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Liege leer war, und hörte den Wasseraufbereiter im Waschraum arbeiten.

Der Traum schwand dahin. Jamie war enttäuscht, dass er zu früh aufgehört hatte, dass Al ihm nun nicht mehr das Dorf zeigen konnte, dass sie seine Geheimnisse nicht gemeinsam lüften konnten.

Dex kam aus dem Waschraum. Er wirkte fröhlich und frisch gewaschen. »Sag mal, weißt du eigentlich, dass in zwei Tagen Weihnachten ist?«

Jamie schwang die Füße mit einem Grunzen auf den Boden. »Richtig. Da hatte ich gar nicht mehr dran gedacht.«

»Du hast der Welt ein Wahnsinns-Weihnachtsgeschenk gemacht, Jamie-Boy.«

Er sah den jüngeren Mann an. »Nicht ich. Wir. Wir alle.

Du und der Rest des Teams in der Kuppel.«

Dex grinste ihn an. »Du, Kumpel. Du hast uns hierher gebracht. Wir wären nicht hier, wenn du nicht so darum gekämpft hättest.«

Jamie stand auf und wackelte auf dem kalten Plastikboden mit den bloßen Zehen. »Na, jetzt sind wir ja hier. Gehen wir an die Arbeit.«

»Gut.«

Sie schnappten sich ein paar Snack-Riegel und tranken etwas Saft anstelle eines richtigen Frühstücks, weil sie es kaum erwarten konnten, aus dem Rover heraus und zum Dorf hinunter zu kommen. Während Dex in seinen Raumanzug stieg, sah Jamie nach den im Lauf der Nacht eingegangen Nachrichten. Die Liste, so schien es ihm, lief eine halbe Stunde lang über den Bildschirm.

»Alle Welt hat uns was zu sagen«, rief er Dex zu.

Trumball kam in den Stiefeln und dem Unterteil seines Raumanzugs zum Cockpit gestampft.

»Irgendwas von meinem lieben Dad?«, fragte er.

Jamie durchsuchte die Liste in beiden Richtungen und schüttelte dann den Kopf. Connors – oder wer immer an der Kommunikationskonsole Dienst tat – hatte die Botschaften, die er für wichtig hielt, mit Sternchen gekennzeichnet. Jedes Nachrichten-Network hatte einen Stern.

Zwei Botschaften hatten Doppelsterne; Jamie öffnete sie.

Eine war eine blumige Gratulation von Walter Laurence vom IUK; Jamie hegte den Verdacht, dass sie in Wahrheit eher an die Medien gerichtet war als an ihn. Die andere stammte vom Leiter der archäologischen Abteilung des IUK, einem pergamentgesichtigen, glatzköpfigen Mann mittleren Alters mit stechenden grünen Augen.

»Fassen Sie ja nichts an!«, warnte er viermal hintereinander. »Was immer sich in diesen Bauwerken oder in ihrer Umgebung befindet, fassen Sie nichts an! Ich möchte, dass das absolut klar ist. Fassen Sie nichts an! Bringen Sie nichts durcheinander!«

Trumball lachte. »Ich glaube, er will nicht, dass wir was anfassen.«

Jamie grinste zurück. »Sieht so aus, wie?«

»Warum schickst du ihm nicht eine Antwort und fragst ihn, ob er was dagegen hat, wenn wir uns wenigstens ein paar Souvenirs mitnehmen?«

»Damit er vielleicht einen Schlaganfall kriegt? Nein danke.«

Lachend ging Trumball zum hinteren Ende des Moduls, um sich fertig anzuziehen. Jamie ließ die Nachrichtenliste ein weiteres Mal durchlaufen; nichts von Dex' Vater, aber zwei persönliche Nachrichten für ihn selbst, von Li Chengdu und Pater DiNardo.

Die werden warten müssen, dachte Jamie. Wir haben zu tun, auch wenn wir nichts anfassen sollen.

Der lange Abstieg mit dem Seil war wie eine Wallfahrt, dachte Jamie. Man hatte Zeit, seinen Geist von allem anderen zu reinigen und sich auf das Erlebnis vorzubereiten.

Dex hatte darauf bestanden, eine der Video-Minicams an einem separaten Seil hinunterzulassen, zusammen mit Jamie. Er hatte einen handtellergroßen Transceiver daran angeschlossen, der das Bildmaterial automatisch in die Kuppel übertragen würde. Sie wollten die beiden Geräte auf ein Stativ montieren und dieses am Rand der Spalte aufstellen, sodass sie ein kontinuierliches Bild des Dorfes bekamen und überdies ein Relais hatten, das ihren Anzugfunk auch dann empfing, wenn sie sich in dem Gebäude befanden.

Jamie erreichte den oberen Rand der Spalte und bremste seinen Abstieg dann manuell. Die Morgensonne flutete in die Nische in der Felswand und ließ das Bauwerk in einem warmen Licht erstrahlen.

Es ist noch da, dachte Jamie dankbar. Es war kein Traum.

Es existiert wirklich.

Er glaubte zu hören, wie sein Großvater leise über ihn lachte. Natürlich existiert es wirklich, sagte Al. Es hat immer existiert.

Er schwang sich in die Spalte und stellte die Stiefel fest auf den Felsboden. Dann nahm er das Geschirr ab und schickte es wieder zu Dex hinauf, der ungeduldig am Rand des Canyons wartete.

Jamie ging langsam zur nächsten Öffnung in der Mauer hinüber und merkte, dass er Stiefelspuren auf dem Boden hinterließ. Staub. Er sammelt sich hier, von den Stürmen.

Ich möchte wissen, ob es sich lohnt, darin zu graben, um zu sehen, was darunter versteckt ist.

Nichts anfassen, hatte der griesgrämige alte Archäologe gesagt. Wie können wir hier sein, ohne etwas anzufassen?

Der Eingang war so breit wie ein normaler Eingang für Menschen, aber nur halb so hoch. Sie waren nicht sehr groß, dachte Jamie. Oder vielleicht war dies ein Zugang für Haustiere oder Vieh.

Er streckte die Hand aus und berührte die Wand. Hart und glatt. Nicht wie Adobe. Irgendein Stein. Schiefer vielleicht?

»Ich komme runter«, rief Dex' Stimme.

»Okay«, sagte Jamie geistesabwesend. Er wollte durch diesen Eingang kriechen und nachsehen, was in dem Gebäude war. Aber er hatte Dex versprochen zu warten, damit sie gemeinsam hineingehen konnten.

Er schaute an der Wand entlang, ins Halbdunkel weiter im Innern der Felsspalte. Zwei weitere Eingänge, beide genauso groß wie dieser.

Auf eine Ahnung hin drehte er sich um und trat an den Rand der Spalte. Er ging daran entlang, während er zuhörte, wie Dex sich grunzend und keuchend abseilte.

Da! Ich wusste, dass es hier irgendwo sein würde. Stufen, in die Felswand gehauen. Etwas ganz Einfaches, nur kleine Kerben im Stein, tief genug, um sich mit einer Hand festzuhalten oder einen Fuß hineinzustecken. Jamie ging langsam auf Hände und Knie und spähte über den Rand. Die Felswand fiel Schwindel erregend bis zum Grund des Canyons ab, Kilometer weiter unten.

Er sah eine unregelmäßige, mäandernde Linie in die Felswand gehauener Stufen. Sie machten sich sämtliche Felsvorsprünge und jede mögliche Stelle zum Ausruhen zunutze.

Ist ein verdammt langer Weg hier herauf, vor allem, wenn sie irgendwas hochgeschleppt haben.

Sie hatten Hände und Füße, dachte er. Vielleicht nicht genau dieselben wie wir, aber sie hatten Hände und Füße, die diese Stufen benutzen konnten, um hier heraufzukommen.

Vielleicht haben sie am Boden des Canyons ihre Feldfrüchte angebaut.

Was hat sie veranlasst, ihr Dorf so hoch oben zu errichten?

Was hat sie dazu getrieben, es hier zu verstecken?

»Wo bist du?«, wollte Dex wissen.

Er sah Trumball in seinem Raumanzug im Geschirr hängen, eine unförmige Gestalt direkt unterhalb des Daches der Spalte. Seine Beine baumelten herab, die Hände waren fest ums Seil geklammert.

»Links von dir, am Rand«, sagte Jamie.

»Oh. Ich dachte schon, die Versuchung wäre vielleicht zu groß geworden.«

»Nein, ich habe auf dich gewartet.« Jamie schaute immer noch zu Dex hinüber, der in dem Geschirr leicht hin und her schwang.

»Was machst du da? Betest du?«

Jamie hievte sich auf die Beine und merkte, dass es so ausgesehen haben musste. In der Kirche war ich zum letzten Mal bei meiner Hochzeit, erinnerte er sich.

»Vielleicht baue ich hier einen Schrein«, sagte er.

»Keine schlechte Idee«, gab Dex zurück.

Jamie ging zu Dex hinüber und packte ihn, als er sich in die Spalte schwang. Sobald er die Füße auf den Boden der Spalte gesetzt hatte, half Jamie ihm aus dem Geschirr und band es an dem Dorn fest, den er am Vortag hier zurückgelassen hatte.

»Okay«, sagte Dex munter. »Schauen wir mal nach, was sie uns hier gelassen haben.«