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»Wer spricht da?«sagte er scharf. »Wo sind Sie?«

»Hier«, erwiderte die Stimme unmittelbar hinter ihm. Er drehte sich herum und sah eine junge Frau, ganz in Schwarz gekleidet, zierlich und nicht viel größer als er, mit Lederstiefeln und breitem Gürtel, in dessen Schnalle sich zwei Drachenköpfe ineinander verbissen.

»Wer, zum Teufel, sind Sie?«fragte er. »Und wo hatten Sie sich versteckt?«

Die Frau lächelte und neigte den Kopf in Richtung Yua.

»Fragen Sie die da. Sie kann das so gut wie ich. Ich bin jemand, der die Wahrheit hinter dieser albernen Religion kennt, und ich verfüge über den Grund, wonach Sie Nathan Brazil finden oder uns erlauben werden, ihn ausfindig zu machen.«

»Sie denken an Gewalt?«Marquoz mußte beinahe lachen.

Sie schüttelte den Kopf.

»Nein, nicht an Gewalt. Der Grund, warum Sie Nathan Brazil finden müssen, ist der, daß er der einzige ist, der den Schacht-Computer in Ordnung bringen kann — und wenn er nicht in Ordnung gebracht wird, dann verschluckt das klaffende Loch im Raum-Zeit-Kontinuum, das Ihre ahnungslosen Militärs hervorgerufen haben, in weniger als hundertfünfzig Jahren den ganzen Kom-Bund.«

Yua war auf den Beinen.

»Wer sind Sie?«fragte sie scharf. »Wer kann einen derart bewachten Raum betreten und Dinge tun, zu denen nur Olympierinnen imstande sind?«

»Antworten kommen später«, erwiderte die rätselhafte Frau. »Okay, Leute, ihr könnt jetzt rauskommen.«

Plötzlich tauchten im Zimmer verteilt sechs weitere Gestalten auf, drei männliche, drei weibliche. Alle waren groß und beeindruckend, jeder mit einer Pistole unbekannter Art ausgerüstet.

Yua schien zur Überraschung von Marquoz und Zigeuner vor ihren Augen plötzlich zur Unsichtbarkeit zu verblassen. Die Neuankömmlinge ließen sich jedoch nicht täuschen. Die fremde Frau blickte auf die Stelle, wo Yua verschwunden war, und sagte ruhig, aber befehlend:»Damit erreichen Sie gar nichts. Wir können Sie trotzdem sehen und verfolgen. Wir wissen genau Bescheid.«

Eine der Frauen trat an die Stelle, wo Yua zuletzt gestanden hatte, und zeichnete mit der Pistole grob ihren Umriß nach.

Yua räumte ihre Niederlage ein, obwohl sie nach wie vor nichts begriff, und tauchte wieder auf. Sie funkelte nicht die Fremden böse an, sondern Marquoz.

»Das ist doch ein schmutziger Trick! Was wollen Sie damit eigentlich erreichen?«

Marquoz seufzte.

»Ich versichere Ihnen, Madame, daß ich von dem, was vorgeht, noch weniger begreife als sie. Ich vermute nur, daß wir gerade von einer neuen, fremden Bedrohung gefangengenommen worden sind, etwas, das langsam eintönig wird.«

»Nur keine Bewegung«, warnte die Frau in Schwarz. »Wir unternehmen alle eine kleine Reise.«

Marquoz schaute sich um und warf einen Blick auf Yua.

»Wie viele Wachen und Akoluthen haben Sie hier eigentlich?«fragte er.

Die kleine Frau lachte leise in sich hinein.

»Wir werden keinem begegnen.«Sie lächelte Yua zuckersüß an. »Was ist denn, Schätzchen? Kein Respekt für Nathan Brazils Urenkelin?«

Schlagartig verschluckte sie Schwärze, und für kurze Zeit hatten sie das Gefühl hinabzustürzen. Dann strahlte wieder Licht, künstliches Licht. Sie waren in einer Art Laboratorium aufgetaucht, genau in der Haltung, die sie in Yuas Zimmer eingenommen hatten.

Marquoz riß die Augen auf; Zigeuner begann wieder zu atmen; Yua starrte die kleine Frau in Schwarz an.

»Willkommen auf Nautilus, Bürger«, sagte die Frau. »Ich bin Mavra Tschang.«

Nautilus — Unterseite

Es dauerte einige Zeit, bis jemand das Wort ergriff. Schließlich sagte Zigeuner kaum hörbar:»Habt ihr Patente für diese Transportmethode?«

Mavra Tschang lachte.

»Nein, und ich fürchte, die wird auch nie jemand bekommen.«Sie sah zu Marquoz hinüber. »Ihre Energiepistole können Sie behalten. Auf Nautilus funktioniert sie nicht. Nur unsere eigenen Waffen tun das.«

Marquoz schaute sich um. In Wahrheit hatte er Angst, obwohl er das nicht einmal Zigeuner gegenüber erkennen ließ. Er stand plötzlich vor dem völlig Unbekannten und kam sich vor wie ein Kind unter den weisesten Erwachsenen. Das gefiel ihm ganz und gar nicht.

»Hier ist noch jemand«, erklärte Zigeuner plötzlich. »Und mit dem Unsichtbarkeitstrick hat das auch nichts zu tun. Da ist jemand, überall um uns, etwas ganz Unheimliches.«

Marquoz und Yua spürten es ebenfalls — eine fast übernatürliche Präsenz, in der Luft schwebend.

Mavra Tschang gab ihren Leuten einen Wink. Sie steckten ihre Waffen ein und gingen.

Mavra, Marquoz, Zigeuner und Yua standen auf einer erhöhten Plattform in der Mitte eines ovalen Raumes. Über ihr hing ein großer Parabolspiegel. Die Plattform hätte unter der Antenne gelegen — oder was das sein mochte, wenn sie hinausgedreht und ganz ausgezogen worden wäre. Mehrere Meter darüber verlief ein Balkon im Kreis um den Raum; eine Metalltreppe gegenüber führte zu ihm hinauf. Schiebetüren mochten vom Balkon hinausführen, aber es war zu schwierig, Umrisse zu unterscheiden, und ein starker Sicherungszaun und ein Geländer behinderten die Sicht ohnehin. Es herrschte Stille, abgesehen von einem leisen Summen, als läge der ganze Raum im Inneren einer gigantischen Maschine.

»Sind Sie wirklich mit Nathan Brazil verwandt?«fragte Yua schließlich.

Mavra Tschang lächelte schwach.

»In gewisser Weise ja. Das liegt natürlich viele, viele Jahre zurück. Es ist lange her, seit wir in menschlichen Gebieten gewesen sind.«

»Was ist das hier?«fragte Marquoz.

»Sie sind auf einem Planetoiden weit draußen im Weltraum, außerhalb normaler Handelswege und jeder Behausung«, erwiderte sie. »Dies ist in der Tat ein völlig autarkes Fahrzeug. Wir sind tief im Inneren, und unterhalb des Äquators. Die nördliche Halbkugel ist, wie Sie sehen werden, der Erde nachgebildet worden und sehr schön. Meine Besatzung und ich leben dort die meiste Zeit.«

»Das ist Zinders Computer, nicht wahr?«sagte Marquoz mit einem Blick in die Runde.

Mavra reagierte erstaunt.

»Hmmm… Ja, so ist es. Ich sehe schon, wir sollten Sie nicht unterschätzen.«

Marquoz schien sich gefangen zu haben. Er sah zu der noch immer betäubt wirkenden Yua auf.

»Ich vermute, daß Sie hier auf heiligem Boden stehen, meine Liebe. Ich möchte wetten, daß vor über siebenhundert Jahren an eben dieser Stelle Ihre Vorfahrinnen geschaffen worden sind.«

Yua blickte fassungslos von einem zum anderen.

»Hören Sie, ich vergesse ganz, auf meine Manieren zu achten«, sagte Mavra Tschang. »Bitte, steigen Sie von der Plattform herunter. Ein, zwei Meter genügen, wenn Sie sich nicht hinüberbeugen.«Sie gehorchten, und Mavra rief zufrieden:»Obie, wie wär’s mit einem Tisch und Stühlen und vielleicht etwas Gutem zu essen?«

Es kam keine Antwort. Alles, was sie hörten, war ein leises Surren über sich, als die kleine Parabolschüssel sich über die Plattform hinausschwang. Ein purpurnes Leuchten, dann fuhr der Parabolspiegel zurück.

Ein Bankettisch, überhäuft mit Speisen aller Art, war aufgetaucht, umgeben von gepolsterten Stühlen, einer davon offenbar Yua angepaßt, die auf ihren Schweif Rücksicht nehmen mußte. An einer Stelle gab es keinen Stuhl; Chugach pflegten auf ihren Schwänzen zu sitzen.

Zigeuner war als erster am Tisch; er war zu dem Schluß gekommen, man werde ihn nicht umbringen, und da er Hunger hatte, fand er sich mit der Situation einfach ab.

»Mensch, seht euch das an! Ein Festmahl für einen König!«sprudelte er hervor, dann sah er Mavra Tschang ein wenig ängstlich an. »Ist das alles echt?«

Sie lächelte und nickte.

»Hundertprozentig. Nicht einmal künstlich hergestellt. Nach der Kunstnahrung, die Sie Ihr ganzes Leben gewöhnt waren, wird Ihnen vielleicht nicht alles schmecken, aber versuchen Sie es.«