die furchtbaren Geschehnisse noch zu sehr beschäftigten. Vielleicht war es aber auch einfach so schlicht, wie es sich anhörte: Sie hatten nichts gefunden.

Walters zuckte mit den Schultern. Die für ihn und seine Vorgesetzten relevanten Details über die Vorkommnisse an Bord der Argo würde er mit John Harris in den nächsten Tagen und Wochen noch ausführlicher klären, und über den Einsatz der Küstenwache und der Georgia musste er einen Bericht schreiben. Wichtig war, dass der Professor sich all dem möglichst zügig entziehen konnte. Was er dann mit seinem Wissen machte – falls er überhaupt etwas entdeckt hatte –, lag an ihm und in seinem freien Ermessen. Und falls er nichts entdeckt hatte, nun, dann war nur alles wieder wie zuvor.

Walters setzte sich an seinen Schreibtisch und legte die Hände auf die Tischplatte. Atmete durch. Dann räumte er alle Stifte, Papiere und Unterlagen weg, bis der Tisch vollständig leer und sauber war. Er sendete ein Dokument zum Drucker, schaltete seinen Rechner aus und griff anschließend zum Telefon.

Als Führungskraft hatte er schon immer Entscheidungen treffen müssen. Aber trotz seiner Position war er niemals frei gewesen. In Wahrheit war die Armee ein engmaschiges Netz, das starrste Gefüge, das man sich vorstellen konnte. Tatsächlich eigene und freie Entscheidungen gab es nicht. Walters hatte nun gespürt, wie es war, Dinge zu hinterfragen und selbst zu entscheiden, ob er etwas unterstützen oder es unterlassen, vielleicht sogar behindern wollte.

»Guten Morgen, Süße«, sagte Walters, als er die Stimme seiner Frau am anderen Ende der Leitung hörte. »Ich habe eine Überraschung für euch. Aber bevor ich es dir erzähle, kannst du mir Sarah geben? Oder ist sie schon in der Schule?«

Während er wartete, beugte er sich zur Seite, holte das Blatt aus dem Drucker, legte es vor sich hin und zog einen Stift aus seinem Jackett.

»Hallo Kleines!«, begrüßte er seine Tochter schließlich. »Weißt du was? Ich komme heute schon nach Hause! ... Ja, stimmt, es ist noch gar nicht Wochenende, aber darum muss ich mich ab sofort nicht immer kümmern, ist das nicht toll? ... Oh, und weißt du was? Die toten Wale, von denen du mir letzte Woche erzählt hast: Ich weiß nun, was mit ihnen passiert ist. Ich werd's dir erzählen, wenn ich da bin. Aber das Beste ist: Ich werde es auch möglichst vielen anderen Leuten erzählen, damit das nie wieder passiert! ...Ja, ich liebe dich auch, Kleine, bis bald!«

Während seine Tochter den Hörer eilig abgab und aus dem Haus rannte, um den Schulbus noch zu erreichen, setzte Walters seine Unterschrift unter das Dokument, mit dem er seinen freiwilligen Austritt aus der Armee erklärte.

Es fühlte sich an, als unterzeichne er ein Visum in ein neues Leben, und es war ein gutes Gefühl.

Als Peter das Wärterhäuschen hinter sich ließ und an die Straße trat, setzte sich ein schwarzer Wagen mit abgedunkelten Scheiben in Bewegung, der ein Stück weiter im Schatten gestanden hatte. Er hielt unmittelbar vor Peter.