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«Ich will Euch bloß um einen Dienst bitten, Euch aber zuvor dafür bezahlen, denn ich weiß ja, wie es von Euch heißt: kein Stüber, kein Schotte…«— Durward fiel ihm ins Wort:»Spare Deine Stüber! Denn sie helfen Dir nichts. Sag', was Du von mir willst. Ich habe ja der Dienste bereits genug von Dir.«—»Nun, ich hab' immer was auf Euch gehalten, Durward, «sagte Hayraddin,»seit der Geschichte am Cher, und hätt' Euch gern zu einer reichen Frau verholfen… habt Ihr doch ihre Schärpe bereits getragen! Aber das hat mich irre geführt, und ich habe wirklich gedacht, Hameline würde mit ihrem flüssigen Reichtum einen besseren Marktpfennig abgeben, als das unflügge Küchlein mit seinem Hühnerhaus in Bracquemont, das Herzog Karl in den Klauen hält, und wahrscheinlich auch halten wird.«—»Verliere doch Deine Zeit nicht mit hohlem Geschwätz!«mahnte ihn Durward.»Du siehst doch, daß die beiden Schergen schon ungeduldig werden.«—»Gebt ihnen weitere zehn Gulden für weitere zehn Minuten, «sagte Hayraddin;»Ihr dürft mir's wirklich glauben, Durward, daß ich es gut mit Euch meinte, und Hameline hätte sich Euch ganz gewiß auch als willige, fügsame Gattin erwiesen. Verträgt sie sich doch sogar mit dem wilden Ardennen-Eber, dessen Art, zu freien, doch gewiß rauh und unritterlich ist! Aber sie thront jetzt in ihrem Schweinekoben, als hätte sie ihr Lebtag weiter nichts gefressen als Kleie und Eicheln!«—»Halt' ein mit Deinen rohen Späßen, oder ich überlasse Dich Deinem Schicksale, ohne mich darum zu kümmern, was Du mir sagen wolltest.«

«Ihr habt recht, «erwiderte Hayraddin nach kurzer Pause,»aber dem, was sich nicht vermeiden läßt, muß man eben entgegensehen. Nun, so wisse denn, daß ich in dieser verwünschten Verkleidung bloß hergekommen bin, weil mir Mark eine gewaltige Belohnung verhieß, und weil ich von König Ludwig auf eine noch weit größere rechnete, nicht allein, um die Ausforderung zu bringen, von der Ihr wohl gehört habt, sondern auch, um dem Könige ein nicht unwichtiges Geheimnis in die Hände zu liefern.«—»Das hieß freilich viel gewagt!«sagte Durward. — »So ist es auch ausgegangen, «erwiderte Hayraddin.»Wilhelm von der Mark wollte erst durch Marthon sich mit dem Könige in Beziehung setzen, aber sie konnte, scheint's, bloß bis zum Sterndeuter gelangen, dem sie alles erzählte, was sich unterwegs und in Schönwald zugetragen hatte… an Ludwig sind die Nachrichten aber sicher bloß in Gestalt von Prophezeiungen gelangt. Nun aber hört Ihr mein Geheimnis! Es ist wichtiger als alles, was sie ihm sagen konnte. Wilhelm von der Mark hat in Lüttich eine starke Truppenmacht zusammengebracht und mehrt sie täglich, just durch die Schätze des alten Kardinals. Aber er will es nicht auf eine Schlacht gegen die burgundischen Reiter ankommen lassen, auch will er keine Belagerung in der Stadt aushalten, sondern will den Burgunder Hitzkopf vor der Stadt ruhig Fuß fassen lassen und nächtlicher Weile einen Ausfall gegen ihn unternehmen. Er will viele Mannen aus dem Hennegau unter seiner Schar halten, die sollen in französischer Rüstung und mit dem französischen Schlachtrufe in die Schlacht rücken. Auf diese Weise will er Verwirrung unter die Burgunder bringen, und wenn dann König Ludwig ihn mit seiner Leibwache und seinem Gefolge unterstützt, so rechnet er, daß ihm der Sieg beschieden sein werde. So, nun wißt Ihr mein Geheimnis! Verkauft's, so hoch, wie Ihr wollt, an König Ludwig oder an den Burgunder, ganz, wie es Euch paßt, je nachdem Ihr den oder den verderben wollt! Mir tut's bloß leid, daß ich die Mine nicht hab' so springen lassen können, daß sie alle beide auf einmal zum Teufel gegangen sind!«

«Nun rede, «sagte Durward,»was ich Dir tun kann für dies Geheimnis, das allerdings sehr wichtig ist.«—»Na, das ist nicht eben viel verlangt, «versetzte der Zigeuner.»Eine Meile etwa von hier werdet Ihr meinen Klepper finden: bei einer verlassenen Köhlerhütte, drüben im Walde… es ist das einzige lebende Wesen, das mich vermissen wird. Wenn Ihr mit diesem Pfiffe ruft (er pfiff ein paar Mal ein besonderes Signal), ihn auch mit dem Namen» Biest «anredet, wenn er herankommt, dann legt ihm den Zaum hier an. Ein Glück, daß ihn die Hunde nicht auch zerfetzt haben, denn Biest leidet keinen anderen Zaum. Nehmt das Tier mit und gebt ihm sein Futter! Wenn auch nicht um meinetwillen, sondern bloß darum, weil ich Euch das Geheimnis überantwortet habe… verlassen wird Euch» Biest «nie, darauf könnt Ihr Euch verlassen… in keiner Not, bei keinem Wetter… dem Biest ist's ganz gleich, ob er unter winterlichem Himmel oder im warmen Stalle kampieren muß… also sagt: wollt Ihr Euch des Kleppers annehmen?«—»Das gelobe ich Euch, «erwiderte Quentin, durch diesen Zug von Anhänglichkeit bei dem verstockten Menschen tief gerührt. — »Na, dann adieu!«sagte der Zigeuner,»doch halt, noch eins! Unhöflich gegen eine Dame will ich doch nicht vor meinem Ende noch sein. Das Briefchen hier hat mir die gnädige, wenn auch recht dämliche Gemahlin des wilden Ebers von der Mark übergeben: Ich sollt's ihrer Nichte einhändigen. In Euren Blicken kann ich ja lesen, daß Ihr's gern besorgen werdet. Im Polster meines Sattels werdet Ihr auch eine schwere Geldkatze finden. Der Inhalt kostet mich mein Leben, aber ich hab's gewußt, daß die Summe nicht leicht zu verdienen war… nehmt sie, Ihr habt hundertfältigen Ersatz für die Gulden, die Ihr den Henkern dort gegeben habt, um noch zweimal zehn Minuten mit mir zu schwatzen. Ihr sollt mein Erbe sein!«—»Ich will das Geld zu Messen für Euer Seelenheil verwenden, «sagte Quentin.

Da verzog sich das Gesicht des Zigeuners zu einer schrecklichen Fratze, und er zischte wütend:»Redet mir bloß nicht solchen Pafel, Mensch! Solchen Krempel gibt's nun doch einmal nicht! Kann's nicht geben und darf's nicht geben! Das ist weiter nichts als Ausgeburt von pfiffigem Pfaffengeschmeiß!«—»Unglücklicher Mensch!«sagte Durward,»willst Du wirklich ohne Buße zur Hölle fahren?«—»Wohin ich fahre, «erwiderte der Atheist, indem er seine gefesselten Arme gegen die Brust preßte,»das überlaßt mir! Ich kann's abwarten, und werd's mit ansehen! Das geheimnisvolle Gewebe, Mensch genannt, löst sich wieder einmal auf in die allgemeine Masse der Natur, um in anderer Gestalt wieder zu erscheinen, als täglicher Ersatz für das tägliche Verschwinden. Was Wasser ist, geht über in Regen, was Erde ist, wird wieder zu Erde, was Luft ist, fliegt auf, und was Feuer ist, nährt den Glanz Aldeborans und seiner Brüder. In diesem Glauben habe ich gelebt, und in diesem Glauben will ich sterben! Hinweg nun von mir! Störe mich nicht weiter! Das letzte Wort, das aus meinem Munde zu menschlichen Ohren dringen wird, habe ich gesprochen!«