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Als der König solchermaßen sein Gewissen erleichtert oder vielmehr gleich einem Grabe übertüncht hatte, steckte er seinen Kopf zur Tür hinaus und rief Balafré ins Zimmer.»Mein wackrer Krieger, «sagte er,»Du hast mir lange gedient und Du bist nur wenig befördert worden. Heute handelt es sich hier für mich um Leben und Tod; aber ich möchte doch nicht gern als Undankbarer sterben und einen Freund unbelohnt, wie einen Feind ungestraft zurücklassen. Nun habe ich einen Freund zu belohnen — und das bist Du — und einen Feind gebührendermaßen zu züchtigen, und das ist der schändliche, verräterische Martius Galeotti, der mich durch seine Betrügereien und Vorspiegelungen hierher in die Gewalt meines Todfeindes gebracht hat, mit dem festen Vorsatze, mich zu verderben, wie ein Fleischer ein Stück Vieh zur Schlachtbank treibt.«—»Dafür will ich ihn zum Zweikampf herausfordern, «versetzte Balafré,»und Ihr sollt sehen, wie ich für Euer Recht fechten und an diesem Philosophen Rache nehmen will.«—»Ich lobe Deine Tapferkeit und Dienstergebenheit, «sagte der König,»aber dieser verräterische Bube weiß auch die Waffen gut zu führen, und ich möchte nicht gern Dein Leben aufs Spiel setzen, tapferer Krieger.«—»Mit Ew. Majestät Erlaubnis, ich wäre wohl kaum ein tapferer Krieger, «sagte Balafré,»wenn ich nicht wagte, es mit einem Manne, wie diesem, aufzunehmen.«—»Und dennoch, «sagte der König,»ist es nicht unser Wille, Dich einer Gefahr auszusetzen. Der Verräter kommt auf unsern Befehl hierher. Wir wünschen, daß Du, sobald Du Gelegenheit finden kannst, Dich an ihn machst und ihm eins unter die fünfte Rippe versetzest. — Verstehst Du mich?«—»Wohl versteh ich Euch, «antwortete Balafré;»aber mit Ew. Majestät Erlaubnis, auf solche Sache verstehe ich mich gar nicht. Ich könnte keinen Hund töten, der mich nicht selbst angefallen hätte.«—»Du wirst doch nicht auf Zartgefühl Anspruch machen?«sagte der König;»nachdem Du bei Sturm und Belagerung immer der erste gewesen?«

«Gnädigster Herr, «antwortete Balafre,»nie habe ich, das Schwert in der Hand, Eure Feinde gescheut noch geschont. Ein Sturm ist ein verzweifelt Ding und bringt Gefahren mit sich, die einem das Blut erhitzen, daß es, beim heiligen Andreas, immer ein paar Stunden zur Abkühlung braucht. Doch Gott wird armen Soldaten gnädig sein, denen die Gefahr den Kopf verrückt, und die dann der Sieg vollends gar von Sinnen bringt. Allein was Ew. Majestät verlangt, liegt außer meinem Wege; drum laßt den Sterndeuter, wenn er ein Verräter ist, den Tod eines Verräters sterben — aber damit mag ich nichts zu tun haben. Ew. Majestät hat hierfür den Generalprofoß, der taugt besser dazu, diese Sache abzumachen, als ein schottischer Edelmann von meiner Herkunft.«—»Du hast recht, «sagte der König,»laß das also ruhen. Sobald aber hinter Galeotti sich die Tür geschlossen hat, so trittst Du unter Waffen und bewachst den Eingang des Zimmers. Laß keinen Menschen herein, — das ist alles, was ich von Dir verlange. So gehe, schicke mir den Generalprofoß.«

Balafré verließ das Zimmer, und Tristan l'Hermite trat sogleich ein.

«Willkommen, Gevatter, «sagte der König,»was hältst Du von unserer Lage?«—»Was ich von Leuten halte, die dem Tode geweiht sind, «versetzte der Generalprofoß,»wenn nicht noch einiger Aufschub von dem Herzog kommt,«—»Aufschub oder nicht! Der uns in die Falle gelockt hat, soll uns als Fourier vorangehen in die andere Welt, um dort Quartier für uns zu machen, «versetzte der König mit hämischem, grinsendem Lächeln.»Tristan, Du hast schon manchen Akt der Gerechtigkeit für mich vollzogen — Du mußt mir bis ans Ende treu bleiben.«—»Das will ich auch, gnädigster Herr, «sagte Tristan;»ich bin zwar nur ein schlichter, einfacher Mensch, aber ich bin dankbar. Ich werde meine Schuldigkeit innerhalb dieser Wände so gut tun, als anderswo; und solange ich lebe, soll Ew. Majestät leisestes Wort ebenso kräftig ein Todesurteil sprechen, und dasselbe ebenso buchstäblich erfüllt werden, als säßet Ihr noch auf Eurem eignen Throne. Mögen sie in der nächsten Stunde mit mir machen, was sie wollen, das gilt mir gleich.«—»So habe ich's von Dir erwartet, lieber Gevatter, «sagte Ludwig,»aber hast Du denn auch Leute, die Dir an die Hand gehen? — Der Verräter ist stark und gewandt und wird ohne Zweifel um Hilfe rufen. — Der Schotte will nichts weiter tun, als die Tür bewachen, und ich war froh, daß ich ihn hierzu durch Schmeichelei und gute Worte vermochte. Oliver taugt zu nichts, als zum Lügen, Schmeicheln und gefährliche Pläne schmieden; und ich glaube, er kommt wohl einst leichter selbst dazu, den Strick zu verdienen, als daß er ihn einem andern anlegen sollte. Glaubst Du Leute und Mittel genug zu haben, um ein sicheres Werk zu vollenden?«

«Ich habe Trois-Echelles und Petit-André bei mir, «sagte er —»Leute, die ihr Geschäft gut verstehen. Aber wen haben wir, mit Ew. Majestät Erlaubnis, diesmal zu bedienen? Ich bin immer gern meines Mannes sicher; denn Ew. Majestät geruht mitunter, mich daran zu erinnern, daß ich dann und wann den Verbrecher verfehlt und an seiner Statt einen ehrlichen Landmann habe aufknüpfen lassen, der Ew. Majestät nichts zuleide getan hatte.«—»Sehr wahr, «sprach der König.»So wisse denn, Tristan, daß der Verurteilte niemand anders ist, als Martius Galeotti. Du staunst, und doch ist es so, wie ich sage. Der Bube hat uns alle durch falsche, verräterische Vorspiegelungen hierher gelockt, um uns wehrlos in die Hände des Herzogs von Burgund zu liefern.«—»Aber nicht ungerächt!«sprach Tristan,»und wäre es die letzte Handlung meines Lebens; mein Stich soll ihn treffen, und sollt ich auch im nächsten Augenblicke in Stücke zertreten werden.«—»Ich kenne Deine treue Seele, «versetzte der König,»und weiß, daß Du, wie andere Leute, in der Erfüllung Deiner Pflicht Dein Vergnügen findest. So gehe und halte die Priester bereit, denn das Opfer naht.«—»Wollt Ihr es in Eurer eignen Gegenwart abgetan sehen, gnädigster Herr?«fragte Tristan.