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Dieses meint Annahme an Kindes Statt. Der Annehmende leiht dem Kind die rechtliche Stellung des in eine Familie hineingeborenen Kindes. § 1741 ff. BGB. Das Kind muss für die Adoption mindestens acht Wochen alt sein. Es ist in die Adoptivfamilie eingegliedert, erhält deren Familiennamen, ist unbeschränkt Unterhalts- und erbberechtigt. Alle bisherigen Verwandtschaftsverhältnisse erlöschen. Es darf kein eheliches Kind ohne vorherige Zustimmung der Eltern und Einwilligung der Mutter adoptiert werden. Die Einwilligung wird gegenüber dem Vormundschaftsgericht erklärt, sie bedarf der notariellen Beurkundung. Die Einwilligende muss des Kindes Lebensumstände nicht kennen. Sie geht davon aus, dass das Kind gut aufgehoben ist, die Adoptiveltern Zeit, Mühe, Liebe und Geld investieren. Die neuen Eltern dienen dem Wohl des Kindes. Ein Eltern-Kind-Verhältnis entsteht.

ICH DARF MIT DER ADOPTION kein Heimkind mehr sein und habe umgehend ein Stadtkind zu werden. So leb denn wohl, du stilles Haus, ich zieh betrübt von dir hinaus, zieh betrübt und traurig fort, noch unbestimmt, an welchen Ort, leb dann wohl, du schönes Haus, du zogst mich groß, du pflegtest mein, nimmermehr vergess ich dein, und lebt denn all ihr Freunde wohl, von denen ich jetzt scheiden soll, und finden draußen denn kein Glück, denk ich mit Macht an euch zurück. Vaderhus un Modersprak, lat mit nömn un lat mit ropen, Vaderhus, du hellig Sted, Modersprak, du frame Red, schönres klingt dar niks tohopen, beste twee vub alle Gaben, müss dar niks so schön, so schön mehr as Gold un Edelsteeln, liegt in disse Wör vergraben, Kinnerglück un Oellernfreuden, ach, wer köff se wull för Geld, weert ok för de ganze Welt, leet ik ni de leeven beiden, lat mit nömn un lat mit ropen, ward mi doch dat Hart so klan, ward mi gar de hellen Tran lisen ut de Ogen lopen.

Ein Stadtkind werden ist für ein Heimkind nicht so einfach, wie man sich denkt. Es gibt eine Menge Kinder, die keinerlei Beachtung finden, obwohl laufend kinderlose Elternpaare unterwegs sind und sich in Heimen interessieren. Ich sehe mich, nach vergeblichen Versuchen doch noch adoptiert. Ich wollte die Besitznahme meiner Person nicht, Heinz und Tegen, meine beiden Freunde, ersehnten sich die Adoption so sehr. Uns war der Abschied voneinander nicht gegönnt. Wir gingen einfach so in einen anderen Zustand über, sahen uns auf immer getrennt. Keine Zeit, uns zu verschwören, kein Raum nach all den Trennungen, uns je wiederzusehen. Die Adoptionsmutter schneidet sämtliche Heimbande durch und spricht sich gegen jedweden Kontakt zum Heim aus, der Erziehungserfolge wegen, die gefährdet seien, wenn ich mich auf dem Heimniveau bewege. Es wäre eine Zeit um für mich, es gäbe da kein Zurück und gewisse Regeln müssten eingehalten werden, man dürfe nichts riskieren, es möchte doch so flink wie nur möglich aus mir ein richtiger Mensch geformt werden. Aus und vorbei, ein für alle Mal. Der Großmutter tat ich leid, nur konnte sie an den Grundsätzen ihrer Tochter auch nichts ändern. Lindern heißt ihre Aufgabe an mir, und einen Gegengeist bei mir erhalten. Ich unterstehe den Adoptionseltern, sprich, ich bin einzig für die Adoptionsmutter und ihre hochfahrenden Pläne zur Umerziehung da. Mir ist jedweder Besuch der alten Heimstätte, selbst die Nähe zum Gebiet um das Heim, aus dem mich die Adoptionseltern geholt haben, strikt verboten. Das Verbot wird von der Adoptionsmutter drohend ausgesprochen. Sie müsse sichergehen, sagt sie, dass die Früchte ihrer Umerziehung gedeihen. Ich mag das Wort Umerziehung von Beginn an nicht, wie ich andere von der Adoptionsmutter gebrauchte Begriffe nicht ausstehen kann: Anstand. Regeln. Gutes Benehmen von А bis Z.

Aufhebung auf Klage der Jugendhilfe Hat der Annehmende die elterlichen Pflichten schuldhaft so schwer verletzt, dass die Entwicklung des Kindes dadurch gefährdet ist, kann das Gericht auf Klage des Organs der Jugendhilfe die Annahme an Kindes Statt aufheben. Hat ein Ehepaar gemeinschaftlich ein Kind angenommen, so kann im Interesse des Kindes die Annahme an Kindes Statt auch aufgehoben werden, wenn die Voraussetzungen des Abs. 1 nur bei einem Ehegatten vorliegen.

DIE WORTE FOLGSAM UND ANSTELLIG mag ich nicht, weil sie der Adoptionsmutter Synonyme sind für geschickt, gewandt, geübt, praktisch veranlagt und routiniert im Umgang mit dem Gelernten, brauchbar, einsichtsvoll, achtsam, arbeitsam, aufmerksam, beflissen, eifrig, emsig, fleißig, flink, flott, forsch, frisch, agil, anpassungsfähig, behände, einsichtig, gelehrig, lenkbar, lernbegierig, lernend. Obwohl ich noch keinen historischen Hintergrund der Begriffe abzuleiten befähigt bin, lasten die Worte schwer, und ich bin augenblicklich gegen die Verfechterin von Umerziehung eingestellt, die meine widerständlerische Haltung ihr gegenüber instinktiv spürt und umso heftiger gegen meinen Unmut vorgeht. Umerziehung war zu jener Zeit in China gängig, Mao und der Große Sprung nach vorn. Von der Umerziehung versprachen sich die Chinesen Wirtschaftswachstum. Umerziehung meinte Kollektivierung und Unterordnung in die Volkskommunen, Abschaffung alter Bräuche und Gewohnheiten, Hingabe an die Staatskultur, der Parteilinie. Abweichler werden rigoros verfolgt.

Ich habe mit der Adoption so viele neue Regeln zu beachten. Ich werde erzogen und korrigiert, und wo es sein muss, bekomme ich Zusatzaufgaben erteilt, die ich zu absolvieren habe; das Pensum, wie die Adoptionsmutter sagt, zum Anfang sicher viel, aber wenn ich die Regeln beherrschte, käme Freude auf und ich würde sehen, wie sie mich voranbrächten, wie angesehen ich mit der Zeit würde, wie man nur Gutes von mir reden würde und ich mich erfreuen sollte an dem Umstand, kein Heimkind mehr zu sein, sondern zu Manieren fähig, die meiner würdig sind. Alles was sie unternehme, wäre in meinem Sinne. Ich mime den Interessierten und verspreche, nie wieder ins Heim zu gehen, und umgehe das von der Adoptionsmutter ausgerufene Heimbesuchsverbot sofort, treffe mich mit den alten Freunden nach der Schule, verbringe mit ihnen die mir vergönnte knappe Zeit. Am gleichen Tage kommt es heraus, wie alles immer gleich herausgekommen ist, durch Plappermäuler und Lehrersleut, die im Lehrerzimmer Zuträger meines Adoptionsvaters sind und alles weitererzählen. Wo man uns als Heimkinder nie als Einzelwesen, sondern immer nur als Gruppe, Bande, Haufen betrachtet hat, bin ich als Adoptionskind nunmehr ortsbekannt, und alle meine Schritte werden wie die eines bunt gestreiften Straßenköters überwacht. Ihr Sohn hat dies und das getan; ich glaube, ich habe da Ihren Sohn bei denen und dem gesehen; wir wollen ja nichts damit sagen, nur denken wir, dass er es nicht soll, oder gehen wir da etwa fehl in der Annahme. Blicke überwachen mich. Ein Tuscheln ist um mich wie von Zeitungsseiten das Rascheln. Sie begutachten mich und sehen an meinem Gang, was ich vorhabe; und jeder im Ort weiß, dass mir von der Adoptionsmutter die Nähe zum Kinderheim untersagt worden ist. Nicht alle, aber fast jeder in unserer Straße wollte behilflich werden und nur mal so erwähnen. Jeder Tag ein Spießrutenlauf. Jede freundliche Person hinter meinem Rücken in eine Petze verwandelt und zu meinen Adoptionseltern unterwegs, die Botschaft zu hinterbringen. Da kommen wir gegangen mit Spießen und mit Stangen, gebt uns Holz und gebt uns Stroh, das soll brennen lichterloh.