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»Bleiben Sie bloß alle liegen«, raunte der Förster.

Der andere Mann schien die rettenden Bäume erreicht zu haben, denn von ihm war keine Spur zu sehen.

Einen Augenblick lang blieb es ruhig.

»Was waren das für Leute?«, fragte Peter.

»Ich schätze, das waren die angekündigten Söldner von Fauvel«, meinte Patrick.

»Wie sind die durch die Absperrung gekommen?«, fragte Peter.

In diesem Moment wurde der Wagen erneut unter Beschuss genommen. Diesmal war das Feuer aus mehreren Richtungen des umliegenden Waldes zu hören. Ganz offensichtlich hatte der Bürgermeister mehr als nur zwei Söldner angeheuert.

Zwei weitere Geländewagen kamen nun aus dem Wald und bildeten mit dem ersten einen Wall. Wieder öffneten sich Türen, und diesmal strömten jeweils sechs Männer heraus und verteilten sich.

»Stellen Sie das Feuer ein!«, war kurz darauf eine Stimme über Megafon aus Richtung der Autos zu hören. »Wir gewähren Ihnen freien Abzug, wenn Sie das Feuer einstellen und hervortreten!«

Als Antwort wurden nun auch die neu angekommenen Wagen mit Salven bedeckt. Glassplitter prasselten auf den Boden, Reifen wurden zerfetzt.

Plötzlich ertönte ein Fauchen, und über die Lichtung flog ein kolossales Geschoss. Unverhältnismäßig langsam für seine Größe, zog es von den Wagen kommend eine Spur aus Rauch hinter sich her und verschwand zwischen den gegenüberliegenden Bäumen. Kurz darauf folgten ein Blitz und eine ohrenbetäubende Detonation. Ein Hagel aus Erdreich und Holzsplittern prasselte nieder.

Dann war es plötzlich ruhig. Niemand schoss mehr. »Kommen Sie jetzt heraus! Mit erhobenen Händen!«, ertönte wieder die Stimme aus dem Megafon.

Zwischen den Bäumen erschienen nach und nach etwa zehn Männer und traten auf die Lichtung. Sie waren jetzt unbewaffnet und ergaben sich.

Gleichzeitig kamen nun auch die Ranger hinter den demolierten Wagen hervor, ihre Waffen im Anschlag. Es waren nicht wesentlich mehr Mann, aber ganz offenbar deutlich besser ausgerüstet.

»Ich denke, wir können jetzt aufstehen«, sagte Patrick. Sie erhoben sich. Stefanie kam dabei Peter zu Hilfe, der große Mühe hatte. Sie sah, dass an einigen Stellen Blut durch seinen Verband gedrungen war. Er hatte sich einfach zu viel bewegt.

Noch während sich die Parteien auf der Lichtung gegenüberstanden, kam ein weiterer Wagen angefahren. Es war ein neuer, dunkelblauer Grand Cherokee, und er trug auch nicht die gefälschte Aufschrift der Gesundheitsbehörde. Er fuhr an den durchlöcherten Wracks vorbei und hielt nur wenige Meter von den Forschern entfernt. Ihm entstieg Elaine de Rosney.

Sie sah verändert aus. Anders als in Genf, trug sie nun robuste Stiefel, Jeans und eine schwarze Windjacke. Ihr strenger Blick überflog die Gesichter der Anwesenden, bevor sie sich an einen der Ranger wandte.

»Was ist hier los?«

»Während wir diese vier Personen aufhalten wollten, sind wir von diesen Männern angegriffen worden, Madame.«

»Wer ist das? Wo kommen sie her, und was wollen sie?«

»Das wissen wir noch nicht, Madame. Wir wollen sie im Lager befragen.«

»Einverstanden. Machen Sie sich mit Ihren Männern und diesem Gesindel auf den Rückweg. Die vier Forscher bleiben hier.«

»Möchten Sie jemand als Unterstützung hier behalten?«

»Das ist nicht nötig. Gehen Sie.«

»Auf geht's!«, rief der Ranger zu den anderen. »Ihr habt es gehört! Marsch, marsch!«

Sie setzten sich in Bewegung, und nach wenigen Momenten standen die Forscher mit Elaine allein auf der Lichtung. Sie zog eine Pistole aus der Tasche.

»Warum haben Sie sich nicht fern gehalten?«, fragte sie. »War es nicht deutlich genug? Ich hoffe, ich habe keinen Ärger von Ihnen zu erwarten!«

»Ärger?!«, entfuhr es Patrick. »Sie haben noch etwas ganz anderes von uns zu erwarten! Was spielen Sie hier eigentlich?«

»Monsieur Nevreux, wie ungestüm. Ich habe Ihnen das Projekt gegeben, und jetzt nehme ich es Ihnen wieder. Gerade für Sie sollte das doch keine neue Erfahrung sein.«

»Wissen Sie überhaupt, um was es hier geht?!«, fragte nun Peter. »Das hier ist der größte Fund der Menschheit!«

»Aber ja doch, das ist offensichtlich. Und ich danke Ihnen für Ihre Arbeit. Allen beiden. Sie werden Ihr vereinbartes Honorar bereits überwiesen auf Ihren Konten finden. Aber was Sie angeht, Frau Krüger, jetzt stehen wir uns also gegenüber. Können Sie mir bitte erklären, wer Sie sind? Ich habe Sie nicht engagiert! Und in meiner Firma kennt Sie auch niemand.«

»Ich habe mich selbst engagiert, Madame«, antwortete Stefanie. »Und bisher hat es dem Projekt nicht geschadet.«

Elaine sah sie einen Moment lang an, wollte etwas sagen, überlegte es sich dann aber anders und wandte sich an den Förster. »Und wer sind Sie?«

»Das ist D'Artagnan, unser vierter Musketier«, sagte Patrick.

»Sie halten sich wohl für witzig«, entgegnete Elaine.

»Ich bin der Förster des Bezirks«, antwortete Levasseur.

»Nun denn«, sagte Elaine, »somit stehen hier also alle Menschen, die das wahre Geheimnis der Höhle kennen... was für ein seltener Kreis. Und so wird er nie wieder zusammentreffen. Denn wie Sie sich schon gedacht haben, werde ich die Höhle in meine Verantwortung nehmen. Und wie sagt man: Verantwortung ist unteilbar. Sie vier werden also weder mit der Höhle noch mit mir je wieder etwas zu tun haben.« Sie lächelte die anderen an. »Jetzt, wo es so weit ist, kann ich es Ihnen ja auch sagen, damit Sie nicht mit ungelösten Rätseln nach Hause gehen müssen: Ich wusste natürlich von Anfang an, dass wir hier auf das Archiv des Wissens der Templer gestoßen waren. Ich habe die Legenden und Geschichten darum schon lange recherchiert. Ich weiß, welche göttliche Macht es verleihen kann! Ich wollte bloß wissen, wie man hineinkommt. Dank Ihrer Spürnasen haben Sie diese Nuss in Rekordzeit geknackt.«

»Dann kennen Sie auch den ›Kreis von Montségur‹?«, fragte Peter.

»Das Symbol auf dem Boden?«, antwortete Elaine. »Natürlich. Es ist ja nichts anderes als der symbolische Plan der Kaverne. Und um das zu wissen, muss ich noch nicht einmal dringewesen sein.«

Peter sah zu Patrick hinüber, der nicht mit der Wimper zuckte, dem aber sicher ebenfalls nicht entgangen war, dass Elaine damit offenbar nur die halbe Wahrheit kannte.

»Nun, genug geplaudert. Ich werde jetzt in die Höhle gehen, und ich muss natürlich dafür sorgen, dass Sie keine Dummheiten anstellen werden. Deswegen werde ich Sie mit in den Durchgang nehmen. Das Sanatorium Henry Taloir ist bereits auf neue Gäste vorbereitet. Für irgendetwas muss Ihr Honorar ja auch verwendet werden. Und was Sie angeht, Frau Krüger, von Ihnen muss ich mich jetzt schon verabschieden.«

Sie drückte ab. Stefanie wurde nach hinten geschleudert, fiel zu Boden und blieb regungslos liegen.

»NEIN!«, schrie Patrick und wollte losspringen, doch Elaine presste ihm die Pistole gegen den Bauch. »Lassen Sie das«, sagte sie.

Blitzschnell drehte er sich zur Seite und schlug dabei Elaines Hand nach oben. Ein Schuss löste sich und pfiff an seinem Ohr vorbei. Noch einmal schlug er nach ihrem Handgelenk, und dieses Mal schmetterte er die Pistole aus ihrer Hand. Ohne sich weiter um die Frau zu kümmern, stürzte er auf Stefanie zu und kniete sich neben sie. »Mon dieu!«, brachte er hervor und streichelte ihr Gesicht. Unter ihr bildete sich bereits eine Blutlache.

Peter stand noch immer fassungslos da, während Levasseur Elaines Pistole aus einer Pfütze fischte, sie begutachtete und hektisch versuchte, den Schlamm aus der Mündung zu schütteln. Schließlich warf er sie jedoch frustriert weg.

Patrick sah zu ihm herüber. Er hatte Tränen in den Augen. »Suchen Sie eine der Waffen, die die Söldner im Wald gelassen haben! Und schießen Sie diese verdammte Hure über den Haufen!«

Levasseur rannte zum Waldrand.

Peter sah sich um.