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«Tut das, mein gelehrter Vater, und Ihr sollt sehen, was es heißt, sich einem König von Frankreich zu verpflichten. Wir sind entschlossen, wenn die Konstellationen es nicht verbieten, auf persönliche Gefahr hin etwas zu wagen, um diesen unchristlichen Kriegen ein Ziel zu setzen.«

«Mögen die Heiligen Ew. Majestät frommes Beginnen fördern, «sprach der Sterndeuter,»und Eure geheiligte Person beschützen.«—»Dank, gelehrter Vater! — Hier einstweilen etwas, Eure seltene Büchersammlung zu bereichern.«

Damit schob er unter einen der Bände einen kleinen Beutel mit Gold, denn, selbst bei Befriedigung seines Aberglaubens auf Sparsamkeit bedacht, glaubte Ludwig den Sterndeuter durch den ihm ausgesetzten Gehalt hinlänglich an seinen Dienst gefesselt und hielt sich um einen mäßigen Preis für berechtigt, auch für wichtige Fälle sich seiner Geschicklichkeit zu bedienen.

Nachdem Ludwig so dem Astrologen eine erfrischende, aufmunternde Belohnung hatte zufließen lassen, wandte er sich von ihm an Durward. — »Folge mir, mein guter Schotte, Du bist vom Schicksal und einem Monarchen erkoren, ein kühnes Abenteuer zu bestehen. Alles muß bereit sein, daß Du in dem Augenblicke, wo auf Sankt Martin die Glocke zwölf schlägt, den Fuß in den Bügel setzest. Eine Minute früher oder später würde die Konstellation, die Deinem Abenteuer günstig ist, verrücken.«

Mit diesen Worten verließ der König das Gemach, und ihm folgte sein Leibgardist. Sie hatten sich nicht sobald entfernt, als der Sterndeuter Gefühlen Raum gab, die ganz verschieden von denen waren, welche ihn in Gegenwart des Königs beseelt zu haben schienen.

«Der knickrige Filz, «rief er aus, als er die Börse in der Hand wog, denn ein Mann, der soviele Ausgaben machte wie er, hatte immer Geld nötig, — »der elende, schmutzige Geizhals! — Eines Bootsmanns Weib hätte mehr gegeben, um zu erfahren, ob ihr Mann glücklich die Meerenge überschifft habe. — Er hätte einen Schatten von Wissenschaft? ja, wenn stehlende Füchse und heulende Wölfe Musikanten werden. Er will das glänzende Wappenschild des Firmaments deuten? — ja, wenn schmutzige Maulwürfe Luchse werden! — nach sovielen schönen Versprechungen, um mich vom Hofe des prachtliebenden Mathias wegzulocken, wo Hunnen und Türken, Christen und Ungläubige, der Zar von Moskau und der Khan der Tartarei mich um die Wette mit Geschenken überhäuften, — da denkt er, ich lasse mich gleich einem Dompfaffen in einen Käfig einsperren und singe, so oft's ihm zu pfeifen beliebt, und das alles um das liebe tägliche Brot? Nein, so stehen wir nicht — entweder finde ich einen Weg, oder ich bahne mir ihn. — Der Kardinal ist staatsklug und freigebig. — Diese Frage gelangt an ihn, und es soll Sr. Eminenz eigene Schuld sein, wenn die Steine anders sprechen, als er es haben will.«

Er ergriff die verschmähte Börse und wog sie nochmals in der Hand.»Es ist doch möglich, «sprach er zu sich,»daß so ein Juwel oder eine Perle in dieser ärmlichen Behausung ist! er kann, wie ich gehört habe, freigebig sein bis zur Verschwendung, wenn's seine Laune oder sein Interesse will. «Er leerte die Börse, in der sich nicht mehr und nicht weniger als zehn Goldstücke befanden. Der Unwille des Sterndeuters stieg aufs höchste.»Denkt er denn, ich solle um so ärmlichen Lohn die himmlische Kunst ausüben? Nein, beim Himmel! — er soll durch seine eigene Unwissenheit zu Grunde gehen. Zehn Goldstücke! — ein Lumpengeld, das ich mich schämte, Antoinetten anzubieten, um sich neue Spitzen an ihren Brustlatz zu kaufen.«

Bei diesen Worten ließ indes der aufgebrachte Philosoph die verachteten Goldstücke in einen großen Beutel gleiten, den er an seinem Gürtel trug, und den Antoinette und andere, die ihn zum Verschwender machten, schneller zu leeren wußten, als ihn der Philosoph mit all seiner Kunst zu füllen vermochte.

Vierzehntes Kapitel

Ohne sich mit jemand in ein Gespräch einzulassen, — denn so lautete sein Befehl, — beeilte sich Quentin Durward, einen starken aber einfachen Panzer mit Arm- und Beinschienen anzulegen und den Kopf mit einer guten Stahlhaube ohne Visier zu bedecken. Dazu kam ein schöner Waffenrock von Gemsleder, fein gegerbt und am Rande mit einiger Stickerei verziert, wie es einem Oberbeamten in einem vornehmen Haushält zukommen mochte. Dieses alles ward von Oliver auf sein Zimmer gebracht, der ihm mit seinem still einschmeichelnden Lächeln meldete, daß sein Oheim beordert worden, auf die Wache zu ziehen, damit er wegen dieser geheimen Zurüstungen keine Nachforschungen anstelle.

«Man wird Euch bei Eurem Oheim entschuldigen, «sagte Oliver, abermals lächelnd,»und wenn Ihr, lieber Sohn, von der Ausführung dieses angenehmen Auftrags wohlbehalten zurückkehrt, so zweifle ich nicht, daß Ihr einer Beförderung befunden weidet, die Euch überhebt, von Eurem Tun und Lassen andern Rechenschaft zu geben, während sie Euch an die Spitze von solchen stellt, die Euch für ihre Handlungen Rede stehen müssen.«

Also sprach Oliver le Diable, indem er wahrscheinlich bei sich berechnete, daß das Los des jungen Mannes, dem er, während er sprach, freundlich die Hand drückte, bei diesem ihm gegebenen Auftrage notwendigerweise Tod oder Gefangenschaft sein müßte.

Wenige Minuten vor Mitternacht begab sich Quentin, seinem Befehl gemäß, in den zweiten Hofraum und hielt unter dem Dauphinturme, der, wie der Leser weiß, den Gräfinnen von Croye zum einstweiligen Aufenthalt angewiesen war. Er fand an diesem Ort die Mannschaft und die Pferde, die zum Gefolge der Reisenden bestimmt waren, nebst zwei bereits mit dem Gepäcke beladenen Saumtieren und drei Zeltern für die zwei Gräfinnen und eine vertraute Kammerfrau, sowie einem stattlichen Streitrosse für sich selbst, dessen mit Stahl belegter Sattel im blassen Mondschein glänzte. Kein Wort gegenseitiger Erkennung ward gewechselt. Die Männer saßen bewegungslos in ihren Sätteln; und bei dem unvollkommenen Lichte sah Quentin mit Vergnügen, daß sie alle bewaffnet waren und lange Lanzen in den Händen hielten. Es waren ihrer bloß drei; aber einer von ihnen flüsterte Quentin in derber gaskognischer Mundart zu, daß ihr Führer in der Nähe von Tours zu ihnen stoßen würde.

Mittlerweile erblickte man hin und wieder Lichter an den Gittern des Turmes, als ob die Bewohner desselben in Unruhe und mit Zurüstungen beschäftigt wären. Endlich öffnete sich eine kleine Tür, die aus dem Innern des Turmes auf den Hof führte, und es erschienen drei Frauen in Begleitung eines in einen Mantel gehüllten Mannes. Stillschweigend bestiegen sie die Zelter, die für sie bereit standen, während ihr Begleiter voranging und den wachthabenden Posten, an welchem sie nacheinander vorüberkamen, die nötigen Paßworte und Losungszeichen gab. So gelangten sie endlich vor diese furchtbaren Schutzwehren hinaus. Hier hielt der Mann zu Fuß, der bisher ihren Führer gemacht hatte, und sprach in leisem, aber ernstem Tone mit den zwei voranreitenden Damen.

«Möge Euch der Himmel segnen, «sprach eine Stimme, deren Laut in Quentins Ohr drang,»und Euch vergeben, wenn Eure Absichten auch selbstsüchtiger sein möchten, als es Eure Worte vermuten lassen! Mein höchster Wunsch ist bloß der, unter den Schutz des guten Bischofs von Lüttich gestellt zu werden.«

Der Mann, an den sie diese Worte richtete, murmelte einige unhörbare Laute zur Antwort und zog sich durch das äußere Tor zurück, während Quentin beim Mondschein in ihm den König zu erkennen glaubte, den seine ängstliche Sorge für die Abreise seiner Gäste vermutlich veranlaßt hatte, durch seine Gegenwart allen Bedenklichkeiten, die sich entweder ihrerseits oder von seiten der Schloßwache erheben konnten, zu begegnen.