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Ludwig lehnte das Anerbieten ab, trug aber dem Generalprofoß auf, alles zur pünktlichen Vollziehung seiner Befehle für den Augenblick in Bereitschaft zu halten, wenn der Sterndeuter sein Gemach verlassen würde;»denn, «fügte er hinzu,»ich will den Bösewicht noch einmal sehen, bloß um zu erfahren, wie er sich gegen seinen Herrn, den er in solches Unglück gebracht hat, benehmen wird.«

Der Generalprofoß verließ das Gemach und berief seine Gehilfen in eine Fenstervertiefung der großen Halle, wo Trois-Echelles eine Fackel an die Wand gestellt hatte, um ihnen zu leuchten. Sie flüsterten zusammen, unbeobachtet von Oliver Dain, der in Niedergeschlagenheit versunken dasaß, sowie von Balafré, der fest eingeschlafen war.

«Kameraden, «sprach der Profoß zu seinen Helfershelfern,»Ihr dachtet vielleicht, unser Beruf habe seine Endschaft erreicht, oder daß wir jetzt wahrscheinlicher andern Arbeit machen, als unsererseits noch etwas zu schaffen finden würden. Aber Mut gefaßt, Kameraden, unser gnädigster Herr hat uns noch ein Stück Arbeit aufgespart, und dabei müssen wir rüstig Hand anlegen, als Männer, die in der Geschichte einen Namen haben wollen.«—»Ha! ich errate schon, wo es hinaus will!«sagte Trois-Echelles,»unser Herr will es mit den alten römischen Kaisern halten, die im Drange der Umstände, oder wenn es mit ihnen, wie wir sagen würden, an den Fuß der Leiter kam, sich aus ihren eigenen Dienern der Gerechtigkeit irgend einen erfahrenen Mann zu wählen pflegten, der ihren geheiligten Personen die linkischen Versuche eines Neulings oder Stümpers in unseren Geheimnissen ersparte. Dies war für die Heiden eine recht hübsche Sitte, aber als guter Katholik würde ich doch meine Bedenken haben, an den allerchristlichsten König Hand anzulegen.«—»Ei, Bruder, Du bist immer gar zu bedenklich, «versetzte Petit-André.»Wenn er Befehl oder Vollmacht zu seiner Hinrichtung gibt, so seh ich nicht ein, wie uns da irgend ein Aber kommen darf. Wer zu Rom lebt, der muß dem Papst gehorchen' die Leute des Profoßen müssen den Willen ihres Meisters tun, und dieser den seines Herrn.«—»Still, ihr Schelme!«sprach der Generalprofoß,»hier handelt es sich nicht um des Königs Person, sondern bloß um die des christlichen Ketzers, des heidnischen, muhammedanischen Hexenmeisters, Martius Galeotti.«—»Galeotti! ei, das kommt mir sehr natürlich vor. Ich habe von diesen Gauklern, die, sozusagen, ihr ganzes Leben lang auf dem Seile tanzen, noch keinen gekannt, der nicht am Ende noch gebaumelt hätte.«—»Mein einziger Kummer ist, «sagte Trois-Echelles, den Blick gen Himmel gewandt,»daß der arme Schelm ohne Beichte sterben muß.«—»Ei was!«versetzte der Generalprofoß,»er ist ein Erzketzer und Schwarzkünstler! Eine ganze Priestersynode könnte ihn nicht von der verdienten Verdammnis lossprechen. Uebrigens hast Du ja die Gabe, ihm, wenn er Lust dazu bekäme, mit geistlichem Beistande zu dienen, Trois-Echelles. Doch, was mehr zur Sache gehört, Kameraden, ich fürchte, ihr werdet eure Dolche brauchen müssen, denn ihr habt hier nicht alles bei der Hand, was zur Ausübung eures Geschäftes nötig ist.«— Nun, das wolle unsere liebe Frau von Paris verhüten, «sagte Trois-Echelles,»daß des Königs Befehle mich nicht im Besitze meiner Werkzeuge finden sollten! Ich trage immer den Strick des heiligen Franziskus vierfach um den Leib geschlungen, mit einer ordentlichen Schlinge am Ende; denn ich gehöre zur Brüderschaft des heiligen Franziskus und kann noch seine Kapuze tragen, wenn ich in extremis bin, — Gott und den heiligen Vätern von Saumur sei Dank dafür.«—»Und was mich betrifft, «sagte Petit-André,»so führe ich immer einen tüchtigen Kolben mit einer starken Schraube in der Tasche, um ihn zu befestigen, wo ich Lust habe, falls wir wo reisen sollten, wo es wenig Bäume gibt, oder wo die Aeste zu hoch vom Boden sind. Ich habe das immer sehr bequem gefunden.«—»Nun, das wird uns jetzt zustatten kommen, «sagte der Generalprofoß,»Ihr dürft nur Euren Kolben an jenem Balken über der Tür befestigen und den Strick darüber ziehen. Ich werde den guten Mann dicht an der Stelle im Gespräch halten, bis Ihr ihm die Schlinge unter das Kinn bringt, und dann…«—»Dann aufwärts mit ihm, «sprach Petit-André,»und unser Sterndeuter ist insofern im Himmel, als er keinen Fuß mehr auf der Erde hat.«—»Aber diese Herren dort, «sprach Trois-Echelles, indem er nach dem Kamin hinblickte,»leisten uns vielleicht Beihilfe, um sich ein Handgeld in unserm Berufe zu verdienen?«—»Hm! nein, «antwortete der Profoß,»der Bartscher sinnt nur Unheil und läßt es andere anrichten, und der Schotte bewacht die Tür, wenn die Tat geschieht… jeder bleib bei seinem Leisten!«

Mit ungemeiner Gewandtheit und mit einem gewissen Vergnügen, das ihnen das Gefühl ihrer eignen mißlichen Lage milderte, befestigten die würdigen Vollzieher der Befehle des Profoßen Strick und Kolben, um das Urteil in Kraft zu setzen, das der gefangene Monarch gegen Galeotti ausgesprochen hatte, — sehr zufrieden, daß ihre letzte Handlung mit ihrem vergangenen Leben also im Einklang stehe.

Tristan l'Hermite sah ihren Vorbereitungen mit Wohlgefallen zu, während Oliver sie unbeachtet ließ, Ludwig Leslie dagegen die Sache auffaßte, als ob sie mit seiner Dienstpflicht in gar keinem Zusammenhange stehe, ihn also auch keine Verantwortung dafür treffe.

Elftes Kapitel

Als le Glorieux, der Narr, Ludwigs Wunsch — denn zu befehlen war der König von Frankreich nicht mehr in der Lage, — Martius Galeotti zu ihm zu schicken, erfüllte, hatte er weiter nichts nötig, als sich nach der besten Schenke in Peronne zu begeben, die er selbst ziemlich oft besuchte. Dort fand er den Sterndeuter in einer Ecke in vertrautem Gespräch mit einem Weibe begriffen, das eine sonderbare, einer maurischen oder asiatischen Tracht ziemlich ähnliche Kleidung trug und, als er herantrat, in der Absicht, sich zu entfernen, aufstand.»Auf diese Nachrichten, «sagte die Fremde,»könnt Ihr Euch vollkommen verlassen. «Und mit diesen Worten verschwand sie unter der Menge von Gästen, die an verschiedenen Tischen umhersaßen.

«Gevatter Philosoph, «richtete der Narr das Wort an den Sterndeuter,»der Himmel löste keine Schildwache ab, ohne eine andere zu senden, die ihren Platz einnehmen soll. Ein Narr geht, der andere kommt, um Euch in die Gemächer Ludwigs von Frankreich zu führen.«—»Und Du bist der Bote?«sagte Martius, indem er ihn argwöhnisch anblickte und gleich für den, der er war, erkannte. — »Ja, Herr, «antwortete le Glorieux,»mit Verlaub Eurer Weisheit. Wenn die Macht die Narretei absendet, um die Weisheit herbeizuholen, so ist dies ein sicheres Zeichen, wo den Patienten der Schuh drückt.«—»Wie aber, wenn ich mich zu kommen weigere, da ich zu so später Stunde und von einem solchen Boten geholt werde?«fragte Galeotti. — »In diesem Falle werden wir Euch führen, «versetzte le Glorieux.»Ich habe ein halbes Dutzend handfester Burgunder vor der Tür, die mir Graf Crevecoeur mit auf den Weg gegeben hat. Denn wisse, mein Freund Karl und ich haben unserm Vetter Ludwig die Krone, die er eselhafterweise in unsere Gewalt gegeben, nicht ganz genommen, sondern nur ausgefeilt und beschnitten. Kurz und gut, er ist noch immer Herr und Gebieter über seine eigenen Leute, Euch selbst mit eingeschlossen, und allerchristlichster König über den großen Eßsaal auf dem Schloß zu Peronne, wohin Ihr Euch, als sein Untertan, unverzüglich verfügen werdet.«—»Ich folge Euch, «erwiderte Galeotti und machte sich mit dem Narren auf den Weg, da er vielleicht sah, daß kein Entrinnen möglich sei. — »Da tut Ihr wohl daran, «sagte der Narr auf dem Wege zum Schlosse,»denn wir behandeln unsern Vetter, wie man einen alten ausgehungerten Löwen in seinem Käfig behandelt, dem man von Zeit zu Zeit ein Kalb hinwirft, damit er seine alten Kinnbacken in Uebung erhält.«—»Glaubt Ihr denn, «fragte Martius,»daß der König mir nach dem Leben zu trachten im Sinne hat?«—»Ei, das werdet Ihr besser erraten können als ich, «erwiderte der Possenreißer,»denn wenngleich der nächtliche Himmel etwas umwölkt ist, so wette ich doch, Ihr könnt die Sterne durch den Nebel sehen. Ich verstehe mich nicht auf die hohen Dinge; meine Mutter sagte aber, man müsse einer alten Ratte, die in der Falle sitzt, nicht zu nahe kommen, denn da beißen sie immer am ehesten.«