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Öfters bei mir: es muß ja wohl recht sein, tuns doch so viele!

Freilich regt sich dann auch das Gewissen und zeigt mir von ferne

Gottes Zorn und Gericht und läßt mich das Ende bedenken.

Ungerecht Gut, so klein es auch sei, man muß es erstatten.

Und da fühl ich denn Reu im Herzen; doch währt es nicht lange.

Ja, was hilft dichs, der Beste zu sein, es bleiben die Besten

Doch nicht unberedet in diesen Zeiten vom Volke.

Denn es weiß die Menge genau nach allem zu forschen,

Niemand vergessen sie leicht, erfinden dieses und jenes;

Wenig Gutes ist in der Gemeine, und wirklich verdienen

Wenige drunter auch gute, gerechte Herren zu haben.

Denn sie singen und sagen vom Bösen immer und immer;

Auch das Gute wissen sie zwar von großen und kleinen

Herren, doch schweigt man davon, und selten kommt es zur Sprache.

Doch das Schlimmste find ich den Dünkel des irrigen Wahnes,

Der die Menschen ergreift: es könne jeder im Taumel

Seines heftigen Wollens die Welt beherrschen und richten.

Hielte doch jeder sein Weib und seine Kinder in Ordnung,

Wüßte sein trotzig Gesinde zu bändigen, könnte sich stille,

Wenn die Toren verschwenden, in mäßigem Leben erfreuen!

Aber wie sollte die Welt sich verbessern? Es läßt sich ein jeder

Alles zu und will mit Gewalt die andern bezwingen.

Und so sinken wir tiefer und immer tiefer ins Arge.

Afterreden, Lug und Verrat und Diebstahl und falscher

Eidschwur, Rauben und Morden, man hört nichts anders erzählen.

Falsche Propheten und Heuchler betrügen schändlich die Menschen.

Jeder lebt nur so hin! und will man sie treulich ermahnen,

Nehmen sies leicht und sagen auch wohclass="underline" Ei, wäre die Sünde

Groß und schwer, wie hier und dort uns manche Gelehrte

Predigen, würde der Pfaffe die Sünde selber vermeiden.

Sie entschuldigen sich mit bösem Exempel und gleichen

Gänzlich dem Affengeschlecht, das, nachzuahmen geboren,

Weil es nicht denket und wählt, empfindlichen Schaden erduldet.

Freilich sollten die geistlichen Herren sich besser betragen!

Manches könnten sie tun, wofern sie es heimlich vollbrächten:

Aber sie schonen uns nicht, uns andre Laien, und treiben

Alles, was ihnen beliebt, vor unsern Augen, als wären

Wir mit Blindheit geschlagen; allein wir sehen zu deutlich,

Ihre Gelübde gefallen den guten Herren so wenig,

Als sie dem sündigen Freunde der weltlichen Werke behagen.

Denn so haben über den Alpen die Pfaffen gewöhnlich

Eigens ein Liebchen; nicht weniger sind in diesen Provinzen,

Die sich sündlich vergehn. Man will mir sagen, sie haben

Kinder wie andre verehlichte Leute; und sie zu versorgen,

Sind sie eifrig bemüht und bringen sie hoch in die Höhe.

Diese denken hernach nicht weiter, woher sie gekommen,

Lassen niemand den Rang und gehen stolz und gerade,

Eben als wären sie edlen Geschlechts, und bleiben der Meinung,

Ihre Sache sei richtig. So pflegte man aber vor diesem

Pfaffenkinder so hoch nicht zu halten; nun heißen sie alle

Herren und Frauen. Das Geld ist freilich alles vermögend.

Selten findet man fürstliche Lande, worin nicht die Pfaffen

Zölle und Zinsen erhüben und Dörfer und Mühlen benutzten.

Diese verkehren die Welt, es lernt die Gemeine das Böse:

Denn man sieht, so hält es der Pfaffe, da sündiget jeder,

Und vom Guten leitet hinweg ein Blinder den andern.

Ja, wer merkte denn wohl die guten Werke der frommen

Priester, und wie sie die heilige Kirche mit gutem Exempel

Auferbauen? Wer lebt nun darnach? Man stärkt sich im Bösen.

So geschieht es im Volke, wie sollte die Welt sich verbessern?

Aber höret mich weiter. Ist einer unecht geboren,

Sei er ruhig darüber, was kann er weiter zur Sache?

Denn ich meine nur so, versteht mich. Wird sich ein solcher

Nur mit Demut betragen und nicht durch eitles Benehmen

Andre reizen, so fällt es nicht auf, und hätte man unrecht,

Über dergleichen Leute zu reden. Es macht die Geburt uns

Weder edel noch gut, noch kann sie zur Schande gereichen.

Aber Tugend und Laster, sie unterscheiden die Menschen.

Gute, gelehrte geistliche Männer, man hält sie, wie billig,

Hoch in Ehren, doch geben die bösen ein böses Exempel.

Predigt so einer das Beste, so sagen doch endlich die Laien:

Spricht er das Gute und tut er das Böse, was soll man erwählen?

Auch der Kirche tut er nichts Gutes, er prediget jedem:

Leget nur aus und bauet die Kirche; das rat ich, ihr Lieben,

Wollt ihr Gnade verdienen und Ablaß! so schließt er die Rede,

Und er legt wohl wenig dazu, ja gar nichts, und fiele

Seinetwegen die Kirche zusammen. So hält er denn weiter

Für die beste Weise zu leben, sich köstlich zu kleiden,

Lecker zu essen. Und hat sich so einer um weltliche Sachen

Übermäßig bekümmert, wie will er beten und singen?

Gute Priester sind täglich und stündlich im Dienste des Herren

Fleißig begriffen und üben das Gute; der heiligen Kirche

Sind sie nütze, sie wissen die Laien durch gutes Exempel

Auf dem Wege des Heils zur rechten Pforte zu leiten.

Aber ich kenne denn auch die Bekappten; sie plärren und plappern

Immer zum Scheine so fort und suchen immer die Reichen,

Wissen den Leuten zu schmeicheln und gehn am liebsten zu Gaste.

Bittet man einen, so kommt auch der zweite; da finden sich weiter

Noch zu diesen zwei oder drei. Und wer in dem Kloster

Gut zu schwatzen versteht, der wird im Orden erhoben,

Wird zum Lesemeister, zum Kustos oder zum Prior.

Andere stehen beiseite. Die Schüsseln werden gar ungleich

Aufgetragen. Denn einige müssen des Nachts in dem Chore

Singen, lesen, die Gräber umgehn; die anderen haben

Guten Vorteil und Ruh und essen die köstlichen Bissen.

Und die Legaten des Papstes, die Äbte, Pröpste, Prälaten,

Die Beguinen und Nonnen, da wäre vieles zu sagen!

Überall heißt es: Gebt mir das Eure und laßt mir das Meine.

Wenige finden sich wahrlich, nicht sieben, welche der Vorschrift

Ihres Ordens gemäß ein heiliges Leben beweisen.

Und so ist der geistliche Stand gar schwach und gebrechlich.

Oheim! sagte der Dachs: ich find es besonders, Ihr beichtet

Fremde Sünden. Was will es Euch helfen? Mich dünket, es wären

Eurer eignen genug. Und sagt mir, Oheim, was habt Ihr

Um die Geistlichkeit Euch zu bekümmern, und dieses und jenes?

Seine Bürde mag jeglicher tragen, und jeglicher gebe

Red und Antwort, wie er in seinem Stande die Pflichten

Zu erfüllen strebt; dem soll sich niemand entziehen,

Weder Alte noch Junge, hier außen oder im Kloster.

Doch Ihr redet zu viel von allerlei Dingen und könntet

Mich zuletzt zum Irrtum verleiten. Ihr kennet vortrefflich,

Wie die Welt nun besteht und alle Dinge sich fügen;

Niemand schickte sich besser zum Pfaffen. Ich käme mit andern

Schafen, zu beichten bei Euch und Eurer Lehre zu horchen,

Eure Weisheit zu lernen; denn freilich muß ich gestehen:

Stumpf und grob sind die meisten von uns und hättens vonnöten.

Also hatten sie sich dem Hofe des Königs genähert.

Reineke sagte: So ist es gewagt! und nahm sich zusammen.

Und sie begegneten Martin, dem Affen, der hatte sich eben

Aufgemacht und wollte nach Rom; er grüßte die beiden.

Lieber Oheim, fasset ein Herz! so sprach er zum Fuchse,

Fragt' ihn dieses und jenes, obschon ihm die Sache bekannt war.

Ach, wie ist mir das Glück in diesen Tagen entgegen!

Sagte Reineke drauf da haben mich etliche Diebe

Wieder beschuldigt, wer sie auch sind, besonders die Krähe

Mit dem Kaninchen; sein Weib verlor das eine, dem andern

Fehlt ein Ohr. Was kümmert mich das? Und könnt ich nur selber

Mit dem Könige reden, sie beide solltens empfinden.

Aber mich hindert am meisten, daß ich im Banne des Papstes

Leider noch bin. Nun hat in der Sache der Dompropst die Vollmacht,

Der beim Könige gilt. Und in dem Banne befind ich

Mich um Isegrims willen, der einst ein Klausner geworden,

Aber dem Kloster entlief, von Elkmar, wo er gewohnet.

Und er schwur, so könnt er nicht leben, man halt ihn zu strenge,

Lange könn er nicht fasten und könne nicht immer so lesen.

Damals half ich ihm fort. Es reut mich; denn er verleumdet

Mich beim Könige nun und sucht mir immer zu schaden.

Soll ich nach Rom? Wie werden indes zu Hause die Meinen

In Verlegenheit sein! Denn Isegrim kann es nicht lassen,

Wo er sie findet, beschädigt er sie. Auch sind noch so viele,

Die mir Übels gedenken und sich an die Meinigen halten.

Wär ich aus dem Banne gelöst, so hätt ich es besser,

Könnte gemächlich mein Glück bei Hofe wieder versuchen.

Martin versetzte: Da kann ich Euch helfen, es trifft sich! Soeben