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Vijay bezähmte ihren Groll. »Und zu welchem Schluss bist du gelangt?«, zischte sie.

Stacy klopfte ihr auf die Schulter. »Du bist kein Sicherheitsrisiko. Jedenfalls nicht bewusst. Du bist ein kluger Kopf.«

Vijays Wut schwand. Sie sank auf den Stuhl zurück und blickte zu Deschurowa auf. »Und was soll ich nun wegen Jamie unternehmen?«

Stacy schüttelte den Kopf und ging wieder zu ihrer Liege zurück. »Das darfst du mich nicht fragen. Alles, was ich über Männer weiß, ist, dass sie einen letztendlich immer verletzen.«

»Sieh dir das mal an«, rief Dex Jamie zu.

Er saß im Cockpit. Über den zentralen Bildschirm der Kontrolltafel lief eine Botschaft seines Vaters.

Im Rover waren alle Systeme auf Nachtbetrieb geschaltet. Morgen würden sie Tithonium Chasma erreichen, und Jamie würde zu der Spalte in der Felswand absteigen und sehen, was es dort zu sehen gab.

Er spürte bereits die Spannung in seinen Eingeweiden, ein erwartungsvolles, aufgeregtes und ängstliches Kribbeln.

Er ging an den Liegen vorbei, trat mit eingezogenem Kopf ins Cockpit und stützte die Arme auf die Lehne von Dex' Sitz. Auf dem Bildschirm war eine Namensliste zu sehen — Einzelpersonen, Universitäten, Unternehmen —, und neben jedem Namen standen Dollarzahlen.

»Was ist das?«, fragte Jamie.

»Mein lieber alter Dad mobilisiert schon Geldgeber für die nächste Expedition«, erklärte Dex. »Er hat drei Milliarden aufgetan, einfach so.« Er schnippte mit den Fingern.

Jamie glitt auf den Fahrersitz und schaute auf den Bildschirm. »Global News … Universal EntertAlnment … wer ist Puget Sound Incorporated?«

»Eine Holdinggesellschaft«, sagte Dex. »Sie besitzt oder kontrolliert die Hälfte alle Reiseveranstalter in Nordamerika.«

»Reiseveranstalter?«

Dex nickte. »Reg dich nicht auf. Noch nicht. Wir sind noch weit davon entfernt, Touristen hierher zu bringen.«

»Wieso sollten Reiseveranstalter dann einen Beitrag zur Finanzierung der nächsten Expedition leisten wollen?«

»Um sich Rechte an den VR-Touren zu sichern, vermute ich mal. Auf Reisen gehen, ohne das bequeme Wohnzimmer zu verlassen.«

Jamie sah Dex an. Der jüngere Mann schien es absolut ernst zu meinen.

»Hör mal, Jamie, ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, sie hätten nicht vor, irgendwann Touristengruppen auf den Mars zu bringen. Zum Teufel, es gibt ja inzwischen schon Pauschalreisen zum Mond, oder nicht?«

»Touristen«, murmelte Jamie düster.

»Nun schau mich nicht an, als hätte ich das Massaker am Wounded Knee angeführt, Herrgott noch mal«, sagte Dex.

»Du bist derjenige, der dieses Ziel verfolgt, Dex, nicht ich.«

»Uns bleibt doch gar nichts anderes übrig! Wie, zum Teufel, willst du sonst die erforderlichen Mittel auftreiben, um diesen Planeten zu erforschen?«

»Ich würde mich lieber an die Straßenecke stellen und betteln.«

»Ja, und da würdest du dann Fünf- und Zehncentstücke kriegen«, fauchte Dex. »Hör auf zu träumen!«

Jamie richtete sich auf. »Es muss einen besseren Weg geben, Dex.«

»Klar. Bring die Regierung dazu, die Kosten zu tragen. Brumado hat zwanzig Jahre gebraucht, um die Finanzierung der ersten Expedition auf die Beine zu stellen, und die Regierung hat sich nicht gerade darum gerissen, diese zu unterstützen, oder?«

»Es muss einen besseren Weg geben.«

»Wenn du ihn findest, sag mir Bescheid.«

Jamie machte sich auf den Weg zur Kombüse. »Ihr werdet den Mars in eine Touristenattraktion verwandeln.«

»Was, zum Teufel, glaubst du denn, wie wir diesmal hergekommen sind?«, sagte Dex hitzig.

Jamie drehte sich zu ihm um. »Weil dein Vater die Finanzierungskampagne durchgepowert hat, ich weiß.«

»Weil ich ihn dazu gebracht habe!« Dex tippte sich mit einem Finger an die Brust. »Er hatte nicht das mindeste Interesse am Mars, verdammt noch mal. Ich hab sein Interesse geweckt.«

»Indem du ihm erzählt hast, er könnte Flugtickets an Touristen verkaufen.«

»Indem ich ihm erzählt habe, er könnte damit Geld machen, ja. Was ist daran falsch?«

»Wir können keine wissenschaftliche Forschung betreiben, wenn es überall um uns herum von Touristen wimmelt.«

»Nun hör aber auf, Jamie! Wir haben hier einen ganzen Planeten! Wir können uns die Touristen vom Leibe halten.«

»Wirklich?« Jamie fühlte, wie der alte, brodelnde Zorn in ihm hochstieg. »Sie werden die interessantesten Orte besuchen wollen, oder? Zum Beispiel den Boden des Canyons, wo wir die Flechte gefunden haben. Sie werden Souvenirs mitnehmen und überall rumstiefeln.«

»Das werden wir nicht zulassen.«

»Und wie wollt ihr das verhindern, Dex? Wo ziehen wir die Grenze, wenn sie erst mal herkommen dürfen? Geld regiert die Welt, ist es nicht so? Wer die Musik bezahlt, bestimmt auch, was gespielt wird, oder nicht?«

Dex marschierte durch den leeren Gang, bis er so dicht vor Jamie stand, dass sich ihre Nasen beinahe berührten. »Herrgott noch mal, glaubst du, du bist der einzige Wissenschaftler im ganzen Sonnensystem? Ich will auch gute wissenschaftliche Arbeit machen, weißt du.«

»Wenn deine Touristen es dir erlauben.«

»Verdammt!« Dex schlug mit der Faust gegen die eingeklappte Liege über der seinen. »Dieser verfluchte selbstgerechte Mist! Das steht mir bis hier!« Er zeigte mit seiner anderen Hand auf seinen Adamsapfel.

Jamie spürte, wie ihm selbst die Hitze ins Gesicht stieg. »Und dann werdet ihr große Touristenanlagen bauen wollen. Hotels. Parks, in denen sie in Hemdsärmels rumlaufen können. Ihr werdet diesen Planeten ruinieren, Dex. Eine ganze Welt wird zerstört werden, und die einheimischen Lebensformen mit ihr.«

»Das liegt noch hundert Jahre oder mehr in der Zukunft.«

»Das geschieht jetzt, Dex. Was wir jetzt tun, gestaltet die Zukunft. Mit jedem Schritt erschaffen wir unseren Weg ins Morgen. Was du vorhast, wird diese Welt ebenso sicher zerstören, wie die Europäer die Welt der amerikanischen Ureinwohner zerstört haben.«

»Glaubst du, ich will, dass es so läuft?«

»Du hast deinen Vater dazu gebracht, diese Richtung einzuschlagen, oder nicht?«

»Anders wären wir nicht hierher gekommen, Jamie! Zum Teufel, die Politiker wollten keine weitere Expedition finanzieren. Was glaubst du, warum es sechs Jahre gedauert hat, bis diese zweite Expedition auf dem Mars landen konnte?«

Jamie funkelte ihn an.

»Ich bin ebenfalls Wissenschaftler«, sagte Dex. »Ich habe meinen Vater beschwatzt, das Geld für uns zu beschaffen, weil ich zum Mars wollte! Glaubst du, du bist der Einzige?«

Jamie schüttelte den Kopf. »Aber der Preis, Dex. Der Preis. Es wäre besser gewesen, wenn wir den Mars weitere hundert Jahre in Ruhe gelassen und abgewartet hätten, bis wir nur um der Wissenschaft willen herkommen können.«

»In einer perfekten Welt vielleicht«, erwiderte Dex mit leiserer Stimme. »Aber dann wären wir beide nicht hier, stimmt's?«

»Nein, wohl nicht.«

»Tja, ich will auf dem Mars sein. Jetzt. Ich. Ganz egal, was es kostet. Und du empfindest genauso, sonst wärst du nicht hier.«

Jamie sah ihm ins Gesicht. Das nassforsche Grinsen war verschwunden, die blaugrünen Augen waren tief, und sie wichen seinem Blick nicht aus.

»Vielleicht hast du Recht«, gab Jamie zu und ging wieder nach hinten zur Kombüse. »Aber ich komme mir wie eine Judasziege vor.«

»Oder wie Kit Carson vielleicht?«

Jamie fuhr herum und sah, dass Dex wieder grinste. Er weiß Bescheid über den Langen Marsch, damals, nachdem Carson und die Army das Volk von seinem Land vertrieben hatten.

»Genau«, sagte er gepresst. »Kit Carson. Das bin ich.«