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Geh ich nach Rom und nütz Euch daselbst mit künstlichen Stücken.

Unterdrücken laß ich Euch nicht! Als Schreiber des Bischofs,

Dünkt mich, versteh ich das Werk. Ich schaffe, daß man den Dompropst

Grade nach Rom zitiert, da will ich gegen ihn fechten.

Seht nur, Oheim, ich treibe die Sache und weiß sie zu leiten;

Exequieren laß ich das Urteil, Ihr werdet mir sicher

Absolviert, ich bring es Euch mit; es sollen die Feinde

Übel sich freun und ihr Geld zusamt der Mühe verlieren:

Denn ich kenne den Gang der Dinge zu Rom und verstehe,

Was zu tun und zu lassen. Da ist Herr Simon, mein Oheim,

Angesehn und mächtig; er hilft den guten Bezahlern.

Schalkefund, das ist ein Herr! und Doktor Greifzu und andre,

Wendemantel und Losefund hab ich alle zu Freunden.

Meine Gelder schickt ich voraus; denn, seht nur, so wird man

Dort am besten bekannt. Sie reden wohl von Zitieren:

Aber das Geld begehren sie nur. Und wäre die Sache

Noch so krumm, ich mache sie grad mit guter Bezahlung.

Bringst du Geld, so findest du Gnade; sobald es dir mangelt,

Schließen die Türen sich zu. Ihr bleibet ruhig im Lande;

Eurer Sache nehm ich mich an, ich löse den Knoten.

Geht nur nach Hofe, Ihr werdet daselbst Frau Rückenau finden,

Meine Gattin; es liebt sie der König, unser Gebieter,

Und die Königin auch, sie ist behenden Verstandes.

Sprecht sie an, sie ist klug, verwendet sich gerne für Freunde.

Viele Verwandte findet Ihr da. Es hilft nicht immer,

Recht zu haben. Ihr findet bei ihr zwei Schwestern, und meiner

Kinder sind drei, daneben noch manche von Eurem Geschlechte,

Euch zu dienen bereit, wie Ihr es immer begehret.

Und versagte man Euch das Recht, so sollt Ihr erfahren,

Was ich vermag. Und wenn man Euch druckt, berichtet mirs eilig!

Und ich lasse das Land in Bann tun, den König und alle

Weiber und Männer und Kinder. Ein Interdikt will ich senden,

Singen soll man nicht mehr, noch Messe lesen, noch taufen,

Noch begraben, was es auch sei. Des tröstet Euch, Neffe!

Denn der Papst ist alt und krank und nimmt sich der Dinge

Weiter nicht an, man achtet ihn wenig. Auch hat nun am Hofe

Kardinal Ohnegenüge die ganze Gewalt, der ein junger

Rüstiger Mann ist, ein feuriger Mann von schnellem Entschlusse.

Dieser liebt ein Weib, das ich kenne; sie soll ihm ein Schreiben

Bringen, und was sie begehrt, das weiß sie trefflich zu machen.

Und sein Schreiber Johannes Partey, der kennt aufs genauste

Alte und neue Münze; dann Horchegenau, sein Geselle,

Ist ein Hofmann; Schleifenundwenden ist Notarius.

Bakkalaureus beider Rechte, und bleibt er nur etwa

Noch ein Jahr, so ist er vollkommen in praktischen Schriften.

Dann sind noch zwei Richter daselbst, die heißen Moneta

Und Donarius; sprechen sie ab, so bleibt es gesprochen.

So verübt man in Rom gar manche Listen und Tücken,

Die der Papst nicht erfährt. Man muß sich Freunde verschaffen!

Denn durch sie vergibt man die Sünden und löset die Völker

Aus dem Banne. Verlaßt Euch darauf, mein wertester Oheim!

Denn es weiß der König schon lang, ich laß Euch nicht fallen;

Eure Sache führ ich hinaus und bin es vermögend.

Ferner mag er bedenken, es sind gar viele den Affen

Und den Füchsen verwandt, die ihn am besten beraten,

Und das hilft Euch gewiß, es gehe, wie es auch wolle.

Reineke sprach: Das tröstet mich sehr; ich denk es Euch wieder,

Komm ich diesmal nur los. Und einer empfahl sich dem andern.

Ohne Geleit ging Reineke nun mit Grimbart, dem Dachse,

Nach dem Hofe des Königs, wo man ihm übel gesinnt war.

Neunter Gesang

Reineke war nach Hofe gelangt, er dachte die Klagen

Abzuwenden, die ihn bedrohten. Doch als er die vielen

Feinde beisammen erblickte, wie alle standen und alle

Sich zu rächen begehrten und ihn am Leben zu strafen,

Fiel ihm der Mut; er zweifelte nun, doch ging er mit Kühnheit

Grade durch alle Baronen, und Grimbart ging ihm zur Seite.

Sie gelangten zum Throne des Königs, da lispelte Grimbart:

Seid nicht furchtsam Reineke, diesmal; gedenket: dem Blöden

Wird das Glück nicht zuteil, der Kühne sucht die Gefahr auf

Und erfreut sich mit ihr; sie hilft ihm wieder entkommen.

Reineke sprach: Ihr sagt mir die Wahrheit, ich danke zum schönsten

Für den herrlichen Trost, und komm ich wieder in Freiheit,

Werd ichs gedenken. Er sah nun umher, und viele Verwandte

Fanden sich unter der Schar, doch wenige Gönner, den meisten

Pflegt' er übel zu dienen; ja, unter den Ottern und Bibern,

Unter Großen und Kleinen trieb er sein schelmisches Wesen.

Doch entdeckt' er noch Freunde genug im Saale des Königs.

Reineke kniete vorm Throne zur Erden und sagte bedächtig:

Gott, dem alles bekannt ist und der in Ewigkeit mächtig

Bleibt, bewähr Euch, mein Herr und König, bewahre nicht minder

Meine Frau, die Königin, immer, und beiden zusammen

Geb er Weisheit und gute Gedanken, damit sie besonnen

Recht und Unrecht erkennen; denn viele Falschheit ist jetzo

Unter den Menschen im Gange. Da scheinen viele von außen,

Was sie nicht sind. O hätte doch jeder am Vorhaupt geschrieben,

Wie er gedenkt, und säh es der König! da würde sich zeigen,

Daß ich nicht lüge und daß ich Euch immer zu dienen bereit bin.

Zwar verklagen die Bösen mich heftig; sie möchten mir gerne

Schaden und Eurer Huld mich berauben, als wär ich derselben

Unwert. Aber ich kenne die strenge Gerechtigkeitsliebe

Meines Königs und Herrn, denn ihn verleitete keiner

Je, die Wege des Rechtes zu schmälern; so wird es auch bleiben.

Alles kam und drängte sich nun, ein jeglicher mußte

Reinekens Kühnheit bewundern, es wünscht' ihn jeder zu hören;

Seine Verbrechen waren bekannt, wie wollt er entrinnen?

Reineke, Bösewicht! sagte der König: für diesmal erretten

Deine losen Worte dich nicht, sie helfen nicht länger

Lügen und Trug zu verkleiden, nun bist du ans Ende gekommen.

Denn du hast die Treue zu mir, ich glaube, bewiesen

Am Kaninchen und an der Krähe! Das wäre genugsam.

Aber du übest Verrat an allen Orten und Enden;

Deine Streiche sind falsch und behende, doch werden sie nicht mehr

Lange dauern, denn voll ist das Maß, ich schelte nicht länger.

Reineke dachte: Wie wird es mir gehn? O hätt ich nur wieder

Meine Behausung erreicht! Wo will ich Mittel ersinnen?

Wie es auch geht, ich muß nun hindurch, versuchen wir alles.

Mächtiger König, edelster Fürst! so ließ er sich hören:

Meint Ihr, ich habe den Tod verdient, so habt Ihr die Sache

Nicht von der rechten Seite betrachtet; drum bitt ich, Ihr wollet

Erst mich hören. Ich habe ja sonst Euch nützlich geraten,

In der Not bin ich bei Euch geblieben, wenn etliche wichen,

Die sich zwischen uns beide nun stellen zu meinem Verderben

Und die Gelegenheit nützen, wenn ich entfernt bin. Ihr möget,

Edler König, hab ich gesprochen, die Sache dann schlichten;

Werd ich schuldig befunden, so muß ich es freilich ertragen.

Wenig habt Ihr meiner gedacht, indes ich im Lande

Vieler Orten und Enden die sorglichste Wache gehalten.

Meint Ihr, ich wäre nach Hofe gekommen, wofern ich mich schuldig

Wußte groß- oder kleiner Vergehn? Ich würde bedächtig

Eure Gegenwart fliehn und meine Feinde vermeiden.

Nein, mich hätten gewiß aus meiner Feste nicht sollen

Alle Schätze der Welt hierher verleiten; da war ich

Frei auf eigenem Grund und Boden. Nun bin ich mir aber

Keines Übels bewußt, und also bin ich gekommen.

Eben stand ich, Wache zu halten; da brachte mein Oheim

Mir die Zeitung, ich solle nach Hof. Ich hatte von neuem,

Wie ich dem Bann mich entzöge, gedacht, darüber mit Martin

Vieles gesprochen, und er gelobte mir heilig, er wolle

Mich von dieser Bürde befrein. Ich werde nach Rom gehn,

Sagt' er, und nehme die Sache von nun an völlig auf meine

Schultern, geht nur nach Hofe, des Bannes werdet Ihr ledig.

Sehet, so hat mir Martin geraten, er muß es verstehen:

Denn der vortreffliche Bischof, Herr Ohnegrund, braucht ihn beständig;

Schon fünf Jahre dient er demselben in rechtlichen Sachen.

Und so kam ich hieher und finde Klagen auf Klagen.

Das Kaninchen, der Äugler, verleumdet mich; aber es steht nun

Reineke hier: so tret er hervor mir unter die Augen!

Denn es ist freilich was leichtes, sich über Entfernte beklagen

Aber man soll den Gegenteil hören, bevor man ihn richtet.

Diese falschen Gesellen, bei meiner Treue! sie haben

Gutes genossen von mir, die Krähe mit dem Kaninchen:

Denn vorgestern am Morgen in aller Frühe begegnet'