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Oder meine, gestand sie sich ein.

Als Jamie an diesem Abend schlafen ging, dachte er daran, dass morgen Weihnachten war und dass sie dann Gesellschaft haben würden. Ein freier Tag und dazu noch drei freundliche Gesichter.

Es ist einsam hier draußen, erkannte er, während er an die gekrümmte Metalldecke starrte. Allein mit Dex ist es, als wäre man ein Cowboy draußen auf den Weiden in der alten Zeit. Die Arbeit ist schön und aufregend, aber wenn man sich abends ums Lagerfeuer versammelt, sind ein paar Freunde willkommen.

Deschurowas Plan zufolge werden Trudy und Mitsuo hier bleiben. Dex und ich ziehen in ihren Rover um, und dann arbeiten wir zu viert an dem Dorf. Stacy fährt mit der alten Gurke hier zur Kuppel zurück.

Ich sollte den Rover nicht ›alte Gurke‹ nennen. Er hat uns sehr gute Dienste geleistet. Es war toll, dass wir ihn hatten.

Er schloss die Augen und sah Vijay. Nackt. Schweißglänzend. Warm, weich und nachgiebig in seinen Armen.

Ich wünschte, sie käme auch her. Er drehte den Kopf und sah Dex auf seiner Bettstatt liegen, die Hände hinter dem Kopf verschränkt, ins Dunkel starrend. Er denkt garantiert auch an sie. Gut, dass sie nicht herkommt. Ein tolles Weihnachten wäre das — mit zwei Kerlen, die bereit wären, sich ihretwegen an die Gurgel zu gehen.

Nein, es ist klug von ihr, dass sie nicht kommt. Dex und ich fangen gerade an, uns zu verstehen. Wenn sie hier wäre, ginge all das kaputt.

Trotzdem schaute er noch einmal zu Dex hinüber. Er denkt auch an sie. Jede Wette.

Als würde er Jamies Gedanken spüren, drehte Dex auf seiner Liege den Kopf zu ihm.

»Was meinst du, wie alt dieses Bauwerk ist?«, fragte er.

Jamie stützte sich auf einen Ellbogen. »Ich weiß es nicht. Ich habe das Gefühl, dass es sehr, sehr alt ist, älter als alles auf der Erde. Aber das ist nur ein Gefühl, eine Ahnung. Wir haben noch keine Beweise dafür.«

Die Hände immer noch hinter dem Kopf verschränkt, sagte Dex: »Irgendwas ist hier komisch. Es ergibt irgendwie keinen rechten Sinn.«

»Was denn?«

»Unsere Wärmestrommessungen zeigen alle, dass der Mars viel jünger ist, als man gedacht hat. Geologisch gesehen, meine ich.«

Jamie nickte im Dunkeln.

»Die Tharsis-Vulkane waren noch bis vor etwa zwanzig, dreißig Millionen Jahren aktiv. Das Innere des Planeten ist viel heißer, als wir erwartet hatten. Richtig?«

»Richtig«, sagte Jamie.

»Aber der Planet ist zu klein dafür, verdammt noch mal«, beklagte sich Dex. »Er hätte schon viel früher abkühlen müssen.«

»Den allgemein anerkannten Theorien zufolge, ja«, gab Jamie zu. »Aber wenn die Theorien nicht mit den Beobachtungen übereinstimmen …«

»Und jetzt dieses Bauwerk. Glaubst du, es ist eine Million Jahre alt? Oder älter?«

Kopfschüttelnd sagte Jamie: »Ich weiß es nicht. Das müssen wir rausfinden.«

»Wie passt das alles zusammen? Das ist die große Frage, nicht? Wie passt alles, was wir hier gefunden haben, zusammen?«

Jamie hätte am liebsten laut gelacht. Dex war so ratlos wie ein Kind, das ein neues Puzzle zusammensetzen will und es nicht schafft.

»Tja, die Antworten werden wir nicht hier auf unseren Liegen finden«, sagte er. »Nehmen wir eine Mütze Schlaf und packen wir's morgen an.«

Er hörte Dex leise glucksen. »Ja. In Ordnung. Wenn wir nicht schlafen gehen, kommt der Weihnachtsmann nicht.«

Aber Dex konnte nicht schlafen. Seine Wissbegierde in Bezug auf den Mars wurde von Gedanken an seinen Vater abgelöst. Der gute alte Dad. Ich habe mitgeholfen, intelligentes Leben auf dem Mars zu entdecken, und der alte Scheißer hat nichts von sich hören lassen. Kein Sterbenswörtchen. Nicht mal einen Weihnachtsgruß. Er doch nicht.

Er ist zu sehr damit beschäftigt, den großen Finanzier zu spielen, um mit mir zu sprechen. Zu sehr damit beschäftigt, Geld für die nächste Expedition aufzutreiben. Und die übernächste. Dabei nimmt er meine Verdienste für sich in Anspruch, lässt sich von allen erzählen, was für einen tollen Sohn er hat, während er ihnen in die Tasche greift.

Dex drehte sich zur gekrümmten Wand des Rovers um. Also, wenn ich zurückkomme, werde ich das alles übernehmen. Ich werde meinen gerechten Anteil an dem Ruhm einstreichen und den lieben alten Dad beiseite schieben. Ich lobe ihn weg. Er kann den alten Herrn spielen, während ich im Rampenlicht stehe und einen richtigen Marsexpeditionsplan aufstelle. Alle möglichen Wissenschaftler werden hierher kommen wollen: Archäologen, Paläontologen — zum Teufel, sie werden eine neue Fachrichtung gründen, eine ganz neue Disziplin. Außerirdische Anthropologie. ›Xenologie‹ nennen sie's. Vielleicht richte ich einen Lehrstuhl für Xenologie in Yale ein und übernehme ihn gleich selbst.

Nein, dachte er. Ich übernehme die Position, die Dad jetzt hat. Dann führe ich das Kommando. Ich stellte die Finanzierung auf und die Expeditionen zusammen. Ich gründe eine richtige Firma: Mars Expeditions, Inc. — C. Dexter Trumball, Präsident und geschäftsführender Direktor.

Ich bringe die Spender dazu, einzelne Wissenschaftler zu finanzieren. Die Touristen werden für die Wissenschaftler bezahlen! So wird die Sache laufen. Jedes Touristenticket deckt die Kosten für den Flug eines Wissenschaftlers zum Mars. Genial!

Wenn ich zur Erde zurückkomme, bin ich berühmt. Dann mache ich diesen Ruhm zu klingender Münze. Ich gehe mit jeder Debütantin zwischen Boston und Atlanta ins Bett und luchse ihren Vätern genug Geld ab, um ein Dutzend Expeditionen zum Mars zu schicken. Oder hundert. Ich baue eine Touristenanlage gleich hier am Rand des Canyons, dann können sie zu der Nische absteigen, sich das Dorf anschauen und sich anschließend ganz nach unten auf den Grund des Canyons begeben. Ich baue einen richtigen Fahrstuhl, damit sie komfortabel und sicher rauf und runter fahren können. Ich sorge dafür, dass sie den lieben alten Dad vergessen. Wenn ich zur Erde zurückkomme, bin ich der Star. Dann bin ich so verdammt wichtig, dass selbst Dad es zugeben muss.

WEIHNACHTEN

»Natürlich feiern wir in Japan Weihnachten«, sagte Mitsuo Fuchida.

Er saß auf einer der Liegen, eingeklemmt zwischen Stacy Deschurowa und Dex Trumball. Jamie saß auf der Liege gegenüber, neben Trudy Hall. Auf dem schmalen Tisch, der sie trennte, standen die Überreste ihres Weihnachtsessens, jetzt kaum noch mehr als Krümel und Knochen.

Das Weihnachtsfestmahl war fast so gut gewesen, wie Stacy behauptet hatte. Echter Truthahn — Keulen und weißes Brustfleisch — mit Süßkartoffeln, grünen Bohnen und Preiselbeeren. Unverwüstlicher englischer Kuchen zum Nachtisch. Es gab sogar eine kleine Ration Weißwein in Plastikbehältern für jeden von ihnen. Dex braute einen extrastarken Kaffee als Weichmacher zum englischen Kuchen.

»Ist das Christentum in Japan heutzutage so stark?«, fragte Trudy.

Fuchida schüttelte den Kopf. »Eigentlich nicht. Aber wir feiern Weihnachten genauso wie ihr — als Mega-Event für den Einzelhandel.«

Alle lachten. Sie saßen in dem Rover, den Deschurowa gefahren hatte. Ein räudiger Baum aus Aluminiumstreifen stand schief bei der Luftschleuse, beleuchtet von winzigen blinkenden Glühbirnen aus dem Elektronikvorrat. Sie hatten keine Geschenke füreinander, außer der Wärme ihrer eigenen Gesellschaft.

Das reichte.

Jamie lehnte sich gemütlich an die Wand zurück, während die anderen munter schwatzten und schäkerten. Morgen würde Deschurowa mit dem alten Rover zur Kuppel zurückfahren, während die vier Wissenschaftler in diesem hier wohnen und damit beginnen würden, die Fundstätte mit dem Bauwerk unter Leitung von DiNardos Ausschuss gründlich zu erforschen.

Das wird eine langwierige Angelegenheit werden, dachte Jamie. Wir werden äußerst sorgfältig sein müssen. Mit einer halbstündigen Pause zwischen unseren Fragen und ihren Antworten.