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»Guten Morgen.«

»Setzen Sie sich zu uns. Möchten Sie einen Kaffee oder Tee?«

Er setzte sich. »Danke, nein. Ich möchte mit Ihnen über Ihre Untersuchungen sprechen.«

»Natürlich. Haben Sie uns schon meteorologische Messdaten mitgebracht?«

»Nein. Bürgermeister Fauvel hat Ihre Anfrage weitergegeben und wird sich direkt mit Ihnen in Verbindung setzen. Wie weit sind Sie mit Ihren Analysen?«

Patrick holte die Mappe hervor. »Wie Sie sicher bereits festgestellt haben, ist das Gebiet weiträumig abgesperrt worden. Wir untersuchen anhand von Stichproben an Kleintieren die Verbreitung der Seuche. Es sieht nicht gut aus. Wir haben vergiftete Fuchsköder überall an strategischen Orten in der Zone verteilt.« Patrick zog eine topographische Karte des Gebiets hervor, die mit allerlei kryptischen Linien, Buchstaben und Zahlen übersät war und einen eindrucksvollen UN-Stempel in der linken unteren Ecke auswies. »Aber das behebt natürlich nur die Symptome.«

Der Förster beachtete die Karte nur beiläufig. »Sie sind der Meinung, dass Füchse die Tollwut verbreiten?«

»Ja, leider.« Patrick holte ein paar sehr scharfe, großformatige Hochglanzfotos aus der Mappe, auf denen verendete Füchse zu sehen waren, ausgezehrt und abstoßend. »Eine der wenigen Aussagen, die wir schon mit Bestimmtheit machen können. Es ist ja auch nicht ungewöhnlich für die Tollwut.«

»Haben Sie schon herausgefunden, wo die Tiere hergekommen sind? Wie Sie wissen, gibt es in diesem Gebiet keine Füchse.«

Peter hob unmerklich eine Augenbraue und beobachtete Patricks Gesicht. Doch dieser schien nicht beunruhigt. Stattdessen holte er einen Bericht hervor. »Sie haben völlig Recht, Monsieur Levasseur. Aber grundsätzlich sind Füchse hier durchaus endemisch. Nur, dass sie seit den zwanziger Jahren ausgestorben waren. Wie Sie diesen Unterlagen entnehmen können, wurden hier vor acht Jahren mehrere Fuchspaare ausgewildert, um das biologische Gleichgewicht wieder herzustellen.«

»Ich kenne die Unterlagen und auch das Auswilderungsprojekt.«

»Natürlich.« Patrick nahm die Papiere wieder an sich. »Nun hat sich das biologische Gleichgewicht auf andere Weise gerächt.«

»Die Unterlagen sind von mir gefälscht worden.«

Patrick erstarrte und sah den Mann sprachlos an.

Fernand Levasseur beugte sich vor. »Es hat nie ein Auswilderungsprojekt gegeben.«

Peter fühlte, wie sich Ärger in ihm regte. Dies war es, worauf er sich nicht hatte einlassen wollen.

»Sie haben Bürgermeister Fauvel kennen gelernt«, fuhr der Förster nun fort. »Er will die Wälder um St.-Pierre-Du-Bois so weit wie möglich für den Tourismus erschließen. Aus diesem Grund habe ich vor acht Jahren ein angebliches Auswilderungsprojekt inszeniert, um dabei ein Naturreservat zu schaffen und es seinem Zugriff zu entziehen.«

Peter sah, wie Patrick eindringliche Blicke mit Stefanie austauschte.

»Und somit bleibt es dabei. Es gab hier keine Füchse, und es gibt hier noch immer keine. Und deswegen gibt es auch keine Tollwut. Sie haben sich bei der Vorbereitung mit Ihrem Material leider vergriffen.«

»So gut ich Ihre Beweggründe auch nachvollziehen kann, Monsieur Levasseur«, erklärte nun Stefanie, »ich muss Ihnen sagen, dass ich Ihr Vorgehen für höchst verwerflich halte!« Der Förster wollte etwas einwerfen, aber sie sprach unbeirrt weiter. »Nichtsdestotrotz hat dies nichts mit unseren Funden zu tun. Vielleicht sind die Füchse nicht ausgewildert worden. Na und? Vielleicht sind sie aus dem Zentralmassiv gekommen oder über die Pyrenäen aus Spanien. Sie sind jedenfalls hier, und wie sie hierher kommen und wohin sie gehen, das versuchen wir gerade erst herauszufinden.«

»Madame Krüger«, sagte der Mann, »ich möchte Ihnen nicht gerne widersprechen, aber ich kenne im Umkreis von fünfzig Kilometern jeden Grashalm.« Er lachte wohlwollend auf, versah sie aber mit einem strengen Blick. »Glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass es hier keine Füchse gibt.« Nun wandte er sich an alle drei. »Sie ersparen sich viel Ärger, wenn Sie offenbaren, was Sie hierher geführt hat, und was Sie oben am Vue d'Archiviste untersuchen.«

»Vue d'Archiviste?«, fragte Peter. »Archivars Blick? Was ist denn das?«

»Es ist der Name des Berges, den Sie abgesperrt haben.« Der Förster deutete auf die Mappe. »Das steht wohl nicht in Ihren Unterlagen? So nennen wir ihn im Volksmund. Und nun sagen Sie mir, welches Spiel Sie spielen!«

»Ich finde es ausgesprochen unverschämt«, konterte Stefanie, »wie Sie uns derart offen der Lüge bezichtigen. Fühlen Sie sich gekränkt, weil wir etwas über Ihr ›Reich‹ wissen, das Sie selber nicht aufgedeckt haben? Wenn Sie Kooperation oder Informationen von uns wünschen, dann sollten Sie sich um einen anderen Tonfall bemühen!«

Patrick musste ihr innerlich Anerkennung zollen. Sie spielte ihre Rolle ausgezeichnet und wusste, wie sie das Beste aus der Situation machen konnte. Außerdem, so fiel ihm auf, sah sie wirklich verdammt gut aus, umso mehr, wenn sie sich echauffierte.

Der Förster stand unvermittelt auf und stützte sich mit beiden Händen auf den Tisch, um sich zu ihnen herunterzubeugen. Seine Stimme war gedämpft aber nachdrücklich.

»Madame, Messieurs. Ich entschuldige mich für meinen Tonfall und meine Wortwahl. Aber ich nehme meine Forderung nicht zurück: Ich möchte wissen, was Sie hier treiben, und ich werde es herausbekommen! Guten Tag.«

»Ich fürchte, wir haben uns einen Feind gemacht«, sagte Peter, als der Mann gegangen und sie auf dem Weg in ihr Büro waren.

»Hm... ja, er scheint ziemlich entschlossen«, stimmte Patrick ihm zu.

»Hoffen wir, dass er sich nicht zu irgendwelchen Handlungen hinreißen lässt, die er vielleicht bereuen müsste.«

»Das glaube ich nicht«, sagte Patrick. »Immerhin könnten wir ihn jetzt als Urkundenfälscher ebenso bloßstellen. Und dann ist er sein Naturreservat los.«

»Man muss sich fragen, warum er so dumm war, uns auf diese Weise seine Schwäche offen zu legen.«

»Ich denke«, sagte Stefanie, »es war keine Dummheit sondern Berechnung. Er wollte uns zu verstehen geben, dass er seine Interessen gewahrt wissen will, aber dass diese sich nicht zwangsläufig mit denen des Bürgermeisters decken. In gewisser Weise war es auch ein Angebot von ihm.«

»Vielleicht können wir uns das noch zu Nutze machen.«

Stefanie schloss die Tür der Suite auf. »Vergessen wir für einen Augenblick den Förster. Nachdem Sie beide mich vorhin den fragwürdigen Offenbarungen Ihrer Parisreise, der Geschichten um die Abstammung der Freimaurer und Herrn von Weimars Suche nach den Lutherarchiven ausgesetzt haben, möchte ich Ihnen jetzt auch etwas zeigen.«

Sie führte sie an den Tisch, auf dem sie verschiedene Papiere ausgebreitet hatte. Es waren Zeichnungen, Ausdrucke und Zahlenreihen. Sie deutete auf die einzelnen Teile, während sie erklärte.

»Hier sehen Sie eine präzise Skizze der Symbole auf dem Fußboden vor dem Durchgang. Die kleineren Zeichen sind in vier Gruppen so um die großen Ringe in der Mitte angeordnet, dass alles zusammen fast ein großes Quadrat bildet. Es sind zwölf unterschiedliche Symbole, von denen sich jedes dreimal wiederholt. Insgesamt sind es also sechsunddreißig mehrfach dargestellte Zeichen.«

»Was ist das für ein Zeichen oben rechts?«, fragte Patrick.

»Das siebenunddreißigste fällt deutlich heraus, nicht wahr? Es taucht nur einmal auf«, erklärte Stefanie, »und außerdem stört es die Symmetrie der Anordnung. Vielleicht ist es eine Art Schlüssel, ich habe keine Ahnung.«

»Was meinen Sie mit Schlüssel?«, fragte Peter. »Glauben Sie, die Symbole enthalten eine verschlüsselte Nachricht?«

»Möglicherweise, ja. Bei den Zeichen handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach nicht um einen Text. Es sind zu wenig verschiedene Symbole, um für bestimmte Buchstaben oder Silben zu stehen. Damit ließe sich kein Text verfassen. Oder nur ein sehr kurzer. Die Tatsache, dass jedes Symbol genau dreimal vorkommt, legt außerdem den Schluss nahe, dass die Anordnung konstruiert wurde.«