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Dex zwinkerte Schweiß weg. »Willst du damit sagen, du kannst das?«

»Klar.«

»Im Ernst?«

»Klar«, sagte Craig. »Das Problem is bloß, dass du dir dabei die Schulter auskugelst.« Er brach in raues Gelächter aus.

Dex machte ein saures Gesicht, aber es nützte nichts, da Wiley nicht durch die getönte Sichtscheibe schauen konnte.

»Komm schon«, sagte Craig und hielt Dex eine beschuhte Hand hin, um ihn auf die Beine zu ziehen. »Holen wir den kleinen Burschen, dann machen wir Schluss für heute.«

Sie stapften langsam zu dem winzigen Sojoumer-Rover hinüber, der immer noch treu und brav so dastand, dass sein Alpha-Proton-Röntgenstrahl-Spektrometer fast den knolligen Felsen namens Yogi berührte. Auf dem Mars wog er keine elf Pfund, sodass Dex ihn mühelos hochheben konnte.

Als er sich umdrehte, um zum Rover zu gehen, sah er, wie Craig sich bückte, eine mühselige Angelegenheit in dem hartschaligen Anzug.

»Was machst du da, Wiley?«

»Ich bring eine Markierung an, damit die Leute sehn können, wo er gestanden hat.«

»Oh. Hast du das beim Pathfinder auch getan?«

»Jap.«

»Womit markierst du die Stelle?«

»Mit Silberdollars.«

Dex machte große Augen. »Silberdollars? Was, zum Teufel, machst du hier draußen mit Silberdollars?«

Er spürte, wie Wiley versuchte, in dem Anzug die Achseln zu zucken. »Hab ich immer bei mir. Bringen Glück. Hab sieben Stück gekauft.«

Sie waren fast bei der Luke des Rovers. Dex schaute zu der Stelle hinüber, wo der Pathfinder knapp drei Jahrzehnte lang gestanden hatte. Und wirklich, dort lag ein glänzender neuer Silberdollar.

»Hab damit angefangen, als ich auf den Bohrinseln war«, erklärte Craig. »Die Jungs haben in ihrer Freizeit Karten gespielt, aber nich mit Chips, das kann ich dir sagen. Nur mit Bargeld, sonst gar nichts. Also hab ich angefangen, immer 'n paar Silberdollars mit mir rumzutragen.«

Dex schüttelte nur den Kopf.

»Jamie, ich schicke euch gleich eine halbe Tonne Unterlagen darüber, wie ihr Glasbausteine aus den Materialien vor Ort herstellen könnt«, sagte Pete Connors.

Schmunzelnd betrachtete Jamie Connors' Gesicht auf dem Bildschirm seines Laptops. Ein Glasiglu wäre genau die richtige Lösung für das Gewächshaus. Es müsste nicht mal ein Iglu sein, dachte er, während Connors weitersprach. Wir könnten einen Würfel über der Gewächshauskuppel errichten und diese dann abmontieren.

Oder vielleicht auch nicht, überlegte er. Die Kunststoffkuppel kann polarisiert werden, sodass sie nachts undurchsichtig ist. Das hält die Wärme im Innern. Glasbausteine kann man nicht polarisieren.

Er wollte gerade seinen Bildschirm teilen und sich die technischen Daten ansehen, als Connors müde seufzte. Seine Stimme wurde ein wenig tiefer.

»Jamie, der alte Trumball macht immer noch Druck, um dich als Missionsleiter loszuwerden. Es spielt keine Rolle, dass Dex und Possum den Sturm heil überstanden haben. Er will deinen Skalp, und er setzt wirklich alles daran, ihn zu kriegen.«

Jamie hätte beinahe über Connors' Wortwahl gelächelt, dann stellte er sich ganz nebenbei die Frage, warum es ihn nicht störte, wenn der schwarze Astronaut metaphorisch auf die amerikanischen Ureinwohner anspielte, während es ihn ärgerte, wenn Dex Trumball es tat.

Weil du mit Pete nicht in Konkurrenz stehst, gab er sich selbst die Antwort. Weil du so viel mit ihm durchgemacht hast. Weil er dein Freund ist.

Jamie hörte sich Connors' traurige Geschichte bis zu Ende an. Trumball hatte eine Sondersitzung des IUK-Vorstands einberufen. Li Chengdu hatte dem Astronauten erzählt, dass bei dieser Sitzung über die Finanzierung der nächsten Expedition entschieden werden sollte. Die Implikation war klar: Entweder sie entzogen Jamie das Kommando, oder Trumball würde ihnen den Geldhahn zudrehen.

Als Connors endlich fertig war, antwortete ihm Jamie: »Danke für die Informationen, Pete, für die guten Nachrichten wie auch für die schlechten. Den Tagesbericht habe ich dir auf dem Datenkanal geschickt; es gibt nichts Außergewöhnliches zu vermelden, außer dass Dex und Craig die Pathfinder-Sonde erfolgreich geborgen haben. Morgen früh machen sie sich auf den Rückweg.

Ach, übrigens, Craig möchte lieber Wiley statt Possum genannt werden. Er ist ein bisschen empfindlich in diesem Punkt. Ansonsten sind wir alle wohlauf und gesund. Das wär's für heute.«

Jamie war immer noch im Kommunikationszentrum, als Fuchida hereingehumpelt kam und ihn bat, ins Biologielabor zu kommen.

»Sobald Stacy wieder da ist«, erwiderte Jamie.

Fuchida nickte — es war beinahe schon eine Verbeugung — und ging.

Fast eine halbe Stunde später klopfte Jamie leise an den Türrahmen des Biologielabors. Fuchida wandte sich auf seinem Drehhocker um und stand rasch auf.

»Bleib sitzen, Mitsuo, bleib sitzen. Immer mit der Ruhe.« Jamie zog sich den anderen Hocker heran und nahm neben dem Biologen Platz.

Fuchida setzte sich wieder hin, aber sein Rücken blieb steif. Er warf einen kurzen Blick zum offenen Eingang, dann griff er über den Labortisch und zog seinen Laptop-Computer zu sich heran.

»Was wolltest du mir zeigen?«, fragte Jamie. »Ist in den Kernproben irgendeine neue Spezies aufgetaucht?«

»Es geht nicht um Biologie«, sagte Fuchida, während er seinen Laptop startete.

»Nein?«

»Nein. Um Detektivarbeit.«

»Detektivarbeit?«

Auf dem Bildschirm des Laptops sah Jamie eins der Fotos, die er am Morgen nach dem Sturm in der beschädigten Gartenkuppel gemacht hatte.

»Dieses Bild zeigt zwei wichtige Dinge. Siehst du, was ich meine?«, fragte Fuchida. Seine Stimme war leise, fast ein Flüstern.

Jamie schüttelte den Kopf.

»Achte darauf«, sagte der Biologe und zeigte auf den Bildschirm, »dass die Falten im Kuppelmaterial auswärts weisen.«

Jamie nickte. »Ja, das stimmt.«

»Du hast dieses Foto von draußen gemacht«, sagte Fuchida.

»Richtig.«

»Was sagt dir diese Auswärtsfaltung?«

Herrje, dachte Jamie, Mitsuo klingt wie ein SherlockHolmes-Imitator.

»Erklär's mir«, sagte er.

»Die Löcher wurden von innen gemacht, nicht von außen.«

»Nein«, sagte Jamie langsam. »Das ist unmöglich. Was könnte die Kuppel denn von innen heraus durchlöchern?«

Statt ihm eine Antwort zu geben, sagte Fuchida: »Achte darauf, in welcher Höhe sich die Löcher befinden.«

Jamie spähte auf das Bild. »Einen halben bis einen dreiviertel Meter über dem Boden, würde ich sagen.«

»Zweiundsechzig Zentimeter. Ich habe es nachgemessen.«

»Worauf willst du hinaus, Mitsuo?«

Fuchida senkte die Stimme, bis sie fast ein Zischen war, und antwortete: »Es war nicht der Sturm, der die Kuppel beschädigt hat. Die Hülle ist von innen durchlöchert worden. Und zwar absichtlich!«

Jamie sah ihn mit zusammengekniffenen Augen an. »Absichtlich? Du machst Witze!«

»Keineswegs. Die Faltung zeigt deutlich, dass die Löcher von innen und nicht von außen gemacht wurden. Und sie sind in einer Höhe, in der sich die Hand eines Menschen mit nach unten gestrecktem Arm befände.«

Es dauerte eine Weile, bis Jamie klar wurde, dass Fuchida es vollkommen ernst meinte.

»Mitsuo, das kann nicht sein. Keiner von uns würde die Kuppel absichtlich beschädigen.«

Fuchida zeigte wortlos auf den Bildschirm.

Jamie sagte: »Also, erstens mal erwecken die Falten den Anschein, als wäre die Beschädigung von innen erfolgt, weil die Luft aus der Kuppel durch die Löcher nach außen entwichen ist.«

Der Biologe runzelte die Stirn. »Das wäre eine Möglichkeit.«

»Und was die Höhe der Löcher betrifft, dort haben die Steinchen die Hülle halt zufällig getroffen.«

»Beide in derselben Höhe?«

Jamie zuckte die Achseln. »Ein Zufall.«