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Lord Crawford schien im Begriff, ihm eine leidenschaftliche Antwort zu geben, allein als ob er sich eines Bessern besonnen hätte, kehrte er Tristan rasch den Rücken zu und ersuchte den Herzog von Orleans und Dunois, ihm zur Seite zu reiten, gab den Damen ein Abschiedszeichen und sagte zu Quentin:»Gott segne Dich, mein Kind; Du hast Deinen Dienst tapfer begonnen, obgleich in einer unglücklichen Sache. «Als er im Begriff war, sich aufzumachen, hörte Quentin noch, daß Dunois dem Lord zuflüsterte:»Führt Ihr uns nach Plessis?«

«Nein, mein unglücklicher, unbesonnener Freund!«antwortete seufzend Lord Crawford;»nach Loches.«—»Nach Loches!«Der Klang dieses Namens, noch mehr gefürchtet als Plessis selbst, schallte wie ein Donnerschlag in des jungen Schotten Ohr. Er hatte Loches als einen Ort schildern hören, der zur Ausübung jener geheimen Handlungen der Grausamkeit bestimmt war, womit selbst Ludwig das Innere seines Wohnsitzes zu beflecken sich schämte. An diesem Orte des Schreckens befanden sich Kerker auf Kerker, von denen einige sogar den Gefangenenwärtern unbekannt waren: Gräber für Lebendige, in denen diese für ihr ferneres Leben außer Wasser und Brot zu ihrem Unterhalt und dem Einatmen einer verpesteten Luft nichts weiter zu hoffen hatten. In diesem furchtbaren Schlosse waren auch jene schrecklichen Gefängnisse,»Käfige «genannt, in denen die unglücklichen Gefangenen weder aufrecht stehen, noch sich ausstrecken konnten: eine Erfindung, wie man sagte, des Kardinals Balue.

Als er sich wieder an der Spitze des kleinen Haufens befand und den ihm bezeichneten Weg weiter verfolgte, nahm Gräfin Hameline Gelegenheit, ihn anzureden.

«Mich dünkt, junger Mann, Ihr bedauert den Sieg, den Eure Tapferkeit zu unserem Schutze erfochten hat?«

Es lag etwas in dem Tone dieser Frage, das wie Spott klang, aber Quentin hatte Schicklichkeitsgefühl genug, um einfach und treuherzig zu antworten:

«Ich bedaure nichts, was ich im Dienste solcher Damen, wie ihr seid, getan habe; aber hatte es mit eurer Sicherheit bestehen können, so wollte ich, glaub ich, lieber durch das Schwert eines so guten Kriegers, wie Dunois, gefallen sein, als daß ich so die Veranlassung zur Einsperrung dieses berühmten Ritters und seines unglücklichen Gebieters, des Herzogs von Orleans, in jene furchtbaren Gefängnisse geworden bin.«—»So war es also doch der Herzog von Orleans?«sagte die ältere Dame zu ihrer Nichte.»Selbst in der Entfernung, in der wir dem Kampfe zusahen, erkannte ich ihn dafür. Ihr seht, Nichte, was aus uns hätte werden können, wenn uns der hinterlistige, habsüchtige Monarch gestattet hätte, an seinem Hofe aufzutreten. Der erste französische Prinz von Geblüt und der ritterliche Dunois, dessen Name ebenso weltberühmt ist, als der seines heldenmütigen Vaters! — Dieser junge Mann tat seine Schuldigkeit tapfer und gut; aber mich dünkt, es ist schade, daß er nicht ehrenvoll unterlegen ist, da seine unzeitige Tapferkeit sich zwischen uns und die erlauchten Befreier gestellt hat. «Die Gräfin Isabelle erwiderte in festem und fast unwilligem Tone, mit einer Energie, welche Quentin noch nicht an ihr bemerkt hatte:»Madame, wenn ich nicht wüßte, daß Ihr scherzet, so müßt ich sagen, daß Eure Aeußerung großen Undank gegen unsern tapfern Verteidiger, dem wir mehr verdanken, als Ihr vielleicht glaubt, an den Tag legt. Wäre es den Rittern gelungen, unser Gefolge zu überwältigen, so ist es offenbar, daß wir ihre Gefangenschaft hätten teilen müssen. Was mich betrifft, so fließen dem tapfern Mann, der für uns gefallen ist, meine Tränen, und ich werde Seelenmessen für ihn lesen lassen! der Ueberlebende aber wird, «dies setzte sie in einem mehr schüchternen Tone hinzu,»meinen innigen Dank nicht verschmähen.«

Als Quentin sie anblickte, um ihr etwas Passendes zu erwidern, bemerkte sie, daß das Blut an seiner Wange herabströmte, und rief im Tone tiefen Gefühls aus:»Heilige Jungfrau, er ist verwundet! er blutet! Steigt ab und laßt Eure Wunde verbinden.«

Trotz allem, was Quentin über das Unbedeutende seiner Verletzung sagen mochte, mußte er absteigen, sich auf einem Felsstück niederlassen und dann den Helm abnehmen. Die Gräfinnen von Croye, die, einer damals noch nicht abgekommener Sitte zufolge, auf einige Kenntnis in der Heilkunde Anspruch machen konnten, wuschen ihm die Wunde aus, suchten das Blut zu stillen und verbanden die Wange mit dem Taschentuch der jüngeren Dame, um die Einwirkung der Luft zu verhindern, so wie ihnen die Erfahrung gebot.

Wir haben bereits bemerkt, daß der Patient ausnehmend hübsch war. Als er nun seinen Helm oder vielmehr seine Sturmhaube abnahm, umflossen seine gelockten Haare ein Gesicht, aus dem sicher der Frohsinn der Jugend, verbunden mit dem Erröten der Bescheidenheit die Schönheit nur noch anmutiger malte. In die Gefühle der jüngeren Gräfin, die das Taschentuch auf die Wange halten mußte, während ihre Muhme im Gepäcke nach einem Wundheilmittel suchte, mischte sich eine gewisse zarte Scheu und Verlegenheit; Mitleid für den Verwundeten und eine Regung der Dankbarkeit gaben in ihren Augen seinem schönen Aeußern und seinen edlen Zügen nach mehr Anziehendes. Mit einem Worte, das Schicksal schien diesen Vorfall herbeigeführt zu haben, um den geheimen Seelenverein zu vollenden, der durch mehrere unbedeutende und dem Anschein nach zufällige Umstände zwischen zwei Personen begonnen hatte, die, wenngleich verschieden durch Rang und Glücksgüter, dennoch durch Jugend, Schönheit und die romantische Zärtlichkeit liebender Gemüter innig verwandt waren. Es war daher kein Wunder, daß von diesem Augenblick an die Gedanken an die Gräfin Isabelle, mit denen Quentins Einbildungskraft schon so vertraut war, sich seiner ganzen Seele zu bemächtigen anfing, und daß, wenn auch des Mädchens Gefühle einen minder entschiedenen Charakter hatten, soweit sie sich nämlich derselben bewußt war, sie an ihren jungen Beschützer, dem sie einen so interessanten Gegendienst erwiesen hatte, mit mehr Anteil dachte als an irgend einen aus der Menge hochgeborner Edeln, die sie seit zwei Jahren mit ihren Huldigungen verfolgt hatten. Vor allem erschien ihr, wenn sie an Campobasso, den unwürdigen Günstling Herzog Karls, mit seiner heuchlerischen Miene, seiner niederträchtigen, verräterischen Gemütsart, seinem schiefen Halse und seinen schielenden Augen dachte, sein Bild noch scheußlicher und abschreckender als jemals; und sie faßte bei sich den festen Entschluß, daß keine Tyrannei sie je zur Eingehung einer solchen Verbindung vermögen sollte.