Выбрать главу

»›Hand von Belial‹?«

»Genau. Der schien mir ausreichend manisch veranlagt zu sein. Andererseits wissen wir nichts weiter über ihn.«

»Nun, das ließe sich ja herausfinden.«

»Wollen Sie wieder im Netz suchen?«

»Nein, aber Ihre Bekannte Renée, die von den Freimaurern. Sie war doch auch in Cannes. Wir könnten sie anrufen und fragen, was sie über die Sekte weiß.«

»Ja, gute Idee, warum nicht. Geben Sie mir die Nummer.«

Keine Viertelstunde später waren Patrick und Stefanie auf dem Weg nach Carcassonne. Renée Colladon hatte sich außerordentlich gesprächig gezeigt, nachdem sie ihr erzählt hatten, dass sie die Sekte von Ash Modai verdächtigten, für Peters Entführung verantwortlich zu sein. »Wenn Sie denen vom Fund Ihrer Höhle erzählt haben, wundert mich das nicht«, hatte sie gesagt. Sie schien die Satanisten und ihre Interessen und Gepflogenheiten mehr als nur oberflächlich zu kennen. Nicht nur die Drohungen waren ihr bekannt vorgekommen. Auch die Tatsache, dass diese Leute offenbar über Möglichkeiten verfügten, sich fast ungesehen fortzubewegen, war ihr bekannt. »Es gibt vieles, Monsieur Ingénieur, was Sie mit Ihrer Kenntnis von Mathematik und Technologie niemals erklären können.« Patrick war darauf nicht weiter eingegangen und hatte auch nicht mehr von ihrem Fund berichtet, dennoch war Renée bereit gewesen, ihnen ausführlich zu erläutern, dass sich die Sekte der »Hand von Belial« in verschiedene Verwaltungsbezirke aufteilte, die sie Fürstentümer nannte. Das Zentrum der westlichen Fürstentümer lag in Albi. In den weit verzweigten Katakomben unter der mittelalterlichen Stadt befand sich eine Anlage unbekannten Ausmaßes. Und Renée hatte ihnen einige der versteckten Eingänge genannt. »Ich rate Ihnen aber dringend ab, sich dort auf eigene Faust herumzutreiben«, hatte sie gesagt. »Die Satanisten schätzen es nicht, wenn man sie ungebeten besucht oder sie gar aus ihren Löchern treibt«, hatte sie erklärt. Sie seien zu allem fähig, wären kriminell und niederträchtig. »Ich bin sicher, dass wir uns einigen werden«, hatte Patrick erwidert. Und das Geheimnis der Höhle würde selbstverständlich gewahrt bleiben. Renée hatte das Gespräch nur widerwillig beendet und nicht, ohne sich versichern zu lassen, dass man auf sie zurückkommen würde, falls Hilfe nötig sei, und spätestens, sobald Peter wieder da sei.

»Sie haben mir noch nicht erklärt, was genau Sie nun vorhaben«, sagte Stefanie. »Ich hoffe, Ihnen ist klar, dass wir keinesfalls allein dort hineingehen.«

»Nein, natürlich nicht. Aber wie ich schon am Telefon sagte, finden wir sicherlich ein paar überzeugende Argumente.«

»Und was meinen Sie damit? Glauben Sie, den Satanisten könnte man drohen? Oder wollen Sie einen Handel betreiben? Sagen Sie es mir.«

»Einen Handel? Nein, nicht direkt. Ob Sie es glauben oder nicht, aber ich wollte mich an ganz offizielle Stellen wenden: die Polizei. Was meinen Sie, wie schnell die auf den Füßen sind, wenn wir ihnen erzählen, dass unsere kleine Tochter von einem Paar grobschlächtiger Männer vom Fahrrad gerissen und in den Untergrund gezerrt worden ist...«

»Unsere Tochter? Also, jetzt gehen Sie aber zu weit mit Ihrer Fantasie.«

»Wenn Sie eine bessere Idee haben, lassen Sie es mich wissen.«

Eine Weile erwiderte sie nichts, so dass Patrick schon dachte, sie würde sich tatsächlich einen anderen Plan ausdenken. »Madelaine«, sagte sie dann.

»Hm?«

»Sie muss doch einen Namen haben. Sie heißt Madelaine. Und sie ist Ihre Tochter. Aus erster Ehe.«

Patrick lächelte, »Meinetwegen.«

Bald hatten sie Carcassonne erreicht und suchten die Straße über Mazamet nach Castres. Von dort würden es noch etwa vierzig Kilometer nach Albi sein. Patrick hatte sich für die Landstraße entschieden, weil er der Meinung war, dass er die gesamten hundert Kilometer auf ihr schneller zurücklegen konnte als die doppelte Strecke auf der Autobahn über Toulouse. Stefanie hatte dies zwar zunächst bezweifelt, aber als sie nun Zeuge wurde, wie Patrick den Landrover über die bei Tage wohl durchaus malerische Strecke jagte, wurde ihr klar, dass es ihm hauptsächlich darum ging, auf den weniger befahrenen Strecken den wachsamen Augen der Verkehrspolizei zu entgehen.

»Eines noch, Patrick...«

»Ja?«

»Es ist mir wichtig, dass wir vorher darüber reden und Sie mir etwas versprechen.«

Patrick wusste nicht recht, wie ihm geschah. Plötzlich umgab eine intensive Aura seine Beifahrerin. Er sah Stefanie von der Seite an. Ihr Gesicht lag im Dunkeln, dennoch waren ihre Haare von einem unwirklichen Glanz umgeben. Sein Herz schien für einen Moment auszusetzen. Ein Gefühl, das er seit seiner Jugend nicht mehr gekannt hatte. Wie schon in der Höhle strömte das Blut warm in seinen Unterleib, aber es überlief ihn gleichzeitig auch ein Schauer, den er voller Verwirrung nicht als Erregung, sondern als Angst erkannte. Angst davor, dass er sie berühren wollte, Angst, dass sie sich von ihm abwenden würde, Angst, dass sie wie ein Traumbild verschwände.

»Hören Sie mir überhaupt zu?«

»Wie? Oh, ja. Ich war gerade in Gedanken. Was sagten Sie?«

»Sie müssen mir etwas versprechen, Patrick.«

»Aber ja, sicher doch. Um was geht es?«

»Die Höhle. Sie ist unantastbar. Sie ist zu mächtig. Sie ist nicht für jeden Menschen bestimmt. Sie dürfen nichts davon erzählen. Und ganz besonders nicht diesen Sektenmitgliedern. Sie dürfen niemals das Geheimnis der Höhle erfahren!«

»Na ja, wo sie ist, wissen die ja schon. Aber ich hatte nicht vor, ihnen auf die Nase zu binden, wie man hineinkommt.«

»Schwören Sie es.«

»Wie bitte?«

»Sie sollen es schwören. Dass Sie das Geheimnis der Höhle niemandem verraten werden. Schlimm genug, dass Elaine es weiß.«

»Ich bitte Sie, sie ist schließlich unsere Auftraggeberin. Und außerdem haben wir ihr den Bericht ja noch gar nicht geschickt, den sie haben wollte.«

»Schwören Sie es!«

»Meine Güte, ja doch. Ich versprech's Ihnen.«

»Schwören Sie auf das Leben von Madelaine.«

»Auf meine virtuelle Tochter?«

»Nein, auf Madelaine, Ihre jüngere Schwester.«

Patrick verriss das Steuer, hatte den Wagen aber gleich darauf wieder unter Kontrolle. Anschließend ging er vom Gas und rang nach Luft. »Wie können Sie das wissen?!«, brachte er halblaut hervor.

»Sie haben sie geliebt und wie eine Prinzessin behandelt. Und sie hat Sie immer ihren goldenen Prinz genannt. Sie starb vor zwanzig Jahren, nicht einmal erwachsen geworden, an Krebs. Und Sie wünschten, Sie hätten genug Geld für eine weitere Behandlung und eine Privatklinik gehabt, denken, Sie hätten irgendetwas ändern, aufhalten können.«

Patrick starrte auf die Straße. Ein schmerzhafter Kloß bildete sich in seinem Hals.

»Und seitdem«, fuhr Stefanie fort, »sind Sie auf der Suche nach dem wahren goldenen Prinz, nach El Dorado.... Ist es nicht so?«

Patrick schwieg.

»Aber Sie wissen so gut wie ich, dass Sie die Vergangenheit nicht rückgängig machen können. Sie können erfolgreich werden, aber mit allem Geld der Welt holen Sie sie nicht zurück. Was Sie ändern können, ist die Zukunft. Und jetzt haben Sie die Möglichkeit, etwas Gutes zu tun und dafür zu sorgen, dass diese Mächte nicht in den Besitz der Höhle und ihres Geheimnisses kommen. Bitte, Patrick!«

Ein tiefes Einatmen war die Antwort. Er schwieg einige weitere Augenblicke, bevor er wieder Gas gab. Langsam, dann bestimmter. »Ich schwöre es«, sagte er schließlich.

Als Peter zu sich kam, kniete er. Sein Kopf war auf die Brust gesunken. Als er ihn hob, überkam ihn eine Welle trägen Schwindelgefühls. Er öffnete die Augen einen Spalt und erkannte ein steinernes Gewölbe. Also war er noch immer hier unten. Er war noch immer... gefangen?

Seine Arme waren seitlich ausgestreckt, und seine schmerzenden Handgelenke wurden von metallenen Manschetten gehalten, die mit kurzen Ketten an der Wand befestigt waren. Das war der Grund, weswegen er kniete und nicht auf den Boden gefallen war: Sein Gewicht hing an seinen festgeketteten Armen.