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»Ihre besonderen Fähigkeiten werden für die Erforschung eines Fundes benötigt«, erklärte sie nun an beide gewandt. »Zum Teil wurden bereits Vorarbeiten geleistet, alle bisherigen Erkenntnisse erhalten Sie in Form eines ausführlichen Berichts. Für die weiteren Untersuchungen und Recherchen vor Ort steht Ihnen jegliche angemessene Technologie und ein umfangreiches Budget zur Verfügung. Sie werden für das Unternehmen hauptverantwortlich und weitestgehend weisungsbefugt über eventuelle Hilfskräfte sein. Projektstart ist in sieben Tagen, wir gehen von einer Laufzeit von mindestens zwei Monaten aus, sind aber derzeit nicht daran gebunden. Für Ihre Mitarbeit erhalten Sie selbstverständlich eine angemessene Vergütung, die in diesen Unterlagen im Detail ausgeführt ist. Natürlich hat die vertrauliche Natur des Projekts auch Auswirkungen auf Sie und Ihre Arbeit. Ihre Verschwiegenheit wird zeitlich und inhaltlich ausgedehnt und per Vertragsstrafe garantiert werden müssen. Während der Arbeit wird niemand Ihren Aufenthaltsort kennen, alle Arbeitsergebnisse müssen unverzüglich gemeldet werden und bleiben vorläufig Eigentum der UN.«

»Mit anderen Worten, wissenschaftliches Renommee für uns ist nicht zu erwarten«, stellte Peter fest.

»Wir wären die Männer im Hintergrund, Söldner«, stimmte Patrick zu.

»Söldner, Monsieur Nevreux, würde ich es nicht nennen. Aber es geht in erster Linie für Sie um Geld, das stimmt. Vielleicht dauert es Jahre, bis die Ergebnisse mit Ihren Namen veröffentlicht werden, vielleicht geschieht das auch überhaupt nicht. Seien Sie jedoch versichert, dass wir hier über Beträge sprechen, die Ihnen nicht gleichgültig sind. Kosten spielen in diesem Projekt keine Rolle.«

»Keine Rolle?«, fragte Patrick.

»Das sagte ich.«

Peter schenkte sich eine Tasse Tee ein. Langsam fügten sich die Einladung nach Genf und das Gebaren der Projektleiterin in ein gemeinsames Bild. »Bei allem Respekt vor der Macht des Kommerzes, Madame de Rosney, aber für seriöse Wissenschaftler kann das gewiss nicht der einzige Anreiz sein.«

»Nein, Sie haben Recht, Herr Professor. Ich kann mich in Ihre Lage versetzen, und es tut mir aufrichtig leid, Ihnen nur Geld anbieten zu können. Andererseits haben wir Sie nicht zufällig ausgewählt. Das Projekt betrifft Ihr ganz persönliches Interessengebiet, es drängt sich fast schon auf. Wenn Sie auch keine Ergebnisse veröffentlichen dürfen, so werden Sie der Fund und seine Implikationen an einem Nerv treffen, der Sie mehr als reizen wird.«

»Da bin ich aber gespannt.« Peter hob eine Augenbraue, setzte den Tee an und betrachtete die Frau erwartungsvoll.

»Ich kann Ihnen keine Details sagen, nur so vieclass="underline" Es geht um einen Fund, den wir weder einordnen noch datieren können, der aber allem Anschein nach unser Verständnis über das Wissen und die Technologie unserer Vorfahren revolutionieren wird. Und wenn ich Technologie sage, meine ich weder Faustkeile noch Zahnräder, sondern Technologie.«

Peter nickte leicht überrascht. Elaine de Rosney schien zwar einen Hang zum Dramatischen zu haben, aber wenn auch nur annähernd stimmte, was sie sagte, dann würde es ihn in der Tat brennend interessieren.

»Ist das auch der Grund für die Geheimniskrämerei?«, wollte nun Patrick wissen, während er sich eingehend damit beschäftigte, sein leeres Zuckertütchen zusammenzurollen.

»Sie haben von mir erfahren, was ich Ihnen sagen konnte. Ergebnisse, wie wir sie erwarten, dürften nicht verfrüht und unkanalisiert an die Öffentlichkeit gelangen. Es gibt dafür nicht nur soziologische sondern auch politische Gründe. Das muss Ihnen als Aussage leider reichen.«

»Also gut, die Mappen bekommen wir mit auf den Heimweg, richtig?« Patrick wirkte plötzlich ungeduldig, als habe er das Für und Wider des Angebotes bereits abgewogen.

»Richtig.«

»Um es abzukürzen: Es nützt nichts, Ihnen weitere Fragen zu stellen, was?«

»Alles Weitere müssen Sie den Unterlagen entnehmen. Oder haben Sie noch Fragen, Herr Professor Lavell?«

Er schüttelte den Kopf. »Nein, es sei denn, Sie könnten über die Art der Technologie, von der Sie sprechen, spezifischer werden.«

»Das kann ich leider nicht. Nicht nur, weil es geheim wäre, sondern schon allein deswegen, weil wir nicht in der Lage waren, sie zu untersuchen.« Sie stand auf und überreichte den Männern die Mappen. »Ich hoffe, dass ich Sie beide an Bord begrüßen darf. Denken Sie an die Frist von drei Tagen.«

Sie nahmen die Mappen entgegen. Auf dem Deckel prangte eine schwarze Aufschrift: Projekt: Babylon.

Kapitel 5

29. April, Béziers-Agde-Vias-Flughafen, Béziers

Eine Schar von aufgeregten, sommerlich gekleideten Touristen flutete in die Halle des Flughafens. Sie hatten während des Anfluges bereits die Landschaft bewundert, die Wälder und Flüsse, die hügeligen Plantagen und Weinberge und den wolkenlosen Himmel. Sie hatten versucht, das Meer zu erspähen, und jeder schwelgte in einer von Urlaubskatalogen und kitschigen Postkarten genährten Vorfreude auf das Mittelmeer, Käse, Rotwein und hoffentlich Satellitenempfang im Hotelzimmer.

Peter Lavell trug einen Anzug. Die Anweisungen für seine Anreise waren deutlich und strikt gewesen. Mit seinem Koffer stand er im großzügigen, zentralen Patio des Flughafens und sah sich suchend um. Er machte sich noch immer Gedanken, ob er das Richtige tat. Niemand an der Universität und am Museum wusste, wo er war. Er hatte sich für »mindestens zwei Monate« abgemeldet, jeder musste sich fragen, ob er sich auf eine Weltreise begeben würde oder ob er plane, auszuwandern. Dem Geld, das ihm die UN bot, hatte er es zu verdanken, dass er trotz einer solchen Auszeit nach Projektende tatsächlich eine Weltreise unternehmen könnte, wahrscheinlich sogar mehrere. Aber es war in der Tat nicht das Geld, sondern der Gegenstand der Untersuchung, der ihn reizte, wie Elaine de Rosney bereits vermutet hatte. Er konnte sich kaum vorstellen, was für eine Entdeckung so mysteriös sein könnte und eine derartige Verschwiegenheit verlangte. Aber ein Funke war in ihm entflammt worden, eine fast jugendliche Neugierde, der er schließlich nachgegeben hatte. In den letzten Jahren hatte er sich der Arbeit am Schreibtisch gewidmet, hatte jene ungelösten Rätsel und Puzzleteile aufgegriffen, die andere aufgeworfen und ad acta gelegt hatten. Er hatte sie untersucht, gewendet und erfolgreich kombiniert. Aller unqualifizierten Kritik, die ihm hierzu entgegenschlug, konnte er gelassen entgegensehen. Doch es nagte an ihm, dass all seine Erkenntnisse nie auf seinen originären Entdeckungen basierten, und er sich dadurch stets unnötig angreifbar machte durch die Neider, denen er die Show stahl. Als Theoretiker im fortgeschrittenen Alter bekam man nicht oft die Chance, selbst ins Feld zu gehen und etwas Neues zu entdecken. Er wollte sich nicht länger dem Vorwurf ausgesetzt sehen, dass er mit seiner Arbeit lediglich Nutznießer fremder Vorarbeiten war. Dies war vielleicht seine letzte Möglichkeit, einen neuen Pfad zu beschreiten. Bücher konnten warten, und die Scherbenhaufen der kulturhistorischen Forschungen anderer Leute konnte er auch mit achtzig noch bearbeiten.

Er entdeckte einen förmlich gekleideten Mann, der ein Schild mit der Aufschrift »Prof. Peter Lavell, UN Genève« demonstrativ vor sich hielt. Neben ihm stand, rauchend und ebenfalls in einen Anzug gekleidet, der französische Ingenieur Patrick Nevreux. Er hatte den Job also auch angenommen. Peter ging auf die beiden zu und begrüßte sie.

»Hallo Peter, ich darf Sie jetzt doch Peter nennen, wo wir beide ›an Bord‹ sind, oder?« Patrick betonte »an Bord« so überspitzt, dass er sich offenkundig über ihre Auftraggeberin lustig machte.

Peter musste lächeln. »Kein Problem, Patrick. Wir werden ja wohl eine Weile miteinander auskommen müssen, nicht wahr?«

»Das wird uns in dieser Gegend nicht schwer fallen, glauben Sie mir! Wissen Sie, was das ist?« Patrick zog ein Taschenbuch hervor. »Ein Führer der Châteaux des Corbières.«

»Sie sind Rotweinliebhaber?«