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«Zu Regensburg als Heroldsknappe, «antwortete der rote Eber,»ward ich erzogen und empfing von der dortigen gelehrten Brüderschaft das Diplom eines Ehrenherolds.«—»Ihr konntet es aus keiner würdigeren Quelle schöpfen, «antwortete Toison d'Or, sich noch tiefer als vorher verbeugend,»aber, «fuhr er fort, indem er ein Stück Pergament aus der Tasche zog,»hier ist eine Rolle, worauf ich zu gewissem Zwecke, soweit es meine geringe Kunst vermochte, ein altes Wappen gezeichnet habe. Ich Dieser Scherz erregte Gelächter, und das kam dem roten Eber insofern zustatten, als es Toison d'Or, der über die Mißdeutung seiner Zeichnung unwillig wurde, zu der Erklärung bewog, es sei das Wappen, das Gildebert, König von Frankreich, angenommen hätte, nachdem er Gandemar, den König von Burgund, zum Gefangenen gemacht, und stelle eine Tigerkatze hinter einem Gitter vor als Sinnbild eines gefangenen Fürsten, nämlich» einen schreienden Tiger im goldenen Felde.«—»Bei meiner Narrenkappe!«versetzte Glorieux,»wenn die Katze Burgund vorstellen soll, so steht sie heutzutage auf der rechten Seite des Gitters.«

«Getroffen, Freund!«rief Ludwig lachend, während die übrigen Anwesenden, Karl nicht ausgenommen, verlegen zu sein schienen:»Du sollst ein Goldstück dafür haben, daß Du eine Sache, die wie bittrer Ernst aussah, in einen Spatz verwandelt hast, worauf es, denk ich, hinauslaufen wird.«—»Still, Glorieux, «sagte der Herzog;»und Ihr, Toison d'Or, tretet ab, denn Ihr seid zu gelehrt, um verständlich zu bleiben. Der Schuft soll vortreten. — Höre, Schurke, «sprach er in seinem rauhesten Tone,»kennst Du den Unterschied zwischen einem silbernen und goldnen Felde?«—»Bloß für den gegenwärtigen Fall, «antwortete der Entlarvte. — »Nun, beim heiligen Georg!«sagte der Herzog, indem er Ludwig von der Seite ansah,»Uns ist kein König, ja kein Edelmann, außer einem, bekannt, der die edle Wissenschaft, auf der Königtum und Adel beruhen, also herabgewürdigt hätte, den König ausgenommen, der an Eduard von England einen Lakaien, als Herold verkleidet, absandte.«—»Eine solche List konnte man sich bloß an einem Hofe erlauben, «sprach Ludwig,»an dem es damals noch keine Herolde gab, und die Sache hatte Eile. Aber wenn dies auch noch bei einem plumpen, kurzsichtigen Insulaner anging, so würde doch niemand, der nicht so durchaus verrückt wie ein wilder Eber ist, darauf gekommen sein, dem gebildeten Hofe von Burgund einen solchen Streich zu spielen.«—»Mag ihn senden, wer da will, «entgegnete der Herzog zornig,»er soll ihm ordentlich heimgeschickt werden. — He da! — schleppt ihn auf den Marktplatz! — peitscht ihn mit Hundekarbatschen, bis ihm der Wappenrock in Fetzen vom Leibe fällt! — Auf also! auf den roten Eber! — Hallo! Hallo!«— Ein halbes Dutzend Hunde nahm den wohlbekannten Ruf auf, womit der Herzog schloß, und fing zu heulen und zu bellen an, als ob der Eber wirklich vor ihnen aus dem Lager aufgetrieben wäre. — »Beim heiligen Kreuze!«rief der König Ludwig, in seines Vetters gefährliche Laune einstimmend,»da der Esel die Eberhaut umgehängt hat, möchte ich ihn auch mit den Hunden wieder aus ihr heraushetzen.«»Vortrefflich!«rief Herzog Karl, dem der Einfall in seiner jetzigen Laune gelegen kam,»das soll geschehen! — man kopple die Hunde los! Heda, Talbot! heda! Beaumont! — wir wollen ihn vom Schloßtor bis zum östlichen Stadttor hetzen!«—»Ich denke, Ew. Gnaden werden mich dann auch wie ein ordentliches Jagdwild behandeln, «sprach der Bursche, zum bösen Spiel eine gute Miene machend,»mir also das Jagdrecht gestatten?«—»Du bist ein Wurm, «sagte der Herzog,»und hast kein Recht, die Weidmannsrechte anzusprechen; indessen sollst Du einen Vorsprung von hundertundsechzig Fuß haben, und wäre es auch nur um Deiner beispiellosen Unverschämtheit willen. Fort, fort, meine Herren! — wir wollen uns die Jagd mit ansehen!«— Und alle beeilten sich, die beiden Fürsten ihnen voran, um das vom König Ludwig angeregte menschenfreundliche Schauspiel voll zu genießen.

Der rote Eber spielte seine Rolle vortrefflich; vom Schrecken beflügelt, und gehetzt von zehn grimmigen Eberhunden, die durch Hörnerschall und Weidruf der Jäger noch wütender gemacht wurden, floh er mit Sturmeseile dahin und würde, hätte ihn sein Heroldsrock, die schlechteste Tracht, die es für einen Läufer geben kann, nicht gehindert, vielleicht wohlbehalten den Hunden entkommen sein; auch machte er mehr als einmal zur großen Zufriedenheit der Zuschauer einen Widerlauf; endlich vermochte ihn seine Schnelligkeit aber nicht länger vor den Fängen seiner Verfolger zu retten: sie packten ihn, rissen ihn zu Boden und hätten ihn wahrscheinlich in Stücke zerrissen, hätte nicht der Herzog gerufen:»Stock dazwischen! macht sie los von ihm! — Er hat sich so wacker im Laufen gezeigt, daß, obgleich die rechte Jagd noch nicht angefangen, Wir ihn doch nicht drauf gehen lassen wollen.«

Mehrere Hofbeamte waren sogleich beschäftigt, die Hunde von ihm loszureißen; man sah, wie sie einige zusammenkoppelten und andere verfolgten, die, durch die Straße laufend, die Fetzen des gestickten Wappenrocks, den der unglückliche Mann zur bösen Stunde angelegt hatte, im Triumph herumschleppten.

In diesem Augenblicke und während der Herzog mit dem, was vor seinen Augen vorging, zu sehr beschäftigt war, als daß er hätte darauf achten können, was hinter ihm geschah, schlich sich Oliver le Dain hinter den König und flüsterte ihm ins Ohr:»Es ist der Zigeuner Hayraddin Maugrabin! Es wäre nicht gut, wenn er mit dem Herzog zu sprechen käme.«—»Er muß sterben, «antwortete Ludwig in demselben Tone.»Tote sagen nichts.«

Einen Augenblick später trat Tristan l'Hermite, welchem Oliver einen Wink gegeben hatte, vor den König und den Herzog und sprach mit dem ihm eigenen Tone:»Mit Ew. Majestät und Ew. Hoheit Wohlvernehmen, dies Stück Wildbret ist mein — ich mache Anspruch darauf — er trifft mein Zeichen — die Lilie ist ihm auf der Schulter eingebrannt, wie jedermann sehen kann. Er ist ein bekannter Bösewicht, hat königliche Untertanen erschlagen, Kirchen beraubt, Jungfrauen geschändet, Wild in dem königlichen Tiergarten erlegt — «

«Genug, genug, «fiel Herzog Karl ein,»er ist aus vielen Gründen meines königlichen Vetters Eigentum. Was will Ew. Majestät mit ihm vornehmen?«—»Wenn er zu meiner Verfügung steht, «sagte der König,»so will ich ihm bloß eine Lektion in der Wappenkunde geben, in der er so unerfahren ist — ihm nur erklären, und zwar praktisch, was ein Kreuzbalken mit herabhängender Schleife zu bedeuten hat.«—»Den er nicht tragen, sondern der ihn tragen soll — laßt ihn unter Eurem Gevatter Tristan die Stufen nehmen, — er ist ein gründlicher Lehrer in solchen Geheimnissen. «So rief der Herzog mit einem grinsenden Gelächter über seinen eigenen Witz; und Ludwig stimmte so herzlich ein, daß sein Nebenbuhler sich nicht enthalten konnte, ihn freundlich anzusehen und zu sagen:»O Ludwig, Ludwig, wollte Gott, Du wärst ein ebenso zuverlässiger Monarch, als Du ein lustiger Gesellschafter bist! Ich muß mich oft noch der fröhlichen Zeit erinnern, die wir zusammen verlebten.«—»Die könnt Ihr wieder zurückbringen, wenn Ihr wollt, «sagte Ludwig;»ich will Euch so gute Bedingungen gewähren, als Ihr in meiner gegenwärtigen Lage nur immer von mir verlangen könnt, und will Euch die Erfüllung auf die heilige Reliquie schwören, die ich immer bei mir trage als ein Fragment des wahren Kreuzes.«

Hier zog er ein kleines goldenes Reliquienkästchen hervor, das er an einer goldenen Kette von seinem Halse herab gleich über dem Hemd hängen hatte, küßte es andachtsvoll und sagte dann:»Nie ward ein falscher Eid auf diese heiligste Reliquie geschworen, ohne daß er noch in demselben Jahre gerächt worden wäre.«

«Wohl denn, Vetter, «antwortete der Herzog,»wollt Ihr mit mir ausziehen, den Mörder von der Mark und die Lütticher zu züchtigen?«—»Ich will, «sagte Ludwig,»mit dem Bann von Frankreich und wehender Oriflamme.«—»Nein, nein, «sagte der Herzog,»das ist mehr, als nötig oder rätlich sein dürfte. Eure schottische Leibwache und zweihundert auserlesene Lanzen dürften hinreichen; ein großes Heer möchte — «—»Mich frei machen, wollt Ihr sagen, lieber Vetter?«sagte der König.»Wohl, Ihr sollt die Zahl meines Gefolges bestimmen.«—»Und um die schöne Unheilstifterin uns vom Halse zu schaffen, so willigt Ihr ein, daß sie sich mit dem Herzog von Orleans vermählt?«