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«Aber wird sich denn der König als Lehnsherr des Herzogs in solchen Streit zwischen ihm und seinem Mündel einlassen?«fragte Cunningham,»der Herzog hat doch über sie das gleiche Recht, das dem Könige nach dem Ableben des Herzogs zustände?«—»Der König wird sich wohl in diesem Falle, wie immer, von den Regeln der Politik bestimmen lassen, «bemerkte Crawford,»und bekannt ist Euch wohl, daß er die beiden Gräfinnen nicht offiziell empfangen, sondern unter den Schutz seiner Tochter, der Madame von Beaujeu, oder der Prinzessin Johanna zu stellen geruht hat.«—»Der Burgunder will von Politik aber nie was wissen, «meinte Gutherie,»und so kann's wohl sein, daß sie mal aneinander geraten.«—»Mag der heilige Andreas dazu helfen!«riefe Balafré;»ich hab's mir schon seit zwanzig Jahren prophezeit, daß ich das Glück meines Hauses noch einmal durch eine Heirat mache. Wer weiß, was passiert, wenn wir noch einmal für Ehre und Frauenliebe in den Kampf ziehen, nach dem Motto der alten Romanzen und Rittergesänge?«—»Du willst noch von Frauenliebe faseln mit Deiner Narbe über der Nase?«spottete Gutherie. — »Halt, Kameraden!«rief Crawford,»hier ist der Ort nicht, um mit scharfen Waffen zu fechten oder auch nur einander mit bitterm Spott zu regalieren. Hier sind wir alle zusammen gute Freunde, und was die junge Dame anbetrifft, so ist sie für einen armen schottischen Lord viel zu reich, sonst möchte ich mich schließlich trotz meiner sechzig Jahre selbst um ihre Hand bewerben. Indessen eins können wir tun, nämlich einen Humpen leeren auf ihre Gesundheit! denn sie soll, wie es heißt, ein wahres Lumen von Schönheit sein.«—»Ich dürfte sie, «sagte ein andrer der Bogenschützen,»heut morgen gesehen haben, als ich auf Barrierenwache war. Aber sie sah da mehr aus wie eine dunkle Laterne statt wie ein Licht; denn man trug sie in geschlossener Sänfte nach dem Schlosse.«— Lord Crawford erhob verweisend die Hand und rief, zu dem Sprecher gewandt:»Was sind das für Reden, Arnot? Schämt Euch! welcher Soldat spricht wohl darüber, was er auf seinem Posten sieht? Zudem könnt Ihr doch gar nicht wissen, «setzte er hinzu,»ob sich da grade die Gräfin Isabella in der Sänfte befunden hat?«—»Nun, Mylord, «erwiderte Arnot,»ich kann bloß sagen, daß mein Trabant grade die Pferde im Dorfe herumführte, und dabei dem Eseltreiber Donquin in den Weg lief, der die Sänften wieder nach dem Gasthofe brachte, weil sie dem Lilienwirte gehörte, und da sah ich, wie der Donquin sich einen Humpen Wein vom Wirt geben ließ und den Saunders Steed bat, ihm als alter Bekannter Bescheid zu tun, und der Saunders Steed machte gar keine Umstände, sondern tat ihm auf der Stelle Bescheid…«—»Auf der Stelle, «wiederholte Lord Crawford,»aber das sage ich Euch, meine Herren! so etwas kommt mir nicht wieder vor, sondern ich verlange, daß es anders in dieser Hinsicht mit Euch werden muß! Eure Trabanten und Burschen sind viel zu schnell bei der Hand, mit jemand ein Glas zu leeren. In Kriegszeiten ist das aber eine gar nicht so ungefährliche Sache! Indessen meine ich, lieber Arnot, wir machen Eurem Berichte, der sich ein wenig in die Länge zu ziehen droht, durch einen kräftigen Schluck ein schnelles Ende. Der Gräfin Isabelle von Croye soll's gelten! und den Wunsch wollen wir damit verbinden, daß es ihr vom Schicksal beschieden sein möge, einen bessern Gatten zu bekommen als den elenden, italienischen Schurken Campobasso. Und nun, Kamerad Arnot, was hat denn der Eseltreiber zu Deinem Trabanten gesprochen?«—»Mit Eurer Herrlichkeit Verlaub, «erwiderte Arnot;»die beiden Damen, die er in den Sänften ins Schloß getragen habe, sagt er, seien gar große Damen gewesen und hätten sich ein paar Tage inkognito im Hause seines Herrn aufgehalten, und der König habe sie auch mehr denn einmal mit seinem Besuche beehrt und ihnen immer große Aufmerksamkeiten erwiesen. Seiner Meinung nach hätten sie sich in das Schloß geflüchtet aus Furcht vor dem Grafen Crevecoeur, dem Gesandten des Burgunders, dessen Ankunft soeben durch einen vorausgeeilten Kurier gemeldet worden wäre.«

«Was Du sagst, Kamerad!«rief da Gutherie,»da sollte man doch meinen, daß es niemand anders als die Gräfin Isabelle gewesen sei, die zur Laute sang, als ich über den Hof ging! Die Musik kam aus den Nebenfenstern des Dauphinturms, und etwas so Liebliches ist wohl im Schlosse Plessis noch nie vernommen worden. Meiner Treu! ich habe gedacht, die Musik käme von niemand als von der Fee Melusine… Ich hab, trotzdem ich wußte, daß der Tisch für uns schon gedeckt sei, mich wahrhaftig nicht vom Flecke weg rühren können, sondern stand da, wie… wie…«—»Wie ein Esel, mein lieber Guthrie, «fiel ihm Lord Crawford ins Wort,»Du hast die Mahlzeit mit Deiner langen Nase gerochen, und die Musik gehört mit Deinen langen Ohren, aber Dein kurzer Verstand hat nicht ausgereicht, Dir zu sagen, wofür Du Dich entscheiden sollst… Doch schallt da nicht die Glocke von der Kathedrale zur Vesper herüber? es kann doch, weiß der Herr! noch nicht Vesperzeit sein? Da muß der Küster ja um eine ganze Stunde zu zeitig geläutet haben!«—»Nicht doch, «rief Cunningham,»die Glocke erklingt schon zur rechten Zeit! an der westlichen Seite der herrlichen Ebene geht ja schon die Sonne unter.«—»Du hast recht, Cunningham, «erwiderte Lord Crawford;»na, Bursche! wir müssen uns mehr an regelmäßiges Leben halten, denn im Guten kommt man am weitesten… und ein gutes, altes Sprichwort sagt: langsames Feuer dörrt das Malz recht. Also zum Schluß noch einen vollen Humpen auf Altschottlands Wohl! Dann jeder wieder auf seinen Posten!«

Der Abschiedstrunk! wurde geleert, dann entfernten sich die Soldaten; unter dem Vorwande, ihm ein paar Weisungen noch für seinen Neffen zu geben, in Wahrheit aber, um seinen wankenden Gang geschickt zu verheimlichen, nahm der greise Lord Balafrés Arm und schritt in höchst zeremoniöser Haltung über die beiden Höfe, die seine Behausung von dem Bankettsaale trennten. Aber mit wuchtigen Worten empfahl er vorm Auseinandergehen dem Oheim die gewissenhafteste Fürsorge für den Neffen, besonders da, wo Wein und Weiber in Betracht kämen… Dem Neffen dagegen war von den Worten, die über die schöne Gräfin Isabelle gesprochen worden waren, nicht das geringste entgangen, und kaum war er in die kleine Zelle getreten, die er hinfort als Page seines Oheims beziehen sollte, so versank er in tiefes Sinnen; und wenn der Leser sich vorstellt, daß er allerhand Luftschlösser gebaut habe in der Annahme, die Dame im Turme, deren Gesänge er mit so großer Teilnahme gelauscht habe, sei einunddieselbe mit der schönen Mundschenkin des Meisters Peter, die vor den Nachstellungen eines verhaßten, von einem tyrannischen Vormunde gehätschelten Liebhabers geflohen sei und sich nun als Gräfin entpuppte, so tut er wahrlich dem jungen Schotten nicht das geringste Unrecht. Daß auch Meister Peter in diesem Luftschloß in einem Zwischensspalte auftrat und eine Rolle darin spielte, die nicht eben nett war, wird nicht weiter befremden, auch wenn sie im Zusammenhange stand mit dem Henkerstricke, dem Ouentin kaum erst mit heiler Haut entgangen war… Endlich aber wurde der Jüngling aus seinen Träumen gerissen durch den kleinen Will Harper, seinen Stubenkameraden, der ihm die Weisung seines Oheims brachte, sich nun endlich aufs Ohr zu legen und Kräfte für den andern Tag zu sammeln, an welchem er seinen Dienst anzutreten habe.

Achtes Kapitel

Kaum hatte die Sonne den Weg in die kleine Zelle gefunden, so war auch Durward von seinem Lager aufgesprungen, um in die stattliche Tracht zu fahren, die er hinfort als Page seines Oheims Balafré tragen sollte, und auf die er auch mit allem Recht stolz sein durfte, denn sie war vom Oheim auf das vornehmste und reichlichste bemessen worden…»Na, Junge, «rief Balafré, sich lustig die Hände reibend,»zeigst Du Dich ebenso treu und tapfer, wie sich Dein Aussehen nett und schmuck macht, dann werde ich an Dir den prächtigsten Pagen des ganzen Korps haben! Aber nun folge mir ins königliche Vorzimmer, doch halte Dich immer mir zur Seite!«