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»Stefanie! Sind Sie verletzt? Geht es Ihnen gut? Was hat man mit Ihnen angestellt?«

»Es ist alles gut, Patrick.« Sie lächelte noch immer. Jetzt sah sie wieder aus wie eine Göttin. »Mir ist nichts passiert. Unsere Rettung kam gerade zur rechten Zeit, würde ich sagen. Vielen Dank für Ihr Eingreifen. Es ehrt mich, wie viel Ihnen an mir liegt.«

»Mein Eingreifen? Ich wünschte, ich hätte etwas tun können!«

»Sie waren beherzt und sehr mutig! Mehr konnten Sie nicht tun.«

»Was ist passiert? Hatte man Ihnen Drogen gegeben? Sie hypnotisiert? Und wer sind diese Leute? Wo kommen sie her?«

»So viele Fragen. Es wird sich alles klären, da bin ich sicher. Da, sehen Sie, es kommt schon jemand, der mit uns sprechen will.«

Tatsächlich kam ein Soldat geradewegs auf sie zu und entfernte im Gehen seine Gasmaske. Als er herangetreten war, streckte er ihnen seine Hand entgegen.

»Sie müssen Stefanie Krüger und Patrick Nevreux sein. Es freut mich, dass Ihnen nichts geschehen ist. Leider waren wir nicht noch schneller, aber es hat ja gerade noch geklappt.«

»Wer sind Sie?«, fragte Patrick.

»Entschuldigen Sie, wie unhöflich. Mein Name ist Bruder Nathaniel, Ritter vom Tempel Salomons.«

Patrick stöhnte auf. »Ach, du Scheiße...«

Keine halbe Stunde später standen sie im Foyer des Hôtel des Cathares. Man hatte sie dort einquartiert und ihnen den Landrover vor die Tür gestellt. Am Morgen wollte man sich mit ihnen treffen, um mit ihnen ausführlich zu reden. Alle drei waren zu müde, um zu widersprechen. Außerdem brannten sie auf die versprochenen Antworten.

»Was für ein Tag!«, sagte Patrick. »Stefanie, fühlen Sie sich wohl? Werden Sie schlafen können?«

»Aber ja.«

»Ich meine, immerhin sind Sie vorhin beinahe... Na ja, zumindest sah es so aus... nicht, dass ich irgendwelche Details gesehen hätte...«

»So schüchtern kenne ich Sie gar nicht, Patrick. Vergewaltigt, meinen Sie? Ich wäre fast vergewaltigt worden? Machen Sie sich keine Gedanken. Es bestand zu keinem Zeitpunkt wirkliche Gefahr für mich.«

»Wie bitte?! Aber Sie waren doch völlig willenlos. Es hätte nicht viel gefehlt...«

»Ich weiß genau, wie viel gefehlt hat, Patrick. Und glauben Sie mir: Ich hätte mich im entscheidenden Augenblick unangenehm zur Wehr gesetzt.«

Patrick sah sie zweifelnd an. Die Lage hatte sicherlich anders ausgesehen, aber als sie die Worte nun sagte, wirkte sie überzeugend. Offenbar hatte sie das Spiel so lange mitgespielt, um nicht frühzeitig ihre Wehrhaftigkeit preiszugeben. Beim Gedanken daran, was Stefanie im rechten Moment mit Ashs Familienjuwelen angestellt hätte, überkam ihn ein Schauer. Er wechselte das Thema.

»Peter, was ist mit Ihnen? Wieder fit für eine wohlverdiente Mütze Schlaf? Sie sind so schweigsam, seit wir wieder draußen sind.«

»Ich verstehe nicht, wie Sie beide dieses Erlebnis so leicht wegstecken können. Wir sind Zeuge einer satanischen Anrufung geworden, ein blutiger Altar, eine gottlose Orgie und zu guter Letzt eine Manifestation, ein wahrhaftiger Dämon! Wissen Sie nicht, was das bedeutet?!«

»Was für eine Manifestation? Wovon reden Sie?«

»Die leuchtenden Gestalten, Belial in seiner Form zweier Engel auf dem Streitwagen, und dann diese höllische Bestie!«

Patrick sah dem Engländer in die Augen, um darin eine Veränderung zu sehen. »Sind Sie sicher, dass es Ihnen gut geht?« Peters Pupillen waren leicht geweitet, sein Blick ins Unbestimmte gerichtet. »Sie haben leuchtende Gestalten gesehen? Und eine Bestie?«

»Sie waren so vollkommen, so real, ihre Blicke drangen bis ins Mark. Genauso, wie es beschrieben wird. Es stimmte alles.«

»Peter, da war nichts. Peter!« Patrick fasste ihn an den Schultern und brachte sein Gesicht ganz nahe an das des Professors heran. »Sehen Sie mich an, Peter. Da war nichts. Hören Sie!«

Peter blickte auf. »Was soll das heißen, da war nichts? Verschließen Sie noch immer die Augen vor der Wahrheit, wie ich es mein Leben lang tat? Fragen Sie Stefanie, ob da etwas war!«

»Peter«, sagte Stefanie, »da war tatsächlich nichts. Glauben Sie uns. Die Zeremonie hat Sie gefangen genommen. Sie sind beeinflusst worden!«

»Beeinflusst? Wer sagt Ihnen, dass Sie es nicht sind, die beeinflusst wurden?«

»Wenn dort irgendwelche Gestalten oder Bestien gewesen wären«, versuchte es nun wieder Patrick, »wohin sind sie dann so plötzlich verschwunden, als wir befreit wurden?«

»Ich weiß es nicht...« Er senkte den Blick. »Vielleicht haben Sie ja auch Recht...« Er wirkte nicht überzeugt.

»Wir sollten jetzt alle schlafen gehen«, sagte Patrick. »Morgen früh sieht alles anders aus. Und dann bekommen wir hoffentlich auch ein paar Antworten.«

11. Mai, Hôtel des Cathares, Albi

Es war eine kurze und unruhige Nacht für alle drei. Doch als sie sich gegen neun Uhr zum Frühstück trafen, waren Stefanies Haare frisch gewaschen, Patrick machte einen einigermaßen erholten Eindruck, und auch Peter schien seine Fassung wiedererlangt zu haben. Dennoch wirkte er nachdenklich, als er seinen Tee trank.

»Es tut mir leid, wenn ich Sie beide gestern mit meinem verworrenen Zustand belastet habe«, sagte er nur zur Erklärung. »Ganz offenbar haben wir unterschiedliche Erinnerungen an das Geschehen. Lassen wir es zunächst dabei bewenden.«

So erzählte Patrick von ihren Erlebnissen in der Höhle, wobei Peter interessiert zuhörte. Er formulierte dabei dieselben Fragen, die sich Patrick ebenfalls gestellt hatte: in welcher Weise Patrick in der Lage gewesen sei, die Bilder zu lenken, und ob es sich nicht vielleicht um projizierte Erinnerungen handelte. Doch dann schilderte Patrick, wie er der Herkunft der beiden Faxe auf die Spur gekommen war, die traumartige Reise nach Morges, das Herrenhaus am Genfer See und das Türschild mit der Inschrift »Steffen van Germain«.

»Höchst erstaunlich!«, sagte Peter. »Dann handelt es sich in der Tat um eine Höhle des Wissens! Uns ist weder bekannt, wer sie erbaut hat, noch, wie sie funktioniert. Doch scheint sie in der Lage zu sein, Wissen zu vermitteln, und zwar auf eine umfassendere und direktere Art, als wir es bisher kennen. Stellen Sie sich vor, über welche Macht derjenige verfügt, der diese Höhle beherrscht. Kein Geheimnis der Welt wäre mehr sicher, alles Wissen der Vergangenheit, der Gegenwart, möglicherweise auch der Zukunft wäre jederzeit verfügbar! Das ist unglaublich!«

»Ja.« Patrick nickte. »Und eine ganze Menge Leute trachtet bereits nach dieser Höhle. Nicht nur die Satanisten. Erinnern Sie sich an den Typ von Helix Industries, der uns von den Archiven Luthers erzählte? Meinen Sie nicht, der ahnte etwas? Und Renée! Wie begierig sie wurde, uns zu helfen und mehr über den ›Kreis von Montségur« zu erfahren. Als hätte sie schon davon gehört.«

»Und dann gibt es diesen Steffen van Germain«, sagte Peter, »der scheinbar von Anfang an wusste, um was es geht, und uns beobachtete...«

»Ich möchte mich ja ungern in die Hände einer neuen Geheimorganisation von Spinnern begeben«, sagte Patrick, »aber so wie es aussieht, ist der mysteriöse Mann aus Morges unsere letzte heiße Spur. Wir sollten ihm dringend einen Besuch abstatten.«

»Apropos Geheimorganisation«, sagte Stefanie, »da kommt unser Retter von gestern Abend.«

Nathaniel, diesmal nicht in Uniform, sondern in normaler Straßenkleidung, trat an den Tisch.

»Guten Morgen, Madame, Messieurs. Ich hoffe, Sie konnten den kurzen Rest der Nacht noch genießen. Sie sind bereits fertig mit dem Frühstück? Dann würde ich mich gerne mit Ihnen unterhalten. Sind Sie einverstanden, dass wir uns dazu eine ruhigere Ecke suchen?«

Sie standen auf und folgten dem Mann, der sie in einen Seitentrakt des Hotels führte, wo sich eine Sitzgruppe und ein Kamin befanden. Am frühen Morgen war kein Feuer entzündet, doch es war allemal gemütlich und so abgeschieden, dass eine vertrauliche Unterredung möglich war, ohne von anderen Gästen überrascht zu werden.