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»Es freut mich, dass Sie gekommen sind, meine Herren. Bitte«, er wies in sein Büro, »kommen Sie herein und setzen Sie sich.«

Sie nahmen Platz.

»Kann ich Ihnen etwas zu trinken anbieten? Tee, Kaffee oder etwas Frisches?«

»Nein, danke.«

»In Ordnung, aber sagen Sie bitte Bescheid, sobald es Ihnen an etwas fehlt.« Er setzte sich. »Es ist ein äußerst glücklicher Umstand, dass Sie gerade heute gekommen sind, denn den Rest der Woche war ich unterwegs.«

»Gestatten Sie eine Frage«, begann Patrick, »ist diese Firma hier in irgendeiner Form mit den Helix Industries verbunden?«

»Helix Industries?«, fragte Peter mit einem Blick zur Seite, dem der Name nicht so geläufig war wie seinem Kollegen.

»Helix Industries«, erläuterte der Geschäftsmann lächelnd, »ist der drittgrößte Pharma- und Kosmetikkonzern der Welt. Ja, dieses Büro hier ist, wenn Sie so wollen, die Keimzelle.«

»Haben Sie uns dieses Telefax geschickt?«, erkundigte sich Peter und reichte dem Mann das Papier.

»Es ist von mir. Sie kommen schnell zur Sache, Herr Professor Lavell.«

»Diese ›Mission des Lichts‹«, fragte Patrick, »was hat sie mit Helix Industries zu tun?«

»Eine nahe liegende Frage. Die Antwort hingegen ist nicht so eindeutig. Die Verbindung der »Mission des Lichts« mit den Helix Industries liegt in meiner Person. Aber mehr müssen Sie im Augenblick nicht darüber wissen.«

»Kann es sein, dass wir uns schon einmal begegnet sind?«, fragte Patrick.

»Die Welt ist klein, Monsieur Nevreux. Ich hätte mir auch nicht vorstellen können, dass Sie sich durch Namen blenden lassen.«

»Dann sind Sie gar nicht Samuel zu Weimar?«, fragte nun Peter.

»Namen definieren sich dadurch, dass sie verwendet werden. Da ich hier so genannt werde, und Sie mich so gefunden haben, muss es wohl mein Name sein. Oder ein Name? Lassen Sie es mich wissen, wenn Sie etwas herausgefunden haben.« Er lächelte verschmitzt.

Peter sah zur Seite und versuchte, Patricks Gesichtsausdruck zu ergründen, aber dieser schien sich gerade seine eigenen Gedanken zu machen.

»Was ist die ›Mission des Lichts‹, und welche Ziele verfolgt sie?«, fragte er schließlich.

»Die ›Mission des Lichts‹«, erklärte der Geschäftsmann, »ist eine virtuelle Gemeinschaft. Der Name soll deutlich machen, dass wir eine Mission, eine Aufgabe haben. Diese besteht darin, Erkenntnis zu finden. Das Licht. Ein metaphorischer Ausdruck.«

»Welche Erkenntnis streben Sie an? Im wissenschaftlichen oder technischen Sinne ist dies wohl nicht zu verstehen, worauf der christliche Segen Ihres Briefkopfes hindeutet.«

»Das eine muss das andere nicht ausschließen, wie Sie, Herr Professor, besser wissen sollten als jeder andere, oder nicht? ›Glaube, Aberglaube und Magie sind für Außenstehende mitunter austauschbare Begriffe. Um ihr Wesen und ihre Geschichte wissenschaftlich zu ergründen, ist es daher unerlässlich, sich intimer mit ihnen auseinander zu setzen, als es die üblichen wissenschaftlichen Methoden fordern.‹«

»Sie zitieren mein Buch, um mich zu beeindrucken.«

»Wenn es Sie beeindruckt...«

»Aber Sie haben meine Frage noch nicht beantwortet.«

»Nein. Und das werde ich auch nicht tun. Alle Fragen treffen eines Tages auf ihre Antworten; in manchen Fällen auch umgekehrt. Aber nun genug der Rätselspielchen. Warum Sie wirklich hier sind, das ist mein Fax. Und das haben Sie erhalten, weil Sie sich mit den Kabbalisten von Ararat unterhalten haben.«

»Den Kabbalisten von Ararat?«

»Ararat. Der Berg, auf dem Noah gelandet ist«, erklärte der Geschäftsmann.

»Sie sprechen von der Loge?«

»Ja, natürlich. Tut mir leid, war vielleicht ein schlechter Scherz von mir. Aber deswegen habe ich Sie ja eingeladen: um Sie darüber aufzuklären.« Er stand auf und schlenderte zu seinem Bücherregal. »Sie hatten ein Treffen mit der Bruderschaft der Wahren Erben von Kreuz und Rose. Dort haben Sie viel gesehen, was Uneingeweihte normalerweise nicht zu Gesicht bekommen, und man hat Ihnen eine ganze Menge über die Abstammung der Freimaurer erzählt, vermute ich. Wahrscheinlich auch, dass sie die Arche Noah, die Pyramiden und den Tempel von Jerusalem errichtet haben.«

»Und den Turm von Babylon«, fügte Patrick hinzu.

»Ja, richtig. Und bei allem wird Ihnen aufgefallen sein, dass die Loge, obwohl sie ›Kreuz und Rose‹ im Namen trägt und ein ebensolches Emblem, Ihnen nicht erklären wollte, was an der Zeichnung, die Sie Renée präsentiert haben, so interessant war.«

»Sie wissen von der Zeichnung?«

»Natürlich. Ich kenne ja auch Ihre Faxnummer.« Er zog ein kleines schwarzes Buch aus dem Regal. »Nun? Renée ist stur geblieben, richtig?«

»Worauf wollen Sie hinaus?«

»Worauf ich hinausmöchte, ist, dass die Großmeisterin leider selber nicht so viel über Kreuz und Rose sagen kann, wie sie gerne würde. Sie ist nämlich auf der völlig falschen Fährte. Denn was Sie suchen, ist dies hier.«

Mit einem Knall ließ er das schwarze Buch vor sie auf den Tisch fallen, so dass sie den Deckel deutlich sehen konnten. Es war in goldenen Linien das Bild einer Rose zu sehen, in ihrem Zentrum ein Herz und in dessen Zentrum ein Kreuz. Der Titel des Buches stand in Versalien darüber: BIBEL.

»Dies ist eine Ausgabe der Lutherbibel von 1920«, erklärte Samuel. »Und was das Symbol angeht, so handelt es sich um das Wappen Martin Luthers. Seit dem siebzehnten Jahrhundert kursieren verschiedene Versionen davon, aber die Zeichnung, die Sie gefunden haben, dürfte dem Original ziemlich nahe kommen.«

»Good gracious!«, entfuhr es Peter.

Samuel zu Weimar, oder der Mann, der sich so nannte, setzte sich wieder.

»Möglicherweise verärgert es Sie, dass Sie nicht eher auf eine so offensichtliche Lösung gekommen sind. Veröffentlichte Geheimnisse werden billig. Aber ich kann Sie beruhigen. Ganz so einfach ist es natürlich nicht.«

»Kann es ja wohl auch kaum sein«, sagte Patrick, »sonst hätte Renée Colladon nicht so ein Mysterium um das Symbol gemacht.«

»Könnte ich jetzt doch etwas zu trinken haben«, fragte Peter, »Etwas Alkoholisches mit Eis wäre mir recht.«

»Ich hoffe, ich kränke Sie nicht, wenn ich Ihnen lediglich Bourbon anbieten kann und keinen vernünftigen Scotch«, sagte Samuel, während er aufstand und an einem Beistelltisch einen Drink einschenkte. Dann öffnete er eine Schranktür, hinter der sich ein kleiner Kühlschrank verbarg, und brachte Eiswürfel hervor. »Sie auch einen?«, fragte er an Patrick gewandt.

»Warum nicht.«

»Es geht nicht um das Kreuz oder die Rose«, sagte Samuel, als er wieder saß. »Es geht um Martin Luther. Um Martin Luther und die Kabbala. Sie ist die Verbindung zwischen mir und Renée; wenn es denn überhaupt eine gibt.«

»Martin Luther hatte auch leichte mystische Anwandlungen«, überlegte Peter, »aber er wurde bekannt als Reformator der Kirche und Übersetzer der Bibel. Was hat er mit der Kabbala zu tun?«

»Es ist bezeichnend, Herr Professor Lavell, dass Sie in den ganzen Jahren Ihrer Recherchen auf nicht mehr als das gestoßen sind. Denn hier verbirgt sich ein weit größeres Geheimnis, als Sie ahnen können.«

»Etwas lässt mich zweifeln, dass Sie es uns gleich offenbaren werden«, sagte Patrick und zündete sich eine Zigarette an.

»Die ›Mission des Lichts‹ ist nicht allwissend, wenngleich es natürlich unser endgültiges Ziel ist, uns durch die Ergebnisse unserer Arbeit selbst überflüssig zu machen. Doch noch sind wir nicht so weit, und viele Geheimnisse sind auch uns noch verschlossen. Einiges kann ich Ihnen aber schon sagen, und deswegen habe ich Sie eingeladen.« Er stand auf, während er weitersprach. »Luther war ein schlauer Kopf, 1483 geboren, studierte mit achtzehn bereits in Erfurt, wurde Eremitenmönch, studierte dann noch mal Theologie und promovierte mit neunundzwanzig zum Doktor und Professor der Heiligen Schriften. Beachtlich, nicht wahr? Ein großer Geist, der durch eine besondere Zielstrebigkeit und Willenskraft befördert wurde.«