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»Was stellen Sie sich denn darunter vor, Peter?« Patrick schüttelte den Kopf. »Ein Buch mit Zaubersprüchen etwa? Oder glauben Sie, dies ist die Höhle, in der Merlin gefangen ist?!«

Peter sah den Franzosen einen Augenblick starr an. »Merlin! Ja, warum eigentlich nicht... Der Sage nach wurde er in eine Falle gelockt und für alle Ewigkeit in der Zauberhöhle eingesperrt.«

»Tut mir leid, Peter. Erst fangen Sie mit dem Heiligen Gral an, und nun sind wir schon bei Merlin, König Artus und Camelot. Also wirklich. Bei Märchen, Feen und Zauberei hört es bei mir auf!«

Peters ernste Miene entspannte sich langsam. Er hob eine Augenbraue. »Sie haben wirklich geglaubt, ich meine das ernst?« Dann schmunzelte er.

»Bei Ihnen bin ich mir wirklich nicht mehr sicher«, antwortete Patrick zögerlich, der nun sah, dass auch Stefanie grinste.

»Also gut«, sagte Peter und winkte lächelnd ab. »Sie können sich wirklich vollkommen sicher sein. Nein, ich erwarte natürlich nicht, Magie zu finden. Aber ich will den Ursprung dessen finden, was durch die Schleier der Geschichte nur noch als Magie zu uns dringt. Ja, ich habe mich eine Menge in okkulten Kreisen getummelt, und ja, ich weiß weit mehr über diese Dinge, als mir lieb ist, und als ich Ihnen zu Beginn zugegeben habe. Aber indem wir Magie studieren, folgen wir ihrer Entwicklung, ihrer Mutation, ihrer Entstellung, rückwärts bis hin zu ihrer ursprünglichen Form. Interessanterweise gab es ausgerechnet bei den Alchimisten sogar eine Formel hierfür: ›Ex quo aliquit fit in illud iterum resolvitur.‹«

»›Woraus etwas gemacht ist, zu dem wird es wieder aufgelöst«, übersetzte Stefanie fast automatisch.

»Ganz genau«, sagte Peter. »Ich gebe Ihnen natürlich vollkommen Recht, Patrick, bei dem mysteriösen Durchgang handelt es sich mit Sicherheit nicht um Magie. Aber es muss auch nicht gleich etwas mit Hightech zu tun haben, wie Sie vermuten. Vielleicht ist es bloß ein Phänomen, das wir bisher noch nicht kennen. Aber jetzt habe ich die ganze Zeit über Montségur und den Schatz der Templer geredet... Was haben Sie denn herausgefunden?«

»War das denn schon alles?«

»Leider ja. Ich kann erst mal nur Informationen über Jesus, die Katharer, die Templer und den Heiligen Gral anbieten. Um etwas über den Durchgang herauszufinden, muss ich weitere Nachforschungen über den Schatz der Templer unternehmen. Na ja, und das geht nicht so schnell, schließlich beißt man sich daran schon seit Jahrhunderten die Zähne aus.«

»Und das Symbol?«

»Noch nichts.«

»Hm...« Patrick zündete sich eine neue Zigarette an. »Schade. Nun, bei mir gibt es leider auch noch nichts Neues. Zumindest nicht, was die Herkunft der beiden Faxe betrifft. Sie wurden in einem Postamt in Morges in der Schweiz aufgegeben. Aber dort werden pro Tag mehrere Dutzend Faxe abgeschickt, und die Absender können das an herumstehenden Maschinen selber tun, ohne erkannt zu werden.«

»Na ja, wäre vielleicht auch zu einfach gewesen«, sagte Peter.

»Dafür konnte ich den ersten Brief entschlüsseln«, fuhr Patrick fort.

»Was? Tatsächlich? Er war verschlüsselt?«

Patrick holte das Papier hervor. »Erinnern Sie sich daran, was unser heimlicher Brieffreund im letzten Fax vorschlug? ›Beachten Sie den Kreis, den mein erster Brief beschrieb.‹ Und nun sehen Sie sich das erste Fax noch einmal an:

Sehr geehrte Herren,

Sie stießen auf einen Kreis, und es kann Kreise ziehen, was Sie erforschen, doch achten Sie darauf. Das Zentrum für Mann und Frau betritt der Kreis, nicht die Rose. Achten Sie darauf, dass Ihre Forschung keine Kreise zieht, bis nicht der Kreis auf Sie stößt.

Ehrerbietig, St. G.

Er erwähnt in diesem Schreiben zwei Kreise — zum einen den »Kreis von Montségur«, wie wir jetzt wissen, und zum anderen den metaphorischen Kreis, den unsere Forschung angeblich zieht. Welchen der beiden Kreise also meint er in seinem zweiten Fax?« Er sah in die Runde. Peter hob nur die Augenbrauen, und Stefanie sah ihn freundlich lächelnd an. »Nun gut, ich will Sie nicht länger auf die Folter spannen. Ich habe zwei Dinge beobachtet und kombiniert: Zum einen fiel mir auf, dass der Text sehr konstruiert wirkt. Er wiederholt sich auf eine merkwürdige Weise. Also habe ich es wörtlich genommen: Der Text ›beschreibt‹ vielleicht in sich selbst einen Kreis, ist vielleicht in irgendeiner Weise kreisförmig konstruiert. Ich habe also die Anordnung der Worte und Buchstaben untersucht. Gleichzeitig ist mir aufgefallen, dass der ›Kreis von Montségur‹ ja eigentlich auch kein Kreis ist, sondern eine Gruppe von konzentrischen Ringen, die von außen zur Mitte hin wieder kleiner werden und sich in der Mitte treffen. Und siehe da: Dasselbe kann man mit dem Text machen.« Er zeigte ein Diagramm.

»Sehen Sie? Von außen nach innen wiederholen sich die Zeilen. Nicht wortwörtlich, aber in ihrem Kontext: ›Ehre, auf einen Kreis stoßen, Kreise ziehen, forschen, achten.‹ Der Text zielt auf eine Mitte hin, ebenso wie der ›Kreis von Montségur‹ ein Zentrum hat. Die mittlere Zeile ist dieses Zentrum. Sie beginnt sogar mit diesen Worten: ›Das Zentrum.‹ Nur scheint sie keinen Sinn zu ergeben, richtig? Das liegt daran, dass wir nur grob vorgegangen sind. Wir haben uns dem Zentrum zeilenweise genähert. Wissen Sie, was passiert, wenn wir die Methode präzisieren und uns dem Zentrum auf dieselbe Weise von außen nach innen wortweise nähern? Ich sage es Ihnen. Das Zentrum ist: ›Frau betritt‹. Und wenn Sie es buchstabenweise machen, sogar nur noch ›Frau‹.«

»Gut kombiniert, Watson!«, sagte Stefanie und lachte Patrick offen an.

»In der Tat«, sagte Peter. »Sie versetzen mich in Erstaunen. Aber sollen wir jetzt daraus schließen, dass eine Frau der Schlüssel ist? Dass eine Frau in der Lage wäre, den Durchgang zu passieren?«

»Es klingt so, nicht wahr?«, sagte Patrick. »Die Frage ist allerdings, ob eine ganz bestimmte Frau gemeint ist, eine, die vielleicht gewisse noch nicht bekannte Kriterien erfüllen muss. Oder einfach nur irgendeine Frau.«

»Nun, was mögliche Kriterien angeht, sagte doch der verschlüsselte Text auf dem Fußboden etwas...« Peter sah nach und las schließlich von einem Zettel vor: »... ›denen zugänglich, die Bewahrer der Mysterien sind‹... na ja, das hilft uns auch noch nicht weiter, fürchte ich.«

»Nun, vielleicht schon«, warf Stefanie ein.

»Ach ja?«

»Bezeichnet man nicht Frauen als Bewahrer von Mysterien?«

»Die Frau ist ein Mysterium«, sagte Patrick. »Dem kann ich zustimmen!« Er lachte.

»Stefanie hat Recht!«, überlegte Peter laut. »In der mystischen Tradition ist stets die Frau die Hüterin des Geheimnisses. Ich meine nicht die modernen, patriarchalischen Gesellschaften. Denken Sie an die klassischen Märchen: Es wimmelt von Hexen, aber nicht von Zauberern. Es waren Frauen, die das Orakel von Delphi hüteten. Die drei Nornen, die drei nordischen Göttinnen des Schicksals, sind weiblich. Auch die Sphinx des klassischen Altertums war weiblich, sie war sogar das Sinnbild des Geheimnisses. Bei den meisten Naturvölkern sind die Männer für die Jagd und die Frauen für die Religion zuständig. Die Männer für Tätigkeiten, die Frauen für Weisheiten. Die Frau als Hüterin der weiblichen Geheimnisse und des Wunders des Lebens. Die Erde wird in allen Religionen als Mutter, als weiblich betrachtet. ›Gaia‹ als ihr Name lebte im Zuge der esoterischen New-Age-Bewegung gerade erst wieder auf. Dabei ist es wirklich nichts Neues: Muttergottheiten waren ein so integraler Bestandteil der alten Kulturen, dass das katholische Christentum nicht umhin kam, Maria als Mutter Gottes einzusetzen, um eine einfachere Identifikation zu ermöglichen und den Übergang zu erleichtern. Mit dem Urchristentum, wie es von Paulus propagiert wurde, hat der Marienkult nichts zu tun.«