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Quentin, der in Schottland sich den Wind tüchtig hatte um die Ohren pfeifen lassen, hütete sich weislich, diese Aufforderung, aus sich herauszugehen, für ernst zu nehmen; er antwortete vielmehr mit ein paar wohlgesetzten Worten, daß er vor allen Dingen, wenn er es wagen dürfe, sich an Seine Majestät zu wenden, um geeignete Rücksicht bitten müsse wegen der ungeschlachten Weise, wie er sich gegen den Herrscher benommen habe, als ihm dessen Rang und Eigenschaft noch nicht bekannt gewesen seien.

«Kein Wort weiter, Mann!«erwiderte der König,»Deine Grobheit sei Dir verziehen um Deiner Pfiffigkeit willen. Wundern mußte es mich ja, wie nahe Du mit Deinem Witze an meines Gevatters Handwerk streiftest. Wie mir zu Ohren gekommen, bist Du ja näher damit bekannt geworden. Aber laß Dir sagen, daß es klug ist, sich vor dem Kerl in acht zu nehmen: er treibt einen zu ausgedehnten Schacher mit groben Armbändern und engen Halskrausen… Hilf mir aufs Pferd, Mann! Du gefällst mir, Patron, und ich will sehen, was sich für Dich tun läßt. Baue auf keines Menschen Gunst, sondern bloß auf die meinige; auch nicht auf die von Deinem Oheim oder Lord Crawford, und erzähle niemand etwas von dem Dienst, den Du mir zu so rechter Zeit erwiesen hast hier auf der Eberjagd; denn wer sich dick damit tut, daß er einem König aus solcher Gefahr herausgehauen hat, muß sich gemeinhin mit seiner Dicktuerei als bezahlt ansehen.«

Der König stieß in sein Horn. Dunois und andre von seinem Gefolge eilten herbei und legten dem König ihre Glückwünsche zu seinem Jagdglück zu Füßen; unbedenklich sich einen weit größeren Teil an der Erlegung des edlen Tieres beimessend, als ihm nach Recht und Verdienst davon gebührte, befahl er Dunois, den erlegten Keiler den Brüdern von Sankt-Martin in Tours als Festbraten zu übersenden mit dem Ansuchen an sie, dafür des Königs bei ihren Andachtsübungen mit zu gedenken… — »Aber hat denn niemand unsern lieben Kardinal Balue gesehen?«fragte Ludwig;»es geht doch unmöglich an und vertrüge sich weder mit unserer Christenpflicht, noch wäre es für unsern Respekt vor der heiligen Kirche ein schickliches Zeugnis, wollten Wir die Eminenz im Walde zu Fuße herumirren lassen.«—»Mit Verlaub, Majestät, «sprach Quentin, als er sah, daß niemand das Wort nahm,»ich habe Seine Herrlichkeit aus dem Walde reiten sehen.«

«Nun also, «rief der König,»sorgt der Himmel nicht allezeit für seine Diener?… Vorwärts, meine Herren! heut morgen ist's aus mit der Jagd. Knappe, hol mir mein Weidmesser: es ist mir dort auf dem großen Platze aus der Scheide gefallen. Dunois, reitet voraus! ich folge auf der Stelle.«

Ludwigs geringste Bewegungen waren häufig scharf wie Kriegslisten berechnet; er gewann auch jetzt die nötige Zeit, um an Ouentin die heimliche Frage zu richten:»Du hast, wie ich sehe, ein scharfes Auge, lieber Schotte! aber wer unserm lieben Kardinal auf ein Roß verholfen hat, kannst Du mir wohl nicht sagen? es muß unbedingt ein Fremder gewesen sein, denn da ich an ihm vorbeigeritten bin, ohne mich um ihn zu bekümmern, dürfte es schwerlich einem vom Hofe beigekommen sein, ihm solchen Dienst zu erweisen.«—»Sire, ich sah die Herren, die Seiner Eminenz auf einen Gaul verhalfen, bloß einen Augenblick, «erwiderte Quentin;»denn ich war leider von der Jagd abgekommen und hatte begreiflicherweise Eile, sie wieder zu erreichen. Aber ich glaube mit Bestimmtheit sagen dürfen, daß es der burgundische Gesandte mit seinen Leuten war, der Seiner Eminenz diesen Dienst erwies.«—»Aha!«rief Ludwig;»nun denn, sei ihm so… Frankreich wird wohl noch imstande sein, ihnen die Spitze zu bieten.«

Darauf kehrte der König mit seinem Gefolge nach dem Schlosse zurück, und es ereignete sich nichts Bemerkenswertes weiter auf diesem Jagdzuge.

Zehntes Kapitel

Quentin war kaum auf seinem Kämmerchen angelangt, um die nötigen Veränderungen in seinem Anzuge zu treffen, als sein würdiger Oheim alle Umstände zu erfahren begehrte, die sich mit ihm auf der Jagd zugetragen hätten.

Der Jüngling, welcher nicht umhin konnte, nach allem seines Oheims Arm für stärker als seinen Verstand zu halten, trug Sorge, bei seiner Erzählung den König im vollen Besitz des Sieges zu lassen, den er sich so eifrig anzueignen geschienen hatte. Balafré setzte hierauf mit vieler Ausführlichkeit auseinander, um wieviel besser er sich bei solchen Umständen benommen haben würde, und ließ einen sanften Tadel über die Saumseligkeit seines Neffen mit einfließen, daß er dem Könige nicht zu Hilfe geeilt sei, da sich dieser in so drohender Gefahr befunden habe. Der Jüngling war klug genug, sich aller weitern Rechtfertigung seines Benehmens zu enthalten, außer daß er sagte, er halte es den Regeln der edeln Weidmannskunst zuwider, sich mit einem Stücke Wild zu befassen, das von einem andern Jäger angegriffen sei, sofern er nicht ausdrücklich von diesem zur Unterstützung aufgefordert werde. Diese Erörterung war kaum vorüber, als Quentin Gelegenheit bekam, sich Glück zu wünschen, daß er gegen seinen Verwandten etwas zurückhaltend war. Ein leises Klopfen an bei Tür kündigte einen Besuch an. — Sie öffnete sich, und herein trat Oliver Dain, auch le Mauvais oder le Diable (der Böse oder Teufel) genannt, denn unter allen diesen Namen war er bekannt.

Dieser gewandte, aber gewissenlose Mann ist nach seinem Aeußern bereits beschrieben worden. In seinen Bewegungen und seinem Benehmen hatte er vielleicht die meiste Ähnlichkeit mit einer Hauskatze, die, während sie in einem anscheinenden Schlummer liegt, oder mit leisen, verstohlenen und furchtsamen Schritten durch das Zimmer schleicht, entweder den Schlupfwinkel einer unglücklichen Maus belauscht, oder mit scheinbarer Vertraulichkeit und verstellter Gutmütigkeit sich an denen streicht, von denen sie geliebkost sein will, gleich darauf aber sich auf ihre Beute wirft, oder vielleicht gar den Gegenstand ihrer Liebkosungen kratzt.

Er trat mit gekrümmtem Rücken und mit demütigem und bescheidenem Blick ein, und wußte einen solchen Grad von Höflichkeit in seine Anrede an Herrn Balafré zu legen, daß jeder, der bei dieser Zusammenkunft zugegen gewesen wäre, geglaubt hätte, er komme, den schottischen Bogenschützen um irgend eine Gefälligkeit zu bitten. Er wünschte Lesley Glück zu dem trefflichen Benehmen seines jungen Verwandten bei der heutigen Jagd, das, wie er bemerkte, des Königs besondere Aufmerksamkeit erregt habe. Hier hielt er inne mit auf den Boden gesenktem Blick, um eine Antwort zu erwarten, und warf nur ein paarmal verstohlene Seitenblicke auf Quentin. Balafré antwortete hierauf: daß es für Se. Majestät ein unglückliches Geschick gewesen sei, statt seines Neffen nicht ihn selbst zur Seite gehabt zu haben — er würde sogleich herbeigeeilt sein und das Tier niedergestoßen haben, was Quentin, wie er hörte, Sr. Majestät eigenen Händen überlassen habe. Aber es wird Zeitlebens eine Lehre für Seine Majestät sein, «sagte er,»einem Manne von meinem Kaliber ein besseres Pferd geben zu lassen; denn wie konnte mein Klotz von flämischem Karrengaul mit Sr. Majestät normannischem Renner gleichen Schritt halten? Ich bin gewiß, ich habe ihm die Rippen aufgefurcht, — aber umsonst. — »Man hat das gar nicht beachtet, Meister Oliver, aber Ihr müßt es Sr. Majestät vorstellen.«