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»Du wirst heute Nacht nicht der einzige Held sein«, rief Rodriguez, drängte sich an Jamie vorbei und eilte zu den Stellen, wo die provisorischen Flicken an der Kuppelwand flatterten.

Vijay kam mit weiteren Dosen herein. Jamie nahm ihr eine ab, und sie liefen beide hinter Rodriguez her.

Die Pflanzen sahen nicht allzu schlimm aus, dachte Jamie nach einem Blick auf die Reihen der hydroponischen Kästen. Aber was, zum Teufel, weiß ich schon? Grüne Blätter, die meisten fest aufgerollt. Hängen diejenigen, die den Rissen am nächsten sind, schlaffer herunter als die anderen?

Nachdem sie ein paar hektische Minuten lang gesprüht hatten, sagte Rodriguez: »Ich glaube, wir haben sie abgedichtet.«

Jamie schaute sich um. Das Kuppelgewebe hatte aufgehört zu flattern. Mitsuo muss den Luftdruck erhöht haben, dachte er. Der Wind war noch genauso laut, wenn nicht lauter, aber jetzt wirkte die Kunststoffkonstruktion der Kuppel wieder prall und sicher.

»Vielleicht hast du Recht«, sagte er vorsichtig.

»Es ist kalt hier drin.« Vijay schlang sich die Arme um den Oberkörper.

»Geh rüber und sag Mitsuo, er soll die Heizung hochdrehen«, befahl Jamie. »Tomas, wir sprühen die ganze Kuppelwand hier unten ein, wo das Material mit dem Fußbodenbelag zusammenstößt. Wenn es noch mehr Probleme gibt, dann dort.«

»In Ordnung«, sagte Rodriguez.

In diesem Moment kam Deschurowa in ihrem Raumanzug hereingestapft.

»Wir haben's unter Kontrolle«, rief Rodriguez ihr vergnügt zu.

Sie schob das Visier hoch und funkelte ihn an. Rodriguez lachte.

»Stacy«, sagte Jamie, »ich möchte, dass du zusammen mit Tomas überprüfst, ob die Kuppel ansonsten unversehrt ist. Sprüht alles ein, was nach einem potenziellen Leck aussieht.«

»Das Epoxy ist nicht transparent. Es wird den Sonnenschein für die Pflanzen reduzieren.«

»Da kann man nichts machen. Das Wichtigste ist, die Unversehrtheit der Kuppel sicherzustellen.«

Trudy trat durch die Luke der Luftschleuse. »Oh mein Gott! Die Tomaten sind hin

Jamie packte sie am Arm. »Trudy, du solltest mit Mitsuo alle Pflanzen untersuchen und feststellen, wie groß der Schaden ist. Ich übernehme das Kommunikationszentrum.«

»In Ordnung, natürlich.« Sie eilte zu den Pflanzenkästen auf der anderen Seite der Kuppel.

MORGEN: SOL 59

Jamie saß noch immer an der Kommunikationskonsole, als die Sonne schließlich aufging und die anderen sich zu regen begannen. Der Wind heulte nach wie vor, aber mit dem Sonnenaufgang verbesserte sich die Sicht ein wenig. Die Kamerabilder von draußen zeigten, dass die Flugzeuge noch da waren, obwohl eine Tragfläche des Schwebegleiters merkwürdig verbogen wirkte. Eine der Kameras war ausgefallen, aber ansonsten schien alles in recht guter Verfassung zu sein.

»Kaffee?«

Vijay stand mit einem dampfenden Becher in den Händen im Eingang des Kommunikationszentrums.

»Gute Idee«, sagte Jamie und griff danach.

»Wie sieht's aus?«, fragte sie und glitt auf den Stuhl neben ihm.

»Ganz gut so weit.«

»Wie schlimm sind die Schäden im Garten?«

»Trudy ist wegen der Tomaten und einiger Sojabohnen fast in Tränen ausgebrochen. Die Erdbeeren sind alle hinüber. Aber die meisten Pflanzen haben's heil überstanden. Wir haben das Leck gerade noch rechtzeitig bemerkt.«

»Dann müssen wir also nicht zusammenpacken und heimfliegen?«

Er schüttelte nachdrücklich den Kopf. »Nein. Kann sein, dass wir eine Weile ohne Sojaburger auskommen müssen, aber der Garten wird uns trotzdem ernähren.«

»Das war sehr tapfer von dir, da einfach so reinzustürmen.«

Jamie merkte, wie er die Augenbrauen hochzog. Er kam sich nicht sehr tapfer vor. Mit einem Achselzucken erwiderte er: »Schien mir das Richtige zu sein. Wir mussten die Flicken anbringen.«

»Du hättest dabei umkommen können.«

»Daran hab ich überhaupt nicht gedacht«, gestand er. »Es ging alles so schnell …«

»Du bist ein Held, Jamie.« Sie scherzte nicht, das sah er. Sie meinte es todernst.

Jamie fühlte sich auf einmal unwohl. Er versuchte, das Thema zu wechseln. »Ich konnte Dex und Wiley bis jetzt noch nicht erreichen.«

»Damit hast du doch gerechnet, oder?«

Er nickte. »Die haben inzwischen wahrscheinlich eine Menge Staub auf ihren Antennen. Wir müssen einfach Geduld haben.«

»Darin bist du ja gut«, sagte sie mit einem Lächeln.

Er verstand die Anspielung. »Es macht viel mehr Spaß, bei dir Geduld zu haben als bei denen«, sagte er leise und schnell, weil er Angst hatte, jemand könnte es hören.

Bevor sie etwas erwidern konnte, kam Rodriguez mit einem breiten Zahnpastagrinsen hereingeplatzt. »Mann, das war wirklich 'ne heiße Nacht«, sagte er und brach dann in herzhaftes Gelächter aus.

Jamie warf Vijay einen verblüfften Blick zu. Sie zuckte die Achseln.

»Du warst großartig, Boss«, sagte der Astronaut und strahlte Jamie an. »Hast uns den Hals gerettet, Mann.«

Jamie schüttelte den Kopf, aber Vijay nickte zustimmend. »Wenn der Garten futsch gewesen wäre, hätten wir im wahrsten Sinne des Wortes einpacken können, nicht?«

»Schon möglich«, gab Jamie zu. »Jedenfalls ist mit dem Garten so weit alles in Ordnung. Also machen wir einfach weiter, okay?«

»In Ordnung!«, sagte Rodriguez. »Hast du schon gefrühstückt, Boss? Ich hab so einen Kohldampf, dass ich einen Marsbüffel verdrücken könnte.«

Vom Eingang her sagte Stacy Deschurowa: »Da wirst du erst mal einen finden müssen, Tom.«

»Ich hol mir nur rasch ein bisschen Saft«, sagte Rodriguez, immer noch vergnügt grinsend, »dann löse ich dich an der Konsole ab, und ihr könnt frühstücken.«

»Ich dachte, du hättest so einen Bärenhunger«, sagte Jamie und stand von seinem Stuhl auf.

»Ja, ich weiß, aber ich kann warten. Geht ihr mal essen. Ich halte hier die Stellung.«

Jamie sah Deschurowa an. Sie sagte: »Ich hole dir deinen Saft, Tom.«

»Okay, danke.«

Jamie sagte: »Wenn du mich hier ablöst, dann versuch mal, Funkkontakt mit Wiley und Dex herzustellen.«

»In Ordnung.« Rodriguez ließ sich schwer auf den Stuhl fallen, sodass er ein Stück von der Konsole wegrollte.

Als Jamie mit Vijay und Deschurowa zur Messe ging, wunderte er sich laut: »Tomas ist heute Morgen aber gut gelaunt. Anscheinend hat er sich wirklich mal ordentlich ausgeschlafen.«

Deschurowa prustete los. »Das nun nicht gerade.«

»Was soll das heißen?«

Stacy schaute in Jamies Gesicht hinauf. »Hast du die beiden nicht gehört? Ihn und Trudy? Sie waren die ganze Nacht lang zugange, verdammt noch mal.«

Jamie warf Vijay unwillkürlich einen Blick zu. Sie versuchte, ein Grinsen zu unterdrücken.

»Ihr beiden seid wenigstens leise«, fuhr Stacy nüchtern fort. »Aber meine Kabine liegt gleich neben der von Trudy. Und wenn sie mal Pause gemacht haben, hat Tom geschnarcht wie Ferdinand der Stier. Mein lieber Mann, er hat sogar den Sturm übertönt.«

Vijay brach in Gelächter aus.

Sie hatten gerade mit dem Frühstück begonnen, als Fuchida an den Tisch gehumpelt kam. Er wirkte bekümmert.

»Was ist los, Mitsuo?«, fragte Jamie.

»Bin ich der Einzige, der sich fragt, wieso die Gartenkuppel Risse bekommen hat?«, fragte er.

»Was meinst du damit?«

Der Biologe nahm gegenüber von Jamie und Vijay Platz und legte seinen bandagierten Knöchel auf einen leeren Stuhl.

»Wie kann der Staub das Kuppelmaterial zerreißen?«, fragte er wie ein Professor, der seinem Seminar ein Problem zu knacken gibt.

Deschurowa stand vom Tisch auf. »Ich habe Tom versprochen, ihm Saft zu holen«, erinnerte sie sich. »Wahrscheinlich braucht er welchen.«