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Aber würde Dad mir die Leitung übertragen? Traut er mir so viel zu? Oder wäre es wieder mal nur ein Versuch, mich unter der Fuchtel zu behalten?

Himmelherrgott noch mal, fluchte er. Ich bin auf dem verdammten Mars, und ich muss immer noch nach seiner gottverdammten Pfeife tanzen!

Craig kam durch die Luke der Luftschleuse gestapft.

»Wird staubig da draußen«, sagte er, kaum dass er das Helmvisier hochgeklappt hatte.

Dex machte Anstalten, sich von seinem Sitz zu erheben, aber Craig rief ihm zu: »Ich komm schon klar. Wird bloß 'n bisschen dauern, bis ich den ganzen Dreck vom Anzug gesaugt hab.«

Dex ging trotzdem nach hinten und half ihm, den Tornister abzulegen. Der war ebenfalls mit einer dünnen, rosafarbenen Pulverschicht bedeckt. Sogar Craigs Helm war schmutzig.

»Wir werden in dem Zeug begraben werden«, hörte er sich sagen. Er wünschte, seine Stimme klänge nicht so zittrig.

»Sieht so aus«, sagte Craig lässig. »Die Abdeckungen auf den Paneelen halten aber ganz gut. Kann sein, dass der Wind 'ne Menge Radau macht, aber viel Druck hat er nich.«

»Das ist gut.«

Sie hatten sich gerade zum Abendessen hingesetzt, als sich die Kommunikationsanlage meldete. Dex stand auf und ging ins Cockpit. Er glitt auf den Fahrersitz und drückte auf die EIN-Taste.

Jamie Watermans kupferrotes, ernstes Gesicht füllte den Bildschirm. Das Bild war körnig und mit elektronischem Schnee durchsetzt. »Hallo, Dex. Wie geht's euch?«

»Wir essen gerade zu Abend, Chief.«

»Bei uns wird es jetzt stürmisch«, sagte Jamie. »Dem letzten Wetterbericht zufolge werdet ihr mindestens bis morgen Abend im Sturm stecken.«

Dex nickte. Er hatte den meteorologischen Bericht gesehen, hatte ihn sogar eingehend studiert.

»Wie arbeiten die Batterien?«, fragte Jamie.

»Wir benutzen momentan noch die Brennstoffzellen. Wiley hat beschlossen, erst auf die Batterien umzuschalten, wenn die Zellen erschöpft sind.«

»Kluger Schachzug.«

»Wie sieht's bei euch aus?«

Jamie schien kurz darüber nachzudenken. »Bei uns ist so weit alles in Ordnung. Wir haben die Luken dichtgemacht. Es wird aber eine geräuschvolle Nacht werden.«

Dex ließ unwillkürlich ein spöttisches, schnaubendes Lachen ertönen. »Was du nicht sagst.«

»Die Telemetrie funktioniert jedenfalls«, sagte Jamie. »Wir kriegen gute Daten von euch.«

»Prima.«

»Die Verbindung wird aber wahrscheinlich schlechter werden, wenn sich der Staub auf euren Antennen häuft.«

»Ich weiß.« Dex war allmählich ein wenig genervt. Jamie redet nur, um sich reden zu hören, dachte er.

»Mir fällt nichts ein, was wir noch für euch tun könnten«, sagte Jamie. »Ich wünschte, ich hätte euch befohlen, beim Generator zu bleiben.«

Dex unterdrückte den Drang, ich auch zu sagen. Stattdessen beugte er sich näher zu Jamies Gesicht auf dem Bildschirm und sagte so fröhlich, wie er konnte: »Wir kommen hier draußen schon klar. Und wenn der Sturm sich legt, sind wir viel näher beim Standort des Pathfinders.«

Wieder schwieg Jamie ein paar aufreizende Sekunden lang. Schließlich sagte er: »Es ist zu spät, um sich den Kopf darüber zu zerbrechen, was man anders hätte machen können. Viel Glück, Dex. Sag Wiley alles Gute von mir.«

»Mache ich. Wir melden uns morgen früh.«

»Wenn die Antennen dann noch funktionieren.«

»Wenn sie mit Staub bedeckt sind, machen wir sie sauber«, erwiderte Dex kess.

»Gut. Okay. Gute Nacht.«

»Gute Nacht.« Dex hieb auf die AUS-Taste. Herrgott, er macht ein Gesicht, als würde er nicht damit rechnen, uns wiederzusehen.

Dann dachte er: Vielleicht ist es das, was Jamie will. Mich loswerden. Nein, so ist er nicht. Aber so würde ich an seiner Stelle empfinden.

TAGEBUCHEINTRAGUNG

Ich hasse diesen Sturm. Die anderen tun alle so, als hätten sie keine Angst, aber ich weiß es besser. Sie haben genauso viel Angst wie ich, aber sie wollen es nicht zugeben. Sie schauen mich lächelnd an und machen tapfere Mienen, aber sie sehen, wie viel Angst ich habe. Der Wind heult da draußen, und sie tun alle so, als würden sie es nicht hören. Und wenn ich ihnen den Rücken zukehre, wenn sie denken, ich könnte sie nicht sehen, lachen sie über mich. Ich höre, wie sie über mich lachen, auch wenn der Wind noch so laut heult.

STÜRMISCHE NACHT

Zu Rodriguez' Überraschung war er derjenige, der sich nicht richtig auf das Space Battle-Spiel konzentrieren konnte. Hin und wieder richtete er seine Aufmerksamkeit auf den Computerbildschirm, aber jedes Mal, wenn der Wind draußen aufkreischte, schweiften seine Gedanken ab. Die Kuppel schien zu knarren und zu ächzen wie ein altes hölzernes Segelschiff in einem Sturm; Rodriguez glaubte beinahe spüren zu können, wie der Boden erbebte und auf und ab schwang.

Keine Furcht, sagte er sich. Aber ihm war ganz schön mulmig zumute.

Er und Trudy Hall saßen nebeneinander im Biologielabor. Zwei Highspeed-Joysticks waren an den piepsenden, schnatternden Computer angeschlossen. Der Bildschirm zeigte schnittige Kampfraumer, die vor einem Hintergrund aus Sternen und Planeten wilde Manöver ausführten und einander dabei mit Laserstrahlen beschossen. Schiffe explodierten mit gewaltigen akustischen Donnerschlägen.

Als er schließlich die dritte Runde des Computerspiels verloren hatte, schob Rodriguez seinen Stuhl zurück und erklärte: »Das reicht. Ich gebe auf.«

»Du hast mich gewinnen lassen«, sagte Trudy. Ihr Lächeln war eher erfreut als vorwurfsvoll.

Er schüttelte vehement den Kopf. »Nein. Ich hab mir Mühe gegeben. Ich konnte mich nicht konzentrieren.«

»Wirklich?«

Rodriguez ließ die Schultern hängen. »Wirklich.«

»Beunruhigt wegen dem Sturm?«

Er zögerte, dann gab er es zu: »Ist irgendwie albern, ich weiß. Aber ja, er macht mir Angst — ein bisschen.«

»Mir auch«, gestand Hall.

»Du siehst aber gar nicht so aus«, sagte er überrascht. »Du wirkst seelenruhig.«

»Äußerlich. Innerlich bin ich so zappelig wie … wie …«

»Wie ein Floh auf einer heißen Herdplatte?«

Sie lachte. »Was für eine grässliche Vorstellung.«

Er stand auf. »Komm, ich besorge dir eine Tasse Kaffee. Oder vielleicht möchtest du lieber Tee?«

Sie erhob sich ebenfalls. Neben Rodriguez mit seiner stämmigen, massigen Statur wirkte sie schlank und schmal. Sie waren jedoch beinahe gleich groß, und ihr dunkelbraunes Haar war nur eine Nuance heller als seins.

»Ehrlich gesagt, ich hab noch ein paar Schlückchen Sherry in meiner Kabine. Ist ein ganz anständiger Tropfen.«

Rodriguez zog die Augenbrauen hoch. »Wir dürfen keinen Schnaps …«

»Ist von unserer Landeparty übrig geblieben. Ich hätte ihn damals wohl gleich austrinken sollen, aber ich hab mir ein bisschen was aufgehoben. Für den Notfall.«

»Ja, aber …«

»Das zählt doch als Notfall, oder findest du nicht?«

Rodriguez schaute ungewollt nach oben, in die schattigen Höhen der abgedunkelten Kuppel. Draußen stöhnte der Wind.

»Es ist nicht genug, um sich zu betrinken, musst du wissen«, sagte Hall. »Nur ein bisschen was gegen die Nervosität, verstehst du.«

Er blickte sie wieder an und sah die Angst und die Hilflosigkeit in ihren Augen. Sie hat genauso viel Angst wie ich, sagte er sich. Sie empfindet genauso wie ich. Aber ich kann es nicht zeigen, weder ihr noch sonst jemandem.

»Okay«, sagte er.

»Dann komm.« Trudy streckte ihm die Hand hin. »Bring mich nach Hause.«

Er nahm ihre Hand. Und als sie durchs leere Halbdunkel der Kuppel gingen — der Wind heulte jetzt, und das Bauwerk selbst gab tiefere, seltsamere Geräusche von sich —, legte er ihr den Arm um die Taille. Trudy lehnte den Kopf an seine Schulter, und sie gingen gemeinsam zu ihrer Kabine und hinein in eine Nacht, in der keiner von ihnen allein sein wollte.