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«Wenn Ew. Herrlichkeit erlauben«— hub Durward an —»Ist der Bursche toll?«rief sein Oheim.»Will er etwa mit Seiner Lordschaft sprechen, ohne daß er gefragt worden ist!«—»Geduld, Ludwig!«sagte Lord Crawford;»wir wollen doch hören, was der Bursche zu sagen hat.«

«Mit Ew. Herrlichkeit Erlaubnis, «versetzte Quentin,»ich habe meinem Oheim früher gesagt, ich hätte einige Bedenken, in diesen Dienst zu treten. Jetzt aber kann ich wohl sagen, daß sie gehoben sind, seit ich den edlen und erfahrenen Befehlshaber gesehen habe, unter dem ich dienen soll; in Euren Blicken, Ew. Herrlichkeit, liegt Ehrfurchtgebietendes.«

«Wohlgesprochen, Bursche!«sagte der alte Lord, nicht unempfänglich für solche Artigkeit;»Gott hat uns einige Erfahrung verliehen, und wir lassen es uns angelegen sein, sie zum besten unseres Königs auszunützen und zu mehren… Ihr steht also nun unter unserm würdigen Korps der schottischen Leibgarde, als Knappe Eures Oheim und unter seiner Lanze dienend. Ich denke, Ihr sollt's gut haben; denn Ihr müßt ein tüchtiger Kämpfer werden, da Ihr aus einem edlen Stamme entsprossen seid. Ludwig, sorge dafür, daß Dein Verwandter fleißig den Waffenübungen beiwohnt; denn wir werden wohl, denk' ich, in diesen Tagen ein Lanzenstechen haben.«—»Das freut mich, bei meinem Degenknopf! denn der faule Friede macht uns alle zu feigen Memmen.«—»Ich hab ein Vöglein pfeifen hören, «sagte Lord Crawford,»daß das alte Banner wieder im Felde flattern werde.«—»Nun, bei dem Ton, «sagte Balafré,»tu ich schon heut abend einen herzhaften Schluck!«—»Das tust Du ja bei jedem Ton, «entgegnete Lord Crawford;»ich fürchte, Ludwig, Du wirst einmal einen bittern Schluck von Deinem eignen Gebräu trinken.«

Lesley, ein wenig beschämt, erwiderte, daß er schon mehrere Tage sehr mäßig gelebt habe, allein Se. Herrlichkeit kenne ja selbst die Sitte der Kompagnie: dem neuen Kameraden zu Ehren ein Gelage zu halten und auf sein Wohlsein anzustoßen.

«Du hast recht, «sagte der alte Befehlshaber,»ich hatte das vergessen. Ich will Euch zu Eurem Schmause ein paar Maß Wein schicken, aber mit Sonnenuntergang soll das Fest zu Ende sein. Im Vertrauen gesagt, seht zu, daß die Soldaten, die den Dienst haben, sorgfältig ausgemustert werden, und daß keiner von ihnen an dem Gelage teilnehme.«—»Ew. Herrlichkeit Befehl soll pünktlich befolgt werden, «sagte Ludwig;»wir werden schuldigermaßen auf Eure Gesundheit trinken.«

«Es kann sein, daß ich selbst auf ein paar Minuten zu Eurem Feste komme, «versetzte Lord Crawford,»und wär's auch nur, um mich zu überzeugen, daß alles maßvoll zugeht.«

Jetzt kam es darauf an, den Jüngling so schnell wie möglich in die Uniform der Leibwache zu stecken und zu bewaffnen. Bei dem Bankett selbst ging es sehr lustig zu, und die Gäste ließen ihrer Nationalneigung freien Lauf. Es wurden alte schottische Lieder gesungen, alte Geschichten aus der Heldenzeit Schottlands erzählt; die stolzen Taten der Ahnen und die Ereignisse, bei denen sie eine Rolle gespielt hatten, kehrten in ihre Erinnerung wieder, und auf eine Zeitlang gewann die Ebene der Touraine geistige Verwandtschaft mit dem öden Hochlande Schottland. Als die Begeisterung auf den höchsten Gipfel gestiegen war, erschien Lord Crawford, der schon lange bei dem Mahle des Königs, dessen Gast er, wie immer, war, wie auf Kohlen gesessen hatte, um sich zu dem kleinen Feste seiner Leibgarde begeben zu können. Am obersten Ende der Tafel war eine Art Ehrenplatz für ihn hergerichtet worden, denn nach der Sitte des Zeitalters und gemäß der innern Verfassung des Bogenschützen-Korps war es dem Kapitän desselben nicht verwehrt, an einem und demselben Tische mit den Untergebenen zu sitzen und sich an festlichen Gelagen in ihrer Mitte zu zeigen. Mithin vergab sich auch Lord Crawford in seiner Kapitänswürde nichts durch seine Gegenwart. Indessen lehnte er es heute ab, sich auf den für ihn bestimmten Ehrenplatz zu setzen. Er richtete ein paar freundliche Begrüßungsworte an die versammelten Bogenschützen, bat sie, sich in ihrem Vergnügen nicht stören zu lassen, und wohnte stehend dem weitern Verlaufe desselben bei; auf seinem Gesicht malte sich aber unverkennbar die Freude, die er an seinem Bogenschützenkorps hatte. Er unterließ auch nicht, auf das Wohl des neu eingestellten Kameraden zu trinken, was begreiflicherweise ein helles Jubelgebraus hervorrief. Sodann machte er dem Korps Mitteilung, daß der König, infolge Fürsprache des Meisters Oliver, dem Generalprofoßen Befehl erteilt habe, jegliches Verfahren gegen Quentin Durward einzustellen und die Privilegien der schottischen Leibgarde, wie in jedem andern, so besonders auch in diesem Falle unversehrt zu halten.

Hierüber erklang abermaliges Jubelgeschrei aus aller Kehlen, die Becher kreisten von neuem; dann wurde von Balafré auf Lord Crawfords und von diesem auf die Gesundheit König Ludwigs angestoßen, dann zog Lord Crawford den jungen Schotten ins Gespräch und ließ sich von ihm über die alte Heimat und die unter den dortigen Geschlechtern bestehenden Verhältnisse berichten und betonte, daß die Liebe zu Geselligkeit und für Tafelfreuden nicht die schlechteste unter den Bräuchen der Schottländer sei, daß aber junge Leute nichtsdestoweniger gut täten, beides mit einem gewissen Grade von Vorsicht zu üben, weil sie gar zu leicht in ein bedenkliches Uebermaß dabei verfielen, usw.; indessen hinderten den edlen Lord diese weisen Worte nicht, jeden Satz durch einen kräftigen Schluck zu befeuchten und bei jedem Becher, den er leerte, den jungen Schotten zum» Nachkommen «zu animieren. Allmählich wurde ihm dann die Zunge zu schwer, und als dies Cunningham und Balafré bemerkten, hielten sie den rechten Augenblick für gekommen, die Versammlung zum Jubeltoast auf die Oriflamme, das königliche Banner von Frankreich, und auf ihre baldige Entfaltung aufzufordern…»In burgundischer Luft, wohlverstanden!«ergänzte Lindesay den Toast der beiden Kameraden, und Lord Crawford nahm das Wort zu folgender Ansprache:»Mit ganzer Seele und aller Geisteskraft, über die dieser morsch gewordene Leib noch gebietet, stimme ich in den Spruch der Kameraden ein, und hoffe, so alt ich nun auch bin, die Oriflamme Frankreichs noch einmal flattern zu sehen. Kameraden und treue Diener der Krone Frankreichs! warum sollte ich Euch vorenthalten, daß gestern vom Herzog Karl eine Gesandtschaft hier eingetroffen ist, die eine höchst schlimme Botschaft überbracht hat?«

Einer von den Bogenschützen, Gutherie, sprang auf…»Unten im Gasthofe bei der Maulbeerhecke halten die Rosse des Grafen von Crevecoeur, der Graf selbst mit Gefolge soll sich beim Könige bereits gemeldet, der König aber soll ihm die Audienz verweigert haben.«—»Na, soll ihm der Himmel nur eine recht ungnädige Antwort mit auf den Heimweg geben!«rief Balafré…»aber mit welcher Beschwerde ist er denn hergekommen?«—»Ueber allerhand Dinge, «erwiderte Crawford,»die an der Grenze vorgefallen sein sollen; zuletzt aber darüber, daß unser König einer Dame, die aus Dijon geflüchtet sei, einer jungen burgundischen Gräfin, seinen Schutz habe angedeihen lassen, während der Herzog sie als seine Pflegetochter an den Grafen de Campobasso habe verkuppeln wollen.«—»Ist denn die Dame ganz allein nach Frankreich hinübergekommen?«fragte Lindesay. — »Ganz allein nicht, «erwiderte Lord Crawford,»sondern mit einer älteren Verwandten, auch einer Gräfin, die sich in dieser Angelegenheit dem Willen der jüngeren gefügt und die Reise mit ihr zusammen unternommen hat.«