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»Danke, Nadine! Ich schulde dir was!«

»Ich werde dich daran erinnern«, sagte sie und zwinkerte ihm zu. Dann verließ sie das Büro und ließ ihn allein vor dem Rechner sitzen.

Stefanie brachte eines der Fenster in Kippstellung. Zwar regnete es draußen, aber Patrick hatte sich wieder mal eine Zigarette angesteckt. Er saß bereits an ihrem Konferenztisch und nahm den Hörer in die Hand. Dann zögerte er.

»Was ist?«, fragte Stefanie.

»Wir sind von Anfang an beobachtet worden, und jetzt die Sache mit Peter. Wahrscheinlich ist es keine gute Idee, jetzt in Genf anzurufen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Leitungen hier angezapft sind.«

»Aber wer würde so etwas tun?«

»Ich weiß es nicht.«

»Außerdem sind auch Informationen nach außen gedrungen, ohne dass wir telefoniert haben.«

»Ja, das stimmt...« Unschlüssig hielt er den Hörer in der Hand. »Ach, was soll's. Jetzt ist es sowieso zu spät, und wir haben keine Zeit zu verlieren!« Er wählte die Nummer ihrer Auftraggeberin in Genf. Er hatte den Lautsprecher eingeschaltet, so dass das Klingeln am anderen Ende der Leitung zu hören war. Dann nahm jemand ab.

»Monsieur Nevreux, nehme ich an?« Es war Elaine de Rosney.

»Ja, guten Abend. Woher wussten Sie...?«

»Ich kann Ihre Nummer auf dem Display sehen.«

»Aber es hätte auch Peter sein können.«

»Er würde um diese Uhrzeit nicht mehr anrufen. Sie haben Glück, dass Sie mich noch erreichen. Wie läuft das Projekt? Bereitet Ihnen der Bürgermeister noch Probleme?«

»Nein, wir haben nichts mehr von ihm gehört. Allerdings haben wir ein anderes Problem. Peter ist verschwunden, und wir vermuten, dass er entführt wurde.«

»Was ist passiert?«

Patrick nahm einen tiefen Zug von seiner Zigarette. »Peter, Stefanie und ich waren oben und haben die Höhle untersucht ...«

»Stefanie? Wer ist Stefanie?«

»Stefanie Krüger, die Sprachwissenschaftlerin.«

»Ich hatte Ihnen Eric Maarsen zugeteilt! Wo ist er? Und wer ist diese Frau Krüger?«

Stefanie nahm den Hörer in die Hand, obwohl man sie durch das Mikrofon des Gerätes auch so verstanden hätte. »Hier spricht Stefanie Krüger, Madame. Herrn Maarsen sind persönliche Gründe dazwischengekommen. Daher hat er den Auftrag an mich weitergegeben.«

Patrick sah sie skeptisch an.

»Das ist unerhört!«, klang es aus dem Lautsprecher. »Diese Daten waren ohne meine Zustimmung nicht weiterzugeben!«

»Ich versichere Ihnen, dass das Projekt bei mir in den besten Händen ist.«

»Ich weiß nicht, wer Sie sind, Frau Krüger, aber beten Sie, dass Sie Recht behalten! Wir sehen uns, da können Sie ganz sicher sein! Und wenn Sie dem Projekt oder mir in die Quere kommen, kostet Sie das Ihren Kopf, ich hoffe, das ist Ihnen klar!«

»Nun mal langsam, Madame«, mischte sich nun Patrick ein. »Schließlich haben wir gute Fortschritte gemacht. Und im Augenblick haben wir ganz andere Sorgen.«

»Ich werde Sie überprüfen lassen, Frau Krüger, machen Sie sich darauf gefasst! Und Sie, Monsieur Nevreux, bevor Sie mir mit Ihren Problemen kommen, möchte ich ein paar Ergebnisse sehen!«

»Wir haben die Höhle betreten.«

»Sie haben was?! Tatsächlich? Und was ist hinter dem Durchgang?«

»Noch eine Höhle.«

»Was soll das heißen, ›noch eine Höhle‹? Lassen Sie sich nicht die Würmer aus der Nase ziehen, Monsieur Nevreux. Ich dachte, Sie brauchen meine Hilfe. Also erklären Sie mir, was sich hinter dem Durchgang befindet. Und überhaupt: Wie sind Sie hineingekommen?«

»Also gut. Bei der Höhle handelt sich um eine Art Wissensarchiv. Wie es funktioniert, wissen wir noch nicht. Aber die Texte weisen auch darauf hin: ›Dies sind die Archive des Wissens, denen zugänglich, die Hüter der Weisheit sind.‹ Und aus kulturhistorischer Sicht sind Frauen Hüter der Weisheit. Tatsächlich kann man als Frau die Höhle betreten, oder wenn man als Mann von einer Frau berührt wird.«

»Ersparen Sie mir solche esoterischen Spinnereien, das passt nicht zu Ihnen, Sie sind Ingenieur. Entweder Sie erzählen mir jetzt die Wahrheit, oder Sie probieren es morgen noch mal. Ich habe jedenfalls keine Zeit für diesen Firlefanz.«

»Gut, dann glauben Sie es eben nicht. Jedenfalls befindet sich hinter dem Durchgang eine große Kaverne, die in der Lage ist, Wissen per Gedankenkontrolle zu vermitteln. Wahrscheinlich klingt Ihnen das jetzt auch schon wieder zu mystisch, es ist aber so. Man geht hinein, und alles, an was man denkt, erscheint als Bild in der Luft vor einem. Und wenn man eine Lösung sucht, dann ist die Höhle auch in der Lage, die Antwort zu visualisieren. Es wird also nicht nur das gespiegelt, was man bereits im Kopf hat.«

»Sind Sie sicher? Eine Beeinflussung durch bewusstseinsverändernde Stoffe ist ausgeschlossen? Pilzsporen oder Gase in der Luft?«

Patrick beobachtete, wie Stefanie ungeduldige Handbewegungen machte. Für den Fall, dass sie tatsächlich abgehört wurden, erzählte er viel zu viel. Außerdem musste er zum Punkt kommen: Peters Entführung. »Wie müssen die Ergebnisse noch verifizieren, und wir haben auch noch keine Ahnung, wer das gebaut hat und wie es funktioniert«, sagte er. Dabei dachte er an die Lichtsäule und den Kopf. »Möglicherweise eine uralte, unbekannte Kultur. Jedenfalls ist es nicht mittelalterlich, so viel steht fest. Aber als Stefanie und ich aus der Höhle herauskamen, war Peter verschwunden!«

»Was meinen Sie mit verschwunden? Kann er nicht einfach gegangen sein?«

»Nein, auf keinen Fall. Außerdem haben die Ranger ein paar merkwürdige Beobachtungen gemacht. Wir vermuten, dass er entführt und in einem VW-Bus verschleppt wurde.«

»Wann soll das gewesen sein?«

»Vor etwa einer halben Stunde.«

»Und gibt es Spuren von Gewalt?«

»Nein, aber eine Video-Aufnahme, die den VW-Bus zeigt.«

»Und man sieht deutlich, wie er darin entführt wird?«

»Nun...« Patrick dachte an die Wärmelichtaufnahmen. Er ahnte, dass es schwer werden würde, das Phänomen des Unsichtbaren nun mit Elaine zu besprechen, und dass dies wahrscheinlich in kurzer Zeit nirgendwohin führen würde. »Nein, eigentlich nicht.«

»Und ich vermute, ein Nummernschild des Busses haben Sie auch nicht?«

»Nein...«

»Also Ihre Fakten sind reichlich dünn. Ich schlage vor, Sie warten erst einmal, ob er heute im Laufe der Nacht noch auftaucht. Und sollte er am Morgen noch nicht da sein, melden Sie sich.«

»Na gut...« Patrick wurde klar, dass er bei Elaine im Augenblick nichts erreichen würde.

»Bis dahin können Sie sich Zeit nehmen, um einen ausführlichen Bericht für mich zu verfassen. Ich habe morgen einen Termin um neun und würde mir gerne vorher noch eine Stunde Zeit nehmen, ihn zu lesen. Und lassen Sie sich von dieser fragwürdigen Frau Krüger helfen.«

»Ja, verstanden.«

»Sehr schön. Also dann, einen schönen Abend noch.« Sie legte auf.

»Zuvorkommend, wie immer...«, sagte Patrick und legte den Hörer beiseite. Dann sah er Stefanie eine Weile an. »Wer sind Sie wirklich?«

»Sie können mir vertrauen, Patrick.«

»Elaine kennt Sie nicht.«

»Das stimmt. Wir haben uns auch nicht persönlich getroffen. Aber dennoch habe ich die Projektunterlagen erhalten, und ich helfe Ihnen!«

Patrick nickte stumm. Es war nicht vollkommen logisch, aber auf eine besondere Art wusste er es. Vielleicht log sie, was Elaine anging. Vielleicht gehörte sie tatsächlich nicht hierher, nicht m dieses Projekt, aber auf jeden Fall war sie auf der Seite der Guten – was auch immer das bedeuten mochte.

»Was machen wir jetzt mit Peter?«, fragte Stefanie.

»Wir haben nicht viele Anhaltspunkte. Aber ich möchte mich ungern auf die Ranger oder Elaine verlassen...«

»Haben Sie eine Vorstellung, wer ein Motiv haben könnte?«

»Inzwischen gibt es beunruhigend viele Leute, die von unserer Arbeit hier gehört haben. Und es waren auch einige unangenehme Gesellen dabei. Der Bürgermeister, der Förster... Aber beiden traue ich das nicht zu. Beängstigend fand ich diesen Spinner auf dem Symposium, von dieser Sekte, wie hieß sie noch?«