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Dann der dritte Sarg - der Zeitung zufolge eine normaler. Eins war klar: Angus, Crawfs Vater, war praktisch unerwartet aufgetaucht, da er sich erst am Tag zuvor angekündigt hatte. Wenn also die Familie ihn nicht erwartet hatte, dann die Entführer ebensowenig. Und doch nahmen sie ihn mit. Also drei Gefangene anstatt zwei.

Frage: Hatten die Entführer bereits zwei Särge? Brauchten sie wegen des alten Mannes einen dritten? Wurde für ihn der dritte Sarg bei Godoys Bestattungsinstitut gekauft, gleich am ersten Tag nach der Entführung? Oder war die ganze Sache nur ein unglaublicher Zufall? Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Partridge sah die anderen an, die ihn aufmerksam betrachteten.

»Wirft ein paar Fragen auf, was?« fragte Cooper.

»Glaubst du...«

»Was ich glaube, ist, daß wir jetzt möglicherweise wissen, wie Mrs. Sloane und die anderen aus dem Land geschafft wurden.«

»In Särgen? Glaubst du, daß sie da bereits tot waren?«

Cooper schüttelte den Kopf. »Betäubt. Das wäre nicht das erste Mal, daß so was passiert.«

Coopers These bestätigte nur, was Partridge selbst schon gedacht hatte.

»Und wie geht's jetzt weiter, Mr. Partridge?« Die Frage kam von Mony.

»Wir werden uns so schnell wie möglich diesen Leichenbestatter vornehmen...« Partridge warf eine flüchtigen Blick auf die Übersetzung, auf der sich Mony auch die Adresse des Bestattungsinstituts notiert hatte. »Ja, Godoy. Um den werde mich selber kümmern.«

»Ich würde gern mitkommen.«

»Ich glaube, er hat es verdient, Harry«, meinte Cooper.

»Ich auch.« Er lächelte Mony zu. »Gute Arbeit, Jonathan.«

Der junge Rechercheur strahlte.

Sie würden sich, zusammen mit einem Kameramann, sofort auf den Weg machen, beschloß Partridge. »Teddy, ich glaube, Minh Van Canh ist im Konferenzraum. Sag ihm, er soll sein Zeug zusammenpacken und kommen.«

Während Cooper hinauseilte, griff Partridge zum Telefon und bestellte einen Wagen.

Auf dem Weg nach draußen stießen Partridge und Mony im Redaktionssaal auf Don Kettering, den Wirtschaftskorrespondenten. Kettering war es gewesen, der gleich nach Bekanntwerden der Entführung die Sondermeldung verlesen hatte.

Jetzt fragte er: »Gibt's was Neues, Harry?« In seinem makellosen, braunen Maßanzug und mit dem dünnen, ordentlich gestutzten Schnurrbart sah Kettering auch heute wieder wie ein erfolgreicher Geschäftsmann aus.

Partridge wollte ihm schon eine ausweichende Antwort geben und weitereilen, doch dann zögerte er. Er respektierte Kettering nicht nur als Spezialisten, sondern auch als erstklassigen Reporter. Möglicherweise war Kettering in der Sache, die nun auf sie zukam, sogar kompetenter als er selbst.

»Es gibt wirklich was Neues, Don. Was tust du im Augenblick?«

»Nicht viel. Wall Street ist heute sehr ruhig. Braucht ihr Hilfe?«

»Schon möglich. Komm mit uns. Ich erkläre es dir unterwegs.«

»Ich will nur das Hufeisen informieren.« Kettering griff zum nächsten Telefon. »Ich komme gleich nach.«

Kaum eine Minute nachdem Partridge, Mony und Minh Van Canh auf die Straße getreten waren, fuhr ein Jeep Wagoneer des Senders vor. Der Kameramann kletterte mit seiner Ausrüstung auf den Rücksitz, Mony half ihm dabei. Partridge setzte sich neben den Fahrer. Als er die Beifahrertür zuschlug, erschien auch Don Kettering und zwängte sich noch auf den Rücksitz.

»Wir fahren nach Queens«, sagte Partridge zum Fahrer. Er hatte die Zeitung und Monys Übersetzung dabei und las die Adresse von Godoys Bestattungsinstitut laut vor.

Der Fahrer wendete und fuhr Richtung Osten auf die Queensboro Bridge zu.

»Don«, sagte Partridge und drehte sich um. »Folgendes...«

Zwanzig Minuten später standen Harry Partridge, Don Kettering und Jonathan Mony einem fetten, glatzköpfigen Alberto Godoy in dessen engem, verrauchtem Büro gegenüber. Das Trio war einfach eingedrungen, ohne auf die Fragen der Empfangsdame zu reagieren.

Partridge hatte Minh Van Canh aufgetragen, im Jeep Wagoneer zu warten. Falls man Filmmaterial brauchte, wollte man ihn hereinrufen. In der Zwischenzeit filmte Van Canh heimlich aus dem Jeep heraus das Gebäude.

Der Leichenbestatter sah seine Besucher mit der gewohnten Zigarette zwischen den Lippen mißtrauisch an. Sie dagegen hatten bereits die Schäbigkeit des Instituts, Godoys aufgeschwemmte Gesichtszüge, die auf übermäßigen Alkoholgenuß hindeuteten, und die Speiseflecken auf seinem schwarzen Frack und den grau gestreiften Hosen registriert. Das war kein erstklassiges Institut und vermutlich auch kein sonderlich seriöses.

»Mr. Godoy«, sagte Partridge, »wie ich Ihrer Dame am Empfang bereits gesagt habe, sind wir von CBA.«

Godoy machte plötzlich ein erstauntes Gesicht. »Habe ich Sie nicht schon im Fernsehen gesehen? Aus dem Weißen Haus?«

»Das ist John Cochran; man verwechselt uns manchmal. Er arbeitet für NBC. Mein Name ist Harry Partridge.«

Godoy schlug sich auf die Schenkel. »Sie haben diese ganze Entführungsgeschichte gemacht.«

»Ja, das stimmt, und in gewisser Weise sind wir genau deswegen hier. Dürfen wir uns setzen?«

Godoy deutete auf einige Stühle. Partridge und die anderen setzten sich ihm gegenüber.

Partridge zog die Semana aus der Tasche und fragte: »Darf ich Sie fragen, ob Sie das kennen?«

Godoys Miene verdüsterte sich. »Dieser gottverdammte Hurensohn von einem Schnüffler! Er hat nicht das Recht, etwas zu drucken, das er nur zufällig mitgehört hat, etwas, das ich ihm nicht persönlich erzählt habe.«

»Dann kennen Sie also das Blatt und wissen, was drin steht.«

»Klar doch. Und?«

»Wir würden uns freuen, wenn Sie uns einige Fragen beantworten könnten, Mr. Godoy. Zuerst, wie hieß der Mann, der diese Särge kaufte? Wie sah er aus? Können Sie ihn beschreiben?«

Der Leichenbestatter schüttelte den Kopf. »Das ist meine Privatangelegenheit.«

»Aber es ist sehr wichtig.« Partridge bemühte sich bewußt um einen höflichen Ton. »Es ist sogar möglich, daß eine Verbindung besteht zu etwas, das Sie eben erwähnt haben - zur Entführung der Sloanes.«

»Kann ich mir nicht vorstellen.« Dann fügte Godoy dickköpfig hinzu: »Wie gesagt, das ist meine Privatangelegenheit, das geht Sie nichts an. Außerdem, wenn es Ihnen nichts ausmacht, ich habe zu arbeiten.«

Nun sprach Don Kettering zum ersten Maclass="underline" »Wieviel haben Sie für diese Särge verlangt, Godoy? Wollen Sie uns das nicht sagen?«

Der Leichenbestatter wurde rot. »Wie oft muß ich das euch Leuten denn noch sagen. Ich kümmere mich um meine Angelegenheiten. Kümmert ihr euch um eure.«

»Das tun wir durchaus«, erwiderte Kettering. »Und es wird uns ein besonderes Anliegen sein, von hier direkt zum New Yorker Finanzamt zu fahren. Obwohl es hier in diesem Artikel heißt« - er klopfte auf die Semana - »daß Sie für alle drei Särge bar bezahlt wurden, bin ich sicher, daß Sie die Verkaufssteuer verlangt, angegeben und abgeführt haben, und das wird ja, zusammen mit dem Namen des Käufers, bei der Behörde vermerkt sein.« Kettering wandte sich an Partridge. »Harry, warum lassen wir diesen wenig hilfsbereiten Menschen nicht in Ruhe und wenden uns direkt an das Finanzamt?«

Godoy war blaß geworden und stotterte los: »Heh, Moment mal. Einen Augenblick.«

Kettering drehte sich um und sah Godoy unschuldig an: »Ja?« »Vielleicht kann ich... «

»Vielleicht haben Sie die Verkaufssteuer doch nicht abgeführt und auch nicht angegeben, obwohl ich wetten würde, daß Sie sie verlangt haben.« Ketterings Stimme klang plötzlich barsch, die frühere Freundlichkeit war verschwunden, und er beugte sich über den Tisch des Leichenbestatters. Partridge, der den Wirtschaftskorrespondenten so noch nie gesehen hatte, war froh, ihn mitgenommen zu haben.